
Das Gemälde «Der Grossinquisitor» von El Greco
Eine Ausstellung gewährt zum ersten Mal Einblicke in jahrhundertealte Dokumente des Vatikans zur Inquisition. Das Risorgimento-Museum in Rom zeigt seit Donnerstag unter anderem eine 400 Jahre alte Anweisung, die genau beschreibt, wie gegen Ketzerei vorzugehen ist.
Die Stücke führen vor Augen, wie der Vatikan systematisch versuchte, viele Lebensbereiche zu kontrollieren, die mit der Religion nichts zu tun hatten. Es werden allerdings keine Protokolle von Ketzerei-Prozessen oder Beschreibungen von Foltermethoden ausgestellt.
Die entsprechenden Archive der Kurie waren seit Jahrhunderten für die Öffentlichkeit verschlossen. Sie wurden 1998 nur für Gelehrte geöffnet. Zu den Ausstellungsstücken gehört ein Dokument aus dem Jahr 1611, das Inquisitoren anweist, wie sie ihre Arbeit ausführen und wie sie sich im Privatleben verhalten sollen. Eine Liste von 1703 erklärt eine Jagd auf Hugenotten, Ketzer und ihre Unterstützer.
Die Ausstellung macht aber auch deutlich, dass die Inquisition mehr war als die Verfolgung von angeblichen Ketzern und Hexen: Die Inquisition «wollte die totale Kontrolle», sagte Monsignore Alejandro Cifres, einer der Kuratoren der Schau und Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre. Die Kirche habe überall ihre Hände im Spiel gehabt, bei «Kultur, Literatur und Wirtschaft, sogar Architektur», sagte Cifres. Die Ausstellung ist bis zum 16. März zu sehen.
Quelle: NZZ![]()
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