Kaiser August lädt jetzt in seine Gemächer

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Die Eingangshalle des Palastes: Ungefähr 30 Jahre vor Christus zog Augustus in seinen Palast ein und beherrschte von hier aus das römische Weltreich.

Schatzkammer der Antike: Die Stadt Rom präsentiert die renovierten Wohnräume des Kaisers Augustus. Von März an sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich sein. Doch nur fünf Besucher dürfen zur gleichen Zeit in die engen Räume des Regenten.

Den Untergrund Roms darf man sich vorstellen wie einen großen Schweizer Käse - wo die Löcher jedoch keine Luft, sondern oft märchenhafte Schätze enthalten, zumindest aus der Sicht der Archäologen. Von Roms vielen Katakomben etwa ist bis heute nur ein kleiner Teil zugänglich. Andere - mit zum Teil märchenhaften frühchristlichen Bildprogrammen - schlummern weiter im Dunkeln durch die Zeit. Aus diesem Grund hat es Rom bis heute nur auf zwei U-Bahn-Linien gebracht. Dem Bau weiterer Linien stellen sich immer wieder solche versiegelten Zeiträume entgegen.

Augustus ergötzte sich an prächtigen Fresken

Besonders löcherreich ist der Untergrund auf dem Palatin. Der alte Herrschaftshügel Roms zwischen dem Forum Romanum und dem Circus Maximus ist für Archäologen eine unversiegbare Goldmine. Nach der Vorstellung der Entdeckung der "Höhle des Romulus" vor wenigen Wochen nutzten am Montag Bürgermeister Walter Veltroni und Kultusminister Francesco Rutelli den anhaltenden Sog der Sensation, um auf dem Palatin einem Heer von Journalisten spektakuläre Räume aus dem "Haus des Augustus" vorzustellen, mit herrlichen "Fresken, die noch kein Auge gesehen hat". Diese Formulierung ist natürlich erklärungsbedürftig. Denn tatsächlich wurden die vier Räume aus dem Haus des römischen Kaisers Augustus (der von 63 v. Chr. bis 14 n. Chr. lebte) nur noch nie öffentlich gezeigt, seit sie vor über dreißig Jahren in der umfangreichen kaiserlichen Ruinenanlage entdeckt und freigelegt wurden, die vom süd-westlichen Gipfel des Palatinhügels auf den Circus Maximus hinabschaut. Gesehen haben die prächtigen Fresken natürlich die Künstler, die die Ausschmückung der Räume vor rund 2000 Jahren vornahmen. Und gesehen und ergötzt hat sich an diesen Räumen tatsächlich Augustus, der "erhabene" Begründer des imperialen Zeitalters Roms.

Nur fünf Besucher haben zur gleichen Zeit Zutritt

Fraglich ist jedoch, ob sie damals schon so schön waren. Wie die Räume jetzt erscheinen, sind sie auch ein Meisterwerk der Restauratoren Roms, deren Arbeit Jahrzehnte in Anspruch nahm. Am 2. März soll das Ergebnis für den Publikumsverkehr freigegeben werden. Doch die Präsentation der wenigen Räume in zwei Stockwerken zeigte schon jetzt alle Schwierigkeiten, die sich den Organisatoren stellen, solche Publikumsmagneten mit der notwendigen Logistik der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Denn die Privaträume des ersten Kaisers Roms (unter dessen Herrschaft im fernen Palästina mit der Geburt Christi unsere Zeitrechnung begann) wurden ja nicht als Museum errichtet. Nach dem nüchternen Zeitalter der römischen Republik residierte der erste Alleinherrscher des Reiches zwar immer noch als erster Bürger, aber auch schon als hellenistischer Monarch auf dem Palasthügel. Hier wohnte er. Dieser Komplex ist darum so etwas wie das alte Sanssouci des Imperators. Die Pracht der Kammern überrascht deshalb nicht, doch verwunderlich ist, wie klein sie nur waren. Wer sie im nächsten Jahr also sehen will, sollte am besten schon heute einen Antrag stellen. Mehr als fünf Besucher gleichzeitig lassen sich kaum hintereinander durch den sensiblen Komplex schleusen. Die Dauer des Verweilens kann nur auf wenige Minuten begrenzt werden. Ein relatives Großaufgebot an Personal wird für einen reibungslosen Ablauf der Besuche unerlässlich sein. Wer es aber geschafft hat, zu den kleinen Besuchergruppen zugelassen zu werden, wird sich wohl kaum sattsehen können an dem Raffinement des Dekors und der Delikatesse der Zeichnungen und Ornamente.

