ein telefongespräch
"das ist unglaublich, wie stark du bist. mich würde das total fertig machen, wenn meine familie mich überhaupt nicht unerstützen würde ..."
und dieser satz traf direkt ins schwarze. aber es war einer dieser wunden punkte in mir, den ich mit aller kraft kaschiere: ich brauche meine familie nicht, ich bin alleine stark, ich habe mit der zeit gelernt, alleine zurecht zu kommen und mich nicht von meinen eigenen zielen abbringen zu lassen. ich bin selbstständig. ich bin (soweit es in meinem alter geht) unabhängig - auch emotional. so zumindest meine devise. und so habe ich auch geantwortet "das ist jetzt nicht mehr das wichtigste". aber innerlich hat doch alles in mir gekocht.
Meingott, mir wurde erst richtig bewusst, wie allein ich bin! mir war die ganze zeit klar, dass vor allem meine mutter mir noch mehr probleme mit meinem auslandsjahr bescheren wird, so ist es ihr ja nur wichtig, dass ich vorher mein zimmer räume, damit es nicht ein jahr unbenutzt leer steht: platzverschwendung wird das genannt. ja, ich werde wörtlich mit meinem antritt zu meinem auslandsjahr aus diesem haus geschmissen, verbannt würde ich sagen. aber ich trug es mit fassung, ich war mir dessen bewusst, auch wenngleich ich noch keinen plan hatte, wo ich verdammt nochmal meine möbel lassen sollte. einen raum extra dafür anmieten - zu teuer und unpraktisch in vielerlei hinsicht. mein vater hat auch keinen platz in seiner wohnung. freunde will ich damit auch nicht belasten.
nunja, ich stellt mich darauf ein, dass die monate vor der ausreise schwierig werden würden, dass ich mich durchbeißen werde. aber ich fühlte mich stark genug dafür. aber jetzt? ich schaue um mich und sehe nichts als leere. es ist niemand da. NIEMAND. ich übertreibe nicht. ich bin allein. werde ich stark genug sein? gegen den widerstand meiner familie anzukämpfen, mich dabei selbst nicht betrügen, meine freunde zu behalten und zugleich mein ziel nicht aus den augen zu lassen?
mit diesem satz wurden mir die augen geöffnet. es gibt keinen, der mich wirklich unterstützt. klar sind da meine freunde, sie finden es mutig und toll von mir. aber sie haben ihr eigenes leben, arbeiten in letzter zeit viel, und auch unser verhältnis hat sich verändert. ich rede nicht über meine familiären probleme. einmal, als es so schlimm war, da brach alles aus mir heraus. aber in einem denkbar ungünstigen moment, in der fünfminuten pause alleine. und ich war den tränen nahe und fühlte mich nachher nur noch mehr belastet, weil ich damit alleine klar kommen wollte. und nachher sprachen wir auch nicht mehr darüber. es wurde einfach nciht mehr angesprochen, obwohl es zuhause immer schlimmer wurde.
es kommt eine panik in mir auf. sie ist nun da, obwohl der grund für sie schon seit monaten vorliegt. aber jetzt habe ich angst. ich bin verunsichert. ich weine. ich schreie innerlich und weiß weder ein noch aus.
ich bräuchte jetzt jemanden an meiner seite, der mir sagt, dass er mir helfen wird. dass er an meiner seite gehen wird. dass er sich bei mir melden wird, nur um zu fragen "wie gehts dir? bist du glücklich?" der meine hand nimmt und mir halt gibt. richtigen halt. von meiner familie wird soetwas nicht kommen. sie fragen nicht, warum ich gehen will. sie fragen nicht, wohin ich überhaupt gehen will. alles was zählt ist das beschissene kackGELD.
ich bin hier nicht mehr gewollt. der alltag bringt mich um. ich verkrieche mich mehr und mehr. ich will hier weg, und doch muss ich kleinlaut und beschämend zugeben: ich will weg mit der option, wieder zu kommen. aber das gibt es nicht. ALLES ODER NICHTS. und ich wähle das alles.
