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Samstag, 15. März 2008
Wörterbuch-Arbeit (mit Beispielen)
In einem Wörterbuch wird das Feld möglicher Bedeutungen eines Wortes abgedeckt; im Einzelfall muss man dann schauen, welcher Bedeutungsausschnitt realisiert wird. Ich habe in den Klausuren der Sek II in den letzten Jahren immer auch ein deutsches Wörterbuch zur Verfügung gestellt, was auch eifrig benutzt wurde – manchmal allerdings nur mit mäßigem Erfolg, weil den SuS die Übung fehlte. Also: bitte den Umgang mit dem Wörterbuch üben, der Ernstfall liegt nicht erst in der Klausur vor. - Die Erfahrung lehrt, dass es besser ist, ein Wort in dreien statt nur in einem Wörterbuch nachzuschlagen.
Im Wörterbuch nachschauen ist mindestens so hilfreich, wie ein Standbild zu bauen, wobei man bloß mit Vermutungen arbeitet:
1. Viele Schüler kennen viele deutsche Wörter nicht. Das ist so; ich erspare mir, Beispiele zu nennen.
2. Ich selber kann an Beispielen zeigen, wie ich von der Arbeit mit dem Wörterbuch beim Verständnis der Literatur profitiere bzw. wie ich damit arbeite:
http://logos.kulando.de/post/2008/02/08/wolf_kassandra_1983_-_interpretation_der_formel_zeugin_bleiben
http://www.bloghof.net/norberto42/archive/2006/10/02/kjik2hgikt2w.htm
http://www.bloghof.net/norberto42/nextEntries/1p2ej4qvf3r96
3. Das gilt auch für die Begriffsanalyse beim Erörtern: http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/21/erortern_-_was_heit_das_wie_geht_es
4. Das geht bis in die Philosophie hinein: http://norberto42-2.blog.de/2008/01/21/grund_als_phil_metapher~3608633

Geändert am 15. März 2008 um 10:49
Freitag, 18. Januar 2008
Operatoren (Fach: Deutsch) verstehen und beachten
Ein Operator ist eine standardisierte Arbeitsanweisung; Arbeitsanweisungen zu standardisieren ist sinnvoll (und bei zentralen Prüfungen unerlässlich), damit jeder genau weiß, was er zu tun hat.
Unter den Stichworten „Abitur.nrw 2008“ und „Deutsch. Übersicht über die Operatoren“ kann man die für das Abitur 2008 gültigen Operatoren als pdf-Datei herunterladen. Diese Operatoren sind sowohl nach ihrer Klarheit wie nach ihrer Menge noch reformierbar; ich unterbreite hier meine Überlegungen zu den Operatoren, welche darauf hinauslaufen, die Zahl der Operatoren zu reduzieren (sowie einige anders zu gewichten) und so für mehr Klarheit zu sorgen.
Zu den Operatoren im Anforderungsbereich I
1. Immer, wenn etwas „strukturiert“ dargestellt werden soll, ist die Ebene der Reproduktion verlassen; nach diesem Kriterium gehören „beschreiben“ und „zusammenfassen“ nicht in den Bereich I.
2. „in eigenen Worten“ ist eine Anforderung, die nicht kontrollierbar oder bewertbar ist; sie umschreibt vornehm die Erlaubnis zu labern.
Zu den Operatoren im Anforderungsbereich II
1. „erschließen“ sollte man streichen, wenn es nichts anderes sagt als „untersuchen“.
2. „einordnen“ ist eine Leistung, die höhere Anforderungen als das definierte „deuten“ stellt, weil beim Einordnen die Ebene des Textes überschritten wird; nur durch die Beschränkung auf „eine“ (Aussage usw.) ist die Einordnung in den Bereich II zu rechtfertigen.
3. Etwas „durch zusätzliche Informationen“ veranschaulichen kann man nicht mehr „erklären“ nennen; „erklären“ ist von dem hier definierten „erläutern“ zu unterscheiden.
4. „in Beziehung setzen“ ist derart verwaschen, dass man es streichen soll; wenn man etwas sinnvoll zu anderem in Beziehung setzen kann, kann man dies durch die drei gegebenen Operatoren einfordern.
