Unterwegs in Richtung Ewigkeit

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Bloß ein Weg nach Rom: Der Tiber. Im Hintergrund der Petersdom.

Links pfeift der Schnellzug vorbei, rechts dröhnt die Autobahn. Hoch oben auf grauen Betonstelzen nimmt die Autostrada del Sole den kürzesten Weg durch das Tibertal. Der Zug verkehrt mehrmals täglich auf der wichtigen Verbindungslinie zwischen Rom und Florenz. „Mythos Geschwindigkeit" steht in Riesenlettern auf den Waggons geschrieben. Als gingen ihn die beiden modernen Verkehrswege nichts an, breitet sich im Tal unten behäbig der Fluss aus. Auch er wurde einst von zahllosen Lastkähnen und Fischerbooten befahren, trotzdem hastet er nicht auf dem Weg zur Hauptstadt und von dort weiter bis zu seiner Mündung bei Fiumicino ins Tyrrhenische Meer.

Im Gegenteil, der Tiber lässt sich viel Zeit. In weiten Schleifen mäandert er durch das grün gewellte Hügelland, in das er sich im Lauf der Jahrtausende sein tiefes, von Gestrüpp und Schilf gesäumtes Bett gegraben hat. Auf dem Fluss bewegt sich ein einsamer Kajakfahrer. Sein Tourenboot schaukelt in den Wellen dahin, und auch er scheint es nicht besonders eilig zu haben. Denn selten macht er ein paar kurze Paddelschläge, viel öfter aber legt er sein Ruder quer über das Boot und lässt er sich von der starken Strömung tragen.

Auf einem Schotterweg über der Böschung treibt ein Hirte seine Schafherde vorbei. Dort, wo ein Trampelpfad zum Fluss herabführt, hat sich ein Angler einen Unterstand aus rohen Brettern gezimmert. Sonst sind hier kaum Zeichen aggressiver Naturbeherrschung zu sehen. Ohnehin ist die Aufmerksamkeit des Kanuten vollständig von den Reizen der ungewohnten Umgebung gefesselt: dem Spiel der Wellen und Strömungen, dem aufgeregten Schnattern der Wildenten und der wechselnden Färbung des Wassers, das je nach Hintergrund, Lichteinfall und Fließgeschwindigkeit zwischen einem schimmernden Moosgrün und einem satten Erdbraun changiert. Stoisch paddelt der Kanute immer weiter flussabwärts. Die Sonne steht hoch am Himmel, und die Luft ist mild. In den umliegenden Terrassenfeldern blühen die ersten Obstbäume.

Quelle: faz.net
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