Triff mich in der U-Bahn

Grad eben in der Bahn setzte sich, wie ich in der nächsten Sekunde vermutete, eine ehemalige Mitschülerin von mir schräg gegenüber. Sie hat mich angesehen, ich habe so getan, als hätte ich sie nicht gesehen, einfach aus dem Fenster starren so gut es geht, wenn man gerade im unterirdischen Bahnhof halt macht und vor seinem Fenster nur eine Betonwand findet. Wir hätten uns genauso gut Hallo sagen können, doch war ich mir nicht ganz sicher, ob sie es wirklich war, schließlich habe ich erst vor kurzem zu hören bekommen, dass genau diese Person sich in England befinden und es sich von Papas Geld gutgehen lassen soll. Naja, kann auch sein, dass ich mich da verhört habe, ist auch egal, es geht ja darum, dass sie plötzlich neben mir saß und wir so getan haben, als würden wir uns nicht kennen.

Wahrscheinlich war es die Frage, wie wir uns begrüßen, ob und wie wir miteinander reden sollten, die mich daran hinderte, sie anzusprechen geschweige denn zu beachten. Andererseits ist das schon irgendwie herbe, immerhin kannten wir uns definitiv, haben uns auf mehreren Parties getroffen, uns teilweise sogar unterhalten, ob in der Schule oder anderswo sei mal dahingestellt, da ich mich nicht mehr genau erinnere, aber so etwas macht man ganz einfach nicht, das wäre so, als würde man seine Vergangenheit leugnen. Wäre ein Hallo so peinlich, so verkehrt gewesen, wie es sich jetzt anfühlt?

Natürlich hätte sie mich ebenso begrüßen können, aber wer weiß, ob sie sich überhaupt noch an mich erinnert. Es soll ja Menschen mit einem unglaublich schlechten Gedächtnis geben. Und so geht sie mehr und mehr dahin, die vielgehasste, vielzitierte, vielumschwafelte, im Nachhinein vielgeliebte Schulzeit. Wenn die Schulkameraden nicht mehr grüßen, obwohl man sich in einer anderen Stadt trifft, allein ist, die Schule Vergangenheit, dann war man es entweder nie wert, im Gedächtnis von derartigen Personen behalten zu werden, oder man war nie im Gedächtnis dieser Personen. Ich wüsste zu gerne mal, wer mich heutzutage noch, in einer zumindest vergleichbaren Situation, von den Leuten aus dem alten Jahrgang grüßen würde. Viel lieber wüsste ich allerdings noch, wen ich grüßen würde. Und am allerliebsten wüsste ich, wie sie reagieren, wenn ich sie gegrüßt habe.

 
Current mood:Noch circa 92 Stunden und 40 Minuten.

Nach Hause und zurück.

Schon merkwürdig. Da wohne ich nun seit einem knappen halben Jahr in dieser Stadt, ohne ein bleibendes Gefühl des Zuhause zu spüren. Immer, wenn ich nach ein paar Tagen in der alten Heimat wiederkehre, ist die Vergangenheit wie weggewischt, ich fühle mich wie gerade erst hergezogen, klein und fremd, während die Arbeit, die Stadt, die Menschen mir beachtlich groß erscheinen, obwohl ich sie doch mittlerweile genauer bis genauestens kenne. In ein paar Tagen wiederum werde ich mit einem mulmigen Gefühl an Husum denken, als sei das nie geschehen, und ich bin wieder ein Hamburger, zumindest kommt es mir so vor, alles vertraut, nichts zu groß, sondern gerade richtig. Was ist das, was mir da immer wieder einen mentalen Richtungswechsel vorbgibt? Kann das auf die Dauer gesund sein?