"ich denke, das ist jetzt eine völlig neue situation für sie. zum ersten mal äußert jemand in ihrer >familie< den wunsch nach etwas größeren. weg zu gehen. dein bruder war ja immer sehr anschmiegsam, so wie ich das verstehe. und vielleicht denkt sie jetzt an ihre jugend, wo sie so etwas nicht gehabt hat. sie kann deine wünsche und sehnsüchte nicht verstehen ..."
ganz einfach. sie kenn mich nicht. und sie will mich auch nicht kennen. und mein ego schreit deutlich scheiß auf sie.
und ich falle in die leere. da ist niemand, der mich auffangen könnte.
bloggen - kreatives Schreiben
>> Schreibprozesse haben häufig eine therapeutische Dimension: Eigene Erlebnisse und Erfahrungen, Ängste und Wünsche werden nach Sigmund Freud schreibend aufgegriffen und gestaltet. Regelmäßige Schreiberfahrung kann dazu führen, Entdeckungen über unbewusste Neigungen und Wünsche zu machen, weil der Schreibprozess immer wieder zu ähnlichen Themen, Stichworten und weiterführenden Gedanken führt. <<
Bei mir stimmt es wirklcih. wie häufig mir in diesen Jahren aufgefallen ist, wie sich bestimmte Begriffe in vielen Einträgen wiederholten. vor allem, wenn ich mal wieder auf einer philosophischen Pfadsuche bin (der Sinn, das Glück und vor allem: die Sehnsucht). Ich glaube, mit der Zeit habe ich automatisch ein besseres Feingefühl dafür entwickelt, bestimmte Gedanken und Wünsche in und von mir zu interpretieren.
Wenn ich mir ab und zu alte Einträge durchlese (vor allem welche von vor jahren!) dann analyisiere ich rückblickend manchmal so intensiv (aber eher unbeabsichtigt) meine damaligen Zeilen, sodass ich mir manchmal schon etwas komisch vorkomme.
Vielleicht half mir das alles, mich besser zu verstehen. Fortschritte in und um mir zu erkennen und bewusst wahrzunehmen. Wörter zu finden. Symbole und Metaphern, die ich mag. Ja, vielleicht sogar etwas sprachgewandter zu werden.
"Kreatives Schreiben" ist ein schönes Schlagwort, finde ich. Man kann sich kreativ in alle Richtungen entfalten. und ich weiß noch, dass ich mich ganz zu beginn erstmal daran gewöhnen musste, meinen Gedanken und Gefühlen völligen Freilauf zu lassen. mich ausreichend sicher mit meinen Fingern auf der Tastatur und vor meinem Computer zu fühlen, und das Klappern der Tasten als Übertrager in diese doch eigentlich irreale Wirklichekit anzuerkennen. (wenn wir uns eine aufrichtige Internetpräsenz schaffen, ist sie dann real oder irreal für uns?)
Können wir wirklich alles schreiben?
zwiespalt im querschnitt
manchmal liebe ich das internet. internet verbindet. internet ist der swimmingpool der alten bekanntschaften, denen man zufällig über den weg strampelt, obwohl sie eigentlich für gewöhnlich hunderte von kilometern weit weg tauchen. internet ist der bemalte porzellanteller der bunten Erinnerungen, von dem man mit lieb gewonnen - aber weit entfernten - menschen einen mitternachtssnack naschen kann. internet ist diese seite, internet ist der zeuge meiner entwicklung seit ich mit 15 anfing zu bloggen.
aber meistens, da hasse ich es doch.
weil es realitätsferne selbstinszinierung auf allen ebenen fördert. weil es das spiegelbild unserer medien- und spaßgesellschaft ist. weil es so viel kriminalität neue räume zur verfügung stellt.
what am i gonna be at the end of the history?
Das Resultat dieser Woche: Lauter halbe Sachen, aber nichts Ganzes!
Da schreibt mir eine meiner favoriertesten Entsendeorganisationen eine Email. Eine Einladung zu einem Auswahlseminar! yeah! Aber als ich das Datum gesehen habe (Ende Febraur 2009!) konnte ich nur die Stirn runzeln. Was erwarten sie? man sagt vielleicht mehreren anderen Organisationen ab, die auf eine möglichst schnelle Zusage evtl. noch im November/Dezember drängen, um für diesen Satz ein großes Risiko einzugenen:
"Die Chancen über das Programm Weltwärts und bei unseren Projektpartner aufgenommen zu werden sind sehr gut."
Aber eine Garantie ist es doch nicht.
Das Projekt gefällt mir. In Ecuador, in der Nähe der Hauptstadt Quito. Förderung der Bildung der jüngeren Generation in Schlüsselqualifikationen (vor allem Sprache und Umweltbewusstsein).
