
Papst Benedikt XVI. am Sonntag bei seiner Ankunft in der Großen Synagoge in Rom.
Papst Benedikt XVI. hat Juden und Christen aufgerufen, den Weg der Aussöhnung und des Dialogs fortzusetzen. Die Neuorientierung der katholischen Kirche im Konzil sei unwiderruflich, versicherte er am Sonntag bei seinem ersten Besuch in der Synagoge von Rom. Mit Nachdruck beschwor er die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und forderte ihre Angehörigen auf, trotz bestehender Differenzen zusammen für eine bessere Welt zu arbeiten. Mit aller Entschiedenheit verurteilte Benedikt XVI. jeden Antisemitismus und entschuldigte sich für das Fehlverhalten von Christen gegenüber jüdischen Mitbürgern. Die Schoah sei ein einzigartiges Drama gewesen, ein Gipfelpunkt des Hasses, stellte das Kirchenoberhaupt klar.
"Mögen die Wunden des Antisemitismus für immer heilen", sagte der Papst unter großem Applaus. Konkret ging er auf die jüdische Gemeinde Roms und die Verfolgung während der deutschen Besatzung ein: "Wie kann man an dieser Stelle nicht an die römischen Juden erinnern, die aus diesen Häusern, von diesen Mauern weggezerrt und in schrecklicher Qual in Auschwitz getötet wurden?"
Der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, dankte anschließend dem Papst für die Ehre des Besuchs und rief Christen und Juden zum gemeinsamen Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile auf.
Pacifici äußerte sich ebenfalls zur Situation seiner Gemeinde während der NS-Verfolgung in Rom. Er dankte christlichen Konventen, die Juden versteckt hielten, und begrüßte anwesende Ordensschwestern. Aber er ging auch kritisch auf Papst Pius XII. ein: "Das Schweigen von Pius XII. zur Schoah schmerzt auch heute als versäumte Tat. Vielleicht hätte er nicht die Todeszüge stoppen können, aber er hätte diesen unseren Brüdern ein Signal, ein Wort der Bestärkung, der menschlichen Solidarität sagen sollen, die zu den Schornsteinen von Auschwitz transportiert wurden." Ausdrücklich sprach sich Pacifici für eine Öffnung der vatikanischen Archive aus.
Noch vor Betreten der Synagoge hatte der Papst einen Kranz niedergelegt am Gedenkstein für die 1021 Bewohner der jüdischen Gettos, die am 16. Oktober 1943 von den Nazis deportiert worden waren. Nur 17 von ihnen waren später lebend zurückgekehrt.
Quelle: WELT ONLINE

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