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Dienstag, 19. Februar 2008

Stefan Hermlin: „Die Zeit der Wunder“ (1947)

 

Die Zeit der Wunder ist vorbei. Hinter den Ecken
Versanken Bogenlampensonnen. Ungenau
Gehen die Uhren, die mit ihrem Schlag uns schrecken.
Und in der Dämmerung sind die Katzen wieder grau.
Die Abendstunde schlägt für Händler und für Helden.
Wie dieser Vers stockt das Herz, und es erstickt der Schrei.
Die Mauerzeichen und die Vogelflüge melden:
Die Jugend ging. Die Zeit der Wunder ist vorbei.

Es war die gute Zeit der Schwüre und der Küsse.
Verborgen warn die Waffen, offen lag der Tod.
Die Schwalben schrien in einem Abend voller Süße.
Man nährte sich von Hoffnung und vergaß das Brot.
Die halben Worte, die im Dunkel sich verfingen,
Waren so unverständlich wie Orakelspruch.
Hörst Du es noch: Wenn wir die Zeit der Kirschen singen ...
Ich weiß noch heut der blauen Nebel bittren Ruch.

Ich weiß die tückische Leere noch der Rückzugsstraßen
Und nachtschwarz die Minuten vor dem Drahtverhau.
Der Treue Farben brachen durchs Gewölk der Phrasen.
Zweitausendmal begann das Alphabet mit V.
Und der Bedrohten Rüstung schimmerte von Tränen.
Ich weiß noch, wie im Strom das Boot der Liebe sank.
Ich hab im Ohre noch die Lockung der Sirenen,
Wenn mit dem letzten Wein den Rest der Furcht man trank.

Die Kinder kannten jäh den Sinn der alten Bücher.
Das Messer auf dem Tisch wurde an Worten scharf.
Und Abende zog man sich ins Gesicht wie Tücher,
Wenn man das Stelldichein der Mörder suchte. Darf
Man sich der bittren Racheschwüre noch entsinnen ...
Ich hör im Nachtwind brausen noch den wilden Schwan.
Der Worte Wunden bluten heute nur nach innen.
Die Zeit der Wunder schwand. Die Jahre sind vertan.

Interpretation: http://www.kulturnation.org/grafik/Hermlin-DZDW.pdf, das Gleiche im html-Format: http://209.85.135.104/search?q=cache:aO4h-PQRcSQJ

von: norberto42
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Geändert am 19. Februar 2008 um 09:08

