Einträge "Januar 2008":

Mittwoch, 23. Januar 2008

Probleme mit bloghof.net

Nachdem in dem einen Blog seit einigen Tagen die Zählung der Besucher im Balkendiagramm der Statistik ausgefallen ist, zeigten sich heute mehrere Schwierigkeiten:

- Probleme mit dem Einloggen (auch nach dem Einloggen konnte man sich noch mal einloggen) bzw. kam man nicht weiter,

- ein Support-Link funktionierte nicht,

- ich geriet von der Statistik des einen Blogs (studioD) plötzlich in die meines anderen (norberto42);

- die Datierung von Beiträgen stimmt auch nicht immer (Uhr: Zeitangabe)...

es hakt einiges auf dem Bloghof. 

von: studioD in: Medien

Freitag, 18. Januar 2008

Virtuelle Bibliotheken

Es gibt mittlerweile viele virtuelle Bibliotheken. Ich führe an einem Beispiel vor, wie man sie findet:
-> UB Basel (Universitätsbibliothek Basel)
-> Virtuelle Bibliothek; dort klickt man dann das gewünschte Gebiet an, in unserem Fall also
-> Germanistik; dort findet man viele Hilfsmittel, die nur in Basel oder für gemeldete Nutzer greifbar sind, aber eben auch Links zum Fachgebiet, mit Zugang zu weiteren virtuellen Bibliotheken. - Vergleiche auch
http://www.germanistik.uni-halle.de/lehrmaterial/fachdidaktik/61253_158868/ (virtuelle Biliothek der Uni Halle)
http://www.uni-mannheim.de/users/bibsplit/litrech.html
http://www.virtuelleallgemeinbibliothek.de/index.html#sys
von: studioD in: Hilfsmittel

Synonyme findet man

in folgenden Wörterbüchern bzw. Verzeichnissen:   

http://synonyme.dict2.de/ (8 Sprachen, auch D-D)
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (zwei Angaben)
http://www.woerterbuch.info/ (neben Übersetzung -> E)
http://ein.anderes-wort.de/ (dürftig)
http://www.textlog.de/  (u.a. Eberhard, 1910, und alte Belege)
http://openthesaurus.de/
http://www.dwds.de/ (knapp, aber gut)
http://wiktionary.de/  (mit Verweis auf dwds und Wortschatz Leipzig)
http://www.wie-sagt-man-noch.de/synonyme/
http://synonyme.woxikon.de/synonyme/
http://www.wissen.de

http://www.babylon.com/definition/synonyme/German (= wikipedia) 

von: studioD in: Hilfsmittel
Entry modified
Geändert am 19. Januar 2008 um 11:32

Germanistik, Literatur- und Sprachwissenschaft - Links

http://www.germanistik.uni-halle.de/lehrmaterial/fachdidaktik/61253_158868/ (virtuelle Biliothek der Uni Halle)
http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/links/homepages.html
http://www.erlangerliste.de/ressourc/ressourc.html
http://www.uni-essen.de/einladung/
http://www.uni-essen.de/sesam/
http://www.linse.uni-essen.de/inlink/index.php

http://www.katz-heidelberg.de/Literatur-Links/literatur-links.html
http://www.helsinki.fi/~lenk/themen2.html (2003: Germanistik im Internet)
http://www.helsinki.fi/~lenk/Detailinformationen.html (Kurs 2003)
http://kurstagebuch.blogspot.com/ (2005)
http://www.fo-net.de/Evaluation/Borse/Die_Strukturen_des_Faches_Deut/
http://www.ich-will-schreiben-lernen.de/browser/upgrade.html
Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe online:
http://www.li-go.de/definitionsansicht/ligostart.html
sowie http://www.netschool.de/deu/schulw/oberst/gloss_m.htm.
Einführung in die Sprachwissenschaft:
http://www.fb10.uni-bremen.de/linguistik/khwagner/Grundkurs1/
http://www.fask.uni-mainz.de/inst/iaspk/Linguistik/Welcome.html
http://coral.lili.uni-bielefeld.de/Classes/Summer98/Grundkurs98/Vorlesung/grundkursvorlesung/
http://www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/lin0.htm (Übersicht)
Wichtige Hilfsmittel zur Literaturwissenschaft (Stoff- und Motivforschung im Internet, bis 1999):
http://www.bsz-bw.de/depot/media/7400000/7426000/7426829/bies.htm

Eine unkommentierte Linkliste bietet der Bildungsserver Hessen:
http://sform.bildung.hessen.de/gymnasium/skii/Gesellschaft/.
Man könnte also unter dem Stichwort "Bildungsserver" +Ländername einmal nachsehen, was es so alles gibt. Indem ich meine Idee mit "Berlin" selber ausführe, finde ich
http://www.bebis.de/bebis_start,
dort kommt man unter "Fächer" zu "Deutsch" usw. Insgesamt hat der Bildungsserver Berlin 400.000 Einträge bei yahoo, die ersten fünf reichen bereits, die ersten fünfzig bieten schon Offfenbarungen! Na, und so könnt ihr selber mal weitersuchen...
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/filmanalyse/
bietet Links zur Filmanalyse; man sollte auch als Schüler öfter in die learn-line hineinsschauen! (Warum das Ding allerdings learn-line heißen muss, weiß Gott alleine, wenn überhaupt!)
Was man wissen sollte, wenn man in München Germanistik studieren will - d.h. was man wissen sollte, wenn man in NRW Abitur macht, steht in der Lauer-Liste:
http://www.fachschaften.uni-muenchen.de/Germanistik/Glossar.html
Bei http://www.lexikon.ch stößt man zunächst auf die Möglichkeit, Lexika anzuklicken, aber eben auch "wörterbücher" (Deutsch - Fremdsprachen) und "weitere wörterbücher". Dort stößt man bei (http://www.canoo.net/) auf "Canoo neue deutsche Rechtschreibung" und ähnliche - die muss man einmal ausprobieren, vor allem das Flexionswörterbuch und die Rechtschreibung; die beiden Links ersetzen einem mehrere Bände Duden!
Literatur-Links
Links zu Texten deutscher Autoren und zu ins Deutsche übersetzten Texten:
http://www.litlinks.it/litlinks.htm
Freiburger Anthologie: die wichtigsten deutschen Gedichte 1720-1900:
http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl
Das Projekt Gutenberg (Texte von mehr als 1000 deutschen Autoren): http://gutenberg.spiegel.de/
Viel Literatur gibt es
bei http://www.fh augsburg.de/~harsch/augustana.html,
wo man dann „Bibliotheca Germanica“ anklicken kann;
http://cornelia.siteware.ch/literatur/ (Stand 2004).

von: studioD in: Hilfsmittel

Wörterbücher, Lexika (nicht nur für das Fach Deutsch)

Ich gebe euch im Folgenden eine Liste von Wörterbüchern und Lexika. Es empfiehlt sich immer, dass ihr Unbekanntes nachschlagt; das könnt ihr nur, wenn ihr zuvor einmal die Liste selbst durchstöbert und die genannten Möglichkeiten überprüft habt. Vermutlich ist es am einfachsten, wenn ihr jede brauchbare Adresse als Lesezeichen in eurer eigenen Maschine installiert:
http://www.lexikon.ch/ (Hier kann man Wörterbücher und Lexika finden, bei den Wörterbüchern: Rechtschreibung, Flexion, Wortbildung)
http://www.at-web.de/lexikon/index.htm (eine Reihe von Lexika und Wörterbüchern)
http://www.ub.uni-bielefeld.de/search/reference/
http://www.fh-augsburg.de/informatik/projekte/mebib/fidb/lexika.html (zwei Sammlungen von Wörterbüchern)
http://lexikon.umkreisfinder.de/
http://www.ilexikon.com/ (zwei Lexika)
http://www.know-library.net/
http://www.erlangerliste.de/ressourc/lex.html (umfangreich!)
http://www.biblint.de/fachlexika.html (Fachlexika für Geistes- und Kulturwissenschaften)
http://wortschatz.uni-leipzig.de/ (Dt.Wörterbuch)
http://www.dwds.de/woerterbuch (dito)
http://www.wissen.de/c/homepage.html (u.a. ein Wörterbuch Deutsch),
ähnlich unter http://www.schuelerlexikon.de;
http://www.netschool.de/deu/schulw/oberst/gloss_m.htm (literaturwissenschaftl. Wörterbuch für Schüler)
http://www.li-go.de/ligostart.html (lit.wiss. Grundbegriffe)
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/asw/gfs/deutsch/onlinewb/frames.html (Wb Semantik)
http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/semiothes/lexicon/default/index.html (Semiotischer Thesaurus)
http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/  

http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite
http://lexikon.izynews.de/lex/Spezial:Allpages?from=Aer (schau mal nach!)
http://www.internetbibliothek.de/wir_ueber_uns.jsp
http://lexikologie.de/ (Wortbildung)
http://lexikon.meyers.de/index.php/Spezial:Allpages (allgemein: Kurzfassung)
Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm findet man unter
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbwelcome,
dort "Wörterbuch aufschlagen" klicken, dann (kann man auch als bookmark festlegen!) in "Stichwort suchen" das Stichwort eingeben und die Lupe klicken.
Es gibt eine Reihe "Basiswissen Schule", die vom paetec-Verlag zusammen mit dem Bibliographischen Institut (Brockhaus, Duden) herausgegeben wird. Auf diese Reihe hat man auch im Netz Zugriff, und zwar unter http://www.schuelerlexikon.de; für uns sind natürlich die Bände "Literatur" und "Deutsch" interessant.

von: studioD in: Hilfsmittel

Operatoren (Fach: Deutsch) verstehen und beachten

Ein Operator ist eine standardisierte Arbeitsanweisung; Arbeitsanweisungen zu standardisieren ist sinnvoll (und bei zentralen Prüfungen unerlässlich), damit jeder genau weiß, was er zu tun hat.

Unter den Stichworten „Abitur.nrw 2008“ und „Deutsch. Übersicht über die Operatoren“ kann man die für das Abitur 2008 gültigen Operatoren als pdf-Datei herunterladen. Diese Operatoren sind sowohl nach ihrer Klarheit wie nach ihrer Menge noch reformierbar; ich unterbreite hier meine Überlegungen zu den Operatoren, welche darauf hinauslaufen, die Zahl der Operatoren zu reduzieren (sowie einige anders zu gewichten) und so für mehr Klarheit zu sorgen.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich I
1. Immer, wenn etwas „strukturiert“ dargestellt werden soll, ist die Ebene der Reproduktion verlassen; nach diesem Kriterium gehören „beschreiben“ und „zusammenfassen“ nicht in den Bereich I.
2. „in eigenen Worten“ ist eine Anforderung, die nicht kontrollierbar oder bewertbar ist; sie umschreibt vornehm die Erlaubnis zu labern.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich II
1. „erschließen“ sollte man streichen, wenn es nichts anderes sagt als „untersuchen“.
2. „einordnen“ ist eine Leistung, die höhere Anforderungen als das definierte „deuten“ stellt, weil beim Einordnen die Ebene des Textes überschritten wird; nur durch die Beschränkung auf „eine“ (Aussage usw.) ist die Einordnung in den Bereich II zu rechtfertigen.
3. Etwas „durch zusätzliche Informationen“ veranschaulichen kann man nicht mehr „erklären“ nennen; „erklären“ ist von dem hier definierten „erläutern“ zu unterscheiden.
4. „in Beziehung setzen“ ist derart verwaschen, dass man es streichen soll; wenn man etwas sinnvoll zu anderem in Beziehung setzen kann, kann man dies durch die drei gegebenen Operatoren einfordern.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich III
1. Elemente können keine Intention haben (zu „deuten“), nur Personen können Intentionen verfolgen.
2. Was hier „deuten“ heißt, ist eigentlich die Aufgabe des Analysierens: Elemente benennen und in einen Erklärungszusammenhang bringen.
3. „deuten“ (= interpretieren) heißt: einen Bezug zu außertextuellen Größen herstellen.
4. Wie mit Bezug auf Fachwissen etwas „selbstständig“ beurteilt werden kann, ist mir nicht ganz klar; ich würde „kompetent“ oder „umfassend“ für sinnvollere Bestimmungen halten.
5. Dass sich Wertmaßstäbe „aus ausgewiesenen Normen und Werten ableiten“ lassen sollen, ist eine naive Annahme. Solche Formulierungen halten sich nur durch ihre Verschwommenheit: Wann sind denn Normen und Werte durch wen und vor welchem Maßstab ausgewiesen? [Wenn sich einer auf den Koran oder das AT beruft, um Frauen steinigen zu dürfen, hat er eine ausgewiesene Norm!]
6. „(kritisch) Stellung nehmen“ ist gleich „beurteilen“; ersatzlos streichen!
7. Wieso „begründen“ in den Bereich III gehört, verstehe ich nicht; ich würde es Bereich II zuordnen: „erläutern“ und „einordnen“ sind höherwertige Leistungen!
8. „sich auseinandersetzen mit“ ist gleich „beurteilen“ und demnach zu streichen.
9. „prüfen, überprüfen“ ist eine Variante des Beurteilens. (?)
10. Dass man beim Operator „entwerfen“ die notwendigen Entscheidungen und Arbeitsschritte benennen soll, kann man eigens in der Aufgabenstellung sagen - das behält sowieso niemand. Dann kommt man mit dem einen Operator „gestalten“ aus.
11. Die bei diesem genannte Bestimmung „nach ausgewiesenen Kriterien“ ist genauso schwammig wie beim Operator „bewerten“; solange man nicht klärt, wann etwas „ausgewiesen“ ist (der Stand der Wissenschaft vor 20 Jahren als Kriterium?), sollte man auf solche Bestimmungen verzichten und sie etwa durch „(nachvollziehbar) begründet“ ersetzen.