Zu den Operatoren im Anforderungsbereich III
1. Elemente können keine Intention haben (zu „deuten“), nur Personen können Intentionen verfolgen.
2. Was hier „deuten“ heißt, ist eigentlich die Aufgabe des Analysierens: Elemente benennen und in einen Erklärungszusammenhang bringen.
3. „deuten“ (= interpretieren) heißt: einen Bezug zu außertextuellen Größen herstellen.
4. Wie mit Bezug auf Fachwissen etwas „selbstständig“ beurteilt werden kann, ist mir nicht ganz klar; ich würde „kompetent“ oder „umfassend“ für sinnvollere Bestimmungen halten.
5. Dass sich Wertmaßstäbe „aus ausgewiesenen Normen und Werten ableiten“ lassen sollen, ist eine naive Annahme. Solche Formulierungen halten sich nur durch ihre Verschwommenheit: Wann sind denn Normen und Werte durch wen und vor welchem Maßstab ausgewiesen? [Wenn sich einer auf den Koran oder das AT beruft, um Frauen steinigen zu dürfen, hat er eine ausgewiesene Norm!]
6. „(kritisch) Stellung nehmen“ ist gleich „beurteilen“; ersatzlos streichen!
7. Wieso „begründen“ in den Bereich III gehört, verstehe ich nicht; ich würde es Bereich II zuordnen: „erläutern“ und „einordnen“ sind höherwertige Leistungen!
8. „sich auseinandersetzen mit“ ist gleich „beurteilen“ und demnach zu streichen.
9. „prüfen, überprüfen“ ist eine Variante des Beurteilens. (?)
10. Dass man beim Operator „entwerfen“ die notwendigen Entscheidungen und Arbeitsschritte benennen soll, kann man eigens in der Aufgabenstellung sagen - das behält sowieso niemand. Dann kommt man mit dem einen Operator „gestalten“ aus.
11. Die bei diesem genannte Bestimmung „nach ausgewiesenen Kriterien“ ist genauso schwammig wie beim Operator „bewerten“; solange man nicht klärt, wann etwas „ausgewiesen“ ist (der Stand der Wissenschaft vor 20 Jahren als Kriterium?), sollte man auf solche Bestimmungen verzichten und sie etwa durch „(nachvollziehbar) begründet“ ersetzen.
Typische Fehler vermeiden!
Ich versuche, hier drei Bereiche zu unterscheiden - man kann ihnen auch die vier S (schauen, sammeln, sortieren, schreiben - eine Anweisung über die Schritte, die zu einem guten Aufsatz führen) zuordnen:
* beim Lesen [schauen],
* beim Verarbeiten [sammeln und sortieren],
* beim Schreiben [schreiben].
1. Fehlerquellen beim Lesen:
a) Die Aufgabenstellung wird nicht sorgfältig wahrgenommen.
* Wenn man die Grundform von Verben notieren soll, dann darf man eben nicht die Personalform aufschreiben.
* Wenn man einen Text analysieren soll, darf man ihn nicht reproduzieren.
b) Offene oder verborgene Hinweise werden nicht wahrgenommen. Offene Hinweise stellen Erläuterungen des Lehrers dar; verborgene Hinweise stecken manchmal im Namen des Autors, oft im Datum und im Medium der Veröffentlichung eines Textes. So ist zum Beispiel „Kabale und Liebe“ 1784 uraufgeführt worden, also fünf Jahre vor der Französischen Revolution!
c) Man versteht einen Text nicht in seinem historischen Rahmen. So ist Coetzees Roman „Schande“ nur aus der Situation der Zeit kurz nach dem Ende der Apartheid zu verstehen, Bölls Romane sind in der Geschichte der frühen Bundesrepublik verankert. Das gilt auch für einzelne Worte, etwa für „Busen“ (bei Goethe) im Sinn von Brust (allgemein), Herz; im Wanderer kann der christliche Gedanke anklingen, dass der Mensch zur ewigen Heimat unterwegs ist (homo viator).
d) Man versteht Anspielungen nicht, etwa den Wunsch des Wanderers, die Blume zu brechen (Goethe: Gefunden), als Metapher dafür, ein Mädchen zu erobern oder zu verführen; oder man erkennt in dem Holzgerät, wo etwas mit einer schrägen Kante heruntersaust, nicht die Guillotine (Kunert: Bericht).
e) Man reißt einzelne Wörter aus dem Text heraus, statt sie im Satz zu lesen. Das ist oft damit verbunden, dass „Inhalt“ reproduziert, aber nicht das sprachliche Handeln erfasst wird:
(1) „Ich weiß mich frei von Wunschdenken.“ Brandt spricht nicht über Freiheit und auch nicht einfach über Wunschdenken, sondern widerspricht einem Vorwurf, der ihm gemacht wird.
