Herzensangelegenheit

Übermorgen ist der Tag, der immer viel zu fern schien: Samstag, Hörsturz-Party und der Abschied des Vinyls.

Das Vinyl ist einer der Indie-Clubs, in denen ich groß geworden bin. Ich bin schon gerne dorthin gegangen, bevor ich überhaupt nach Kiel gezogen bin.
Wie nahezu jeder andere Gast habe ich mich anfangs über die Getränke- und Eintrittspreise beschwert. Gerne habe ich mich auf die Tanzfläche gequetscht, blaue Flecken eingesteckt und ausgeteilt und lauthals mitgesungen. Für eine Pause bin ich die Treppe hochgestiegen und habe von oben den Feiernden zugeschaut. Und wenn ein Lied kam, das ich als "mein Lied" bezeichnete, bin ich wieder hinunter gestürmt und habe mich der Ekstase hingegeben.

Vor etwa einem halben Jahr habe ich auch angefangen, im Vinyl zu arbeiten.
Ich wechselte zwischen Tresen und Kasse, wie auch die Veranstaltungen wechselten, und bin immer bis zum Schluss geblieben, um selbst für die letzten freien Minuten noch die Tanzfläche zu betreten.
Viele neue Menschen habe ich dort kennen gelernt. Mit dem Team habe ich gekocht und Kuchen gebacken, mit einigen Gästen habe ich schon vor der eigentlichen Party eine Miniparty gemacht. Unser heiliges Samstag-Ritual mit Freunden.

Rabea hat mich immer begleitet. Sie war von Anfang bis Ende an meiner Seite, hat mir beim Arbeiten Gesellschaft geleistet und mit mir Kompromisstanzen praktiziert, wenn wir von der Musik gelangweilt oder genervt waren. Und noch so viel mehr, die Erinnerungen sind zahlreich...

Ich kann gar nicht allen danken, die mit mir diese Glitzerwelt Vinyl erlebt haben. Aber ich denke, diese Zeit wird für uns immer mit schönen Gedanken behaftet sein und höher kann der Preis nicht sein.

In diesem Sinne freue ich mich auf alle, die zum Abschied am Samstag kommen werden. Feiert mit, trinkt mit und vor allem tanzt mit! Denn es ist das letzte Mal!

 

Entertain Me, Hamburg!

So gerne wir das Vinyl auch haben, es wurde dringend Zeit, auch mal wieder einen anderen Club von innen zu sehen. Und andere Menschen, natürlich.
Zwischen King Kong Klub und Hörsturz haben Rabea und ich uns also mal wieder -samt frischer Frisuren und funky Fummeln- auf den Weg nach Hamburg gemacht.

Die erste Station ist das "Übel & Gefährlich", wo wir noch nie waren und dementsprechende Orientierungsschwierigkeiten haben. Wo geht es rein?? Plötzlich kommt ein Security aus dem Bunker gesprungen und zeigt uns netterweise den Weg. Puh! Im Fahrstuhl geht es in den vierten Stock und wir stehen in einem ungewohnt großen Raum, gefüllt mit ungewohnt wenig Leuten. Ok, erst einmal auf Toilette. Und da die so stylisch aussieht, noch schnell ein paar Fotos machen. Dann Bier & Bionade holen und warten, dass Tanzmusik kommt.
Die Getränke sind leer und wir stürmen auf die Tanzfläche, wo wir sogleich eingenebelt werden. Benny, spiel uns den Patrick! Nein?? Gut...dann tanzen wir also Ballett zu den Stars und gähnen demonstrativ bei den Smiths. Ein bisschen mehr Popeinsatz hätte wirklich nicht geschadet...wir langweilen uns nämlich jetzt schon und gehen wieder...wenn wir den Ausgang finden.

Ja, schon stehen wir wieder im Fahrstuhl und warten auf das Erdgeschoss. Dort kommen uns weibliche HipHops entgegen...was wollen die hier!? Wenn wir Toleranzbolzen schon gehen, halten die das wirklich länger aus als wir??
Egal, wir gehen ins Molotow. Da wartet nämlich bereits Sebi und erzählt von seinem Gastauftritt in München. Innerlich müssen wir ein bisschen weinen, Fernweh ist angesagt, also gehen wir geschwind auf die Tanzfläche und tanzen uns den Frust weg. Das klappt super! Olaf und Alien scheinen heute Abend nämlich den Rock 'n' Roll im Blut zu haben und lassen uns ordentlich abspacken und schwitzen!
Zwischendurch genehmigen wir uns die eine oder andere Cola und amüsieren uns über Menschen, die sich wiederum über uns amüsieren. Ja, danke. Dann bitte noch The Blood Brothers, Slut und The Faint, dann können wir wieder gehen. Mittlerweile ist es ja schon vier Uhr morgens!

