
In Italien reagiert man nun offenbar doch endlich auf das seit Jahren schwelende Hooligan-Problem. Am Wochenende wurden neun "Fans" wegen Krawallen in Genua festgenommen. Auch die Ausschreitungen in Rom nach dem Tod von Lazio-Fan Gabriele Sandri werden wohl harte Strafen nach sich ziehen. Die Ultras kontern mit Streik.
Bei den neun Verhafteten in Genua handelt es sich um verdächtige Gewalttäter, die sich beim Derby zwischen Sampdoria und FC Genua zu schweren Krawallen hinreißen ließen, bei denen mehrere Tifosi und Polizisten verletzt worden waren. Außerdem wurden bei 13 weiteren Verdächtigen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Ob dabei belastendes Material gefunden wurde, ist noch nicht bekannt. Es scheint jedenfalls klar: Nach den Vorfällen der vergangenen Tage bleibt in Italien kein Stein auf dem anderen.
Aktion Scharf
Den gewalttätigen Ultras soll mit aller Schärfe begegnet werden - ähnlich der Situation in den späten 80er Jahren in England, als die Stadien ebenfalls von Hooligans dominiert wurden. In Rom sind die Ermittlungen über den Angriff auf eine Polizeikaserne in vollem Gang. Sechs Personen wurden bereits ausgeforscht, weitere sollen in den nächsten Tagen folgen. Diese Krawalle waren ausgebrochen, nachdem Lazio-Fan Gabriele Sandri auf einer Autobahnraststätte von einem Polizisten erschossen worden war. Gegen den Polizisten läuft ein Verfahren wegen Mordes.
Terroristische Handlungen?
Die festgenommenen Hooligans könnten wegen der in Italien üblichen Verstrickungen zwischen Ultras und Politik wegen terroristischen Handlungen vor Gericht gezerrt werden. Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge seien die Angriffe auf die Polizeikaserne in höchst organisiertem Ausmaß geschehen - die Polizei spricht sogar von "militärischer Präzision", vermutlich unterstützt von einer gemeinsamen Ideologie und rechtsextremen Slogans.
Erstes Urteil gesprochen
In Mailand wurde am Dienstag der erste Krawallmacher nach dem Tod von Gabriele Sandri verurteilt. Gegen den Inter-Tifoso, der sich an den Angriffen gegen die Polizei vor dem Giuseppe-Meazza-Stadion, wo das Spiel gegen Lazio Rom stattfinden hätte sollen, beteiligt hatte, wurde eine Geldstrafe von 8.000 Euro verhängt. Zudem darf er zwei Jahre lang kein italienisches Stadion mehr betreten und muss in den kommenden acht Monaten jedes Wochenende auf einer Polizeistation persönlich vorstellig werden.
Protest der Tifosi
Die italienischen Ultras sind ob der härteren Gangart gegenüber ihren Aktionen freilich wenig begeistert. Weil am kommenden Spieltag sechs der zehn angesetzten Serie-A-Spiel vor gesperrten Fan-Kurven stattfinden werden, kündigten die Fans Protestaktionen an. Sie warnen vor einer "Kriminalisierung der Tifosi" und planen eine gemeinsame Kundgebung in Rom. Die Aktionen könnten sich bis hin zum Streik ausweiten.
Quelle: nachrichten.at![]()
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