(2) „Erlosch auch hier ein Duft, ein Schimmer,
Ein Zauber, der dich einst bewegt,
Daß du in meine Hand gefangen
Die freie Mädchenhand gelegt?“ (Storm)
Der Sprecher erzählt hier nicht von der Vergangenheit (Nebensatz!), sondern stellt eine Frage (Hauptsatz!), ob in seinem Gesicht ein Zauber verschwunden ist.
f) Man liest einen Satz nicht in seinem Kontext.
(3) So steht vor der zitierten Strophe in Storms Gedicht „Im Herbste“ die folgende:
„Du legst die Hand an meine Stirne
Und schaust mir prüfend ins Gesicht;
Aus deinen milden Frauenaugen
Bricht gar zu melancholisch Licht.“
Danach fragt der Sprecher... (s.o.)
Diese Geste, die Hand an die Stirn zu legen und prüfend zu schauen, ist hier keine Aktion, mit der Fieber festgestellt wird, sondern die Antwort (Kontext!) auf den prüfenden Blick des Sprechers in das Gesicht seiner Frau und der Anlass (Kontext!) zur Frage, ob auch er sich verändert hat, also gealtert ist.
g) Man verwechselt in fiktionalen Texten den Autor mit dem jeweiligen Sprecher, also das lyrische Ich mit Goethe oder eine Äußerung Ferdinands mit Schillers Verständnis von Liebe.
h) Oder, kurz gesagt, man liest nicht analytisch:
- vom Sprecher als der handelnden Größe ausgehend,
- sein sprachliches Handeln erfassend.
2. Fehlerquellen beim Verarbeiten:
a) den Stoff nicht sortieren, also nicht gliedern; dem entspricht, dass ein Text von oben nach unten paraphrasiert wird;
b) die Komplexität eines Themas nicht erfassen, sondern mit einer einfachen Zweiteilung (etwa „positiv - negativ“) verdecken - was aber immerhin besser als gar nichts ist.
c) Suchkategorien überstrapazieren (Tipps des Lehrers oder des Lehrbuchs überstrapazieren):
Bei der politischen Rede werden als Suchkategorien „aufwerten /abwerten“ empfohlen; missverstanden ist diese Suchkategorie, wenn man nun jegliche Bewertung als Auf- oder Abwertung behandelt. „aufwerten“ bedeutet dagegen: etwas gegenüber der normalen Bewertung höher bewerten, also etwas überbewerten. - Das ist quasi ein normaler Fehler; man sucht und sucht... und findet dann natürlich auch etwas!
d) Verwendung von Suchkategorien mit Verstehen verwechseln:
Da gibt es etwa den Ratschlag, auf Metaphern zu achten; es genügt aber nicht, nur herauszufinden, wo Metaphern verwendet werden - danach fängt das Verstehen erst damit an, dass man sieht, was mit welcher Funktion metaphorisch gesagt wird. - Der gleiche Tatbestand liegt vor, wenn die „Auswertung“ bloß floskelhaft erfolgt:
(4) „Er sagt das in einer Metapher (Bild), damit man es sich besser vostellen kann.“
Weil dieser Satz (als Floskel) über jede Metapher gesagt werden kann, besagt er nichts über die einzelne; man streicht ihn besser!
e) Auf die Nutzung leicht zugänglicher Hilfsmittel verzichten - dieser Fehler ist nicht nur auf den Bereich des Verarbeitens beschränkt:
* unbekannte Wörter und Fakten beim Lesen nicht klären,
* das passende Methoden-Arbeitsblatt nicht nutzen (oder ein falsches erwischen),
* nicht auf das KLL zurückgreifen,
* im Internet nicht differenziert suchen.