Freitag, 12. Januar 2007

Arno Holz: Ein Andres - zur Analyse ein paar Bemerkungen


Der Sprecher in diesem Gedicht ist eine eigenartige Größe: Weil er allwissend ist, kennt er das Herz des Arztes und dessen Gemütsregungen (V. 29 f.); anderseits spricht er lebhaft fragen (V. 18 f.), als ob er nicht wüsste, wer das kommt. Auch scheint er sich in seiner Beschreibung der Umgebung schrittweise zur Szene des Geschehens hin zu bewegen (V. 1 f.: die Treppen hoch; V. 3 ff.: die Stube unterm Dach; V. 11 ff.: die Ecke mit dem Bett). Ab V. 18 berichtet er dann, was dort geschieht: wie der Arzt kommt und den Tod der Frau feststellt; aber auch das wird im Präsens berichtet, als erlebte der Sprecher es gerade.
   Das Thema des Gedichts ist das elende Leben einer armen Familie in der Großstadt, im 5. Stockwerk „einer Mietskaserne“ (V. 1 f.); dieses Wort hat gegenüber „Hochhaus“ eine negative Konnotation und passt so zur ärmlichen Behausung (wurmzernnagte Stiegen, V. 1; undichtes Dach, V. 3 f.; Fenster vernagelt, V. 9 f.) und zur elenden Lituation der Familie (Einrichtung und Essen, V. 7 f.; Mutter krank, V. 11 ff,; Vater ist zum Saufen ausgerückt, V. 23 f.). Auch die Diminutivformen (Stückchen, V. 7; Stümpfchen, V. 17) zeigen, wie wenig die Familie besitzt.
   Mehrfach wird das Mitgefühl des Leser mehr oder weniger indirekt angesprochen: dass man mit dem Elend brüderlich weinen könnte (V. 5 f.); dass der Arzt „von nie gekannter Wehmut“ gerührt (V. 30) und die Kinder zum Weinen auffordert (V. 31 f.).
Die personifizierten Sterne in der Ferne (V. 5) erspähen sogar das Elend und sind zum brüderlichen Mitleiden gerührt. Als das Licht verkohlt (V. 29), deutet sich symbolisch das schreckliche Ende an.
   Dass die Frau in der kurzen Zeit nicht „kalt und starr“ werden kann, wenn sie vor dem Besuch des Arztes noch fieberkrank war, ist ein kleiner Schönheitsfehler, der in einem naturalistischen Gedicht nicht vorkommen dürfte.
   Exeplarisch sei einiges zum Rhythmus der 1. Strophe gesagt: Durch Satzbau und Kreuzreim sowie die weibliche Kadenz (Beginn eines fünftes Taktes im jambischen Schema) wird nach jedem zweiten Vers eine große Pause eingelegt; hinter V. 1 und 5 wird ohne Pause weitergesprochen, hinter V. 3 und 7 wird eine Pause eingelegt, da der Sprecher nur durch eine Aufzählung fortfährt. Außerhalb des Taktes sind „fünf“ (V. 1), „hier“ (V. 3), „o“ (V. 5) und „drei“ (V. 8) betont; möglicherweise werden auch die vier Zahlwörter „ein“ in V. 7 f. (so Nina) betont, aber das kann mit Fug und Recht auch bezweifelt werden, wenn man „ein“ als unbestimmten Artikel liest. Ansonsten werden die sinntragenden Wörter betont, deren Bedeutung das Elend der Familie zeigt: „wurmzernagt, letzte, Miets-, Dach-, erspähn, brüderlich, weinen, Schwarzbrot, Wasser, Werktisch“.
   Eine arme Familie, elend untergebracht, selbst der Armenarzt kann nicht mehr helfen, Vater und Mutter fallen aus, drei kleine Kinder bleiben zurück - das ist das Leben in der modernen Großstadt, sagt das Gedicht.