Ich bin mir nicht sicher, ob ihr das jetzt richtig kapiert habt, ob ich mich klar genug ausdrücken konnte. Ich lebe mich eben in ein Leben derart ein, dass mir das andere Leben fremd wirkt und umgekehrt. Eine komische Situation, wenn ihr versteht. Da ist man gerade so richtig schön irgendwo angekommen, da wird man wieder herausgerissen, quasi selbstverschuldet, denn man will natürlich seine Freundin sehen, seine Freunde, seine Familie. So fängt das Einleben immer wieder von vorne an.

Wahrscheinlich muss ich mich emotional an meine Umgebung binden, um mich wohl zu fühlen. Dies geschieht unweigerlich nach ein paar Tagen an diesem oder jenem Ort. Da man emotionale Bindungen nicht einfach wieder kitten kann, brechen beim Abschied Wunden auf, die erst nach ein paar Tagen verheilen, wenn eine neue Bindung zu dem "neuen" Ort eingegangen ist. So stelle ich mirs zumindest mal vor.

Optimum wäre das Gewöhnen an 2 bis 3 verschiedene Orte ohne einen emotionalen Verlust, sprich: Ohne den Schmerz beim Abschied, der ja nichts anderes ist als die Angst vor dem Kommenden. So gesehen ein Akzeptieren von 2 bis 3 "Zuhausen". Nicht unbedingt leicht zu realisieren, da ja jedem Ort ein Teil des Zuhause innewohnt, der den anderen Teilen somit fehlt. Nur zusammen ergeben sie ein Ganzes. Bündeln ist das Stichwort, doch ist dies leichter gesagt als getan, wie immer. Vielleicht braucht es nur noch ein wenig mehr Zeit, damit sich mein Geist mit der Situation endgültig anfreundet und es nicht mehr als allwöchentlichen Umbruch begreift, nach Husum zu fahren und zurück. Nach Hause und zurück.

 

Bitte nicht!

Eigentlich wollte ich bereits gestern eine vernichtende Kritik an der hamburgischen FSJ-Jugend üben, aber da ich gestern noch auf andere Art und Weise arg mit dem Leben beschäftigt war, versuche ich es erst heute.

Einsätze in der Altenpflege oder in einem Krankenhaus sollten gut überlegt sein, vor allem, wenn es sich im eine freiwillig übernommene Aufgabe handelt, da ist es vollkommen unangebracht, unmotiviert zu sein. Doch genau dieses Attribut trifft auf meine Kollegen in einem derart rabiaten Maße zu, dass es ein Wunder der fieseste Sorte zu sein scheint, dass diese Menschen für sich genau für diese Art der Arbeit, ja gar für das soziale Engagement entschieden haben. Sie heucheln Interesse, wo keines besteht, sie machen Videos von alten, kranken Patienten und amüsieren sich darüber, sie haben keinerlei Gefühl für Ernsthaftigkeit der jeweiligen Arbeit, sie sind das Gegenteil dessen, was sozial genannt wird. Natürlich nicht alle, nichts läge mir ferner als Unschuldige, als wirklich Hilfsbereite zu kritisieren, aber sie machen einen beängstigend kleinen Anteil aus, meines Erachtens nach.

Froh über jede Minute, die weniger zu „Arbeiten" ist, werden eigenmächtig Filmkassetten vorgespult, die andere gerne sehen wollen. Gehen sie so auch mit ihren Patienten um?! Unterste Schublade, erbärmlich, kindisch, rücksichtslos, Kein-Bock-Attitüde als Lebensstil. Die Betreuer können nur mit dem Kopf schütteln und zusehen.

Das wahrhaft Schlimme ist, dass sie exakt meinem Alter entsprechen, meine Generation entstammen. Ich schäme mich für sie. Wer sich auf einem Seminar derart dreckig verhält, sei es betrunkenes Randalieren, sei es „nur" konsequente Manipulation der Seminare durch Stören, Zuspätkommen und dergleichen, wenn denn überhaupt gekommen wird, der hat selbst meinen Respekt nicht verdient. Wie kann soetwas auf unsere Hilfsbedürftigen angesetzt werden?