Typische Fehler vermeiden!

Ich versuche, hier drei Bereiche zu unterscheiden - man kann ihnen auch die vier S (schauen, sammeln, sortieren, schreiben - eine Anweisung über die Schritte, die zu einem guten Aufsatz führen) zuordnen:
* beim Lesen [schauen],
* beim Verarbeiten [sammeln und sortieren],
* beim Schreiben [schreiben].

1. Fehlerquellen beim Lesen:
a) Die Aufgabenstellung wird nicht sorgfältig wahrgenommen.
* Wenn man die Grundform von Verben notieren soll, dann darf man eben nicht die Personalform aufschreiben.
* Wenn man einen Text analysieren soll, darf man ihn nicht reproduzieren.
b) Offene oder verborgene Hinweise werden nicht wahrgenommen. Offene Hinweise stellen Erläuterungen des Lehrers dar; verborgene Hinweise stecken manchmal im Namen des Autors, oft im Datum und im Medium der Veröffentlichung eines Textes. So ist zum Beispiel „Kabale und Liebe“ 1784 uraufgeführt worden, also fünf Jahre vor der Französischen Revolution!
c) Man versteht einen Text nicht in seinem historischen Rahmen. So ist Coetzees Roman „Schande“ nur aus der Situation der Zeit kurz nach dem Ende der Apartheid zu verstehen, Bölls Romane sind in der Geschichte der frühen Bundesrepublik verankert. Das gilt auch für einzelne Worte, etwa für „Busen“ (bei Goethe) im Sinn von Brust (allgemein), Herz; im Wanderer kann der christliche Gedanke anklingen, dass der Mensch zur ewigen Heimat unterwegs ist (homo viator).
d) Man versteht Anspielungen nicht, etwa den Wunsch des Wanderers, die Blume zu brechen (Goethe: Gefunden), als Metapher dafür, ein Mädchen zu erobern oder zu verführen; oder man erkennt in dem Holzgerät, wo etwas mit einer schrägen Kante heruntersaust, nicht die Guillotine (Kunert: Bericht).
e) Man reißt einzelne Wörter aus dem Text heraus, statt sie im Satz zu lesen. Das ist oft damit verbunden, dass „Inhalt“ reproduziert, aber nicht das sprachliche Handeln erfasst wird:
(1) „Ich weiß mich frei von Wunschdenken.“ Brandt spricht nicht über Freiheit und auch nicht einfach über Wunschdenken, sondern widerspricht einem Vorwurf, der ihm gemacht wird.
(2) „Erlosch auch hier ein Duft, ein Schimmer,
Ein Zauber, der dich einst bewegt,
Daß du in meine Hand gefangen
Die freie Mädchenhand gelegt?“ (Storm)
Der Sprecher erzählt hier nicht von der Vergangenheit (Nebensatz!), sondern stellt eine Frage (Hauptsatz!), ob in seinem Gesicht ein Zauber verschwunden ist.
f) Man liest einen Satz nicht in seinem Kontext.
(3) So steht vor der zitierten Strophe in Storms Gedicht „Im Herbste“ die folgende:
„Du legst die Hand an meine Stirne
Und schaust mir prüfend ins Gesicht;
Aus deinen milden Frauenaugen
Bricht gar zu melancholisch Licht.“
Danach fragt der Sprecher... (s.o.)
Diese Geste, die Hand an die Stirn zu legen und prüfend zu schauen, ist hier keine Aktion, mit der Fieber festgestellt wird, sondern die Antwort (Kontext!) auf den prüfenden Blick des Sprechers in das Gesicht seiner Frau und der Anlass (Kontext!) zur Frage, ob auch er sich verändert hat, also gealtert ist.
g) Man verwechselt in fiktionalen Texten den Autor mit dem jeweiligen Sprecher, also das lyrische Ich mit Goethe oder eine Äußerung Ferdinands mit Schillers Verständnis von Liebe.
h) Oder, kurz gesagt, man liest nicht analytisch:
- vom Sprecher als der handelnden Größe ausgehend,
- sein sprachliches Handeln erfassend.

2. Fehlerquellen beim Verarbeiten:
a) den Stoff nicht sortieren, also nicht gliedern; dem entspricht, dass ein Text von oben nach unten paraphrasiert wird;
b) die Komplexität eines Themas nicht erfassen, sondern mit einer einfachen Zweiteilung (etwa „positiv - negativ“) verdecken - was aber immerhin besser als gar nichts ist.
c) Suchkategorien überstrapazieren (Tipps des Lehrers oder des Lehrbuchs überstrapazieren):
Bei der politischen Rede werden als Suchkategorien „aufwerten /abwerten“ empfohlen; missverstanden ist diese Suchkategorie, wenn man nun jegliche Bewertung als Auf- oder Abwertung behandelt. „aufwerten“ bedeutet dagegen: etwas gegenüber der normalen Bewertung höher bewerten, also etwas überbewerten. - Das ist quasi ein normaler Fehler; man sucht und sucht... und findet dann natürlich auch etwas!
d) Verwendung von Suchkategorien mit Verstehen verwechseln:
Da gibt es etwa den Ratschlag, auf Metaphern zu achten; es genügt aber nicht, nur herauszufinden, wo Metaphern verwendet werden - danach fängt das Verstehen erst damit an, dass man sieht, was mit welcher Funktion metaphorisch gesagt wird. - Der gleiche Tatbestand liegt vor, wenn die „Auswertung“ bloß floskelhaft erfolgt:
(4) „Er sagt das in einer Metapher (Bild), damit man es sich besser vostellen kann.“
Weil dieser Satz (als Floskel) über jede Metapher gesagt werden kann, besagt er nichts über die einzelne; man streicht ihn besser!
e) Auf die Nutzung leicht zugänglicher Hilfsmittel verzichten - dieser Fehler ist nicht nur auf den Bereich des Verarbeitens beschränkt:
* unbekannte Wörter und Fakten beim Lesen nicht klären,
* das passende Methoden-Arbeitsblatt nicht nutzen (oder ein falsches erwischen),
* nicht auf das KLL zurückgreifen,
* im Internet nicht differenziert suchen.

3. Fehlerquellen beim Schreiben:
a) Aus dem Fehler 1 a) folgt der erste Fehler beim Schreiben:
das Thema verfehlen;
b) keinen Überblick zu Beginn [haben und] geben (Frage/Antwort; Aufgabe/Lösung): eine Folge des Fehlers 2 a);
ein Fehler ist es zwar nicht, wenn man bei der Szenenanalyse Sinnabschnitte nur in Zeilenangaben beschreibt (erster Abschnitt bis 41/23; zweiter Abschnitt bis 42/35...) - aber das besagt auch nichts, ist also ohne Worte kein Überblick;
c) seine Gliederung nicht deutlich machen:
* nicht für jeden Gedankenschritt einen neuen Absatz bilden;
* zu Beginn des Absatzes nicht den neuen Aspekt benennen;
* keine Querverweise auf früher Gesagtes (oder später zu Sagendes) geben;
d) Fehler der Ebenen begehen:
* die Verwechslung von Sachlogik und Erkenntnislogik (Rudenz liebt Berta, weil... < Dass Rudenz Berta liebt, erkenne ich daran, dass...);
* die Verwechslung der Ebenen von Sache und Text (Tell erschießt den Vogt auf Seite 48 - nein, in einem Hohlweg!);
e) sich unklar ausdrücken [ein weites Feld!]…
* der unklare Rückbezug durch „dies“ oder „dies alles“ oder „darum“ usw.; besser ist es, durch ein Nomen oder einen (Neben)Satz zu sagen, was man meint: [also statt: „Dies veranlasst die Schweizer...“] besser
(5) Die Unterdrückung durch die Vögte veranlasst die Schweizer...
(6) Weil sie also durch die Vögte unterdrückt werden, beschließen die Schweizer...
* Satzbaupläne nicht ausfüllen (oder im Nominalstil Attribute einsparen!):
(7) „Brandt lobt und ermuntert.“ Wen lobt er? weswegen? Wen ermuntert er? wozu?
(8) „Oft ist auch Brandts Lob zu hören.“ (die gleichen Fragen! „Brandts Lob“ ist die Nominalphrase des Satzes „Brandt lobt...“; man spürt nur weniger, dass die Angabe fehlt, wen er lobt - mein Tipp: Sätze bilden, auch Nebensätze, statt Nominalphrasen zu gebrauchen!);
* keine Fachbegriffe verwenden oder sie falsch verwenden
* oder sie noch einmal erklären:
(9) „ein Kreuzreim, also die Reimform a - b - a - b“ (das sagt bereits der Begriff; ihr dürft voraussetzen, dass ich ihn kenne!);
* solche zusätzlichen Erklärungen wie im Beispiel (9) widersprechen dem Postulat der Sparsamkeit, also der Forderung, sich kurz und bündig auszudrücken und den Leser nicht durch unnötige Wiederholungen zu langweilen - man könnte manchmal vermuten, je weniger ein Schüler weiß,
desto mehr schreibe er;
f) beim Rückverweis nicht das eindeutige Demonstrativum verwenden, also nur „er“ statt „dieser“ oder „jener“ schreiben, obwohl vorher zwei Männer genannt waren;
g) der Situation der Schriftlichkeit nicht gerecht werden:
* verwaiste Nebensätze an einen fertigen Satz anhängen (wie in der Umgangssprache);
* Nomen parallel zum Nebensatz gebrauchen:
(10) „Er erklärt den Weg und warum er nicht mitgeht.“ < Er erklärt den Weg und auch den Grund, warum er nicht mitgeht.
* auf etwas „zeigen“, was der Leser nicht sehen kann („hier“...);
* verkürzende Wendungen aus dem Unterrichtsgespräch oder Abkürzungen aus Tafelbildern ungeprüft übernehmen; im täglichen Umgang lässt man auch ungenaue Ausdrücke zu, an der Tafel soll möglichst schnell und kurz etwas festgehalten werden (etwa mit dem Zeichen -> für „daraus folgt“) - das darf man sich im Aufsatz nicht erlauben, weil -> kein definiertes Zeichen ist! Was man an privaten Abkürzungen im Unterricht erfindet, darf in der öffentlichen Kommunikation des Aufsatzes nicht verwendet werden, ohne dass man es eigens einführte! Auch heißt + nicht „und“; das Zeichen + heißt „addiere!“, „und“ ist dagegen eine aufreihende Konjunktion;
* in der Umgangssprache wird inzwischen sogar im Rundfunk „weil“ wie eine Hauptsatzkonjuktion (also gleich „denn“) gebraucht, was trotzdem grausam klingt und (vorerst) falsch bleibt: „Ich gehe gleich zum Bäcker, weil ich habe großen Hunger.“ [falsch, richtig heißt es: „Ich gehe gleich zum Bäcker, weil ich großen Hunger habe.“
h) das Tempus der Analyse missachten (Präsens!);
das geschieht meist deshalb, weil man Analysieren mit Nacherzählen verwechselt; das Verhältnis der Vorzeitigkeit zum Präsens wird im Perfekt ausgedrückt;
i) falsch zitieren (das Zitat nicht in den eigenen Text einbinden oder den zitierten Satz nicht an den eigenen Text anschließen, sondern ihn bloß „reinknallen“ - siehe Zitiertechnik im Studio D), oder unpassende Belege anführen; vielleicht sollte man als Sonderform die unbeholfene (wenn auch im Unterrichtsgespräch vielleicht gebräuchliche) Wendung erwähnen:
(11) „Das sieht man an Wörtern wie...“ - an einzelnen Wörtern sieht man gar nichts (siehe oben Fehler 1 b)!
j) Analyse und Erörterung miteinander vermengen (d.h. bereits während der Analyse Stellung nehmen, den Text bewerten, seine Meinung äußern).