von: norberto42

Sonntag, 17. Dezember 2006

Theodor Storm: Abseits (1848) - Analyse, Interpretation


Bereits mit der Überschrift „Abseits“ gibt der Dichter einen Hinweis, dass dieses Abseits neben etwas anderem stehen oder liegen muss. Im „Leipziger Wortschatz“ werden als Synonyme angegeben: „abgelegen, absondern, außerhalb, beiseite, draußen, einsam, entfernt, fern, fernliegend, isolieren, seitab, zurückziehen“. Was also ist abseits und was ist das andere, das durch „Abseits“ mit in den Blick gerückt wird?
   Abseits ist dort, wo es „still“ ist, sagt der Sprecher gleich zu Beginn: „Es ist so still; die Heide liegt / Im warmen Mittagssonnenstrahle.“ (V. 1 f.) Abseits ist die Heide. In den beiden letzten Versen sagt der Sprecher auch direkt, was das andere des Abseits ist: Es ist die aufgeregte Zeit (V. 23), also die große Welt und ihre Betriebsamkeit. Abseits ist „diese Einsamkeit“ (V. 24). Dieses Abseits wird vom Sprecher gepriesen, wie ich gleich zeigen werde; es ist ein Gegenbild gegen die Unruhe der Welt. Das Prädikativ „still“ und die zum Schluss genannte „Einsamkeit“ entsprechen einander und bilden den Rahmen um alles, was zum Lob der Heide als Lebensraum zu sagen ist. Zwar kann man das Schwirren der Vögel, „Lerchenlaut“ (V. 12) und einen Schlag der Dorfuhr hören (V. 20), aber eben doch „kaum“, da sie weit entfernt ist; vor allem jedoch sind Lerchengesang und Uhrenschlag nicht Lärm der aufgeregten Zeit, sondern in die Einsamkeit passende Laute oder Geräusche. Auch das Haus liegt „einsam“, also abseits des Dorfes (vgl. V. 20), was seinerseits abseits der Stadt liegt. Da das Haus so abseits liegt, sind auch nur zwei Menschen zu sehen, Vater und Sohn (V. 15 ff.), während einem in der Großstadt „Millionen Gesichter“ (Tucholsky: Augen in der Großstadt) begegnen. Vielleicht ist auch die Tatsache, dass das Alte Bestand hat („ihre alten Gräbermale“, V. 4), Zeichen dafür, dass die städtische Jagd nach Neuem und Neuigkeiten hier noch nicht begonnen hat.
   Der Sprecher tritt als Figur nicht hervor, aber doch in der Art, wie er das, was er in der Heide wahrnimmt, beschreibt: Er sieht, wie ein Schimmer um die Hünengräber fliegt und wie die Kräuter blühen; er riecht den Heideduft, der aufsteigt; er nimmt also wahr, wie die Natur lebt und sich entfaltet. Es ist Mittagszeit (V. 2), Zeit der Heideblüte (V. 5), Zeit der Mittagsruhe (V. 19). Deshalb braucht der Bauer (Kätner: Beweohner der Kate) nicht zu arbeiten (V. 15 f.), kann behaglich blinzeln, statt aufmerksam zu schauen; sein Junge schnitzt Pfeifen (V. 17 f.), vertreibt sich also die Zeit mit dem, was ihm Freude macht. Da kein Lärm zu hören ist, schläft der Bauer ein, um von seinen fleißigen Bienen zu träumen (V. 21 f.), die für ihn die Arbeit erledigen.
   Der Sprecher wendet sich in liebevoller Betrachtung dem Kleinen zu: Laufkäfer sieht er (V. 7) mit ihren Panzerröckchen (V. 8) - das Diminutiv zeigt sie als liebenswürdige Wesen; im Reim sind die „Glöckchen“ der Edelheide (nicht bloß: der Heide), an denen die Bienen hängen, ebenfalls diminutiv genannt; klein ist auch das Haus, gleich mehrfach: niedrig (V. 13), eine Kate (V. 15). Kleines ist das Abseits der in die Höhe strebenden Stadt, wo es eng ist und alles dicht beieinander steht.
   Die Strophen sind gleichmäßig aufgebaut: Jeweils vier Takte Jambus, die ersten vier Verse im Kreuzreim aneinander gebunden, die beiden letzten im Paarreim; am Ende des jeweils zweiten und vierten Verses findet man eine weibliche Kadenz, welche als unvollendeter Beginn eines neuen Taktes für eine kleine Pause sorgt. Dadurch wird auch das bei Paarreimen mögliche Tempo merklich gebremst. Mehrfach hält der Sprecher sogar mitten im Vers inne (V. 1, V. 5, indirekt auch V. 20 durch die Inversion), er passt sich im ruhigen Sprechen der Stille der Heide an. Die sinntragenden Wörter werden betont: still, Heide, Mittag, Schimmer, alten, Gräber, Kräuter, Heide, blaue, Sommer (als Wörter der 1. Strophe): Es ist das, was sich dem ruhigen Betrachten darbietet. Außerhalb des Taktes werden „steigt“ (V. 6), „Lauf“ (V. 7), „kaum“ (V. 19), „kein“ (V. 23) und „drang“ (V. 24) betont; die beiden ersten Betonungen beruhigen das Sprechen, weil „steigt“ auf das betonte Wort „Duft“ folgt und so im Jambus eine kleine Pause erzwingt, was auch in V. 7 der Fall ist. Das Gleiche gilt für die Abfolge „Drang noch“ (V. 24). Mit „kaum“ und „kein“ sind Wörter betont, die eine Negation des Anderen, der fremden Stadt bezeichnen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Sprecher ausgesprochen ruhig spricht, wie es einem Bewunderer der Heide und ihrer Einsamkeit angemessen ist.
   Es gibt eine Vielzahl von Reimen, welche Verse sinnvoll aneinander binden: Da Mittagsruh ist, kann dem Alten die Wimper zufallen (V. 19/21); die aufgeregte Zeit (V. 23) steht im Gegensatz zu dieser Einsamkeit (V. 24). Sonst werden nur Verbindungen des Gleichen oder Gleichartigen hergestellt (Heideduft - Sommerluft, V. 5 f.) usw.), da die Heidelandschaft in sich einheitlich still und einsam ist.
   Dass diese einsame Heide primär Gegenbild gegen die städtische Unruhe ist und nicht realistisches Bild vom Leben und Arbeiten eines Heidebauern, hängt damit zusammen, dass nicht die Heidebauern Gedichte schreiben, sondern die Städter. Sie sind es, die sich ein Bild vom schönen Leben auf dem Land machen - ganz in der Tradition der Kultur- oder Zivilisationskritik Rousseaus (1712 - 1772), die schon früh nach Deutschland strahlte und sich auch in der Dichtung der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang Gehör verschaffte. Wie es wirklich auf dem Land zugeht, hat die spöttische Gestalt Mephisto seinem von natürlichen Mitteln der Verjüngung schwärmenden Herrn,  Faust, gesagt:
„Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
Fang an zu hacken und zu graben,
Erhalte dich und deinen Sinn
In einem ganz beschränkten Kreise,
Ernähre dich mit ungemischter Speise,
Leb mit dem Vieh als Vieh, und acht es nicht für Raub,
Den Acker, den du erntest, selbst zu düngen;
Das ist das beste Mittel, glaub,
Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen!“ (Goethe: Faust I, V. 2353 ff.)
Oder zu Deutsch: Das Leben auf dem Land ist beschissen, du arbeitest dich kaputt; Mephisto durfte die Wahrheit gegenüber seinem Schwärmer Faust aussprechen. Nur unter dem Eindruck des Zaubertranks fiel Faust auf Gretchen, die eben diesem engen Lebenskreis angehörte, herein; doch schon bald hielt er es bei ihr nicht mehr aus, - aber das gehört in ein anderes Kapitel.

