Guten Morgen, liebe Sorgen

Die Sorge war wieder da. Sie stand vor der Tür und klopfte. "Mach auf, ich will zu dir!", jammerte sie, und ihre spitzen Knöchelchen pochten gegen das Holz. "Hau ab!", schrie ich durch die Tür. "Ich bin nicht da." Da kicherte die Sorge und sagte: "Doch, doch, du bist schon da. Mach die Tür auf, damit ich dich umarmen kann!"

Sorgen sind widerlich. Wenn sie dich erst einmal ganz umarmt haben,gehörst du ihnen. Manche Sorgen genügt das nicht, sie wollen einen auch küssen, Zungenküsse, Sorgenzungenküsse. Sie wollen alles, deine Seele, dein Herz. Sie greifen nach deinem Geschlecht und bieten sich dir an. "Fick mich!",rufen sie. "Fick deine Sorgen,gib alles... und denk an nichts anderes mehr!"

Ich glaube nicht, dass die Sorge, die diesmal vor meiner Tür stand und klopfte, jammerte, greinte, quatschte, eine jener Sorgen war, die geknutscht und gefickt und geschwängert werden wollte - auf dass sie neue Sorgen gebären konnte, immer neue Sorgen. Ich riss die Tür auf und schrie hinaus:"Verpiss dich, du scheiß Sorge, ich will dich nicht!" Da sah ich erst, wie klein die Sorge war, wie sie zusammenschrak und für einen Moment ihr Maul hielt. Ich nutzte die Gelegenheit und verpasste ihr eine aufs Maul und ihre kleinen spitzen Zähnchen. Diese Zähnchen, mit denen die Sorgen immer an einem nagen. Sie taumelte, und ich sah ihren fetten Hintern, breit und weich und wabbelig, ein Sorgenhintern, in en man einfach treten muss. Das tat ich. Die Sorge polterte die Treppe hinunter, und ich schlug die Tür zu, hängte die Kette ein und fühlte mich besser.

Aus "Das verdammte Glück" von Andreas Kurz

Bisher keine Kommentare vorhanden.

Eintrag kommentieren

Hier klicken um sich zum Kommentieren einzuloggen







Social Bookmarking
Auto gebraucht kaufen
autovermietung spanien
term insurance quotes
finden Sie Informationen uber Cialis