3. Fehlerquellen beim Schreiben:
a) Aus dem Fehler 1 a) folgt der erste Fehler beim Schreiben:
das Thema verfehlen;
b) keinen Überblick zu Beginn [haben und] geben (Frage/Antwort; Aufgabe/Lösung): eine Folge des Fehlers 2 a);
ein Fehler ist es zwar nicht, wenn man bei der Szenenanalyse Sinnabschnitte nur in Zeilenangaben beschreibt (erster Abschnitt bis 41/23; zweiter Abschnitt bis 42/35...) - aber das besagt auch nichts, ist also ohne Worte kein Überblick;
c) seine Gliederung nicht deutlich machen:
* nicht für jeden Gedankenschritt einen neuen Absatz bilden;
* zu Beginn des Absatzes nicht den neuen Aspekt benennen;
* keine Querverweise auf früher Gesagtes (oder später zu Sagendes) geben;
d) Fehler der Ebenen begehen:
* die Verwechslung von Sachlogik und Erkenntnislogik (Rudenz liebt Berta, weil... < Dass Rudenz Berta liebt, erkenne ich daran, dass...);
* die Verwechslung der Ebenen von Sache und Text (Tell erschießt den Vogt auf Seite 48 - nein, in einem Hohlweg!);
e) sich unklar ausdrücken [ein weites Feld!]…
* der unklare Rückbezug durch „dies“ oder „dies alles“ oder „darum“ usw.; besser ist es, durch ein Nomen oder einen (Neben)Satz zu sagen, was man meint: [also statt: „Dies veranlasst die Schweizer...“] besser
(5) Die Unterdrückung durch die Vögte veranlasst die Schweizer...
(6) Weil sie also durch die Vögte unterdrückt werden, beschließen die Schweizer...
* Satzbaupläne nicht ausfüllen (oder im Nominalstil Attribute einsparen!):
(7) „Brandt lobt und ermuntert.“ Wen lobt er? weswegen? Wen ermuntert er? wozu?
(8) „Oft ist auch Brandts Lob zu hören.“ (die gleichen Fragen! „Brandts Lob“ ist die Nominalphrase des Satzes „Brandt lobt...“; man spürt nur weniger, dass die Angabe fehlt, wen er lobt - mein Tipp: Sätze bilden, auch Nebensätze, statt Nominalphrasen zu gebrauchen!);
* keine Fachbegriffe verwenden oder sie falsch verwenden
* oder sie noch einmal erklären:
(9) „ein Kreuzreim, also die Reimform a - b - a - b“ (das sagt bereits der Begriff; ihr dürft voraussetzen, dass ich ihn kenne!);
* solche zusätzlichen Erklärungen wie im Beispiel (9) widersprechen dem Postulat der Sparsamkeit, also der Forderung, sich kurz und bündig auszudrücken und den Leser nicht durch unnötige Wiederholungen zu langweilen - man könnte manchmal vermuten, je weniger ein Schüler weiß,
desto mehr schreibe er;
f) beim Rückverweis nicht das eindeutige Demonstrativum verwenden, also nur „er“ statt „dieser“ oder „jener“ schreiben, obwohl vorher zwei Männer genannt waren;
g) der Situation der Schriftlichkeit nicht gerecht werden:
* verwaiste Nebensätze an einen fertigen Satz anhängen (wie in der Umgangssprache);
* Nomen parallel zum Nebensatz gebrauchen:
(10) „Er erklärt den Weg und warum er nicht mitgeht.“ < Er erklärt den Weg und auch den Grund, warum er nicht mitgeht.
