
Das Schlimmste ist also verhindert worden. Nach einer Sondersitzung gestern Nachmittag im römischen Kapitol hat Bürgermeister Gianni Alemanno zurückgerudert. Es wird keinen Sonderkommissar für die römische Oper geben. Verwaltungsrat und Intendant werden - zumindest vorerst - bleiben. Ein runder Tisch soll nun neue Strategien erarbeiten.
Ein erster Sieg im Opernkrieg der Hauptstadt und der einzig logische - so der künstlerische Leiter des Opernhauses Nicola Sani. "Schwer zu sagen, wie ein Sonderkommissar die Probleme hätte lösen können. Da es an Geld fehlt, wären die Mittel auch mit einem Verwalter nicht aufgetaucht. Seine einzige Möglichkeit wäre gewesen, die Saison zu beschneiden. Aber das will der Aufsichtsrat nicht."
Subventionen gekürzt
Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Die Initialzündung gab eine Entscheidung der Regierung Berlusconi. Sie kürzte die Subventionen für die Bühnen Italiens - den sogenannten Einheitsfonds - drastisch. Bis zu 40 Prozent sollen es werden. Das stürzte den Kulturbetrieb in schwere Turbulenzen.
"Wir sind von einem bestimmten Budget ausgegangen sind und finden uns in der laufenden Saison mit einem extrem reduzierten Budget wieder", so Sani. "Das bedeutet, entweder kommt es zu Sonderfinanzierungen oder wir müssen trotzdem schmerzhafte Entscheidungen treffen, sprich Produktionen streichen."
Politisch motivierte Postenvergabe?
Hart ins Gericht mit dem verantwortlichen Kulturminister Sandro Bondi geht der Kulturkritiker Luca del Fra. Man merkt die Absicht und ist verstimmt - meint er. Denn im Fall der römischen Oper gebe es gar keine wirtschaftlichen Gründe für ein Einschreiten des Staates.
"Sie ist eines der wenigen italienischen Theater, das bis Ende des Jahres 2008 eine ausgeglichene Bilanz hatte", betont Luca del Fra. "Das wahre Motiv ist, dass der neue römische Bürgermeister Alemanno seine Leute in den diversen kulturellen Institutionen platzieren will. Das ist eine verabscheuungswürdige italienische Praxis, die alle Parteien betrifft."
Kampagne gegen Opernhäuser
Luca del Fra geht sogar noch weiter. Er ortet eine regelrechte Kampagne gegen die italienischen Opernhäuser - und er beruft sich dabei auf verschiedene Aussagen und Interviews des Ministers und seiner Mitarbeiter. "Er hat sogar falsche Angaben über die Arbeiter an den Theatern und ihre angeblichen Privilegien gemacht. All das soll zur Auflösung der fixen Orchester führen. Das passiert in keinem anderen europäischen Land. Im Gegenteil."
Auch für Nicola Sani ist die Vorgangsweise nicht mit der aktuellen Wirtschaftskrise des Landes zu rechtfertigen. Im fehlt es an einer grundsätzlichen Haltung gegenüber im Bereich Kultur.
Strategie gefordert
"Ich denke, Italien braucht eine echte Strategie für seine Opernhäusern verfährt und die Oper seiner Hauptstadt. Man muss entscheiden, ob sie vergleichbar mit anderen europäischen Hauptstädten werden oder ob sie ein Provinztheater bleiben soll. Das alles ist nicht zu verstehen. Die römische Oper steht ja stellvertretend für das Land, in dem die Opernmusik entstanden ist", sagt Sani.
Auch wenn der Sturm erstmals ohne große Schäden über das Haus in Rom abgezogen ist, für Italiens Bühnen sind es harte Zeiten. 150.000 Jobs sind landesweit damit verbunden. Ein Sektor drei Mal so groß wie Fiat. Für viele droht nun das Aus für ihren Arbeitsplatz. Nicht nur die Orchestermusiker wollen daher gegen die Subventionskürzungen auf die Barrikaden steigen.
Quelle: ORF![]()
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