
Erich Priebke verlässt das Büro seines Anwalts in Rom.
Aufgebrachte jüdische Demonstranten haben mit dafür gesorgt, dass NS-Verbrecher Priebke nicht arbeiten gehen darf. In Italien wird das ernste Thema regelmäßig zur Sommer-Farce.
Erich Priebke und die Italiener - eine schwierige Geschichte. Alle Jahre wieder gibt es Wirbel um den deutschen NS- Kriegsverbrecher, alle Jahre wieder versammeln sich die Menschen in Rom zu Protesten gegen den inzwischen 93-Jährigen, und mit jedem Jahr wird klarer: Die Italiener können und wollen das Nazi-Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, an dem Priebke beteiligt war, nicht vergessen.
Mit Fassungslosigkeit reagierte deshalb auch die jüdische Gemeinde in Rom auf die Nachricht, ein Richter habe dem zu lebenslanger Haft verurteilten und unter Hausarrest stehenden Deutschen eine Arbeitserlaubnis erteilt. Das brachte das Fass zum Überlaufen, eine Protestwelle erfasste die Ewige Stadt. Jetzt zog ein anderer Richter die Arbeitserlaubnis zurück - und der Fall artet immer mehr zu einer Sommer-Farce aus.
Der trotz seines greisen Alters munter und rüstig wirkende Priebke ist in diesen Tagen in aller Munde und füllt die Titelseiten der großen italienischen Tageszeitungen. Großformatige Fotos prangen in den Blättern, auf denen der Deutsche mit weißem Helm, Turnschuhen und Sonnenbrille zu sehen ist, wie er am Montag fröhlich auf einem Moped zu seinem ersten Arbeitstag in einer Anwaltskanzlei kutschiert wurde - und damit ein paar Stunden "Freiheit" genießen durfte. "Aber sein erster Arbeitstag war ja dann auch sein letzter", frohlockte die Zeitung "La Repubblica". "Das ist doch nur ein Vorwand, das Gericht hat sich von den Demonstranten und den Politikern beeinflussen lassen", sagte hingegen ein Verteidiger Priebkes.
"Schande! Schande!"
Begleitet wurde Priebke auf seiner Fahrt in die Kanzlei nicht nur von seinem Anwalt Paolo Giachini, sondern auch von rund 100 Demonstranten, die in Chören immer wieder "Schande! Schande!" riefen. Auf einem Spruchband stand zu lesen: "Wir werden Dir nicht verzeihen!" Bereits in der vergangenen Woche hatten aufgebrachte Bürger an der Gedenkstätte der Ardeatinischen Höhlen bei Rom einen Schriftzug angebracht, der die Arbeitserlaubnis für den NS-Verbrecher mit Blick auf die Nazi-Konzentrationslager so auf den Punkt brachte: "Wenn Arbeit frei macht, dann darf ein Henker wie Priebke niemals arbeiten gehen."
Bürgermeister Walter Veltroni beschloss vor wenigen Tagen sogar, abends das Kolosseum in Gedenken an die Opfer des Massakers eine Nacht lang erleuchten zu lassen. Schon im Sommer 2005 hatte der Deutsche für Aufsehen gesorgt, als er wegen seines angeblich angeschlagenen Gesundheitszustandes von einem römischen Richter die Erlaubnis erhalten hatte, in Sommerurlaub an den Lago Maggiore zu fahren. Nachdem Bevölkerung und Lokalpolitiker offen ihrem Unmut über seine Präsenz an dem norditalienischen See Luft gemacht hatten, beschloss er allerdings auf eigenen Wunsch, in den Hausarrest nach Rom zurückzukehren.
Bei der Bluttat am 24. März 1944, die ein Vergeltungsakt für einen Partisanenangriff war, waren insgesamt 335 italienische Zivilisten erschossen worden. Priebke verteidigte sich vor wenigen Jahren in einem Interview: "Ich war nur ein einfacher Hauptmann, der einem Befehl gehorchte." Und fügte gleich hinzu, auch als alter Mann werde er "nicht in die Knie gehen".
Quelle: Netzeitung
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