(Ich danke Herrn Görgen und Herrn Schwarz für hilfreiche Hinweise.)

Hier sind die vielen R-, Z-, Gr-, Sb-Fehler nicht genannt, die genannt werden müssten:
* Marinelli berichtet nicht vom fehlgeschlagenen Plan, sondern vom Fehlschlagen des Plans [oder: berichtet, dass ihr Plan fehlgeschlagen ist] - das ist etwas anders;
ebenso wird nicht die grassierende Unfähigkeit berücksichtigt, durch indirekte Rede eine fremde Meinung von der eigenen zu unterscheiden, auch nicht die Unfähigkeit, die Konjunktion „dass“ vom Relativpronomen oder von wem auch immer zu unterscheiden... - da geht es um so elementare Anforderungen, dass ich mich in der Sek II nicht mehr darum kümmern kann; die Hausaufgaben der Sek I müsst ihr selber nacharbeiten!

Regeln der deutschen Sprache: Grammatik

Die deutsche Sprache funktioniert nach Regeln, die man begreifen kann (und muss). Ich möchte hier Adressen zusammenstellen, wo man sich nach der Grammatik (des Sprechens und Schreibens), nach der Rechtschreibung und nach dem Stil der Schreibens erkundigen kann:
1. Zur Grammatik:
Das Institut für deutsche Sprache in Mannheim hat auf seiner Seite zwei Grammatiken: http://www.ids-mannheim.de/ Ich vertraue darauf, dass jeder sich zu ihnen durchklicken kann: Bei
http://www.ids-mannheim.de/service/ findest du viele hilfreiche Hinweise. Folge zumindest unter dem Stichwort Online-Anwendungen den beiden letzten Links, stöbere mal darin herum!
Bei http://www.canoo.net/ findest du eine Wort- und eine Satzgrammatik. Eine gut lesbare Grammatik bietet http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grammatik/inhalt.htm, der leider mit der "Vollversion" in neuer Rechtschreibung Geld verdienen will; aber die simple Version reicht uns auch. Ähnlich (und mit weiteren Links) ist die Seite http://www.schyren-gymnasium.de/gramm/
http://www.deutsch-lernen.com/anfaengerkurs/uebersicht.php
www.uni-leipzig.de/herder/mitarbeiter/ tshirner/lehre/morpho/morpho1/skript.doc - kann man runterladen; ansehen und auch runterladen kann man
http://www.deutsch-lernen.com/anfaengerkurs/uebersicht.php
Eine Übersicht gibt es bei
http://www.learn-german-online.net/learning-german-resouces/grammatik.htm
Ein Lexikon der grammatischen Fachbegriffe findet man bei http://www.menge.net/glossar.html.
http://www.googlesyndicatedsearch.com/u/upbde?hl=de&method=and&q=Grammatik&sitesearch=uni-paderborn.de bietet viele verständliche Hilfen, finde ich, ebenso
http://www.deutschonline.de/Deutsch/Grammatik/Frame1.htm (Udo Klinger im neuen Gewand).
2. Die Rechtschreibung ist im Fluss; derzeit gilt die von 2006. Über 2004/06 informiert
http://www.ids-mannheim.de/reform/
http://www.rechtschreibrat.com/
Über die neue Regelung 2006 informiert
http://www.duden.de/index2.html?neue_rechtschreibung/neuregelung/gross.html
Wortbildung: http://lexikologie.de/
3. Eine Übersicht über Stilistik des Deutschen kann man sich unter den Suchbegriffen "Bernhard Sowinski - Deutsche Stilistik" herunterladen.
Es gibt viele Grammatiken in Buchform; eine besonders klare und gut verständliche war die von Walter Jung: Grammatik der dutschen Sprache, 10. Auflage 1990. Leider ist diese Grammatik aus der alten DDR vom Markt genommen worden; wer sie noch antiquarisch kaufen kann, sollte dies tun, wenn er eine Ausgabe ab 6. Auflage, 1980, von Günter Starke bearbeitet, bekommen kann.
von: studioD in: Hilfsmittel

Donnerstag, 17. Januar 2008

Arbeit mit dem Schriftbild am PC/desktop

Die Idee ist folgende: Man kann am Rechner blitzschnell einen Text kopieren und reproduzieren, um an seiner Textgestalt probeweise Veränderungen vorzunehmen, welche man beibehalten oder folgenlos wieder löschen kann. Wozu soll das gut sein? Man könnte zum Beispiel einmal durchspielen, welche Elemente einer modernen Erzählung man als personal erzählt verstehen will - und dann erproben, was man als gesichertes Minimum, was als äußerstes Maximum ansehen will. Und solche Proben kann man wieder löschen, wenn man sagt: Das war nix. Ich schlage also bildschirmgestützte Analyseverfahren vor.

Ich gebe hier den Text einer Erzählung, damit man ihn kopieren und dann am Rechner selber durchspielen kann:
- Was ist das Minimum dessen, was der Erzähler als gegenwärtig geschehend berichtet?
- Was berichtet oder beschreibt er als "So ist es (immer)"?
- Was ist sicher ein Gedanke der "sie"?
- Was ist eventuell alles ein Gedanke der "sie"?
Ihr könnt diese Fragen probeweise beantworten, indem ihr einfach das Textbild variiert (fett, kursiv, Typen, Größe...):

Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.
[Wolf Wondratschek, Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, Hanser-Verlag, München 1969, S. 52-53]

1. Versuch: Was ist das Minimum dessen, was als gegenwärtig geschehend berichtet oder objektiv als aktuell gegenwärtiger Zustand beschrieben wird?
(Die Formel "objektiv aktuell gegenwärtig" schließt Sätze aus, die besagen, wie "sie" inzwischen [geworden] ist.)

Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.

2. Versuch: Was ist das Maximum dessen, was als gegenwärtig geschehend berichtet oder objektiv als aktuell gegenwärtiger Zustand beschrieben wird?

Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.

(In der Maximum-Version wird unterstellt, sie sei wieder ins Büro zurückgekehrt; es wird unterstellt, der Erzähler behaupte (!), sie wisse, was sie will; es wird angenommen, sie werde wirklich beobachtet - das sind entscheidende Varianten des Verstehens! Unklar sind nicht nur die beiden "Zum Beispiel"-Wendungen; das Mädchen mit den Beinen kann man kaum einem Erzähler zurechnen.)

3. Versuch: Was könnte man als Erzählerkommentar verstehen?

Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.

4. Versuch: Was ist das Minimum dessen, was man als ihre Gedanken ansehen muss?

Wolf Wondratschek: Mittagspause
Sie sitzt im Straßencafé. Sie schlägt sofort die Beine übereinander. Sie hat wenig Zeit.
Sie blättert in einem Modejournal. Die Eltern wissen, daß sie schön ist. Sie sehen es nicht gern.
Zum Beispiel. Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund, wenn sie zu Hause einen Freund vorstellt.
Zum Beispiel. Die Männer lachen und schauen herüber und stellen sich ihr Gesicht ohne Sonnenbrille vor.
Das Straßencafé ist überfüllt. Sie weiß genau, was sie will. Auch am Nebentisch sitzt ein Mädchen mit Beinen.
Sie haßt Lippenstift. Sie bestellt einen Kaffee. Manchmal denkt sie an Filme und denkt an Liebesfilme. Alles muß schnell gehen.
Freitags reicht die Zeit, um einen Cognac zum Kaffee zu bestellen. Aber freitags regnet es oft.
Mit einer Sonnenbrille ist es einfacher, nicht rot zu werden. Mit Zigaretten wäre es noch einfacher. Sie bedauert, daß sie keine Lungenzüge kann.
Die Mittagspause ist ein Spielzeug. Wenn sie nicht angesprochen wird, stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn sie ein Mann ansprechen würde. Sie würde lachen. Sie würde eine ausweichende Antwort geben. Vielleicht würde sie sagen, daß der Stuhl neben ihr besetzt sei. Gestern wurde sie angesprochen.
Gestern war der Stuhl frei. Gestern war sie froh, daß in der Mittagspause alles sehr schnell geht.
Beim Abendessen sprechen die Eltern davon, daß sie einmal jung waren. Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst. Sie antwortet, die Mittagspause ist ungefährlich.
Sie hat mittlerweile gelernt, sich nicht zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen. Sie beantwortet eine Frage mit einer Frage.
Obwohl sie regelmäßig im Straßencafé sitzt, ist die Mittagspause anstrengender als Briefeschreiben. Sie wird von allen Seiten beobachtet. Sie spürt sofort, daß sie Hände hat.
Der Rock ist nicht zu übersehen. Hauptsache, sie ist pünktlich.
Im Straßencafé gibt es keine Betrunkenen. Sie spielt mit der Handtasche. Sie kauft jetzt keine Zeitung.
Es ist schön, daß in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte. Sie könnte sich sehr verspäten. Sie könnte sich sehr verlieben. Wenn keine Bedienung kommt, geht sie hinein und bezahlt den Kaffee an der Theke.
An der Schreibmaschine hat sie viel Zeit, an Katastrophen zu denken. Katastrophe ist ihr Lieblingswort. Ohne das Lieblingswort wäre die Mittagspause langweilig.

Wie gesagt, das sind Versuche - und sie fallen zum Teil schon anders aus, als ich es in meiner ersten Lösungserwartung zur Klassenarbeit mit Stiften im Text markiert hatte.

Bemerkenswert ist auch, dass mir bei diesem Markieren die Kategorie des Erzählerkommentars als mögliche Kategorie erschienen ist; an sie habe ich vorher nicht gedacht. - Weitere Kategorien:
* Beschreibung dessen, wie es (zeitlos) ist;
* Bericht anderen Geschehens;
* Bericht fremder Gedanken?
Man kann natürlich weitere Aspekte untersuchen, zum Beispiel das Thema "hat keine Zeit / alles muss schnell gehen" verfolgen oder die Spannung zwischen ihrem Wunsch, begehrt zu werden, und der Angst davor markieren (die Ambivalenz der Figur). In Sachtexten könnte man zusätzlich die logische Struktur markieren: einmal alles, was den Gedankengang im Großen andeutet, dann auch die kleinen logischen Verknüpfungen, die Überleitungen von einem Absatz zum nächsten, die vom Autor diskutierten Einwände; die stillschweigend gemachten Voraussetzungen könnte man farbig einfügen (überhaupt kann man auch farbig markieren, sofern man mit Word arbeitet). Aber man sollte nicht zu viele Schriftarten (und -grade usw.) und Farben miteinandern kombinieren, das verwirrt; lieber mehrere Durchgänge machen - sie kosten ja nichts!