Ich will gar nicht erst wissen, wie personifizierte Faulheit sich auf die Patienten auswirkt, vielleicht tue ich nun auch allen Unrecht und sie sind im Job besser drauf als im Seminar. Dieser Querschnitt meiner Jugend offenbart mir allerdings eins: Die wenigen Guten gehen unter im Meer von Seuche und Inkompetenz. Es wäre ja nicht weiter schlimm, so ist sie halt, die Jugend, aber verdammte Scheiße, es ist ein FREIWILLIGES SOZIALES Jahr! Was haben die erwartet, Taschenbillard? Hätten sie weiter einen auf Berufsstyler oder Hobbytussi gemacht, hätten sie weiter ihre Nachbarschaft unsicher gemacht, dem Land ginge es nicht besser, aber auch nicht schlechter. Und das ist der Punkt: Geschaffen wurden diese Plätze zum Gegenseitigen Profit. Hilfe für die Schwachen, Erfahrung für die Jungen. Es ist aber leider ein Nullsummenspiel, niemand profitiert, diese Typen haben keinerlei Bewegendes an sich. Das sind pure Schleimscheißer, sie bringen es fertig, eine gesamte Generation ins falsche Licht zu schleimen. Solange nach ihnen die Sintflut kommt und alles wieder bereinigt.

Nur was, wenn sie irgendwann einmal ausbleibt? Bleibt nur die Hoffnung nach Veränderung ihrer Lebenseinstellung, andererseits krebsen wir immer weiter auf der Stelle, wollen zwar nach vorne, doch die Beine blockieren. Besinnung darauf, wo wir leben und was wir sind. Ein kleines bisschen Nachdenken. Es wäre nicht verkehrt.

Da haben wir wieder den Ausgleich zur letzten Woche. Erst kommt das Auf, jetzt kommt das Ab. Ich wünschte, es würde sich nicht immer diese verfluchte Waage halten, ich wünschte, es ginge irgendwann einmal bergauf.

 

Morgen ist es soweit.

Mein Fernseher ist kaputt. Zumindest tue ich so, als ob. Und fahre ganz gut damit. Nun kann ich all die Dinge tun, zu denen ich wegen des bewussten Verblödens vor der Glotze nicht gekommen bin. Stundenlang am PC hocken zum Beispiel. Ist wesentlich unbequemer und bringt wahrscheinlich genau so viel für meine Zukunft. Aber was solls. Solche Tage muss es geben, andere Tage kommen ja schließlich auch bald wieder.

Ich bin beunruhigend unentspannt, ziemlich müde, komisch drauf. Hat es mit Morgen zu tun? Mit Gestern? Oder gar mit Heute? Woran es auch liegt, ich sollte wirklich mal ein paar Dinge anpacken, bevor sich diese Unentspanntheit noch zu einer ausgereiften Steifheit aufgeilt. Mein Nacken beginnt dieses Programm schon zu fahren, Zeit, ein wenig rumzustrampeln. Ich liebe meinen Körper!

In solchen Zeiten ist es gut, zu wissen, dass man geliebt wird. Ist doch so oder? Naja, Ypsilanti würde selbst darin keinen Trost mehr finden können, armes Ding. McCain wird hoffentlich morgen genauso dreinschauen wie sie heute. Nicht auszudenken, wenn er, wenn SIE...

Es ist wieder wärmer geworden, noch immer 9 Grad draußen, doch in meinem Zimmer herrscht Kälte. Das liegt nicht an mangelnder Heizwärme, sondern vielmehr an der mangelnden Kommunikation zwischen mir und meinen Mitbewohnern, ich weiß auch nicht, was da los ist. Es scheint, als seien sie sauer auf mich, doch was habe ich ihnen getan? Ach scheiße, ich hasse WGs.

Zu guter Letzt: Kevin Carter, Pulitzerpreisträger von 1994. Mit diesem Foto ist er es geworden.

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Kennt wahrscheinlich jeder, aber egal. Nur mal so zum Nachdenken.
 

Was machen bei "Zuvielgeld"?

