Ausstellung in Rom: Kunstraubschau

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Ein Prunkstück der Ausstellung: Die Statue der Vibia Sabina.

„Grazie, Presidente!" Selten gehen Italiener so dankbar und höflich mit ihrer Obrigkeit um wie derzeit im ausgelegten Gästebuch des Präsidentenpalastes in Rom. Angesichts von Müllnotstand und himmelschreienden Privilegien für ihre Politikerkaste haben sie auch keinen Grund dazu.

Jetzt aber öffnet Giorgio Napolitano seinen einst von den Päpsten kirchenfürstlich ausgestatteten Quirinalspalast fürs Volk. „Wiedergefundene Meisterwerke" lautet der Titel einer Kunstausstellung der ungewöhnlichen Art. Die aufgefundenen Meisterwerke hat keiner verloren, sie sind dem italienischen Gemeinwesen schamlos und brutal geklaut worden.

Nur ungern hat man die Schätze herausgerückt

Achtundsechzig Stücke insgesamt, zahlreiche griechische Vasen, aber auch etruskische Skulpturen, Fragmente von Tempelfriesen, bunt leuchtende Malereireste aus Pompeji. Absolute Prunkstücke: die große Statue der Vibia Sabina, Gattin von Kaiser Hadrian, und ein hellenistischer Tischuntersatz, ein „Trapezophoros", mit der blutigen Szene zweier Greife, die einen Hirsch anfallen.

Diese einzigartige Skulpturengruppe, die wohl 1977 bei einer Raubgrabung in Apulien zutage kam, zeigt noch beeindruckende Spuren der Bemalung. Kein Wunder, dass dieses Kleinod vom Getty-Museum in Malibu angekauft wurde. Auch die Beschaffer antiker Kunst vom Fine Arts Museum in Boston und diverser amerikanischer Galerien zeigten einen guten Geschmack, als sie im - vorzugsweise schweizerischen - Kunsthandel ihre Wahl trafen.

All diese Werke wären heute noch in Übersee, hätten nicht die Recherchen der italienischen Kunstpolizei die illegale Herkunft nachgewiesen. Salbungsvolle Grußworte der Direktoren des Metropolitan-, des Getty-, des Princeton-Museums, die allesamt von einem „Meilenstein der Kunstpolitik", vom „gemeinsamen Erbe" und von einem „neuen Kapitel internationaler Zusammenarbeit" sprechen, klingen denn auch nicht sonderlich überzeugend. Nur ungern hat man die Schätze wegen der erdrückenden Beweislage herausgerückt.

Das Volk darf sich als Souverän fühlen

Was aber aus dem illegalen Handel in private Hände ging, wird der Öffentlichkeit nicht so leicht zurückerstattet, vielleicht nie. Dennoch schlendert man gut gelaunt durch die Säle mit prächtigen Gobelins, vor denen sonst Staatsgäste ihre Häppchen verdrücken. Ausnahmsweise sitzt hier einmal das Recht und nicht das schnöde Geld am längeren Hebel.

Die hünenhaften Museumswärter, die ihren staunenden Mitbürgern bei freiem Eintritt die Türe aufhalten und zum Abschied lächelnd grüßen, stammen - unschwer zu erkennen - allesamt aus der Präsidentengarde. Geehrt und zufrieden schreiten die Besucher die große Zeremonialtreppe herunter, bis sie im Straßenchaos von Rom wieder in der Wirklichkeit ankommen. Vor der glücklich repatriierten Raubkunst darf sich doch tatsächlich einmal das Volk als Souverän fühlen. Grazie, Presidente!

Quelle: FAZ
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