Einträge "Studio D11.4":

Freitag, 1. Juni 2007

HA zum 5. Juni

Ihr sollt entweder die beiden Fabelanfänge (neues AB) zu Ende führen oder selber zwei Fabeln schreiben:
- für jemanden, der auf einen gerissenen Betrüger hereingefallen ist, als Adressaten;
- für jemanden, der versucht, Erwachsene (den Ehegatten etwa) zu erziehen, als Adressaten, oder je eine Fabel fortsetzen und eine neu schreiben.

Dann noch ein Beobachtung zum Unterricht heute (wie ihr euch schwer getan habt, zu erklären, wieso die drei Fabelpaare die Fabeltheorie des Aristoteles in Frage stellen). Das Schema muss so konstruiert sein:
- Nach der Theorie des Aristoteles kommt es bei einer Fabel darauf an...
- In dem vorliegenden Fabelpaar ist die Fabel aber so aufgebaut, dass...
- Daraus ergibt sich, dass solche Fabeln nicht dazu geeignet sind, Menschen zu einer Entscheidung auzurufen, wozu nach Aristoteles die Fabeln ursprünglich verwendet wurden und was sich im Aufbau der klassischen Fabel darin zeigt, dass darin eine richtige vor einer falschen Entscheidung (durch Misserfolg oder ein kluges Wort) ausgezeichnet wird.

Dieser Ansatz einer Erklärung liegt auch dem Schema zugrunde, das ich euch für die Szenenanalyse gezeichnet habe: etwas in einem Rahmen erklären ("Was ihr bei einer Analyse leisten müsst..."). Hier zeigt sich, wer ein guter Schüler ist: einer, der das Schema versteht und es auf verwandte Situationen oder Fälle übertragen kann. Ein schlechter Schüler lernt etwas blind, ist an der Sache nicht interessiert, schreibt am liebsten irgendwo etwas ab, versteht deshalb auch nichts und denkt nur an seine Note. Falsch! Gut kann man nur werden, wenn man sich (auch) für die Sache und nicht nur für die Note interessiert. Gut kann man nur werden, wenn man nicht blind lernt, was im Buch oder an der Tafel steht oder aus dem Mund des Lehrers erklingt - "Sie haben gestern aber gesagt..." - wer will mich hindern, heue klüger als gestern zu sein, heute in und aufgrund der Auseinandersetzung mit euch etwas klarer zu erklären (manchmal auch: zu verstehen) als gestern?

von: studioD
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Geändert am 5. Juni 2007 um 21:37

