ver(w)irrt.
Wo bleibt die Zeit? Momentan läuft sie davon, wird von Unruhe gefressen oder gerät ganz einfach in Vergessenheit. Der Umzug ist vollzogen. Die Zimmer sind schon recht hübsch und gemütlich, nur die Deko fehlt noch. Der Kopf ist voller Ideen und läuft heiß unter riesigen Kreativitätsschüben. Entspannung fordert der Körper im Chor mit dem geschwächten Immunsystem, ebenso wie der Kater seine Aufmerksamkeit. Sogar der Wecker wird gestellt, damit dieser pünktlich an die frische Luft kommt. Der Kaffee schmeckt in diesen Tagen besonders gut, am besten natürlich in Gegenwart von Freunden. Der Regen fällt und benetzt meine Kleidung, wenn ich durch die Straßen laufe. Die frische Luft streichelt meine Lunge, die Ruhe meine Ohren. Die Kalenderseiten sind bunt mit Terminen bemalt, hinter jeden möchte ich ein Herz setzen. Eine Herzfaser zerreißt bei jedem Gedanken an den Abschied.
Die Nacht mit ihrer dichten Dunkelheit schwemmt alle bösen Gedanken davon. Es ist so entspannend, den entkrampften Körper mit den schweren Augenlidern zu spüren und sich dabei vorzustellen, ganz allein auf der Welt zu sein.
Das ist die Auszeit, die ich mir nehme. Die Zeit, in der ich über mich und mein Leben reflektieren kann, ohne dass ich eine Störung befürchten muss. Die Welt um mich herum existiert, aber sie pulsiert nicht in mir. Die Ruhe gibt mir neue Lebenskraft, die ich am nächsten Morgen beim Aufwachen brauchen werde.
Alle Erlebnisse, die noch so präsent sind und darauf warten, verarbeitet zu werden, sind wie ein Fadenknäuel, das ich noch entwirren muss. Ich muss die großen Fäden finden, die mich auf meinem Lebensweg weiterleiten werden. Die kleinen muss ich sortieren und dann verschließen, in einem Kästchen der Erinnerungen.
Vor Kurzem habe ich eine neue Bekanntschaft gemacht. Etwas, das klein beginnt und nur darauf wartet, wachsen zu dürfen. Es ist immer wieder neu verwunderlich, jemanden zu treffen, mit dem man die gleichen Gedanken teilt. Die Gedanken sind die Basis, darauf können Empfindungen und Ideen, ja vielleicht sogar die Zukunft wachsen.
Vielleicht ist diese Bekanntschaft ein weiterer großer Faden in meinem Leben. Ich hoffe es sehr.
Andere Bindungen gehen dafür in die Brüche und möchten nun den Stempel der Vergangenheit bekommen. Dabei ist es nicht leicht, einfach loszulassen und die Hoffnung mit ihnen zu begraben. Der gute Wille, gepaart mit Optimismus, lässt mich immer wieder schwach werden und die letzten Augenblicke durch die rosarote Brille sehen. Denn Abschiede sind doch zu schmerzhaft, um sie so einfach zu zelebrieren.
Das Glück der Welt steckt in allen von uns, ohne Frage. Und jeder von uns muss seine eigenen Brücken bauen, um es zu finden und zu behalten.
Ein kleines Stück diesen Glücks habe ich täglich. Dann, wenn die Nacht beginnt und mit ihrer dichten Dunkelheit alle bösen Gedanken wegschwemmt.
Manchmal frage ich mich, ob dieser Blog überhaupt noch einen Sinn hat. Denn die Bilder, die in meinem Kopf sind, lassen sich nicht in Worte auf dem Bildschirm übertragen.
Ich weiß, dass ich einige Leser habe. Die dies nicht immer zugeben, aber doch überraschend zustimmen, wenn ich über etwas Geschriebenes spreche. Danke dafür.
Noch ist die Zeit für einen Schlussstrich nicht gekommen. Noch werde ich mich das eine oder andere Mal einloggen, einige Sätze formulieren und vielleicht sogar auf "veröffentlichen" klicken.
Es gab so viele Dinge, die mich in der jungen Vergangenheit aus der Bahn geworfen haben. Egal ob positiv oder negativ. Darüber kann ich nicht schreiben und will es auch gar nicht. Manche Veränderungen, Erlebnisse und Gedanken sollten einfach nicht in Worte gefasst werden.
Aber es geht mir gut, keine Sorge.
Ich sitze auf gepackten Koffern, spüre die Aufregung über den Umzug und das Neue, und gleichzeitig den Schmerz des Abschieds. Ich lasse mich in meinem Lebensfluss treiben, bewundere die Farben und speicher alles Schöne in meinem Herzen.
Es wird auch keine Absolution geben, ich werde nichts aufgeben, was unter der Oberfläche schwimmt. Nur die Selbstverständlichkeit werde ich abgeben, zusammen mit ein paar Nerven und einigen Schweißperlen.
Ich habe neue Träume, neue Ideen und den Willen, das alles zu verwirklichen. Der Abschied wird ein Neuanfang sein.
"take time, wait
and see what it does until you reach out for more
...and you'll see if it's drifting away or if it feels a lot better today"
Möwengeschrei am Morgen. Ich werde es vermissen.
the feeling modified
Ich bin stolz auf mich!
Denn soeben habe ich die Einladung für unsere letzte WG-Party fertiggestellt und so wie es aussieht, wird diese sogar noch heute Abend die Runde machen. Gerne würde ich hier mein Werk präsentieren, aber das verstößt ja gegen die Regeln der Privatsphäre...
Noch ein Grund stolz zu sein: Der Umzug meiner Schwester gilt als bewältigt.
Wir haben das ganze Wochenende aufgebracht, Kartons zu schleppen, neue Möbel zu kaufen, alte und neue Möbel aufzubauen und alles schon etwas hübsch aussehen zu lassen. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, denn der Muskelkater, der uns nun quält, war ein hartes Opfer.
Nun frage ich mich, wie das in ein paar Wochen werden soll, wenn ich wieder umziehe...mir graut es schon! Glücklicherweise müssen die Möbel aber nicht in einen vierten Stock geschleppt werden, sondern nur in einen ersten. Das tut nicht ganz so weh. Dennoch, schleppen wird wohl nie meine Lieblingsbeschäftigung werden ;)
Für die nächsten Tage steht nun erst einmal Sachen packen, Nachmietersuche und alte Freunde treffen auf dem Plan. Arbeit und Vergnügen also.
Und wenn das geschafft ist, klappt hoffentlich alles mit der Indieraveparty am Freitag...ich will endlich wieder tanzen!!