Man kennt das ja. Ständig dieser Blick auf den Kontostand, mit zusammengepressten Lippen, voller Angst in den Augen. Und dann diese vielen Zahlen, und alle schwarz! Wenn das nicht zum Verzweifeln ist.

Nun kann man bei solchen Problemen nur zweierlei tun. Entweder man bringt sich und seine gesamt Familie schleunigst und mit brachialer Gewalt um die Ecke, damit der Staat den ganzen Schotter erben kann/verschleudern kann, oder man überlegt sich verlustreiche oder sinnlose Investitionen, wie zum Beispiel eine Badrenovierung für 100000 Euro, ein schickes, spritschluckendes Familienflugzeug, oder einen Einstieg bei Premiere. Die Frage, welcher Weg der Richtige ist, lässt man einfach von 13 reich entlohnten, aber vollkommen unkompetenten, Anwälten entscheiden.

Spaß beiseite, ihr Ärsche mit zuviel Schotter, die ihr trotzdem wie drei Tage Regenwetter in der Gegend rumglotzt, reißt euch gefälligst am Riemen! Stellt euch lieber einmal in eurem Leben die Frage, ob ihr das Geld, das ihr verdient oder geerbt habt, wahrlich verdient habt, im wahrsten Sinne des Wortes, oder ob es euch so mir nichts dir nichts zugeflogen ist, ihr es am Besten auch noch erstunken und erlogen habt. Wenn die Antwort auf diese Frage „ja" lautet, ihr also ehrliche, rechtschaffene Bürger wart, könnt ihr immer noch mit der Frage des Verschwendens hadern, oder es zu wirklich sinnvollen Zwecken ausgeben. Was dies in euren Augen ist, will ich lieber gar nicht wissen.

Ich will hier ja gar nicht die Neiddebatte wieder anfeuern, vielleicht geht bei euch alles mit rechten Dingen zu, vielleicht habt ihr es auch verdient, doch geht mir es sowas von abgrundtief auf die Nerven, dass ihr trotz des offensichtlichen finanziellen Erfolgs noch derart mit dem Leben unzufrieden seid, und hier nehme ich mich nicht einmal aus. Natürlich, viel Geld allein macht nicht glücklich, das kriegt man seit dem Kindergarten, ach was, noch davor, beigepult, aber es schafft einen Lebensstandard, nachdem sich 90% der Erdbevölkerung die Finger lecken würden, für die sie töten würden, denn, wir wissen es vielleicht nicht mehr, aber irgendwo da draußen geht es ums nackte Überleben, wahrscheinlich sogar bei mir um die Ecke, wo, so ganz nebenbei, seit einer geschlagenen Stunde ein Hund bellt, was mich tierisch auf die Palme bringt, wovon ich aber noch lange nicht meinen Lebensstandard, denn immerhin habe ich genügend Kohle auf dem Konto, ich habe es warm, ich wohne nicht mit 10 Leuten in dieser Wohnung, sondern allein, ich scheiße in ein Klo, nicht an einen Baumstamm, verfluche. Dieser Vergleich hinkt jetzt womöglich, aber wenigstens bewegt er sich noch, einige Männer schätzen sich glücklich, wenn sich überhaupt noch was rührt. Dementsprechend zu guter Letzt die wirklichen Tipps: Geht mal wieder schön mit eurer Frau oder eurem Mann aus, oder angelt euch einen, macht viele, wundevolle Kinder, spendet an UNICEF, Greenpeace, WWF, an die Nato und an die ganzen verhungernden Kids da draußen, das gibt euch ein gutes Gefühl und mir weniger Grund auf euch oder auf uns herumzutrampeln. Ansonsten lasst es euch weiterhin gutgehen, bescheißt niemanden, dann bescheißt vielleicht euch irgendwann auch keiner mehr, die Welt ist gut, ganz tief im Herzen, das wisst ihr doch! Na los! Zeigt es mir, das wäre mein größter Wunsch.

 
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