Mittwoch, 30. Mai 2007

4. Klausur

Lessing: Nathan der Weise III 2
Ausgangssituation: Elementar ist die Szene II 5.
- Recha möchte dem Tempelherrn danken (II 5), erwartet ihn ungeduldig (II 4 und III 1);
- dieser will zunächst nicht zu Juden gehen (I 3), hat jedoch Nathans Freundschaft und Einladung angenommen (II 5 und II 7) und möchte Recha kennenlernen.
* Man könnte auch noch Daja erwähnen, welche die beiden aus egoistischen
Gründen verkuppeln möchte (III 1), doch spielt sie hier eine untergeordnete Rolle.
Phasen des Gesprächs:
- Eröffnung: kleine Irritation (V. 1603 f.);
- Recha beschämt den Tempelherrn wegen seiner Weigerung, Dank anzunehmen, durch Ironie (bis 1634);
- der Tempelherr steht und zeigt sich im Banne Rechas (bis V. 1677);
- er findet einen Vorwand und entfernt sich, um der „Gefahr“ der Liebe zu entgehen.
Übersicht über das Geschehen:
- Eröffnung (s.o.);
- Rechas ironische Rede, sie beschämt den Tempelherrn, macht ihm einen Vorwurf;
- dieser verteidigt bzw. entschuldigt sich (mit „Vorwurf“ an Daja),
er wird von Daja getröstet und von Recha verspottet (bis V. 1634);
- er macht Recha ein Kompliment, wie schön sie ist (V. 1634 ff.)
- und steht ganz im Bann der Frau (Regieanweisung hinter V. 1640 und 1641);
- Recha fragt, wo er gewesen ist, um ein Gespräch zu beginnen (-> Sinai);
- wechselseitige Ab- und Zuwendung wegen des Th.‘ Verliebtheit (V. 1660 ff.);
- Th. fragt unsicher nach Rechas Liebe (V. 1669 ff.);
- allgemeiner Rekurs auf Nathan aus verschiedenen Gründen (V. 1672 ff.);
- unter dem Vorwand, mit Nathan verabredet zu sein, entfernt der Th. sich
- und weist noch auf die Gefahr hin, die allen (vor allem ihm, wegen der Liebe) droht.
Was man bemerken sollte, ist der ironische Ton in Rechas Danksagung; sind die vielfältigen Zeichen der Verwirrung beim Tempelherrn (fassungslos vor Liebe); ist die relative Ruhe Rechas; sind die Tatsachen, dass der Th. zum Schluss einen Vorwand sucht, um gehen zu können, und dass die Hauptgefahr ihm selber von Recha droht.
Damit sind viele Feinheiten des Gesprächs noch nicht beachtet, was in einer Klausur auch nicht einzufordern ist. Vielmehr geht es darum, die Reden aus einer Situation zu verstehen; jede Äußerung als Folge einer anderen und als Anlass einer folgenden Äußerung zu begreifen; den Gang des Gesprächs insgesamt zu begreifen und zu erkennen, was dabei herauskommt.

Ergebnis:
- Recha ist erfreut, aber ruhig (III 3); sie bleibt am Th. interessiert, ohne verliebt zu sein, was Daja ihr jedoch einreden will;
- der Th. hat sich dagegen in Recha verliebt, muss seinen Zustand reflektieren (im Monolog III 8) und wird um Rechas Hand bei Nathan anhalten (III 9), was zu Verwirrungen (IV 2) und zur endgültigen Klärung (V) führt.

Es gab 23 Pt. für die Analyse und 7 für Sprache (Belege; Ausdrucksweise ; sprachliche Richtigkeit). Mit 13,5 Punkten gibt es noch eine 4; Durchschnitt war 4,1 - der Bereich 3 fehlte beinahe ganz.  

von: studioD
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Geändert am 1. Juni 2007 um 23:33

Mittwoch, 23. Mai 2007

Fabeln

Was aus der Stunde heute klar sein müsste: 
- Unser Vorwissen von Fabeln ist zu stark vereinfacht.
- Mit dem Verständnis, dass Tiere eine bestimmte menschliche Eigenschaft repräsentieren, kommen wir nicht weiter; wir konnten uns nämlich nicht über die "Eigenschaften" von Löwe und Esel (Nr. 2) oder Schlange, Wiesel und Mäusen (Nr. 4) verständigen.       
- Wichtig ist zu sehen, dass die Figuren (Menschen oder Tiere) in einer Situation stehen und handeln.  
- An dieser Stelle können wir auf des Aristoteles Fabeltheorie zurückgreifen, um den früheren Gebrauch von Fabeln zu verstehen; die Fabel hat in Europa eine über zweitausendjährige Geschichte, in der sich einiges getan hat.   
- In dieser Geschichte gibt es solche Verwerfungen wie die an Nr. 4 zu beobachtende, dass die "Lehre" nicht zur Fabel passt (vermutlich weil sie später angehängt worden ist) oder dass dem berühmten Äsop Fabeln zugeschrieben werden, die gar nicht von ihm sind, aber mit diesem Autornamen als Fabeln legitimiert werden.               
- Wir werden sehen: Durch die Erzählung einer Fabel wird eine Situation als eine bestimmte Situation definiert. 

von: studioD

Donnerstag, 10. Mai 2007

Bitte kaufen

Fabeln, hrsg. von Therese Poser, Reclam 9519 (kostet 2,60 Euro); bitte bis zum 22. Mai gekauft haben!