Fazit: Die Beschreibung des Textes von Wondratschek ist noch weniger genau möglich, als ich vorher erwartet habe. Klar ist nur, dass "sie" in ihrem Denken voller Widersprüche ist (Wunsch, sich zu verlieben - Liebe als Katastrophe; vermeintliche Selbstsicherheit - Unsicherheit; beides spiegelt sich im Umgang mit der Zeit: Sie hat im Café keine Zeit - im Büro hat sie Zeit zum Träumen) und dass auch zwischen ihrem Denken und der Realität Spannungen bestehen; sie verträumt ihr Leben, vielleicht unter dem Druck der "Sorge" ihrer Eltern.

Zum Stellenwert des Verfahrens:
Es stellt einen Schritt auf dem Weg zum Verständnis dar; vorausgesetzt ist, dass man weiß oder sieht, wonach man suchen kann (methodisches und thematisches Vorverständnis). Folgen muss die Diskussion der verschiedenen Versuche und die Versprachlichung der Ergebnisse.

Entry modified
Geändert am 17. Januar 2008 um 20:11

Arbeitstechnik Präsentation

Der Kollege Jochim Rugenstein aus Düsseldorf (Lessinggymnasium) hat mir folgendes Merkblatt (aus dem Methodentraining Kl. 11) für die Technik der Präsentation vor der Klasse zur Verfügung gestellt:

Technik des Vortrags

1. Vorbereitung des Vortrags
Die Wahl des Themas, die Materialsuche und die Strukturierung des Stoffes erfolgt bei der Vorbereitung eines Vortrages auf die gleiche Weise wie beim Schreiben eines Berichts.
   Unsere Gedanken sollten wir dann aber nicht in vollständigen Sätzen schriftlich niederlegen, sondern höchstens Stichworte notieren. Auf diese Weise können wir den geplanten Aufbau einhalten (was ganz frei Sprechenden nicht immer gelingt), ohne jedoch die Augen ständig aufs Blatt zu nageln und abzulesen. Vor allem komplizierte Erklärungen werden besser verstanden, wenn wir sie frei formulieren und somit den Hörern anpassen können. Nur auf diese Art wird der Vortrag auch wirklich zur menschlichen Begegnung mit dem Publikum. Geübte Rednerinnen und Redner sprechen zu den Hörern nicht einfach vor ihnen , sie gehen auf sie ein, erläutern einen Punkt besonders, wenn sie Schwierigkeiten beim Begreifen verspüren, wiederholen Erklärungen, wenn es notwendig scheint. All dies können sie nur tun, weil sie frei vortragen. Natürlich gehört dazu, dass sie die Zuhörer auch wirklich sehen und weder an die Decke, die Wand noch auf die Notizen starren.
   Unterteilen Sie Ihre Notizen in Grundinformationen und Zusatzmaterial. Aus Nervosität sprechen wir im Ernstfall oft schneller als bei der Probe. Um nicht viel zu früh fertig zu sein, ist es gut, wenn wir noch etwas in Reserve haben.
   Wenn Sie Ihren Vortrag zu Hause üben, kann ein Tonband helfen, die eigenen Schwierigkeiten zu erkennen. Vielleicht hören Sie auf diese Weise, dass Sie dazu neigen, Ihre Sätze nicht zu beenden, die gleichen Ausdrücke immer wieder zu verwenden oder zu schnell zu sprechen; Sie haben dann noch die Möglichkeit, diese Fehler auszumerzen. Auch ein Probevortrag vor Familienangehörigen oder Bekannten kann diesem Zweck dienen.
   Wenn Sie den Vortrag mehrmals üben, versuchen Sie, Ihre Gedanken immer wieder anders zu formulieren und auf verschiedene Arten auszurücken. So gewinnen Sie Sicherheit und die Überzeugung, dass Sie Ihren Stoff wirklich beherrschen. Außerdem werden Sie beim Sprechen flexibler und können besser auf Ihr Publikum eingehen.

2. Beginn des Vortrags: Interesse wecken
Gute Rednerinnen oder Redner schenken dem Beginn ihres Vortrags besondere Aufmerksamkeit, weil sie das Interesse ihres Publikums gewinnen wollen. Sie führen deshalb mit einer Anekdote, einer witzigen Bemerkung, einem besonders treffenden Beispiel in ihr Thema ein, bevor sie zu allgemeinen und abstrakten Darstellungen übergehen. In anderen Fällen setzen sie eine Übersicht, die praktische Anwendung ihrer Ausführungen an den Anfang, stellen einen Bezug zur Situation der Hörer her und wecken damit ihr Bedürfnis, mehr über das Thema zu erfahren.

3. Gliederung vorgeben und bei jedem neuen Aspekt darauf verweisen
Die Gliederung des Vortrags muss am Anfang vorgegeben und kurz erläutert werden. Sie sollte zudem den Zuhörern jederzeit präsent sein (visualisieren!). Neue Teilbereiche immer erst benennen und noch einmal auf die Gliederung verweisen, dann in Einzelheiten gehen!

4. Laut genug sprechen, Pausen machen, Redetempo und Lautstärke variieren - Kurze, klare Sätze verwenden
Sprechen Sie laut genug, damit auch die Leute in den hintersten Bankreihen Sie verstehen.
Man spricht anders, als man schreibt. Langen, komplizierten Sätzen kann zwar ein Leser folgen, weil er die Möglichkeit hat, die einzelnen Satzteile isoliert zu betrachten. Bei einem Vortrag empfiehlt es sich aber, kurze, klare Sätze zu machen.
   Erklären Sie Begriffe und Fachausdrücke, wenn Sie sie zum ersten Mal verwenden, vor allem, wenn Sie sich nicht an ein Fachpublikum wenden.
Gedankensprünge verwirren die Hörer, die ja nicht zurückblättern und sich orientieren können. Bleiben Sie beim Thema, wiederholen Sie eine Angabe lieber, als sich auf das Gedächtnis der Hörer zu verlassen. Fassen Sie das Gesagte ab und zu zusammen.
   Bei schwierigen Sachverhalten hilft es den Hörern, wenn Sie das Gleiche in verschiedenen Worten mehrmals umschreiben.
   Vermeiden Sie lange Aufzählungen, legen Sie das Ganze lieber in einigen treffenden Beispielen dar.

5. Gestik und Mimik bewusst einsetzen
Versuchen Sie, Ihre Gliedmaßen während des Sprechens unter Kontrolle zu halten und nervöse Gewohnheiten, wie wildes Gestikulieren, Zupfen an der Kleidung usw., auszuschalten. Üben Sie dagegen schon vorher, wie Sie mit Gesten und Ihrer Mimik den Vortrag unterstützen können.

6. Blickkontakt halten und Reaktionen beachten und auf sie reagieren
Reden Sie nicht ins Leere hinein, sondern zu den Zuhörern. Schauen Sie einzelne Zuhörer zwischendurch gezielt an und achten Sie auf die Reaktionen der gesamten Zuhörer. Reagieren Sie flexibel, wenn Sie besonderes Interesse oder Desinteresse feststellen.

7. Fragen, Kommentare und Diskussionen ermöglichen
Bei längeren Reden braucht der Hörer ab und zu eine Atempause. Diese kann in Form von Abschweifungen, Anekdoten usw. in den Vortrag eingeflochten werden. Eine andere Möglichkeit ist das Einschalten von Übungen oder die Aufforderung zu Diskussionen, Fragen, Kommentaren.

8. Visualisierung von komplexen Fakten und Zusammenhängen
Überlegen Sie sich auch, welche Hilfsmittel den Vortrag auflockern und zum Verständnis des Stoffes beitragen können. Namen, Zahlen, Fachausdrücke usw. sollten möglichst an die Tafel geschrieben werden. Tabellen, graphische Darstellungen, Zeichnungen, die Sie eventuell mit Hilfe eines Overheadprojektors zeigen, veranschaulichen komplexe Tatbestände.

Acht Gestaltungsprinzipien für Visualisierungen

Durch bewusste Gestaltung wird eine Visualisierung (Tafel, Flipchart, Pinnwand, Folie, computergestützte Präsentation) verständlicher, interessanter und einprägsamer. Dabei sind jedoch die folgenden Prinzipien zu beachten:
Struktur: Die Visualisierung sollte vor allem die gedankliche Struktur des Vortrags widerspiegeln; dabei sind u. a. die folgenden Kategorien zu berücksichtigen:
· Zuordnung, Abgrenzung
· Unter- oder Überordnung
· Chronologie oder Kausalität (Ursache, Wirkung)
· Gegensätzlichkeit (Pro - Kontra, Vor- und Nachteile)
· Aufzählung: zufällig oder in bewusster Reihenfolge (z. B. Steigerung)
Textreduktion: Die Visualisierung muss sich deutlich vom gesprochenen Text absetzen. Sie dient der gedanklichen Reduktion und der Konzentration auf das Wesentliche.
Hervorhebung: Was besonders wichtig ist, kann durch Auszeichnung, Farbigkeit oder Schriftwechsel optisch hervorgehoben werden.
Ähnlichkeit: Was ähnlich oder gleich ist bzw. der gleichen Kategorie angehört, sollte durch ähnliche oder gleiche Formatierungen dargestellt werden (Schriftart, Schriftgröße, Auszeichnung, Farbe).
Zusammenhang: Was inhaltlich zusammen gehört, sollte durch Absätze, unterschiedliche Zeilenabstände, Trennungslinien, Spalten usw. von anderen Inhalten abgesetzt werden. Wichtiges kann durch Textrahmen oder Tonwertflächen (Schattierungen) zusätzlich hervorgehoben und zusammengefasst werden.
Grafische Elemente: Texte lassen sich häufig durch Bilder, Skizzen oder Diagramme ergänzen. Auch Symbole (Pfeile, Gliederungspunkte, Verkehrszeichen usw.) oder prägnante Formen (Pyramide, Entwicklungsstufen, Haus, Säulen usw.) sind für die Gestaltung von Texten hilfreich.
Farbigkeit: Farbe erhöht nicht nur die Aufmerksamkeit bei einer Visualisierung. Gezielt eingesetzt (das heißt: konsequent, funktional und sparsam verwendet) kann Farbigkeit darüber hinaus Strukturen verdeutlichen und somit auch die Verständlichkeit erhöhen.
Angemessenheit: Beachtet werden sollten nicht nur der Zusammenhang von Inhalt und Form, sondern auch Situation und Zielgruppe sowie der Grundsatz der Arbeitsökonomie. Übertreibungen in der Gestaltung verbieten sich damit von selbst.

Er hat dazu eine beispielhafte Präsentation mitgeliefert, die ich aber nicht hochladen kann. Ich bin überzeugt, dass Jochim Rugenstein seine ppt-Folien auf Anfrage per mail zusendet. Telefonisch erreicht man ihn über: Düsseldorf Gymnasien -> Lessing-Gymnasium.

Dienstag, 15. Januar 2008

Die vier S, das A und O des eigenen Schreibens

Für die Anforderungen an einen Aufsatz habe ich den Merksatz von den vier S gefunden:
schauen (oder: suchen),
sammeln (mit Belegen),
sortieren (gliedern),
schreiben.
In dieser Reihenfolge sollt ihr arbeiten, die Phasen des Sammelns und Sortierens sollen dokumentiert werden (zu Deutsch: Konzept oder Schmierblatt vorlegen; im Abitur ist es ein Bestandteil der Klausur und wird bei der Seitenzählung vom Lehrer mitgezählt).