Die Antike hüllt sich in überwältigendes Rot

Satyre schauen ihn an, als würden sie durch die Wände treten, Kraniche scheinen sich gerade vor den Augen in die Lüfte zu erheben, Theatermasken hängen da, als würden sie gleich mit auf die Bühne genommen. Lorbeergebinde an der Wand wurden, so scheint es, gerade noch einmal neu benetzt, und Pinienzweige sind mit einer Akkuratesse gezeichnet, als wären sie für ein Lehrbuch der Biologie bestimmt. Besonders in dem kleinen "Arbeitszimmer" im ersten Stock, in das Augustus sich allein zur Erholung zurückzog, bedecken geometrische Spielereien und wechselnde Perspektiven unter floralen Friesen die Wände, Scheinarchitekturen, in denen sich die Kammern raffiniert ausweiten, als betörendes Spiel mit der Illusion, als "Finta" - als Finte, die bis heute eine Meisterschaft der Römer geblieben ist, in der Politik, der Geschäftswelt, der Kunst wie der öffentlichen und privaten Rede. Die Antike tritt hier mit überwältigender Farbigkeit in die Gegenwart. Besonders intensiv das Rot darin, ähnlich wie in der "Villa der Geheimnisse" in der Campagna. Hier aber ist es der Grundton Roms, dessen Spektrum in allen Rost- und Ockertönen noch im Verfall und bis heute die alte Hauptstadt unvergleichlich verzaubert.

Offizieller Herrschaftsitz des römischen Imperiums

Einzigartig ist all dies noch nicht in Italien, wo der Ausbruch des Vesuv in Pompeji und Herculaneum ja ganze Städte der Antike mit Lava versiegelt und frisch erhalten hat. Einzigartig ist hier jedoch der Ort, einzigartig ist die Verdichtung von Identität und Kontinuität, die hier zutage tritt - im Herzen des antiken Rom, im Herzen des Imperiums. Ab dem Jahr 31 vor Christus war der Großneffe des ermordeten Gaius Julius Caesar unumstrittener Alleinherrscher des Reiches. Diese Räume stammen aus eben diesen Jahren. Im Jahr 36 hatte Ottavian Augustus hier schon Quartier bezogen, in der Nähe des heiligsten Bezirks der Stadt, den die Chroniken Roms immer mit dem mythischen Gründer der Stadt verbunden hatten. In den Jahren danach verwandelte er den städtischen Wohnbezirk in einen streng offiziellen Herrschaftsbezirk des Weltreiches, an den sich später alle Cäsaren anlehnen sollten. Dieses Juwel hatte Augustus sich einiges kosten lassen. Und so ist auch das heutige Rom bei der Bergung der Schätze verfahren, die nach den Angaben Minister Rutellis zwölf Millionen Euro verschlungen haben. Das Ergebnis kann und wird sich sehen lassen.

Geheimnisvoll wie der Sarkophag des Paulus

Verglichen mit diesen realen Räumen des Augustus kann die "Höhle des Romulus", die Rutelli im November der Öffentlichkeit vorstellte, bislang jedenfalls in jeder Hinsicht nur als virtuelle Entdeckung gelten. Adriano La Regina, bis 2004 Chefarchäologe Roms, hat inzwischen bezweifelt, dass es sich bei der Höhle 16 Meter unter dem Erdboden um das legendäre "Lupercale" handeln könne. Vielmehr müsse der mit Mosaiken und Muscheln geschmückte Raum wohl ein Nymphäum aus dem ersten Palast des Kaisers Nero gewesen sein, wenn man daneben fast zwingende stilistische Parallelen betrachte. Vor allem aber hat im Gegensatz zu den Räumen des Augustus die angebliche Kulthöhle des Romulus bisher noch kein menschliches Auge je gesehen. Die spektakulären Bilder, die im November davon um die Erde gingen, stammten ausnahmslos von einer endoskopischen Kamera.

Zu hoffen bleibt deshalb, dass der Wettstreit Papst Benedikt XVI. eifersüchtig macht, mit dieser sanften Technik auch den Sarkophag des Paulus untersuchen zu lassen, der seit 394 unberührt in Sankt Paul vor den Mauern ruht, nicht als mythische Kulthöhle, sondern als aufregendster Hohlraum Roms.

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Quelle: Welt Online
Welt Online

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