* auf etwas „zeigen“, was der Leser nicht sehen kann („hier“...);
* verkürzende Wendungen aus dem Unterrichtsgespräch oder Abkürzungen aus Tafelbildern ungeprüft übernehmen; im täglichen Umgang lässt man auch ungenaue Ausdrücke zu, an der Tafel soll möglichst schnell und kurz etwas festgehalten werden (etwa mit dem Zeichen -> für „daraus folgt“) - das darf man sich im Aufsatz nicht erlauben, weil -> kein definiertes Zeichen ist! Was man an privaten Abkürzungen im Unterricht erfindet, darf in der öffentlichen Kommunikation des Aufsatzes nicht verwendet werden, ohne dass man es eigens einführte! Auch heißt + nicht „und“; das Zeichen + heißt „addiere!“, „und“ ist dagegen eine aufreihende Konjunktion;
* in der Umgangssprache wird inzwischen sogar im Rundfunk „weil“ wie eine Hauptsatzkonjuktion (also gleich „denn“) gebraucht, was trotzdem grausam klingt und (vorerst) falsch bleibt: „Ich gehe gleich zum Bäcker, weil ich habe großen Hunger.“ [falsch, richtig heißt es: „Ich gehe gleich zum Bäcker, weil ich großen Hunger habe.“
h) das Tempus der Analyse missachten (Präsens!);
das geschieht meist deshalb, weil man Analysieren mit Nacherzählen verwechselt; das Verhältnis der Vorzeitigkeit zum Präsens wird im Perfekt ausgedrückt;
i) falsch zitieren (das Zitat nicht in den eigenen Text einbinden oder den zitierten Satz nicht an den eigenen Text anschließen, sondern ihn bloß „reinknallen“ - siehe Zitiertechnik im Studio D), oder unpassende Belege anführen; vielleicht sollte man als Sonderform die unbeholfene (wenn auch im Unterrichtsgespräch vielleicht gebräuchliche) Wendung erwähnen:
(11) „Das sieht man an Wörtern wie...“ - an einzelnen Wörtern sieht man gar nichts (siehe oben Fehler 1 b)!
j) Analyse und Erörterung miteinander vermengen (d.h. bereits während der Analyse Stellung nehmen, den Text bewerten, seine Meinung äußern).
(Ich danke Herrn Görgen und Herrn Schwarz für hilfreiche Hinweise.)
Hier sind die vielen R-, Z-, Gr-, Sb-Fehler nicht genannt, die genannt werden müssten:
* Marinelli berichtet nicht vom fehlgeschlagenen Plan, sondern vom Fehlschlagen des Plans [oder: berichtet, dass ihr Plan fehlgeschlagen ist] - das ist etwas anders;
ebenso wird nicht die grassierende Unfähigkeit berücksichtigt, durch indirekte Rede eine fremde Meinung von der eigenen zu unterscheiden, auch nicht die Unfähigkeit, die Konjunktion „dass“ vom Relativpronomen oder von wem auch immer zu unterscheiden... - da geht es um so elementare Anforderungen, dass ich mich in der Sek II nicht mehr darum kümmern kann; die Hausaufgaben der Sek I müsst ihr selber nacharbeiten!
Donnerstag, 17. Januar 2008
Arbeit mit dem Schriftbild am PC/desktop
Die Idee ist folgende: Man kann am Rechner blitzschnell einen Text kopieren und reproduzieren, um an seiner Textgestalt probeweise Veränderungen vorzunehmen, welche man beibehalten oder folgenlos wieder löschen kann. Wozu soll das gut sein? Man könnte zum Beispiel einmal durchspielen, welche Elemente einer modernen Erzählung man als personal erzählt verstehen will - und dann erproben, was man als gesichertes Minimum, was als äußerstes Maximum ansehen will. Und solche Proben kann man wieder löschen, wenn man sagt: Das war nix. Ich schlage also bildschirmgestützte Analyseverfahren vor.
Ich gebe hier den Text einer Erzählung, damit man ihn kopieren und dann am Rechner selber durchspielen kann:
- Was ist das Minimum dessen, was der Erzähler als gegenwärtig geschehend berichtet?
- Was berichtet oder beschreibt er als "So ist es (immer)"?
- Was ist sicher ein Gedanke der "sie"?
- Was ist eventuell alles ein Gedanke der "sie"?
Ihr könnt diese Fragen probeweise beantworten, indem ihr einfach das Textbild variiert (fett, kursiv, Typen, Größe...):
Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
[Wolf Wondratschek, Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, Hanser-Verlag, München 1969, S. 52-53]
1. Versuch: Was ist das Minimum dessen, was als gegenwärtig geschehend berichtet oder objektiv als aktuell gegenwärtiger Zustand beschrieben wird?
(Die Formel "objektiv aktuell gegenwärtig" schließt Sätze aus, die besagen, wie "sie" inzwischen [geworden] ist.)
Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
2. Versuch: Was ist das Maximum dessen, was als gegenwärtig geschehend berichtet oder objektiv als aktuell gegenwärtiger Zustand beschrieben wird?
Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
(In der Maximum-Version wird unterstellt, sie sei wieder ins Büro zurückgekehrt; es wird unterstellt, der Erzähler behaupte (!), sie wisse, was sie will; es wird angenommen, sie werde wirklich beobachtet - das sind entscheidende Varianten des Verstehens! Unklar sind nicht nur die beiden "Zum Beispiel"-Wendungen; das Mädchen mit den Beinen kann man kaum einem Erzähler zurechnen.)
3. Versuch: Was könnte man als Erzählerkommentar verstehen?
Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
4. Versuch: Was ist das Minimum dessen, was man als ihre Gedanken ansehen muss?
Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
Wie gesagt, das sind Versuche - und sie fallen zum Teil schon anders aus, als ich es in meiner ersten Lösungserwartung zur Klassenarbeit mit Stiften im Text markiert hatte.
Bemerkenswert ist auch, dass mir bei diesem Markieren die Kategorie des Erzählerkommentars als mögliche Kategorie erschienen ist; an sie habe ich vorher nicht gedacht. - Weitere Kategorien:
* Beschreibung dessen, wie es (zeitlos) ist;
* Bericht anderen Geschehens;
* Bericht fremder Gedanken?
Man kann natürlich weitere Aspekte untersuchen, zum Beispiel das Thema "hat keine Zeit / alles muss schnell gehen" verfolgen oder die Spannung zwischen ihrem Wunsch, begehrt zu werden, und der Angst davor markieren (die Ambivalenz der Figur). In Sachtexten könnte man zusätzlich die logische Struktur markieren: einmal alles, was den Gedankengang im Großen andeutet, dann auch die kleinen logischen Verknüpfungen, die Überleitungen von einem Absatz zum nächsten, die vom Autor diskutierten Einwände; die stillschweigend gemachten Voraussetzungen könnte man farbig einfügen (überhaupt kann man auch farbig markieren, sofern man mit Word arbeitet). Aber man sollte nicht zu viele Schriftarten (und -grade usw.) und Farben miteinandern kombinieren, das verwirrt; lieber mehrere Durchgänge machen - sie kosten ja nichts!
Fazit: Die Beschreibung des Textes von Wondratschek ist noch weniger genau möglich, als ich vorher erwartet habe. Klar ist nur, dass "sie" in ihrem Denken voller Widersprüche ist (Wunsch, sich zu verlieben - Liebe als Katastrophe; vermeintliche Selbstsicherheit - Unsicherheit; beides spiegelt sich im Umgang mit der Zeit: Sie hat im Café keine Zeit - im Büro hat sie Zeit zum Träumen) und dass auch zwischen ihrem Denken und der Realität Spannungen bestehen; sie verträumt ihr Leben, vielleicht unter dem Druck der "Sorge" ihrer Eltern.
Zum Stellenwert des Verfahrens:
Es stellt einen Schritt auf dem Weg zum Verständnis dar; vorausgesetzt ist, dass man weiß oder sieht, wonach man suchen kann (methodisches und thematisches Vorverständnis). Folgen muss die Diskussion der verschiedenen Versuche und die Versprachlichung der Ergebnisse.

Geändert am 17. Januar 2008 um 20:11
Arbeitstechnik Präsentation
Technik des Vortrags
1. Vorbereitung des Vortrags
Die Wahl des Themas, die Materialsuche und die Strukturierung des Stoffes erfolgt bei der Vorbereitung eines Vortrages auf die gleiche Weise wie beim Schreiben eines Berichts.
Unsere Gedanken sollten wir dann aber nicht in vollständigen Sätzen schriftlich niederlegen, sondern höchstens Stichworte notieren. Auf diese Weise können wir den geplanten Aufbau einhalten (was ganz frei Sprechenden nicht immer gelingt), ohne jedoch die Augen ständig aufs Blatt zu nageln und abzulesen. Vor allem komplizierte Erklärungen werden besser verstanden, wenn wir sie frei formulieren und somit den Hörern anpassen können. Nur auf diese Art wird der Vortrag auch wirklich zur menschlichen Begegnung mit dem Publikum. Geübte Rednerinnen und Redner sprechen zu den Hörern nicht einfach vor ihnen , sie gehen auf sie ein, erläutern einen Punkt besonders, wenn sie Schwierigkeiten beim Begreifen verspüren, wiederholen Erklärungen, wenn es notwendig scheint. All dies können sie nur tun, weil sie frei vortragen. Natürlich gehört dazu, dass sie die Zuhörer auch wirklich sehen und weder an die Decke, die Wand noch auf die Notizen starren.
