"Nichts"
Da ist "Nichts". Keine Idee, die es wert wäre weiter verfolgt zu werden. Kein Gedanke, der ungewöhnlich ist. Kein Bild, das es wert wäre angesehen zu werden. Da ist nur Banales, Alltag, Einerlei. Nun kann selbst Banales manchmal interessant sein oder spannend erzählt werden, aber dazu benötigt man einen kreativen Einfall. Dieser ist aber nicht vorhanden, es ist einfach nur Leere da, "Nichts". Woraus soll man schöpfen, wenn der Teich der Einfälle vom "Nichts" ausgesaugt wurde? Woran sich festhalten, wenn das "Nichts" wie ein Orkan alles davon fegt? Wo die Idee finden, wenn sie sich vor dem "Nichts" versteckt? Das "Nichts" kann riesig, gewaltig und bedrohlich sein. Man steht ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüber und dabei scheint es größer zu werden und größer. Es reckt sich gen Himmel und schaut von dort oben süffisant lächelnd hinab.
Der außen stehende Betrachter wird es nicht sehen, dieses "Nichts". Er ahnt weder dessen Gegenwart noch spürt er die beklemmende Enge, mit der das "Nichts" sich um einen Menschen legt. Es ist einfach nur da, unauffällig ist es von hinten angekommen, hat sich erst sanft über den Schultern ausgebreitet und ist dann auf einem geheimen Weg in das Innerste gekrochen. Nun hat es sich festgesetzt im Kopf, im Bauch, im Herz. Wenn dieser Zustand erst einmal erreicht ist, dann gibt es kein leichtes Entrinnen. Dann kann man nur da sitzen, es versuchen auszuhalten. Man starrt auf das leere Papier, die leere Leinwand, sucht krampfhaft nach dem erlösenden Gedanken oder hofft auf die befreiende Idee. Sie huschen auch vorbei, die Gestalten und Bilder, die bemüht sind um die Rettung aus diesem erbarmungswürdigen Zustand. Aber ihnen fehlt die Kraft, die Intensität, die Stärke - denn es sind nur blasse und fade Figuren. Wie sanfte Nebelschwaden ziehen sie daher im "Nichts", ziehen sich zusammen um neue Formen zu bilden, türmen sich auf, ziehen sich weit auseinander. Aber sie spüren selbst, dass ihnen dieses Spiel nicht gelingt und sie lösen sich auf unter dem brennenden Einfluß des "Nichts" und machen wieder den Raum frei, für seine allumfassende Gegenwart.
So spielt es dann seine volle Stärke aus, das "Nichts". Es ist wie ein wolkenloser Himmel über der Wüste, der unendlich zu sein scheint und dessen Wüstensonne erbarmungslos den Kreaturen zusetzt, die sich in dieser Wüste bewegen. Sie leiden, sie verdorren, ihnen dürstet es nach der Idee. Sie schleppen sich durch den Sand, Meter um Meter - ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht. Es ist ein sich immer wiederholender Prozeß. Man weiß nie, wann und ob das "Nichts" den Rückzug antritt. Schafft es eine Regenwolke am Wüstenhimmel aufzuziehen? Verliert das "Nichts" die Lust an seiner Großartigkeit und läßt sich zusammenfallen? Schlüpft es einfach hinaus aus dem Inneren und schlängelt sich hastig davon?
Man wird es wohl niemals endgültig bezwingen können, das "Nichts".
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Gefällt mir, wie der blogg aussieht. Ich selber bin gestaltumgstechnisch noch nicht so versiert... Gruss, Susann