Auf dem Weg zum guten Aufsatz

Über mündliche und schriftliche Kommunikation

Einen Aufsatz schreiben heißt:
mit jemandem indirekt kommunizieren. Aus unserer Erfahrung kennen wir zunächst nur die direkte Kommunikation: Man ist mit anderen zusammen, spricht über dies und jenes, hört den Tonfall des Partners, sieht ihn lächeln oder die Stirn runzeln...
   Wir können einen Aufsatz vom Gespräch her verstehen. Dort sind (zwei) Menschen in einer Situation zusammen; im Gespräch wird gefragt, auf Fragen geantwortet, Einwände werden vorgetragen, es wird argumentiert. Man kann auch das Thema wechseln, einen Witz machen, an vorhergehende Gespräche anknüpfen, das Gespräch unterbrechen, Rückfragen stellen usw. Ein Aufsatz unterscheidet sich in der Regel darin vom Gespräch,
a) dass der Leser den Autor nicht hört oder sieht,
b) dass in eine Richtung über ein Thema gesprochen wird,
c) dass kein bestimmter Leser angesprochen wird.
   Deshalb muss der Autor so schreiben, dass diese Einschränkungen die Kommunikation nicht verhindern. Er muss sowohl sein Thema als auch das Vorwissen und die Interessen des Lesers beachten. Er muss also vorab das Thema festlegen und dann
* die Kommunikation eröffnen;
* das Ziel in klar abgegrenzten Schritten ansteuern und dabei
*- Rückfragen überflüssig machen,
*-- indem er die Voraussetzungen seiner Gedanken deutlich macht;
*-- indem er das Ziel immer im Auge behält,
*-- Zusammenhänge eindeutig herstellt und
*-- das Verständnis durch Verweise und Zusammenfassungen erleichtert;
*- mögliche Einwände beachten,
*- - indem er sie durch Argumente überflüssig macht
*-- oder sie eigens aufgreift und bespricht;
*- den Leser bei der Stange halten
*-- durch die Klarheit der Darstellung (siehe oben) sowie
*-- durch kleine Scherze und rhetorische Kunst;
* die Kommunikation beenden.
   Wenn die schriftliche Kommunikation so viele Probleme mit sich bringt, wozu ist sie dann gut? Sie macht Kommunikation zu einem beliebigen Zeitpunkt mit jemandem möglich, der nicht da ist; sie hilft uns ferner, eigene Gedanken zu klären.
   In den drei schräg fett gedruckten Aufgaben des Autors siehst du bereits die drei Teile eines Aufsatzes: Einleitung, Hauptteil und Schluss. - Was über Berichten, Bechreiben und Erklären als Formen des Schreibens in Kl. 5 und 6 gesagt worden ist, ist natürlich Einführung ins Aufsatzschreiben.

Formen schriftlicher Darstellung

(in Anlehnung an: Kurze Stilistik. Hrsg. von B. Friedrich und J. Zech. Volk und Wissen: Berlin 1987)

Formen erlebnisorientierten Darstellens:
* erzählen: Erlebnisse sind Begebenheiten, die uns auf besondere Weise innerlich bewegen; Erlebnisse erzählen wir;
* schildern: Eindrücke beruhen auf Wahrnehmungen, die in bestimmter Weise auf uns gewirkt haben; Eindrücke schildern wir; durch den Eindruck, den sie macht, wird eine Person charakterisiert.
Formen sachorientierten Darstellens:
* beschreiben: Wenn wir Gegenstände oder Vorgänge durch Bezeichnen ihrer Teile oder durch Angabe ihrer Merkmale genau kennzeichnen, beschreiben wir sie; damit ist das Definieren als eine Sonderform des Beschreibens anzusehen; Vorstufen sind das Nennen, Aufzählen, Feststellen von einfach Wahrnehmbarem; wenn wir die näheren Umstände eines Geschehens darstellen, beschreiben wir sie; die Inhaltsangabe ist eine Textbeschreibung;
* erklären: Wenn es darum geht, Zusammenhänge aufzuzeigen (v.a. zwischen einer Erscheinung und einem Gesetz oder Prinzip), dann erklären wir etwas; v.a. wenn wir die Beziehungen von Grund, Folge oder Zweck (im weiten Sinn) aufzeigen, erklären wir etwas;
* berichten: Wenn wir über ein einmaliges Geschehen neutral und umfassend informieren sollen, berichten wir darüber.
Formen problemorientierten Darstellens:
* beurteilen, bewerten;
* erörtern: Wenn man sich mit einem Problem auseinandersetzt und dann den Prozess und das Ergebnis dieser Auseinandersetzung darstellt, erörtert man das Problem;
* argumentieren: Wenn es bei der Lösung von Aufgaben zu unterschiedlichen Auffassungen kommt, aber ein einheitlicher Standpunkt (oder eine Entscheidung) erforderlich ist, argumentieren wir (im Hinblick auf eine Situation und auf einen Partner); wir können auch innerhalb anderer Darstellungsformen (v.a. in der Erörterung) argumentieren;
* fordern, auffordern: Wie das Argumentieren kann das Fordern Teil einer größeren sprachlichen Darstellung sein, es kann aber auch den Grundtenor einer Darstellung bestimmen.

Diese Darstellung mag ihre Schwächen haben - Dr. Liewerscheidt hat sie einmal kritisiert; aber sie stellt immerhin den Versuch dar, einen Überblick zu gewinnen. (Man könnte noch darauf achten, wie sich diese Formen nach dem Modus und dem Tempus unterscheiden.) Wichtig für den Deutschlehrer: Diese verschiedenen Formen des Darstellens kann und muss man gesondert einüben, damit daraus das Gesamtkunstwerk der Erörterung entstehen kann!

Für den Hausgebrauch unterscheide ich vier (fünf) dominierende Sprechweisen bei Sachtexten:
beschreiben und berichten / erklären / bewerten / fordern.
   Diesen vier Sprechweisen kann man intendierte Leistungen des Hörers zuordnen: zur Kenntnis nehmen / verstehen / beurteilen / handeln. Quer dazu steht das Argumentieren; denn man kann sowohl beim Erklären als auch beim Bewerten und Fordern argumentieren. Die relevante Unterscheidung ist: argumentieren / bloß behaupten (daherreden); und darüber steht der Gedankengang. Vgl. das, was zu den Arbeitstechniken bei der Analyse (entsprechend: Abfassung) theoretischer Texte (bloghof.net/norberto42) gesagt ist!

Mit einer Klasse 9c des ruhmreichen FMG habe ich einmal folgende Liste ausgearbeitet:
Sprechweisen - Unterscheidungen für (theoret.) Texte
Man kann in dieser Hinsicht hauptsächlich vier Sprechweisen nennen:
Ein Sprecher stellt etwas dar: -> damit der Hörer es weiß;
er erklärt etwas: -> damit der Hörer es versteht;
er bewertet etwas: -> Hörer soll seine Sicht der Dinge ändern;
er fordert auf zu... -> Hörer soll es tun.
   Man kann diese vier Sprechweisen in vielerlei Hinsicht differenzieren: nach verschiedenen Arten des Darstellens oder nach Graden der Intensität (beim Auffordern), auch nach positiver (Bitten) oder negativer (Verbieten) Ausrichtung usw.
   Auch ist die Logik der Sprechweise nicht immer das Ziel des Sprechers, weil die vier Hauptbegriffe nur Sammelbegriffe sind und weil der Sprecher in einer Situation über Sprechweisen verfügt: So kann man jemanden verspotten und ihn damit auch bewerten, ohne dass man damit erreichen will, dass der Verspottete diese Sicht übernimmt; oder man kann gemeinsam über einen herziehen (ihn also bewerten), ist sich aber schon vorher in der Sicht einig...
   Mit diesen Einschränkungen kann man eine erweiterte Tabelle anlegen:
1. darstellen:
* berichten (über einmalige Vorfälle, Geschehnisse) - sachlich;
* beschreiben (das, was der Fall ist: Situationen, Gegenstände, regelmäßig Handlungen) - sachlich;
* schildern (Gegenstand unbestimmt) - anschaulich, auch eindringlich;
* erzählen (Erlebnisse) - persönlich, auch zu Unterhaltung, zum Miterleben;
2. erklären:
verborgene Zusammenhänge aufdecken, durch kausale, konditionale (immer wenn..., dann...), modale, finale und konsekutive Angaben;
3. bewerten:
Das wird eigens untersucht! Vorab schon kann man ‚positiv / negativ‘ unterscheiden!
4. auffordern:
a) positiv: empfehlen; raten; bitten; (er)mahnen; auftragen; vorschreiben; befehlen...
b) negativ: abraten; bitten; (er)mahnen; warnen; verbieten...

Die sprachlichen Formen, in denen der Sprecher dies alles tut (und die Situationen, in denen es geschieht), können vielfältig sein.
Ich unterscheide hier drei sprachliche Hauptformen:
1. Stimmführung; Auswahl und Anordnung des Gesagten (erzählen);
2. verbale Bezeichnung des sprachlichen Handelns („Ich bitte dich...“); Tempus;
3. Bezeichnung durch andere Wörter und Wendungen („Es wäre am besten...; wenn du meinen Rat hören willst; das kann nicht gut ausgehen; ein Kind in deinem Alter sollte...“).
[Vgl. Ehlen, Wilfried: Deutsch. Ein Sprach- und Übungsbuch. Verlag H. Stam: Köln o.J. (6. Aufl.)]
Entry modified
Geändert am 19. Januar 2008 um 09:17

Einen Brief schreiben (Kl. 5)

Einen Brief schreiben - Vorüberlegungen
Drei Fragen muss man geklärt haben, ehe man zu schreiben beginnt:
1. Was will ich?
2. Was will der andere (was interessiert ihn)?
3. In welchem Verhältnis stehen wir zueinander?

Wenn diese drei Fragen beantwortet sind, kann man überlegen, wie man den Brief aufbaut: Wie fange ich an? Wie sage ich das, was ich eigentlich will? Wie höre ich auf?
Folgende Einzelheiten könnte man dazu bedenken:
A) Wie fange ich an?
- Ich stelle mich vor (mit Datum, Adresse).
- Welche Anrede nehme ich (wie herzlich)?
- Warum habe ich mich an den Adressaten erinnert?
- Warum schreibe ich jetzt? Wann hatten wir zuletzt Kontakt?
- Muss ich mich nach ihm erkundigen?
- Musste ich etwas für ihn erledigen oder besorgen?
- Ist für ihn wichtig, wie es mir geht?
- Sind meine Pläne für ihn interessant?
B) Wie sage ich das, was ich eigentlich will?
- Wie offen bzw. wie direkt kann ich sprechen?
- In welcher Reihenfolge trage ich meine Gedanken vor?
- Was muss im Einzelnen erklärt oder begründet werden?
- Mit welchen Einwänden oder Bedenken sollte ich rechnen?
- Welche Worte (höflich - grob) wähle ich?
(Beachte diese Frage, wenn du den Brief überarbeitest!
Manchmal ist es auch besser, wenn man etwas verschweigt oder auf sich beruhen lässt - man muss nicht alles aussprechen!)
C) Wie höre ich auf?
- Soll ich von meinen Plänen oder von Bekannten sprechen?
- Besteht Aussicht auf ein Treffen, das ich nennen kann?
- Welche guten Wünsche sollte ich äußern?
- Wie herzlich soll oder darf ich grüßen?
Unterschrift

Drei Dinge sind noch zu ergänzen:
* Hier ist der Gesprächspartner immer „der andere“ genannt, auch
wenn man an Tante Ilse schreibt oder an die Großeltern.
* Der Hauptteil kommt hier in unseren Überlegungen knapp weg, aber nicht weil er unwichtig wäre, sondern weil man oft nicht genug beachtet, wie wichtig die Einleitung und der Schluss sind; die hier genannten Fragen müssen nicht alle beantwortet werden - sie sind als ein Katalog gedacht, anhand dessen man prüfen kann, ob man nichts Wichtiges vergessen hat. (Wer kennt weitere Fragen für den Katalog?)
* Was hier vom Briefschreiben gesagt ist, gilt grundsätzlich auch vom Telefonieren und für jede Art von Kontakt - also dann, wenn man in ein Gespräch eintritt (oberste Regel):
Denke nicht nur daran, was du selber erreichen möchtest,
sondern beachte auch den anderen: was er weiß, was ihn interessiert, wie er dein Auftreten empfindet!
Etwas abstrakter formuliert: In der Kommunikation musst du auch den anderen wahrnehmen und ernstnehmen; und da der Brief eine Einwegkommunikation ist, musst du die Position des anderen in deinen Überlegungen vorwegnehmen!
Beachte auch das Übungsdiktat zum Briefschreiben in den "Übungsdiktaten Kl. 5" und den Aufsatz über "Perspektive" (bzw. dessen Anfang) in "Schreiben - produktiv"!