Und noch dazu haben mich die unergründlichen Pfade des Internets gestern auf die Seite einer weiteren Organisation geschickt. Die Projekte sind genial! Einsatz für Minderheiten, inkl. kritische Auseinandersetzung mit den Massenmedien und Unterstützung des Informationszuganges für die Allgemeinbevölkerung. Aber auch hier ein Aspekt, der mich etwas verunsichert: Es ist eine enorm evangelisch geprägte Organsiation. Zum ersten mal muss man im Bewerbungsschreiben seine Konfession erläutern, und vor allem kirliches Engagement wird gern vorher gesehen. Die Betreuung der Freiwilligen und auch im Konzept der Arbeit vor Ort ist durchträngt vom christlich religiösen "Veranstaltungen" und Ansichten. und ich weiß nicht, ob es ein Problem für mich wäre.
fabel.
tiere töten auch. sie führen vielleicht keine technisch und systematisch durchgeplanten terrorkriege aus, aber sie töten, um ihre art zu erhalten. das ist ganz natürlich. natur. wenn man es genau nimmt, so entfernen wir menschen uns gar nicht von unseren tierischen Mitbewohnern in unseren Handlungen. Auch unter uns gibt es friedlich lebende, aber es gibt auch die räuber und diejenigen, die jagen ohne dass sie eigentlich hunger haben. Wir unterscheiden uns nur in unserem Bewusstsein. Sind bei Tieren die Handlungen eher instinktiv gesteuert, so kann man dem Menschen vorwerfen, seine Taten zu druchdenken und steuern zu können.
Ich rede hier nicht von Gefühlen zu oder von Tieren, auch ich bin ein Tierliebhaber und weiß, wie stark die seelische Bindung an meinem Tiger ist. Ich will lediglich sagen, dass ich die Hoffnung in die Menschheit nicht aufgebe. Und wer in die Natur der Tierwelt vertraut, warum dann nicht auch in die Natur des Menschen.
wenn man einmal einen anderen menschen geliebt hat, wenn man einmal fühlen konnte, was es für wunderbare wesen auf dieser welt gibt, dann kann einen die menschheit doch gar nicht mehr egal sein.
Ich glaube Menschen, die davon überzeugt sind, dass es keinen Sinn mehr macht, Menschen zu helfen, diese Menschen sind unheimlich verzweifelt. Ich möchte nicht mit ihnen tauschen, denn ich kann mir vorstellen wie aussichtslos ihr Weltbild sein muss. Überwältigt von der ganzen Ungerechtigkeit auf der Welt schieben sie alles weit von sich und wollen diesen Grund allen Übels am liebsten den Verursachern selbst zurück geben. Können sie überhaupt noch aus Überzeugung handeln? Wenn Hilfe und Fortschritt, den man selbst erreichen könnte, keinen Sinn macht, womit verbringt man dann sein Leben?
Ich glaube an Hoffnung, und ja - wie naiv es auch klingen mag - ich glaube an liebe und das gute im menschen. ich glaube. ich glaube, dass menschen etwas Gutes bewirken können. Und ich weiß es sogar, ich habe es schon mehrmals gesehen und gespürt.
Aus ihrer Verzweiflung heraus treibt es Menschen dazu, Sachen zu tun, die irgendwo anders Schaden anrichten. Arme Kinder in Afrika fangen Eidechsen und verkaufen sie auf den Schwarzmarkt, ja das mag sein. Tierquälerei. Unlauterer Wettbewerb. Bis hin zur Ausrottung. ja das mag sein. Aber guckt auf uns, sind wir etwa so viel besser? jeden tag tun wir Dinge, die irgendwo anders Schaden anrichten. Wir steigen in unser Auto und stoßen Tonnen von Kohlenstoffidoxid aus. Wir tanken Biodiesel und sorgen für noch mehr Hunger auf der Welt. Wir kaufen Kaffe aus Ecuador, und ganz gewiss nicht nach Fair Trade Preisen.
Unsere gesamte Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unserer Wohlstand ist auf diesem Prinzip aufgebaut. Immer wird es irgendwo anders Schaden geben. Und es ist ein Teufelskreis, dem wir nicht entfliehen können. Würden wir dem entsagen wollen, würde es uns in die Armut treiben. Und dann wären wir diejenigen, die Eidechsen jagen gehen.
Wir haben nur das Glück, auf der richtigen Seite geboren zu werden. Wir haben aber meiner Meinung nach genauso wenig das Recht darauf, uns eine Rechtfertigung für unsere "Wohlstandshandlungen" an die Wand zu hängen, als die Menschen nach ihren "Armutsvergehen" anzuklagen.
Wir sollten uns nicht allzu sehr in unserer Unschuld panieren und braten lassen. wir alle sind - krass ausgedrückt - beteiligt an Massenmorde und Hungersnöten, ganz allein indem wir unsere Ansprüche gemäß unseres Wohlstandes erheben und diese - wenn uns keiner in unsere Grenzen weist - bis ins Unermessliche steigern.
Es ist nur meine Sicht der Dinge. ich will keine Schwarzmalerei betreiben. Auch ich lebe hier mit, und ja, ich lebe auch gerne in diesen angenehmen Umständen. Und ich schütze mich selbst auch mit den satz anders geht es ja nicht, wenn nicht alle das gleiche denken. und das müsste auch noch zur gleichen Zeit geschehen.
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