"Malerei eines Reiches": Ausstellung in Rom versammelt antike Malereien

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"Malerei eines Reiches" nennt sich die Ausstellung zur antiken Wandmalerei, die gerade in Rom zu sehen ist. Das politische Reich aber hatten wohl die wenigsten dieser Künstler im Sinn, als sie Blumen und Landschaften, Brothändler und Dämonen, liebende Paare und üppige Gelage auf den Putz warfen. Eine Villa im alten Rom hatte geschmückt zu sein; unter dem Pinsel flossen Privates und Öffentliches, Intimitäten und das große Ganze ineinander.

Zu welchen gewagten Kompositionen sich die Künstler hinreißen ließen, das führt nun eine konzentrierte Schau in Rom zusammen, die vom Fragment zum Wandfries, vom Graffito zur Scheinarchitektur die Bandbreite der überlieferten Stücke exemplarisch vorführt. Aufregend fremd ist diese Malerei vor allem deshalb immer wieder, weil Pompeji erst im 18. Jahrhundert systematisch erschlossen wurde und deshalb die Maler vom frühen Mittelalter bis zum Spätbarock ohne diese Anschauung auskommen mussten.

Wer weiß, welchen Gang die Kunstgeschichte genommen hätte, wären antike Gemälde immer so zugänglich wie Skulpturen gewesen. Etwa die hellen Mänaden, die durch die Villa di Cicerone von Pompeji flogen, das schwarze Nichts der Wand hinter sich lassend (Abb.: Katalog, Museo Archeologico Nazionale, Neapel). Wallende, linear gegliederte Gewänder betonen ihren ekstatischen Rausch. Als Maler im 15. Jahrhundert das Motiv der luftig-bewegten Mädchengestalt wieder entdeckten, schienen ihnen dagegen schon flatternde Locken und sich lösende Haarbänder als gewagt. Oder die großäugigen, offenherzigen Frontalporträts auf Tafeln, deren scheinbare Modernität etwas Zwingendes hat: Paula Modersohn-Becker ließ sich von solchen ägyptisch geprägten Bildnissen inspirieren, weil sie ihr näher waren als die abendländischen Gesichter seit der Renaissance.

Andere Bilderfindungen aber bleiben auch heute fremd, etwa die Friese mit unerklärlichen Figürchen in für unsere Augen beängstigend weitem, leerem Raum. So anders kann Malerei sein. kia

"La pittura di un impero", Scuderie del Qirinale in Rom, bis 17. Januar 2010; Info: www.scuderiequirinale.it.

Quelle: sueddeutsche.de

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