
Wegen Papst Benedikt kommen über drei Millionen Besucher jährlich nach Rom.
Mehr Pilger denn je strömen nach Rom. Der Grund: Der deutsche Papst Benedikt XVI. hat einen Reiseboom unter den Gläubigen aus aller Welt ausgelöst.
Wenige haben es erwartet, aber der deutsche Papst zieht mehr Pilger in die Ewige Stadt als sein kommunikationsfreudiger Vorgänger Johannes Paul II. Um nahezu ein Fünftel ist die Zahl der Pilger in den vergangenen drei Jahren hochgeschnellt - auf weit mehr als drei Millionen andächtige Zuhörer jährlich bei den Audienzen von Joseph Ratzinger auf dem Petersplatz. „Er wird nie sein wie Johannes Paul II.", so mögen noch viele am 19. April 2005 gedacht haben, als das neue Oberhaupt der Katholiken gewählt worden war. Doch der „deutsche Hirte", obwohl weniger charismatisch als sein Vorgänger, sorgt für Rekordmarken in Roms Pilgertourismus. Dazu tragen sowohl die Persönlichkeit Ratzingers wie der Zeitgeist bei.
Der Papst als Richtschnur für Werte
„Dass mehr Deutsche kommen, das war noch absehbar", sagen die Organisatoren katholischer Pilgerreisen wie Brevivet oder Unitalsi. „Aber Benedikt XVI. hat in der Tat die Herzen aller erwärmt", und das kommt schon etwas überraschend. Strömten bereits im ersten Jahr seines Pontifikats etwa 3,2 Millionen Gläubige zu den Audienzen des Papstes in Rom, so hörten ihm im zweiten Jahr knapp 3,4 Millionen Menschen zu. Verdreifacht hat sich 2006 der Ansturm auf die doppelstöckigen Busse der „Roma Cristiana"-Tour, die Bettenbelegung durch Pilger in römischen Hotels schnellte seit Ratzingers Wahl um ein Viertel hoch.
„Das hat niemand erwartet, dieser deutsche Papst erobert Tag für Tag mehr die größten Skeptiker", so zeigt sich auch der angesehene „Corriere della Sera" verblüfft über den Pilgerboom und die bemerkenswerte Popularität des deutschen Oberhirten. Und hat ein Bündel von Erklärungen parat. Im Zeitalter der Globalisierung sowie der geballten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ängste ist Ratzinger ein „Doktor der Kirche", eine Burg gegen Werteverfall sozusagen. Dieser Papst steht für feste Grundsätze und klare Worte - und das macht ihn mehr noch als seinen Vorgänger zum „Mann des Moments".
Der Papst reist weniger, dafür kommen mehr
„Das Phänomen ist aber vielschichtiger", erläutert Cesare Atuire vom Pilgerdienst Opera Romana Pellegrinaggi. „Das Pontifikat ist noch neu, außerdem reist dieser Papst weniger und lädt somit die Gläubigen ein, ihn in Rom zu besuchen." Nicht zuletzt scheinen die offenen Worte Benedikt XVI., selbst wenn er nicht so kontaktfreudig ist, dem Bedürfnis vieler Gläubiger zu entsprechen. „Als Johannes Paul II. am 2. April 2005 gestorben ist, haben wir noch befürchtet, keine Menschenmengen mit Gläubigen mehr auf dem Petersplatz zu sehen", räumt Brevivet-Chef Riccardo Bertoli im Gespräch mit der Mailänder Zeitung ein. Dann habe die „teutonische Kühle" menschlicher Wärme Platz gemacht. Der Funke ist übergesprungen, wie die Audienzen von „Papa Ratzinger" bezeugen.
Gläubige suchen Gewissheit in Zeiten starken Umbruchs, und nicht nur Christen wünschen sich einenSicherheitsanker. „Religions-Revival" nennen es viele, in Rom wird sogar Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer zitiert, der es so gesagt habe: „Religion is back". Religion ist wieder gefragt, beweisen die Massen auf dem Petersplatz.
Quelle: Focus online
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