Beispiel: Klassenarbeit Kl. 5
Einen Brief schreiben; in Literatur produktiv eingreifen; Bedeutung der Perspektive (1./3. Person) kennen - eine Schulstunde

1. Aufgabe zu „Die Freunde“ von Wilhelm Busch:
Am Tag des Diebstahls gehen den Kindern und Herrn Schramm allerlei Gedanken durch den Kopf.
Zu vier Stellen habe ich den Gedanken einer Person angegeben. Schreibe du auf, was die jeweils genannte andere Person denkt:
(1) Ferdinand denkt (zu Vers 8-10): „Käthchen nutzt uns aus.“
Käthchen denkt: ____________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(2) Ferdinand denkt (V. 18-22: „Fritz hat mich im Stich gelassen.“)
Fritz denkt: ___________________________________________________________
___________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(3) Schramm denkt (zu Vers 26-28): „Da habe ich den Dieb gerecht bestraft.“
Ferdinand denkt: _____________________________________________________
__________________________________________________________________
__________________________________________________________________
(4) Ferdinand denkt (zu V. 33 f.): „Fritz ist ein mieser Verräter.“
Käthchen denkt: ____________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
2. Aufgabe:
In den Oktoberferien ist Fritz mit seinen Eltern verreist; er hat über die Birnengeschichte noch einmal nachgedacht und möchte die alte Freundschaft mit Ferdinand wieder herstellen. Am 14. Oktober, dem vorletzten Ferientag, schreibt Fritz aus Trier einen Brief an Ferdinand.
Aufgabe: Schreibe diesen Brief!
(Überlege, ob du dir vorher einige Stichworte notieren willst!
Denke daran, wie ein Brief aufgebaut ist!)

Viel Erfolg! Tn

[Für Lehrer: Das Gedicht war bekannt und besprochen.]


Beispiel:
Einen Brief schreiben von Figur zu Figur eines Romans,
zu Tolkien: Der kleine Hobbit (Kl. 7)
Nachdem Bilbo glücklich den Zauberring gefunden hat und Gollum entronnen ist, ist er allein und weiß nichts von Galfand und den Zwergen (S. 105, Mitte).
1. Wenn er annimmt, dass es ihnen gut geht, könnte er sie suchen und ihnen vorab schon einmal von seinen Erlebnissen berichten. - Du musst dich dann fragen: Wie wirkt sich diese Absicht bzw. der Anlasss darauf aus,
a) was Bilbo schreibt,
b) wie er es schreibt?
Du siehst hier, wie die Annahme über die Situation der Adressaten der (möglichen) Absicht oder Zielsetzung des Schreibers entspricht und wie beides zusammen die Eigenart des Briefes bestimmt.
2. Wenn er annimmt, dass sie wahrscheinlich bedroht und gefährdet sind, könnte er sie suchen und ihnen seine Hilfe anbieten; dann wird er zwar auch kurz seine Rettung erwähnen und vor allem die Kraft des Zauberrings hervorheben, aber auch seine Sorge um die Zwerge ausdrücken und ihnen seine Hilfe anbieten. - Auch hier siehst du, wie die Annahme über die Situation der Adressaten der (möglichen) Absicht oder Zielsetzung des Schreibers entspricht und wie beides zusammen die Eigenart des Briefes bestimmt.

Theorie dazu:
Es gibt die Gesamtsituation (aller Beteiligten), bestehend aus
Situation des Schreibers (ist bekannt!) / Situation des/der Adressaten (wie genau ist sie bekannt?)
Diesen beiden Teilsituationen entsprechen
- Möglichkeiten des Schreibers / Möglichkeiten des/der Adressaten,
- die Bedürfnisse des Schreibers / Bedürfnisse (Erwartungen) der Adressaten

Gesamtsituation -> Ziel (Absicht) des Schreibers,
der beim Schreiben dann die Möglichkeiten und Erwartungen der Adressaten berücksichtigen muss, wenn er sie nicht verärgern will, aber doch auch sein Ziel verfolgen muss!

Etwas beschreiben, eine Beschreibung anfertigen (Kl. 6)

Beschreiben, was man tun muss - Übungsdiktat
1 Wenn jemand irgendwohin gehen will, aber den Weg nicht kennt, fragt er: „Wie komme ich dahin?“ Diese eine Frage lässt sich unterteilen: In welche Richtung muss ich gehen? Wie weit gehe ich in diese Richtung? (Und woran erkenne ich, dass ich richtig gehe?)
2 Die beiden Teilfragen werden wiederholt im Wechsel beantwortet: Der Weg wird aus vielen Stücken zusammengesetzt. Den Weg kann ein Fremder finden, wenn die Orientierungspunkte klar und eindeutig zu erkennen sind.
3 Der Weg ist gut beschrieben, wenn der Fragende das Ziel erreicht, ohne sich zu verlaufen, ohne noch einmal nachzufragen oder unsicher zu werden; er muss genau, anschaulich und vollständig beschrieben worden sein.
4 Komplizierter wird es, wenn man ein Spiel mit seinen Regeln beschreibt. Zunächst kommt es darauf an sich vorzustellen, welche Fragen jemand stellt, der das Spiel nicht kennt, und welche nicht.
5 Zu einem Brettspiel werden die Fragen etwa lauten: Wie viele Spieler nehmen teil? Welches Zubehör gibt es? Wie stelle ich die Spielsteine auf? Nach welchen Regeln werden sie gezogen? Wer hat gewonnen?
6 Über die günstigste Reihenfolge der Antworten kann man streiten. - Mit Fachbegriffen kann man Erklärungen abkürzen; oft ist aber schwer zu entscheiden, welche Fachausdrücke man als bekannt voraussetzen darf und welche nicht.
7 Beim Basteln und Kochen lauten die Fragen meistens so: Was brauche ich an Material und Werkzeug? Was mache ich (in welcher Reihenfolge) damit? Wie lange dauert es, bis ich fertig bin? Das sind ähnliche Fragen wie beim Brettspiel.
8 Wenn man ein Haustier hält, gibt es eine Reihe von Aufgaben: Das Tier muss untergebracht und gefüttert werden; die Jungen müssen versorgt, kranke Tiere müssen gepflegt werden. Die entsprechenden Fragen ergeben sich einfach aus dem Leben eines Tiers.

1. Hauptproblem: Halte ich mich an die Reihenfolge der Tätigkeiten oder an die Hauptfragen des Lesers (Hörers)?
2. Hauptproblem: Welche Fachbegriffe darf ich als bekannt voraussetzen? Im Zweifelsfall: den Begriff erklären!

Beschreibungen in Physik und Chemie
Wenn wir jetzt üben, etwas zu beschreiben, solltest du daran denken, dass du das in anderen Fächern bereits geübt hast. Im Physikbuch steht, wie ein kurzes Versuchsprotokoll aussieht und wie Protokolle aufgebaut sind:
Der Physiker trennt bei der Versuchsbeschreibung Beobachtungen und Überlegungen.
Ein vollständiges Protokoll sieht so aus
nach dem Physikbuch:
- Fragestellung
- Aufbau und Durchführung
- Beobachtung
- Auswertung und Ergebnis
nach Frau Rögels (Chemikerin):
- Problemstellung
- Versuchsaufbau
- Versuchsdurchführung
- Schlussfolgerungen, Auswertung

Frau Rögels hat für Chemie hinzugefügt,
1. dass beim Punkt ‚Durchführung‘ die Reihenfolge beachtet und dass Fachbegriffe verwendet werden müssen,
2. dass bei den Schlussfolgerungen bzw. der Auswertung überlegt wird, was sich aus dem Versuch für die ‚Problemstellung‘ ergibt.
   Was die Physiker und Chemiker ‚Protokoll‘ nennen, heißt bei uns ‚Beschreibung‘ eines Versuchs. W i e  aber kommt in Physik und Chemie die gleiche Reihenfolge Fragestellung / Versuchsaufbau / Durchführung / Ergebnis / Auswertung zustande? Notiere hier deine Erklärung:
____________________________________________________________

Beschreiben - einige Probleme
1. Wie kriege ich Ordnung in meine Beschreibung? Wie gehe ich also vor?
a) Beispiel: Versuchsprotokoll
Das Versuchsprotokoll ist nicht nur eine Beschreibung, sondern enthält auch Elemente des Berichtens und des Erklärens. Wenn man davon einmal absieht, kann man an ihm besonders schön die Frage bedenken, wie man beim Schreiben vorgeht:
* Am Anfang steht eine Frage, ein Problem.
* Dazu wird ein Versuch durchgeführt:
- Man braucht Material.
- Man baut es auf und macht etwas.
- Man beobachtet, was dabei oder danach geschieht.
* Die Beobachtungen werden ausgewertet (erklärt); die Frage wird beantwortet.
Dieses dreiteilige Schema gilt für alle Versuche in den Naturwissenschaften.
b) Beispiel: eine Spielanleitung (Spielbeschreibung), hier „Mensch, ärgere dich nicht“
* Am Anfang muss man das Material beschreiben:
- das Brett mit seinen drei Arten von Feldern (Ausgangsfelder, Parcours, Ziel) und der entsprechenden Anzahl von Spielern),
- die Spielsteine und die Ordnung, wie sie aufgestellt werden,
- der oder die Würfel.
* Dann müssen zwei Arten von Regeln beschrieben (genannt) werden:
- Wer darf beginnen a) mit dem Würfeln, b) mit dem Ziehen der Steine?
- Wie die Figuren gezogen werden:
a) ins Spielfeld,
b) im Spielfeld,
c) ins Zielfeld.
* Dann wird das Ziel des Spiels genannt, also der Sieger definiert.
* Eventuell könnte man zum Schluss noch Spieltipps geben.
2. Was kann man wahrnehmen? Beschreibung eines Stars
An diesem Beispiel kann man noch einmal erklären, was man im strengen Sinn unter „beschreiben“ versteht: das benennen, was man wahrnimmt.
   Wahrnehmen kann man allgemeine Merkmale (Körpergröße, Haarfarbe, Geschlecht, Kleidung ...); identifizierende Angaben kann man nicht wahrnehmen, also zum Beispiel seinen Namen oder bestimmte Daten, an denen er „das dritte Tor zum 17. Sieg über die Polen im Fußball“ geschossen hat; möglich ist aber die Wahrnehmung, dass er in Fußballländerspielen Tore geschossen hat; wahrnehmen kann man die Rückennummer 10 und die Farbe des Trikots (braun und gelb), aber nicht „Borussia Dortmund“ - das ist ein Name. BVB ist eigentlich auch ein Name oder die Abkürzung eines Namens, aber die kann man wahrnehmen; hier zeigt sich, dass man letztlich Identifizierendes und Allgemeines nicht sauber trennen kann.
(Was kann man wahrnehmen? Das gehört in die zwanzig Fragen des Spiels „Personenraten“, bei dem man 20 Fragen stellen darf, die mit Ja-Nein zu beantworten sind, und 3 Namen. In der Regel schafft man es, die Person zu finden!)