Unterteilen Sie Ihre Notizen in Grundinformationen und Zusatzmaterial. Aus Nervosität sprechen wir im Ernstfall oft schneller als bei der Probe. Um nicht viel zu früh fertig zu sein, ist es gut, wenn wir noch etwas in Reserve haben.
Wenn Sie Ihren Vortrag zu Hause üben, kann ein Tonband helfen, die eigenen Schwierigkeiten zu erkennen. Vielleicht hören Sie auf diese Weise, dass Sie dazu neigen, Ihre Sätze nicht zu beenden, die gleichen Ausdrücke immer wieder zu verwenden oder zu schnell zu sprechen; Sie haben dann noch die Möglichkeit, diese Fehler auszumerzen. Auch ein Probevortrag vor Familienangehörigen oder Bekannten kann diesem Zweck dienen.
Wenn Sie den Vortrag mehrmals üben, versuchen Sie, Ihre Gedanken immer wieder anders zu formulieren und auf verschiedene Arten auszurücken. So gewinnen Sie Sicherheit und die Überzeugung, dass Sie Ihren Stoff wirklich beherrschen. Außerdem werden Sie beim Sprechen flexibler und können besser auf Ihr Publikum eingehen.
2. Beginn des Vortrags: Interesse wecken
Gute Rednerinnen oder Redner schenken dem Beginn ihres Vortrags besondere Aufmerksamkeit, weil sie das Interesse ihres Publikums gewinnen wollen. Sie führen deshalb mit einer Anekdote, einer witzigen Bemerkung, einem besonders treffenden Beispiel in ihr Thema ein, bevor sie zu allgemeinen und abstrakten Darstellungen übergehen. In anderen Fällen setzen sie eine Übersicht, die praktische Anwendung ihrer Ausführungen an den Anfang, stellen einen Bezug zur Situation der Hörer her und wecken damit ihr Bedürfnis, mehr über das Thema zu erfahren.
3. Gliederung vorgeben und bei jedem neuen Aspekt darauf verweisen
Die Gliederung des Vortrags muss am Anfang vorgegeben und kurz erläutert werden. Sie sollte zudem den Zuhörern jederzeit präsent sein (visualisieren!). Neue Teilbereiche immer erst benennen und noch einmal auf die Gliederung verweisen, dann in Einzelheiten gehen!
4. Laut genug sprechen, Pausen machen, Redetempo und Lautstärke variieren - Kurze, klare Sätze verwenden
Sprechen Sie laut genug, damit auch die Leute in den hintersten Bankreihen Sie verstehen.
Man spricht anders, als man schreibt. Langen, komplizierten Sätzen kann zwar ein Leser folgen, weil er die Möglichkeit hat, die einzelnen Satzteile isoliert zu betrachten. Bei einem Vortrag empfiehlt es sich aber, kurze, klare Sätze zu machen.
Erklären Sie Begriffe und Fachausdrücke, wenn Sie sie zum ersten Mal verwenden, vor allem, wenn Sie sich nicht an ein Fachpublikum wenden.
Gedankensprünge verwirren die Hörer, die ja nicht zurückblättern und sich orientieren können. Bleiben Sie beim Thema, wiederholen Sie eine Angabe lieber, als sich auf das Gedächtnis der Hörer zu verlassen. Fassen Sie das Gesagte ab und zu zusammen.
Bei schwierigen Sachverhalten hilft es den Hörern, wenn Sie das Gleiche in verschiedenen Worten mehrmals umschreiben.
Vermeiden Sie lange Aufzählungen, legen Sie das Ganze lieber in einigen treffenden Beispielen dar.
