Erinnerung
Es ist manchmal besser, das Vergangene beiseite zu legen. Weil es nicht bearbeitet werden kann, weil die Wunden und Verletzungen noch zu frisch sind.
Es ist manchmal besser, in die Zukunft durchzustarte, weil die Erinnerung so viel Lähmendes bereit hält.
Jubiläum
Meine Abiturschule hatte Jubiläum.
Überschattet von öffentlichen Diskussionen, ob man den Schulleiter zurecht oder eher willkürlich abgesetzt habe.
Interessant, wer sich wie welche Meinung bildet. Warum er als untadelig bezeichnet wurde.
Wer sich öffentlich geäußert hat - nur solche, die nicht ihm als Führungskraft unterstehen. Ehemalige Lehrer,Menschen aus dem näheren oder auch ferneren Umfeld.
Affekte gegen die Obrigkeit mischen sich mit persönlicher Enttäuschung.
Viel Rückblick - bei einem Jubiläum unvermeidlich. Wenig nach vorne blicken, wie es weitergehen kann in einer solchen Situation. Verpaßte Chance.
Kultur
Wie begeht man ein Jubiläum?
Mit vielen Gästen, einem stimmigen Programm, das weder verbissen ernst noch banal beliebig daherkommt und einem kleinen Empfang anschließend, der ausreichend Zeit zum Austausch gibt.
Ist das Kultur, wenn es gelingt?
Es ist.
Frust und Ärger II
Und nun muss ich mich auch noch wegen des Ggeldes herumschlagen.
Ich finde es eine Zumutung und überlege eine angemessene Reaktion.
Irgendwelche Ideen?
Frust und Ärger
Freitag. 8.00 Uhr. Eine Veranstaltung zum Thema Europa mit besonderer Methode und an ungewöhnlichem Ort mit externen Referenten und nicht kostenfrei soll beginnen.
Von 44 erwarteten TeilnehmerInnen sind gerade mal 30 da.Niemand ist entschuldigt. Auf Nachfrage wird darauf hingewiesen, dass dieser oder jener wohl am Vorabend sich entschuldigt haben (nicht offiziell gegenüber der Schule).
Auf Nachfrage bei den Eltern höre ich wiederholt von etwas "Nicht gut sein", "Magen-Darm-Verstimmung" und dergleichen Hinweise auf endemische Krankheiten. Ich beginne heftig an Zufälle zu glauben. Die in gehäufter Form auftreten.
Und frage mich: wie soll ich Schülern Wahrhaftigkeit als einen Wert vermitteln, wenn ihnen das Elternhaus diesen Begriff offenkundig verweigert?
Also - eine erwartete Antwort wäre gewesen: "mein Sohn, meine Tochter ist gestern (nach dem deutschen Fußballtriumph gegen Portugal) sehr spät ins bett und hatte dann heute morgen keine Lust, zumal es ja sowieso kein richtiger Unterricht war und es um nix ging. Zudem paßt mir nicht, dass man für ein drittklasiges Mittagessen 12,00 € bezahlen soll. und Außerdem haben Sie bei den Schülern nicht ausreichend für die Veranstaltung geworben."
Das hätte mich auch geärgert - aber weniger als gefakte Atteste, die ich für morgen erwarte.
Die Krise
ist die Situation, in der Kommunikation essentiell ist. Und zwar braucht es eine hohe Kommunikationsdichte. Das soll Geschwätzigkeit verhindern. Weil diese, im Falle zu geringer Kommunikation, die Komunikationslücke ausfüllt. Und dann die Kommunikation nicht mehr gesteuert werden kann.
Wie gelingen
Regelungen in der Schule - zum Beispiel zum Thema "Ordnung und Sauberkeit" - die wirksam sind und vor allem nachhaltig wirken? Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt.
Dabei glaube ich, wäre es relativ einfach: durch das gute Beispiel von Lehrkräften, die signalisieren: es ist mir wichtig, dass hier Ordnung herrscht.
Ich denke, Schülerinnen und Schüler erleben ganz schnell, wo die weichen Stellen sind - und nützen diese.
Deswegen ist die Voraussetzung immer: ein gemeinsames Commitmenteines Kollegiums.
Und daran krankt es.
Das gibt's auch IV
Eine Schülerin, die mir im Unterricht nie begegnet war, taucht - für mich - plötzlich in einem renommierten Orchester auf, zu welchem der Zugang sehr exklusiv ist.
Und wenn ich dann genauer hinschaue, ist sie eine große Begabung. Nur verraten ihr Habitus und ihre Haltung auf sehr angenehme Weise nichts davon. Sie ist gleichbleibend gut gelaunt und gelangweilt und nicht zickig.
Eine sehr erfreuliche Entdeckung.
( Ich gebe zu, dass manche der Musikbegabungen in mir das Attribut "prätentiös" wachrufen.)
Es gibt wahrlich Schöneres
..als eine Trauerfeier in einem kleinen Ort in bergiger Landschaft, mit zu kleiner Aussegnungshalle an einem regerischen Mittwochnachmittag.
Ein ehemaliger Kollege, gerade mal 62 jahre alt, verstorben an einer geplatzten Hauptschlagader, so voller Pläne für die Zeit nach der Berufstätigkeit. Einer der Liebenswerten, Eigensinnigen.
So wie die Trauerfeier, die nicht kirchlich war, aber doch ein Gebet und ein Vaterunser enthielt, mit Musik von Luigi Nono und einer Trauerrednerin, die viel Persönliches sagte. Sowie mit einem bemerkenswerten Ernst Bloch-Zitat über das sich Vollendende im Tod.
Und so hatte dieser Feier etwas sehr Stimmiges, während ein kalter Frühjahrsschauer niederging, die Landschaft in grau tauchte und mich frösteln ließ.
Auch ein Stigma
"Da oben sitzen lauter Schlips-Träger", meinte der Kollege unmittelbar hinter mir bei einer schulübergreifenden Informationsveranstaltung.
Was er damit sagen wollte:
ich bin keiner von denen.
die da oben sind was Anderes (an anderer Stelle fiel auch schon mal die Bemerkung "was sind das für Leute, die sich für so eine Aufgabe hergeben?"
Schlips ist das Symbol für Karriere und Anpassung.
In der selben Veranstaltung erreichte der Spaß seiner Höhepunkt, als eine Frage aus dem Publikum gestellt wurde:
"Was passiert, wenn Schulleitungen sich dieser Aufgabe verweigern?"
Da lachten viele Nicht-Schlips-Träger.
)