Ein bayerischer Bäckermeister in Rom

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Bäckermeister Josef Wagner aus Münsing am Starnberger See bedauert, dass seine Romzeit vorbei ist. Der 50jährige war einer der ersten, der bei einem neuen Pilotprojekt der deutschen Stipendiatenakademie Villa Massimo mitgemacht hat. Sieben Wochen sind dort Kreative aus praktischen Berufen zu Gast.

Wie die auserwählten Künstler lassen sie Romeinfluss auf ihre Arbeit einwirken - und geben an Römer ihre Ideen weiter. Bei Wagner heißt das: Er kann jetzt perfekt Pizza am Stück backen. Und römische Bäcker lernten von ihm, Brezen, Semmeln, Kürbiskernbrot und Käsestangen herzustellen.

Dazu wurde der Meister erstmal Lehrling und backte kleine Brötchen. "Morgens um 3.30 Uhr ging es los", erzählt Wagner. Auf dem Fahrrrad fuhr er eine halbe Stunde quer durch die ewige Stadt, von der Villa Massimo im Osten zum Blumenmarkt mitten in der Altstadt. Dort gibt es den Forno Campo de' Fiori, eine der renommiertesten Bäckereien Roms. Wagner: "Leider kann ich nicht genug italienisch. Ich habe mich mit Händen und Füßen verständigt". Zumindest für die ersten vier Tage hatte ihm die Akademie eine Dolmetscherin mitgegeben, die auch Fachbegriffe in Sachen Teig, Mehl und Verarbeitung zu übersetzen wusste.

Und er lernte Teig herzustellen für weiße Pizza, rote Pizza, lange Platten ausrollen, römisches Brot backen. Die Bäcker Giuliano und Sandro hätten dann schnell seine Produktion begriffen. Wagner: "Es war angenehmes heiteres Arbeiten."

Seine Zutaten hatte er sich aus Bayern mitgebracht, auch dunkles Mehl. Die bayerischen Spezialitäten wurden natürlich auch an die Kunden verkauft und gingen weg wie warme Semmeln 90 Stück Laugenstangen - im Nu ausverkauft. Das ein oder andere Gebäck aus Bayern wollen die römischen Bäcker jetzt auch in ihr Sortiment aufnehmen.

Aber auch der Touristenort Münsing wird vom Rom-Ausflug Wagners profitieren: "Ich werde auf jeden Fall die Pizza bianca und die Pizza rossa beide in meine Produktion übernehmen".

Beim alljährlichen Sommerfest der Villa Massimo, wurde Wagner ebenso wie die deutschen Künstler von den Gästen besucht. Die Stipendiaten zeigten ihre ersten Arbeiten, in der Villa Massimo entstandene Bilder, Skulpturen und Videos. Schriftsteller lasen aus ihren neuesten Werken. Und im Studio 7 führte Bäckermeister Wagner in Tracht italienischen und bayerischen Teig vor: "Andere Teigstruktur hier mit viel mehr Wasser". Viele stiegen auch die Treppe zu seiner Wohnung hoch und schmausten Käsegebäck.

Während Wagner mittlerweile wieder daheim seine Brötchen backt, geht das Pilotprojekt in Rom weiter. Eine Kostümbildnerin, ein Kunstdrucker und ein Buchdrucker werden im Laufe des Jahres weitere Gäste aus Deutschland sein.

Quelle: Augsburger Allgemeine
Augsburger Allgemeine

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