"Leben auf dem Land (mit einer Familie)" als Idylle, das gibt es auch in einem Schlager Reinhard Meys (1980), wo im Refrain der Kontrast zur idiotischen Stadtwelt (drei Strophen) aufgebaut wird:

Reinhard Mey: Bei Ilse und Willi auf'm Land

Ein Hand voll Kinder in der kleinen Küche
lachen und krakeel'n, und Schwager Roberts Sprüche.
Oma in der Fensterbank, im Korb schnarcht der Hund,
Ulla deckt den Küchentisch, es geht wieder rund.
Kaffee auf'm Herd und Braten in der Röhre,
kein Platz auf der Welt, wo ich jetzt lieber wär', ich schwöre!
Die Füße unter'm Tisch, die Gabel in der Hand
bei Ilse und Willi auf'm Land.


Vor mir auf dem Schreibtisch türmen sich Papiere,
höchste Zeit, daß ich die wenigstens sortiere,
fang' ich von hinten an oder von vorn?
Völlig wurscht, den Überblick hab' ich doch längst verlor'n.
Ich räum' sie von einer auf die andre Seite,
fabelhaft wie unermütlich ich arbeite
bis mir der Ramsch vor den Augen verschwimmt
und ein Bild erscheint, das mich fröhlich stimmt:

Autobahnkreuz Frankfurt Süd, Wagen an Wagen,
seit zwei Stunden spür' ich, wie wir Wurzeln schlagen.
Schön, aus dem Radio jetzt zu erfahr'n:
"Wir empfehlen den Stau weiträumig zu umfahr'n"
Gummibärchen, Chips und Kekse aufgegessen,
Thermos leer, und mein Gesäß ist durchgesessen,
die Zeitung kenn' ich auswendig, mir knurrt der Bauch,
und jetzt singt Peter Alexander, und müssen muß ich auch.

