Feiertagsstimmungen...
Es ist Feiertag und halb zwei mittags.
Großartig - denn ich sitze im Bademantel herum und fühle mich noch ein wenig verschlafen. Mein Haar ist zerzaust und überhaupt sehe ich noch ein wenig wild aus.
Das Erwachen war schon großartig. Weil die Temperaturen derzeit so herrlich warm sind, schlafen wir nachts immer mit ganz offenem Fenster. Der Wind streicht angenehm über den Körper und die frische Luft ermöglicht einen entspannten Schlaf. In den frühen Morgenstunden muss es dann angefangen haben zu regnen. Aus einem Traum langsam wieder ins Leben zurück gekehrt, habe ich den Regen gehört und fühlte mich im Bett somit noch wohliger aufgehoben. Außerdem lag mein Liebster so warm, weich und wohl duftend neben mir.
Diese Momente sind doch mit die schönsten im Leben, wenn man gerade so eben wach ist, weiß das man nicht aufstehen muss und sich an seine Liebe heran kuscheln kann. Mit tiefem Einatmen sauge ich dann den Geruch auf und fühle die weiche Haut. Vielleicht sehe ich auch ein Stückchen des schönen Gesichts, manchmal aber auch nur einen Haarschopf. Jedenfalls verzücken mich diese Momente ungemein und ich entspanne mich vollkommen.
So entspannt geht der Tag nun aber auch
weiter.
Grenzenlose Faulheit werde ich walten
lassen. Vielleicht ein duftendes Schaumbad nehmen, mich nochmal auf
dem Bett ausstrecken und in der Zeitung Schmökern, etwas
Leckeres essen oder mich einfach nur Langweilen.
Langweilen ist gut. Als Kind hasst man die Langeweile. Man wird ungehalten, nervt die Eltern und ist einfach nur unausstehlich. Außerdem hat man das Gefühl, dass überhaupt gar nichts passiert und nichts das einem von anderen, wohlwollenden Menschen angeboten wird, erscheint auch nur im Entferntesten dazu beizutragen, dass dieser Zustand jemals wieder aufhören wird. So häufig man sich als Kind gelangweilt hat, so selten gerät man als erwachsener Mensch in diesen Zustand. Aber wenn ich in ihn gerate, dann ist es genauso schlimm wie früher.
Das letzte Mal erwischte es mich im Kurzurlaub in der Eifel. Vollkommen gestresst von der Arbeit war ich voller Vorfreude auf den Urlaub. Wir führen in das kleine Häuschen unserer Freundin, um die Seele baumeln zu lassen und Zeit miteinander zu verbringen. Der Anreisetag verlief gut, alles war behaglich und ich voller Vorfreude. Am zweiten Tag sah alles anders aus. Draußen regnete es und die geplante Wanderung fiel somit ins Wasser. Nach ausgiebigem Frühstück und Erkundungen der Wanderkarten und Ausflugsziele, saß ich am Küchentisch und schaute in der Gegend herum. Es war noch sehr früh am Tag und es gab scheinbar nichts zu tun. Ich löste ein paar Rätsel, hörte Radio und unterhielt mich mit meinem Liebsten. Dabei wurde ich immer ungehaltener und nörgelte auf einmal los. Ich machte etliche Vorschläge, was wir nicht alles tun könnten, aber im Grunde hatte ich selbst keine Lust darauf. Ich rutschte auf der Küchenbank hin und her, regte mich über das schlechte Wetter auf, verfolgte den Zeiger auf der Küchenuhr. Dann schaute ich wieder in der Gegend herum und regte mich darüber auf, dass mein Liebster so entspannt da saß und Zeitung las.
Auf einmal sagte er zu mir, dass mir
wohl langweilig sei.
Einen Moment hielt ich wie vom Donner
gerührt inne. Langweilig? Mir ist nie langweilig. Ich komme gar
nicht dazu, das mir langweilig wird, weil ich immer so viel zu tun
habe. Ich bestritt also auf das Heftigste, dass mir langweilig sei.
Insgeheim dachte ich natürlich darüber nach und musste
feststellen, dass er wohl recht hatte.
Langeweile – du herrliches Gefühl
aus Kindertagen! Ich kannte Dich ja schon gar nicht mehr. Da bist Du
wieder, genauso wie Du immer warst und ich habe Dich gar nicht mehr
erkannt. Jetzt wo ich weiß, dass Du es bist, ist es gar nicht
mehr so schlimm. Hm, dieses schreckliche Gefühl, nicht zu wissen
was man tun soll, welch eine Wohltat.
Sofort ging es mir besser, ja ich
musste sogar herzhaft darüber lachen, dass mir langweilig war
und dass mein Liebster das einfach so erkannt hatte.
Langeweile ist eine Quelle der Inspiration. Man muss sie nur aushalten können. Sie ist unangenehm und quält den Menschen für den Moment sehr, aber meist erwächst aus ihr heraus etwas Neues oder besonders Schönes. Kinder kann man freilich mit diesem Wissen nur wenig trösten. Aber um so wichtiger ist es, sie diesen Zustand aushalten zu lassen und nicht mit unendlichen Angeboten zu überschütten.
Wie viele Kreise hat man mit einem Stöckchen in den Sand gezeichnet, wie viele Grashalme ausgerupft, Punkte an Wänden gezählt, Steinchen in der Gegend herum geschmissen oder mit dem Finger in Löchern gebohrt, die so immer größer wurden.
Aber dann, auf einmal kam die Idee! Und dann war sonnenklar was zu tun ist.
An Tagen wie heute, hoffe ich sogar,
dass mich die Langeweile erwischt. Leider kommt sie viel zu selten.
Denn meistens weiß ich ja nur zu gut was ich tun muss, sollte
oder sogar möchte. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht
auf. Feiertage bieten sich prima an, um der guten alten Langeweile zu
begegnen. Mal sehen, was der Tag noch so bringen wird...
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