5. Gestik und Mimik bewusst einsetzen
Versuchen Sie, Ihre Gliedmaßen während des Sprechens unter Kontrolle zu halten und nervöse Gewohnheiten, wie wildes Gestikulieren, Zupfen an der Kleidung usw., auszuschalten. Üben Sie dagegen schon vorher, wie Sie mit Gesten und Ihrer Mimik den Vortrag unterstützen können.
6. Blickkontakt halten und Reaktionen beachten und auf sie reagieren
Reden Sie nicht ins Leere hinein, sondern zu den Zuhörern. Schauen Sie einzelne Zuhörer zwischendurch gezielt an und achten Sie auf die Reaktionen der gesamten Zuhörer. Reagieren Sie flexibel, wenn Sie besonderes Interesse oder Desinteresse feststellen.
7. Fragen, Kommentare und Diskussionen ermöglichen
Bei längeren Reden braucht der Hörer ab und zu eine Atempause. Diese kann in Form von Abschweifungen, Anekdoten usw. in den Vortrag eingeflochten werden. Eine andere Möglichkeit ist das Einschalten von Übungen oder die Aufforderung zu Diskussionen, Fragen, Kommentaren.
8. Visualisierung von komplexen Fakten und Zusammenhängen
Überlegen Sie sich auch, welche Hilfsmittel den Vortrag auflockern und zum Verständnis des Stoffes beitragen können. Namen, Zahlen, Fachausdrücke usw. sollten möglichst an die Tafel geschrieben werden. Tabellen, graphische Darstellungen, Zeichnungen, die Sie eventuell mit Hilfe eines Overheadprojektors zeigen, veranschaulichen komplexe Tatbestände.
Acht Gestaltungsprinzipien für Visualisierungen
Durch bewusste Gestaltung wird eine Visualisierung (Tafel, Flipchart, Pinnwand, Folie, computergestützte Präsentation) verständlicher, interessanter und einprägsamer. Dabei sind jedoch die folgenden Prinzipien zu beachten:
Struktur: Die Visualisierung sollte vor allem die gedankliche Struktur des Vortrags widerspiegeln; dabei sind u. a. die folgenden Kategorien zu berücksichtigen:
· Zuordnung, Abgrenzung
· Unter- oder Überordnung
· Chronologie oder Kausalität (Ursache, Wirkung)
· Gegensätzlichkeit (Pro - Kontra, Vor- und Nachteile)
· Aufzählung: zufällig oder in bewusster Reihenfolge (z. B. Steigerung)
Textreduktion: Die Visualisierung muss sich deutlich vom gesprochenen Text absetzen. Sie dient der gedanklichen Reduktion und der Konzentration auf das Wesentliche.
Hervorhebung: Was besonders wichtig ist, kann durch Auszeichnung, Farbigkeit oder Schriftwechsel optisch hervorgehoben werden.
Ähnlichkeit: Was ähnlich oder gleich ist bzw. der gleichen Kategorie angehört, sollte durch ähnliche oder gleiche Formatierungen dargestellt werden (Schriftart, Schriftgröße, Auszeichnung, Farbe).
Zusammenhang: Was inhaltlich zusammen gehört, sollte durch Absätze, unterschiedliche Zeilenabstände, Trennungslinien, Spalten usw. von anderen Inhalten abgesetzt werden. Wichtiges kann durch Textrahmen oder Tonwertflächen (Schattierungen) zusätzlich hervorgehoben und zusammengefasst werden.
Grafische Elemente: Texte lassen sich häufig durch Bilder, Skizzen oder Diagramme ergänzen. Auch Symbole (Pfeile, Gliederungspunkte, Verkehrszeichen usw.) oder prägnante Formen (Pyramide, Entwicklungsstufen, Haus, Säulen usw.) sind für die Gestaltung von Texten hilfreich.
Farbigkeit: Farbe erhöht nicht nur die Aufmerksamkeit bei einer Visualisierung. Gezielt eingesetzt (das heißt: konsequent, funktional und sparsam verwendet) kann Farbigkeit darüber hinaus Strukturen verdeutlichen und somit auch die Verständlichkeit erhöhen.
Angemessenheit: Beachtet werden sollten nicht nur der Zusammenhang von Inhalt und Form, sondern auch Situation und Zielgruppe sowie der Grundsatz der Arbeitsökonomie. Übertreibungen in der Gestaltung verbieten sich damit von selbst.
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