Berichten, einen Bericht schreiben (Kl. 6)

Berichten - Übungsdiktat
1 Oft ist es nötig, dass über ein Ereignis oder über Vorgänge berichtet wird. Es gibt viele Formen des Berichts, von der persönlich gefärbten Reportage bis zur kurzen Zeitungsmeldung. Wir befassen uns hier im Wesentlichen mit den sachlichen Berichten.
2 Berichte dienen einem bestimmten Zweck; dieser bestimmt die Form des Berichts. Wer in der Schulchronik berichtet, lobt die eigenen Schüler auch; Herr Kiesel betont, dass vom Schüleraustausch alle begeistert waren.
3 Wenn das Interesse groß ist, kann man viel berichten und braucht zweitens nur wenige Fachbegriffe oder Besonderheiten zu erklären. Manchen Lesern genügt schon die Überschrift: Benjamin Schiefer ist Schulmeister im Schach geworden.
4 Manchmal wird die Vorgeschichte des Ereignisses berichtet: Seit 1991 gibt es den Austausch mit Belgien. In der Regel wird zuerst über das Ereignis, zwischendurch oder später seine Vorgeschichte berichtet; denn das Ereignis ist wichtig.
5 Auch in der Wahl der Sprachebene muss man sich auf die Leser einstellen, andernfalls scheucht man sie fort. Herr Kiesel wendet sich an gebildete Leser, also an die Eltern; ich habe für Schach-Fachleute geschrieben.
6 Die entscheidenden Fragen, die im Bericht beantwortet werden sollen, lauten: Was ist geschehen? Wer hat was getan? Wann und wo war es? Wie ist es geschehen? Manchmal fragt man auch: Warum ist es geschehen? Welche Folgen hatte es?
7 Diese Fragen brauchen aber nicht immer alle beantwortet zu werden; so ist es gleichgültig, wo die Schulmeisterschaft im Schach ausgetragen wurde, und warum sie gespielt wurde, ist ohnehin klar.
8 Meistens wird beim Bericht die Reihenfolge der Ereignisse genau beachtet. Der sachliche Bericht soll von persönlichen Bewertungen frei bleiben; je nach dem Zweck des Berichtes können Wertungen einfließen: Herr Kiesel macht auch Reklame für den Austausch.
9 Wer mündlich berichtet, gebraucht meistens das Perfekt und für den Höhepunkt des Geschehens das Präsens. Hieran sieht man, dass solche Berichte mit Erzählungen verwandt sind; sie dienen auch zur Unterhaltung der Hörer.
10 Schriftliche Berichte werden durchweg im Präteritum abgefasst; man blickt auf den ganzen Vorgang zurück. Sie müssen in den Einzelheiten so genau sein, dass der Leser keine Fragen stellen muss, um sich ein klares Bild zu machen.

Kurzer sachlicher Bericht für die RP (Tageszeitung)
Am Mittwoch, dem 11. Oktober, besuchten 21 Schüler aus Verviers (Belgien) mit ihren Lehrern das Franz-Meyers-Gymnasium in Mönchengladbach. Am Vormittag besichtigten die Gäste das Abteibergmuseum; den Nachmittag verbrachten sie in ihren Gastfamilien, ehe sie gegen 18 Uhr wieder nach Verviers zurückfuhren. - Die Schulpartnerschaft zwischen dem Franz-Meyers-Gymnasium und dem Collège SFX 2 besteht seit 1991 und wird von Frau Froitzheim sowie Herrn Dassen und Herrn Kiesel betreut.
Aufgabenstellung:
1. Notiere, welche W-Frage wo beantwortet wird!
2. Suche eine passende kurze Überschrift!
2. Vergleiche diese Lösung mit deiner eigenen!
3. Vergleiche den Kurzbericht mit dem Ausgangstext aus der Schulchronik und notiere in Stichworten, was fortfällt!

Zur Ich-Form im Bericht
1. Die Ich-Form darf verwendet werden, wenn der Ich-Sprecher am Geschehen beteiligt war (oder ist).
So muss in der Kommunikationssituation Situation A ("Berichten", ein Auszug aus: Kurze Stilistik. Hrsg. von B. Friedrich und J. Zech. Volk und Wissen: Berlin 1987, S. 68-70) der Junge, dem ein Bein gestellt worden ist, natürlich "ich" sagen.
2. Je nachdem, ob man den Adressaten des Berichtes gut kennt, darf man "ich" sagen:
In der K-Situation B berichtet ein Schüler seinem Lehrer; er darf zur Datierung des Geschehens sagen: "Ich verließ das Gebäude..."; er darf auch eine Vermutung äußern (6. Satz), weil der Lehrer das ja selber nachprüfen kann.
3. In den Teilen einen Berichtes, in denen dessen Zweck deutlich werden soll, darf man "ich", "wir", "ihr" verwenden:
In der Kommunikations-Situtation C werden die anderen Schüler mit "ihr" (und auch mit "wir") angesprochen; außerdem darf in diesen Passagen das Modalverb "sollen" oder der Imperativ gebraucht werden. Der Zweck des Berichts wird übrigens in der Regel am Anfang und (oder) am Schluss deutlich gemacht.
4. In einem neutralen Bericht für ein unbekanntes Publikum, für die Polizei oder eine Behörde soll nicht "ich" gesagt werden, wenn der Berichterstatter sagen will, dass er etwas gesehen hat; denn es gilt als Norm, dass er nur das sagt, was er selber gesehen hat. Vermutungen soll er nicht äußern, auch keine Gerüchte, die er gehört hat.
P.S. Die "Kurze Stilistik" ist ein wunderbares Buch aus der alten DDR, welches es jetzt natürlich nicht mehr zu kaufen gibt, leider. In der Deutsch-Didaktik waren die DDR-Kollegen gar nicht schlecht!

Ereignis - Zweck des Berichts
Überlegungen am Beispiel der Erzählung „Das Warenhaus“ (von Waltraud Küppers, in: Deutschbuch 6 [alt!], S. 52 f., ohne den letzten Absatz)
In der Klassenarbeit war gefordert, dass der Kaufhausdetektiv (der beim nächsten Diebstahl Sabine erwischt) in der Kundenzeitschrift des Marktes einen Bericht über besagten Diebstahl schreibt.
   Geforderte Leistung: einen Bericht zweckmäßig verfassen können. Zweck war des Detektivs Aufgabe, Eltern mit diesem Bericht davor zu warnen, Kinder zum Stehlen in Läden zu schicken. Die Frage ist also: Was interessiert den Detektiv?
   Diese Frage beantworten wir, indem wir die W-Fragen stellen - ich antworte hier in Kurzform:
Was geschah? Ladendiebstahl
Wer hat es gemacht? Sabine, 10 Jahre
Wo und wann? Siehe Text; es sollten das Datum des Geschehens und die Lage des Laden ergänzt werden.
Wie geschah es? Sabine war im Laden, ein Regal kippte (?), Zigarettenpackungen fielen auf den Boden, Sabine konnte im Nachbargang einige finden und heimlich einpacken (in Hose mit Zusatzfach).
Warum? Ihre Stiefmutter zwang sie zum Stehlen.
   Den Detektiv interessiert also nicht, ob Sabine ihre Kleider ungern anzieht, ob Kerstin geschlagen wird, warum diese nicht mit in den Laden geht, ob drei Angestellte die Kunden wegdrängen, ob die Hosenenden zugebunden sind, ob Vera zu Hause schimpft usw. - das alles schließen wir durch die W-Fragen aus! Vom Diebstahl hat der Detektiv erfahren, als er Sabine bei einem weiteren Diebstahlsversuch ertappt hat; berichten soll er vom Diebstahl, der in "Das Warenhaus" erzählt worden ist.
   Die zweite Frage des Detektivs lautet: Wie spreche ich die Eltern an, dass ich ihnen auch vermitteln kann, sie sollten ihre Kinder nicht zum Stehlen schicken? Und wie kann ich diesen Rat begründen? Die Begründung könnte sein,
- dass man irgendwann erwischt wird, wie Sabine;
- dass man Kinder nicht zum Diebstahl missbrauchen soll;
- dass man ihnen beizeiten beibringen muss, was Recht und Unrecht ist ("Was Hänschen nicht lernt....");
- dass letztlich nicht der Laden, sondern die anderen Kunden bestohlen werden, weil wegen der Diebstähle die Preise höher angesetzt werden müssen...
Diese Mahnung und die Begründung müssen gedanklich mit dem Bericht verbunden werden.

Die Linien der Beurteilung habe ich so angesetzt:
alles richtig: sehr gut;
die beiden Ergänzungen zu den W-Fragen fehlen: ein Minus hinter der Note;
alles perfekt, jedoch ohne Erwähnung des Zwecks: befriedigend;
6 W-Fragen perfekt und ein Satz zum Zweck (ohne Bericht): ausreichend;
6 W-Fragen perfekt und der Zweck perfekt (ohne Bericht): befriedigend;
2 W-Fragen völlig falsch: um eine Note gesenkt;
Abzüge gab es für 15 einfache Fehler (eine halbe Note), für 5 schwere Fehler (Sb, Gr): eine halbe Note; für 3 Tempusfehler im Bericht: eine halbe Note.

-----------------------------------------------------------------------------------------------Auch wenn das Passiv meistens erst in Kl. 7 behandelt wurde, ist sein ORT eigentlich das Berichten:

Passiv, Passivvarianten, Konkurrenzformen des Passivs
Passiv (vgl. Schülerduden Grammatik, 4. Aufl., Nr. 36 und Nr. 112 ff. - die 5. Auflage ist nur unwesentlich verändert; Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache, 10. Auflage 1990)
Wie das Passiv gebildet wird, wird als bekannt vorausgesetzt. Es geht hier nur um die Bedeutung und Leistung dieser Verbform (in der alten lateinischen Grammatiksprache: des genus verbi).
Das Passiv ist später als das Aktiv entstanden; die indogermanischen Sprachen sind in der Satzbildung ursprünglich am Modell des menschlichen Handelns orientiert: Jemand tut etwas, also:
(1) Willi fängt einen dicken Fisch.
Erst später hat man gemerkt (oder ausdrücklich sagen wollen), dass es außer Handlungen auch Vorgänge gibt, also Ereignisse, bei denen es keinen Täter gibt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, solche Vorgänge sprachlich zu bezeichnen; eine davon ist das Passiv.
(2) Es regnet heute stark.
(3) Signale werden übertragen.

Das Passiv wird verwendet, wenn man von einem Vorgang spricht, wenn man eine Handlung als Vorgang betrachtet oder wenn man nur am Ergebnis einer Handlung oder eines Vorgangs interessiert ist.
Das Passiv wird also außer zur Bezeichnung von Vorgängen verwendet,
- wenn der Täter unbekannt ist;
- wenn es nicht wichtig ist, wer der Täter ist;
- wenn ohnehin klar ist, wer der Täter ist;
- wenn man besonders die von der Handlung Betroffenen beachtet;
- wenn man den Täter verschweigen will;
- wenn es eher um das Ergebnis einer Handlung als um den Täter geht.
Außerdem kann man mit dem Passiv ausdrücken,
- dass eine Aussage allgemein gültig ist, dass die Handlung also immer so abläuft (auch: ablaufen soll):
(4) Reis wird in kochendem Wasser zubereitet.
- oder dass zu etwas aufgefordert wird:
(5) Jetzt wird aber sofort geschlafen!

Wenn man diese Verwendung des Passivs kennt, versteht man, was der SD Grammatik z.T. „Passivvarianten“ (Nr. 117) und die Deutsche Grammatik „Konkurrenzformen des Passivs“ (Nr. 491 ff.) nennt. Das sind sprachliche Formen bestimmter Verben, die eine Passiv-Bedeutung haben, ohne dass die normale Passivform vorläge:
(6) Ich bekam ein Paket zugeschickt.
(7) Plötzlich öffnet sich die Tür.