Meine Lieben,
dass zwei Wochen später von 18 anwesenden Schüler 9 den Text noch nicht gekauft haben, ist schon eine bemerkenswerte Schlamperei und weder mit der Kreislaufschwäche vom 22. Mai noch mit der Jüchener Kirmes vom 21./22. Mai zu entschuldigen.

von: studioD
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Geändert am 23. Mai 2007 um 19:34

Mittwoch, 2. Mai 2007

Modell der Analyse

von Sachtexten, hier Texten der Sekundärliteratur über Kunstwerke (Nathan der Weise):

Man muss oder kann sich dieses Unternehmen als ein Geschehen auf drei Ebenen denken: Auf der untersten, der elementaren Ebene agieren der Tempelherr und die andern Buben und Mädchen; diese Ebene nennen wir vereinfacht "Lessings Text", das im Text festgehaltene Sprechen und Handeln der Figuren nebst den Regieanweisungen des Autors. [Auf der Augenhöhe dieser Figuren bewegt man sich noch, wenn man das Geschehen erzählt.] Auf einer höheren Ebene operiert in unserem Fall Thomas Koebner; er schreibt einen Text über das Dramengeschehen und die Figuren des Dramas, in unserem Fall den Tempelherrn, und erklärt das Handeln der Figuren und das Geschehen; dafür beruft er sich auf "den Text", operiert dabei mit allgemein bekannten Kategorien wie "Krise", "Identifikationsfigur" usw.; wenn man Koebners Gedanken bloß referiert, bewegt man sich auf seiner Augenhöhe. Auf einer noch einmal höheren Ebene bewegen wir uns, wenn wir Koebners "Text" analysieren; wir beschreiben und erklären, wie Koebner denkt und erklärt: Koebner erklärt, wodurch die Krise zustande kommt; Koebner weist Nathans Einschätzung des Tempelherrn zurück; Koebner setzt sich mit dem möglichen Einwand auseinander, dass der Gang des Tempelherrn zum Patriarchen seiner These von der Hinwendung zum Islam widerspreche... Wenn wir Koebners Gedanken analysieren, ist Koebners Aufsatz für uns "der Text". (Was wir tun, wenn wir uns mit Koebner auseinandersetzen, werden wir in einem neuen Modell denken müssen.)

Modell der Analyse:

2. Ebene über Lessings Text:
Wir untersuchen (beschreiben, erklären), was Koebner in seinem Aufsatz gedanklich tut. Sein Aufsatz ist für uns "der Text".

1. Ebene über Lessings Text:
Koebner untersucht (beschreibt, erklärt), was die Figuren in Lessings Drama tun. Lessings Drama ist für ihn "der Text". - Er wendet sich an potenzielle Leser und Erklärer, die auf dieser Ebene ihm widersprechen könnten, und sich mit ihren möglichen (oder tatsächlich ausgeführten Einwänden) auseinander. [Hier geht die Lektüre in "Wissenschaft" über, wenn solche Auseinandersetzungen bestimmten Normen entsprechen.]

Ebene des Geschehens: Lessings Text
Die elementare Ebene, um deren Verständnis es letztlich geht, ist das in Lessings Text festgehaltene und von dort aus zu realisierende (Spiel)Geschehen des Dramas. Wenn wir uns mit Koebner auseinandersetzen, werden wir im Prinzip auf diese Ebene blicken und unsere Erklärungen mit denen Koebners und anderer kompetenter Erklärer vergleichen, sie argumentativ voneinander abgrenzen usw. - letztes Kriterium unserer Erklärungen kann immer nur das "bessere" Verständnis von Lessings Text, also vom Dramengeschehen sein, auch wenn es auf der 1. Ebene über Lessings Text anerkannte Erklärer geben mag.

HA zum 4. Mai ist übrigens die Erörterung von Koebners Erklärung von des Tempelherrn Krise (unsere Analyse vom 2. Mai).

 

von: studioD
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Geändert am 2. Mai 2007 um 22:55