Schon seit heute morgen, ohne Unterbrechung,
langweil' ich mich tödlich in dieser Besprechung,
und beim Versuch "Wie int'ressant" zu lall'n,
bin ich schon zweimal vornüber auf den Tisch gefall'n.
Ich kann nicht mehr blinzeln, ich kann nicht mehr denken,
nicht mehr mit dem Tischnachbarn Schiffe versenken.
Jetzt meld' ich mich zu Wort: "Ich will hier raus,
wer von den Herren nimmt mich 'Huckepack' und trägt mich nach Haus?"

von: norberto42
Entry modified
Geändert am 2. Februar 2007 um 21:08

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Goethe: Ein zärtlich jugendlicher Kummer

Grundlage einer Analyse 
Zunächst spricht das lyrische Ich bei einem einsamen Gang ins Freie reflektierend zu sich selbst; seine Stimmung scheint der noch winterlichen Natur, durch die es geht (Melodie zu meinem Lied, V. 6), zu entsprechen. Doch finden sich in der Naturbeschreibung Spannungen, die das Andringen eines Neuen anzeigen (ödes Feld - stiller Morgenschlummer; starr - wiegt; schauernd - rauschend). Fazit: Die Mutter Erde (Bild der Mutter: wiegt, singt) hat Hoffnung in sich (Schlussvers).
   Danach spricht das Ich die Sonne an und kommt so aus seiner Selbstbezogenheit heraus; es blickt auf das künftige Naturgeschehen voraus (Sonne im Mai; Jüngling, Mädchen; Veilchen) und begründet so sein Verständnis der Natur und ihres hoffnungsvollen Zustandes (V. 8/9: Denn... bald); im Bedeutungsfeld des Neuen (offenes Auge, neue Wiesen, junges Gras, reizender Busen) zeigt sich, dass die Hoffnung der still-trauernden Natur berechtigt war. Die Figuren treten als Paare auf (statt Ich allein im öden Feld). Das Tempo in der zweiten Strophe ist schneller als das in der ersten; die Reime „kränzen/Tänzen“ und die frohe Hoffnung des Mädchens spiegeln die veränderte Stimmung des Ich wieder.
   In der dritten Strophe beginnt das Ich mit Freudenrufen (Rufzeichen) angesichts eines gegenwärtigen Ereignisses (plus Rückblick auf den endgültig vergangenen Winter: Tempuswechsel; „Schnee, hager, Nebel, kalt, Grau“ nehmen noch einmal einige Aspekte der Natur aus der 1. Str. auf): Ein Mann arbeitet bereits; er hat Ernteträume, weshalb er jetzt „sät und hofft“. Das ruhige, zum Teil entschlossene Sprechtempo spiegelt den Gang des Sämanns wider.
   Insgesamt sollten neben der jeweils veränderten Sprechsituation das Tempo und seine Variation (Jambus, mit Taktstörungen in V. 6, 21, 24 und 29; unterschiedliche Verslängen), (die Bedeutung wichtiger Reime sowie) das Fazit in den Schlußversen der drei Strophen beachtet werden, damit herausgearbeitet wird, wie das Ich im Gang durch die Natur, im Ausblick auf ihr künftiges Erblühen und beim Anblick des hoffnungsfrohen Arbeiters selber neue Hoffnung schöpft.
   Überraschend für den jungen Goethe ist übrigens, dass  Arbeit als gleichberechtigte Form der hoffnungsfrohen Zuwendung zur Natur neben dem Maienfest steht.

von: norberto42

Samstag, 25. November 2006

Goethe: Mahomets Gesang - Hilfen zur Analyse

Im Netz findet man (unter: Titel +analyse):
http://www.lrz-muenchen.de/~komparatistik_donat/psmetrik/psmetrikprog.html (allgemein)
http://www.lrz-muenchen.de/~komparatistik_donat/psmetrik/mahomet.html (spez. Mahomets Gesang)
http://eslam.de/begriffe/g/goethe.htm (eine moslemisch-gläubige Untersuchung)
http://tahabadri.tripod.com/Artikel_4.htm
Ansonsten schaut man einmal in die Hamburger Ausgabe (dort auch die Ausführungen Trunz' zu den großen Hymnen Goethes) und natürlich in Klaus Weimars Buch (Goethes Gedichte 1769-1775).