Raus aus dem Molotow, schnell zum Auto. Schnell...denn es regnet! Nein, es schüttet! Das Unwetter bricht über Hamburg ein und wir sind mittendrin! Zwischenzeitlich retten wir uns unter einen Baum oder in einen Hauseingang, aber wir haben keine Chance - pitschnass sind wir. Ein paar hundert Meter vor unserem Auto fragt uns aber eine junge Frau, ob wir nicht mit unter ihren Schirm möchten...oh danke!! So kommen wir nicht ganz frustriert im Auto an und machen uns wieder auf den Weg nach Hause. Im Regen. Aquaplaning ahoi!

Kurz vor Kiel hört der Regen auf und wir biegen beruhigt, aber übermüdet in unsere Straße ein. Schnell in die Wärme, die nassen Klamotten abstreifen und schlafen...schlafen, wirklich lange!

Danke an alle Beteiligten...was für eine tolle Nacht!!

 
Currently playing:The Blood Brothers - Set Fire To The Face On Fire

Rainbowarriors

Ein neues Foto.

Entstanden ist es im Rahmen eines Projekts für die Kieler Kunsthochschule, bei dem ich einem Freund als Fotomodel geholfen habe. Die Thematik befasst sich im weitesten Sinne mit dem Geschlecht - aus der Sichtweise, wie die Grenzen der Geschlechter definiert sind und wie man diese durchbrechen kann.

So sind wir einen Nachmittag durch die Stadt spaziert: mal in der eigenen Kleidung, mal in der des anderen. Dabei haben wir Fotos vor neutralen Hintergründen gemacht und neugierig getestet, wie Unwissende wohl auf das Projekt reagieren. Ich glaube, Erstaunen war die am häufigsten gezählte Reaktion - oh welch Wunder!

Zum Abschluss haben wir uns typisch männliche Kleidung angezogen (weite Hosen, Hemd, weißes Unterhemd) und ein buntes Make-Up aufgelegt: Schnurrbart, breite Augenbrauen, aber auch Lipgloss und Wimperntusche. So sind wir durch ein Möbelhaus gelaufen und haben dort noch Fotos gemacht.

Natürlich hat uns das sehr viel Spaß gemacht. Gleichzeitig war es aber auch eine erschreckende Erfahrung, zu sehen, mit wieviel Ablehnung unsere Gesellschaft auf solche Aktionen reagiert. Und wie schnell durch Unsicherheit ein Schutzmechanismus in Form von Abwertung und Ignoranz hervorgerufen wird...

Dieses Foto ist leider nur eins der wenigen, die wir mit der Digitalkamera gemacht haben. Die anderen werden bald entwickelt, ich bin schon gespannt auf das Ergebnis!

 
Currently playing:Regina Spektor - That Time

Mein Herz tanzt...

Ich kann mich noch erinnern, dass ich an Silvester bzw. Neujahr gedacht habe, dass 2007 einfach nicht mein Jahr werden wird. Aufgefressen von Melancholie der Erinnerung des letzten Jahres, wollte ich nicht glauben, dass ich so bald wieder so eine schöne und aufregende Zeit haben würde.

Allein die letzten Tage und Wochen haben das Gegenteil bewiesen: Ich habe neue, interessante Menschen kennen gelernt und versuche, jeden Moment zu genießen und mir vom Alltag nicht die Luft zum Atmen nehmen zu lassen. Es klappt wunderbar!

Auch heute scheint die Sonne besonders hell...ich zehre noch von den Gedanken an das Wochenende und bin gespannt, wie das nächste werden wird. Und die Zeit zwischendurch, natürlich. Am Donnerstag ist schließlich das "Germany's Next Topmodel"-Finale ;)

Ich habe Herzklopfen. So schön und stark wie lange nicht.

 
Currently playing:CocoRosie - Rainbowarriors

we could stick around and see this night through

Die Familientage gelten als überstanden, ebenso auch das letzte Wochenende. Hörsturz: so anstrengend war das Publikum lange nicht! Der Lieblingssatz des Abends lautet: "WIE? Das ist hier nicht das "Nachtcafé"?? Kann ich mein Geld wiederhaben?"
...

Den gestrigen Tag durfte ich sehr genießen, mit einer kleinen Shoppingtour, Koffeindröhnung, und abends noch Pizza, Bier und Eis bei einem guten Film (Dancer in the Dark) und mit einem guten Menschen an meiner Seite. Solche Tage hätte ich gern öfters ;)

 
Currently playing:Peter, Bjorn & John - Young Folks

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