Vielleicht sollte man auch andere sprachliche Formen beachten:
(8) Man rief nach einem Arzt.
Wir werden solche Formen gesondert untersuchen.

Passiv und Unterscheidung von Verbarten

1. Transitive - intransitive Verben:
(1) Tanja grüßte gestern den Nachbarn.
(2) Eva kümmert sich um den Igel.
(3) Thomas kauft häufig Milch und Brot ein.
(4) Arno kauft nicht gern ein.
(5) Der Igel zitterte am ganzen Leib.

Untersuche:
1. Welche der fünf Sätze kannst du ins Passiv umformen?
2. Warum kannst du die anderen Sätze nicht entsprechend umformen?

Definition: Verben, die kein Akkusativobjekt bei sich haben (können), nennt man intransitiv (vs. transitiv). „Ein transitives Verb reicht in seiner Aussage über den Subjektbereich hinaus. Es verlangt das Akkusativobjekt als den von der Handlung unmittelbar betroffenen Gegenstand oder das durch die Tätigkeit bewirkte Ergebnis.“ (DtGr 400)
Aber: Transitive Verben können auch intransitiv gebraucht werden [s.o. Satz (4)!].
Nur transitive Verben können ein persönliches Passiv bilden; das Akkusativobjekt wird in dem Fall zum grammatischen Subjekt.

(6) Die Luft enthält Sauerstoff.
(7) Das trockene Gras fing sofort Feuer.
(8) Beates Turniersieg findet Anerkennung.

Untersuche:
1. Wie lautet die Passiv-Form dieser Sätze?
(DtGr 401 spricht bei diesen Akkusativen von „Akkusativ des Inhalts“, der in der Regel nicht ins Passiv gesetzt werden könne.)
2. Wie könnte man außerdem erklären, dass eine Passiv-Form nicht gebildet werden kann? Untersuche dies für Satz (6) bis (8) gesondert!
(Lies auch SD [139 f.]; DtGr 399 ff.!)

2. Reflexive Verben (SD 141 f.; DtGr 412 ff.):
(1) Ich setze mich auf eine Bank.
(2) Die Kinder beeilten sich beim Einkaufen.
(3) Die Kinder verstecken sich (vs. den Ball) im Wald.
(4) Ihr wascht euch (vs. den Hund) sofort.

Wenn ein Verb mit einem Reflexivpronomen (= auf das Subjekt des Satzes bezogenes Pronomen) verbunden gebraucht wird, spricht man von einem reflexiven Verb. Reflexiv sind
a) manche Verben immer, so in (2);
b) manche Verben manchmal (mit Bedeutungsänderung gegenüber dem nichtreflexiven Gebrauch), so in (3);
c) manche Verben manchmal (ohne Bedeutungsänderung gegenüber dem nichtreflexiven Gebrauch), so in (4).

Aufgaben:
1. Suche jeweils fünf Verben für den Fall a) bis c),
bilde dann dazu Beispielsätze!
2. Untersuche, ob reflexive Verben ein Passiv bilden können!
3. Lies in deiner Grammatik den Abschnitt über reflexive Verben!

Passivformen und Parallelformen
nach Ulrich Engel: Deutsche Grammatik. Heidelberg 1988
Das Passiv stellt eine geschehensbezogene Sehweise dar.
A) Volles Passiv (mit richtigem Subjekt):
- werden-Passiv
* Die Hütte wird gebaut.
- sein-Passiv
* Die Hütte ist gebaut.
- bekommen-Passiv
* Sie bekommt die Urkunde ausgehändigt.
- gehören-Passiv
* Ihm gehört die Meinung gesagt.
B) Neutrales Passiv (ohne Subjekt; Prädikat in 3. Pers. Sing.)
* Hier wird nicht geraucht.
* Jetzt ist auspalavert.

C) Parallelformen zum Passiv
1) Syntaktische Parallelformen (in aktivischen Strukturen):
* Der Erfolg hat sich erst später eingestellt.
* Dieses Buch liest sich leicht.
* Die Suppe kocht.
* Du glaubst das einfach nicht.
* die laut Anweisung auszuführenden Arbeiten
(Gerundiv)
2) Lexikalische Parallelformen:
a) Funktionsverbgefüge
* zum Vortrag kommen (vs. zum Vortrag bringen)
b) Aktivsätze mit dem Subjekt „man“
* Solche Hemden trägt man nicht mehr.
c) Formen mit modaler Komponente:
- es gibt, es gilt, es heißt + Infinitiv mit „zu“
* Es gibt viel zu tun.
- sich lassen + Infinitiv
* Hier läßt sich gut leben.
- sein, bleiben + Infinitiv mit „zu“
* Die Arbeit sind nach Anweisung auszuführen.
* Diese Frage bleibt noch zu diskutieren.

- stehen (mit Verben der Erwartung) + Infinitiv mit „zu“
* Es steht zu befürchten, dass die Unfälle sich häufen.
- [Alltagssprache] gehen + Infinitiv mit „zu“
* Der Verschluss geht nicht mehr zu reparieren.

Passivvarianten oder Konkurrenzformen?
Im Schülerduden Grammatik werden alle Formen des Passivs und des Passiversatzes als Passivvarianten bezeichnet. Man findet in Grammatiken aber auch die Bezeichnung „Konkurrenzformen“ für sprachliche Formen neben dem Vorgangs- und dem Zustandspassiv.
Ich schlage vor, die Begriffe folgendermaßen zu verwenden:
P a s s i v v a r i a n t e n  sind alle passivischen Formen, in denen das Partizip II verwendet wird, also
- das Vorgangspassiv,
- das Zustandspassiv,
- Wendungen mit „gehören“ und „bekommen“ + Partizip II:
(1) Die Teile gehören ersetzt.
(2) Er bekommt ein Buch geschenkt.

K o n k u r r e n z f o r m e n  des Passivs sind alle sprachlichen Formen, die nicht Passiv sind, aber das Gleiche oder etwas Ähnliches wie das Passiv ausdrücken,
- das unbestimmte Pronomen „man“ als Subjekt,
- die Verwendung von Verben mit Reflexivpronomen:
(3) Plötzlich öffnete sich die Tür.
- das Funktionsverbgefüge;
eine Reihe dieser Konkurrenzformen hat eine modale Bedeutung:
- von Verben abgeleitete Adjektive auf -bar und -lich:
(4) Die Straße ist nicht befahrbar.
(5) Der Griff ist schwer beweglich.

- „sein“, „bleiben“ + Infinitiv mit „zu“:
(6) Die Straße ist nicht zu befahren.
(7) Die weitere Entwicklung der Borussia bleibt abzuwarten.

- viele weitere Möglichkeiten, zum Beispiel
(8) Die Tür lässt sich leicht öffnen.

Der Begriff „Passivvariante“ kann problematisch sein. U. Engel spricht von Parallel- statt von Konkurrenzformen des Passivs.
Ich selber empfinde auch folgende Wendung als passivisch:
(9) Das Kino bleibt weiterhin geschlossen.
Aber „bleiben“ + Partizip II wird nirgendwo als Form erwähnt.

Entry modified
Geändert am 16. Januar 2008 um 19:49

Inhaltsangabe anfertigen (mit Beispielen)

Eine Inhaltsangabe dient dazu, jemand, der einen (erzählenden) Text nicht kennt, kurz darüber zu informieren. [Manchmal fertigt man von größeren Texten eine Inhaltsangabe für sich selbst an, um sich zu vergegenwärtigen, was für einen Text man vor sich hat.]
In der Einleitung werden angegeben:
- Autor und Titel des Textes,
- Jahr der Veröffentlichung,
- Art des Textes (Textsorte, evtl. auch Erzähltechnik),
- das Thema des erzählten Geschehens (worum es eigentlich „geht“),
- sowie Zeit und Ort des Geschehens sowie seine Dauer [Können diese evtl. im Hauptteil angegeben werden?].
Im Hauptteil werden
- die (Haupt)Personen und ihre Beziehungen beschrieben - die Figuren erfüllen oft eine bestimmte Aufgabe,
- das Geschehen in seinen wesentlichen Schritten dargestellt (in sachlogischer oder chronologischer Folge),
- und zwar im Präsens (Vorzeitigkeit: Perfekt),
- ohne Wendungen des Textes zu gebrauchen
- und ohne wörtliche Rede zu verwenden;
- sofern außer der Unterhaltung ein Zweck des Textes erkennbar ist, soll man ihn nennen [evtl. in Einleitung oder Schluss?].
Zum Abschluss
- kann man in wenigen Worten die Bedeutung (Wert, Qualität) des Textes kurz würdigen,
- wobei man auch sein auffälligstes Merkmal (oder seine Merkmale) nennen darf (nicht: Merkmal des Geschehens!).
Es wird also darauf verzichtet, dem Leser etwas zu erzählen; er wird nur kurz informiert, der Text wird besprochen, als dem Leser vorgestellt.
   Muss die Äußerung einer Figur unbedingt erwähnt werden, führt man sie in einem dass-Satz oder in indirekter Rede an (Konjunktiv 1).
   Mit dem Hauptteil und dem Schluss beginnt man einen neuen Absatz.
Quellen:
praxis sprache 8 R/Gy (Baumann - Maiwom - Melzer - Menzel - Schober). Westermann: Braunschweig 1980, S. 41;
Eggerer, Wilhelm - Rötzer, Hans Gerd: Die Inhaltsangabe. Manz Verlag: München 1982, S. 31 f. (mit Beispiel S. 32-37).
Überlege und prüfe: Was muss man bei der Inhaltsangabe eines Sachtextes beachten? Was ist anders als bei einer Erzählung?

Inhaltsangabe - Übungsdiktat
1 In einer Inhaltsangabe soll jemand, der einen Text nicht kennt, kurz über dessen Inhalt und die wesentlichen Merkmale informiert werden. Zu diesem Zweck wird der Text verkürzt und v.a. umgeformt.
2 Zunächst muss der Text identifiziert werden; dazu gibt man seinen Titel, seinen Autor und die Textsorte an. Zumindest bei Aufsätzen würde man auch sagen, wann und wo sie veröffentlicht worden sind.
3 Im Thema wird das ganze erzählte Geschehen in einem Begriff oder Satz zusammengefasst; es genügt also nicht, nur die Hauptfigur (Paruli) oder den Schauplatz der Ereignisse zu nennen. Die meisten Themen werden immer wieder in der Literatur behandelt.
4 Wenn das Geschehen oder der Gedankengang in seinen wesentlichen Schritten dargestellt werden soll, muss man diese Schritte zuvor herausfinden. Längere Texte wird man deshalb in Abschnitte einteilen, welche man im Konzept („Schmierblatt“) notiert.
5 Wenn eine neue Aktion anfängt, wenn eine andere Person in den Vordergrund tritt oder ein neuer Zeitabschnitt beginnt, kann man normalerweise einen Einschnitt im Geschehen annehmen (vornehmen).
6 Man muss allgemeine Begriffe finden, welche zum Beispiel den Ablauf einer Hochzeit bezeichnen: Ankunft der Gäste, Begrüßung, Festessen, Trauung, Abschied usw. Wichtig ist also, dass man sich vom Textverlauf lösen kann.
7 In „Parulis Hochzeit“ fällt auf, dass die Großmutter Manulis Fragen beantwortet; das ist nicht für das Geschehen wichtig, aber doch ein Merkmal dieses Textes. Durch Manuli hindurch werden die Zuhörer über indisches Brauchtum belehrt.
8 Tempus der Inhaltsangabe ist das Präsens; daran erkennt man schon, dass sie zu den beschreibenden bzw. erklärenden Sprechweisen gehört. Das Verhältnis der Vorzeitigkeit wird durch das Perfekt ausgedrückt.
9 Wenn man das auffälligste Merkmal nennt, soll man nicht auf das Geschehen, sondern auf die sprachliche Form des Textes achten. Ein Text könnte zum Bei