Ich hatte die Idee, mit dem Suchwort "Motiv des Flusses" +Goethe etwas zu "Mahomets Gesang" zu suchen, weil Wasser, Welle und Fluss bei Goethe bedeutsame Motive sind (vgl. "Auf dem See", "Gesang der Geister über den Wassern", "Grenzen der Menschheit", "Dauer im Wechsel" u.a.); gefunden habe ich aber nur eine Analyse zu "An den Mond": www.didaktikdeutsch.de/lehre/ss06/An%20den%20Mond/Interpretation8.doc. Ich kannte die Textsammlung ("kulturgeschichtliches Lesebuch"): "Panta rhei. Der Fluß und seine Bilder", 1999, hrsg. von Ute Seidener.
Es gibt jedoch einen englischen Aufsatz zu diesem Thema: Jolle, Jonas "The River and its Metaphors: Goethe's "Mahomets Gesang" - MLN - Volume 119, Number 3, April 2004 (German Issue), pp. 431-450 [allerdings nur mit Passwort?] The Johns Hopkins University Press

Eine andere Idee besteht darin, den auffälligen Neologismus "schlangewandelnd" einzugeben:
www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/muelder-bach_fall.pdf
http://people.zeelandnet.nl/henklensen/goethe.htm (die ursprüngliche Form des Gedichts: ein Dialog in einem Drama, das nie vollendet worden ist)
Es findet sich auch eine gut verständliche Vorlesung Büntings (www.uni-essen.de/buenting/03Wortschatz_Normalschri .... - pdf-Datei).

Wenn man die Suchbegriffe "Goethe Hymnen" eingibt (also nach der Gedichtart fragt), findet man
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=803
http://www.von-goethe.net/ (inhaltlich gefüllte Biografie)
http://www.literaturwelt.com/autoren/goethe.html (ähnlich) und andere dieser Art;
http://www.schaepp.de/goethe/in.html (mehr Biografie, weniger Werk) usw.
http://stadt.heim.at/london/162236/homann/goetherel.htm (Goethe und die Religion - ein bestimmter themat. Aspekt ausführlich!)

Eine andere Idee besteht darin, nach Goethe +Epoche zu suchen, also einzugeben:
Goethe "Sturm und Drang"
- ihr könnt das ja einmal durchexerzieren.

Bei der Analyse des Gedichtes sollte man drei Bildebenen unterscheiden:
das Bild des Flusses, der sich von der Quelle bis zur Mündung im Meer entwickelt;
das Bild des Führers, der andere mitreißt und, sie aus ihrer Not rettend, voranbringt;
das (religiöse) Bild der Brüder, derer erster die übrigen zum sie erwartenden Vater führt.
Der Rhythmus des Gedichtes ist einzigartig: Beim Sprechen muss man zwischen dem flehenden Ruf der leidenen Bruder und dem Lobpreis des stark und siegreich vorangehenden Führers variieren, ebenso zwischen dem leichten Springen des Quells, dem breiten Fließen in der Ebene und der majestätisch deklarierten Kraft des Stroms; einige sprachliche Besonderheiten (z.B. "Seht...", V. 1) ergeben sich aus der ursprünglich dialogischen Form des Textes. Glasklar ist auch die abgesetzte Einladung: "Kommt ihr alle!" (V. 53)
Grammatisch ist "aufwehen" (V. 65 ff.) eigenwillig gebraucht: Die Segel (Subjekt) wehen seine Macht und Herrlichkeit (Objekt: religiöse Begriffe!) zum Himmel auf.

von: norberto42
Entry modified
Geändert am 1. Dezember 2006 um 22:04