Mit dem Thema "Klassische Moderne" befasst sich eine Tagung vom 24. bis 26. Juni in Rom, die vom Goethe-Institut veranstaltet wird.
Worum geht es? Das kennzeichnende Element der klassischen Moderne besteht in erster Linie in dem Charakter eines experimentellen Verfahrens der Textkonstruktion und in der grundsätzlichen Bedeutung, die dieses Verfahren theoretisch und poetologisch annimmt. Das künstlerische Verfahren setzt nämlich literarische Kreativität und theoretische Reflexion in einen untrennbaren Zusammenhang; die Theorie bereitet neue experimentelle Verfahren vor und erschließt neue Perspektiven, so daß sich die Kunst in ein Labor unkonventioneller Erneuerung unserer Ausdrucksweisen verwandelt und eine ständige Bereicherung unserer textuellen und sprachlichen Auffassung hervorbringt.
Nachdem sie allmählich den Plan einer objektiven Darstellung aufgegeben hat, funktioniert die Literatur immer mehr als Verarbeitung einer spezifisch sprachlichen und textuellen Darstellung. So bringt die Literatur der klassischen Moderne in ihrem Aufbau selbst den Verfahrenscharakter der ständigen Selbstproduktion mit sich. In gewisser Hinsicht gibt es keinen definierten und in sich geschlossenen Text mehr, sondern nur die unendliche Entfaltung, ohne ein mögliches Ende, einer unendlichen Konstruktion und Strukturierung.
Aus dieser Auffassung des literarischen Experiments als Verfahren gehen zwei Elemente hervor, die auf den ersten Blick auseinander zu laufen scheinen. Auf der einen Seite basiert die Literatur auf einem Projekt, fast aus einer Kalkulation: der Text ist nicht nur Produkt der Intention des Autors und dessen Entscheidung, sondern auch das Produkt, das auf einer Hypothese beruht, d.h. also Ergebnis einer Kalkulation ist, die fast automatisch und unabhängig vom Autor verläuft. Auf der anderen Seite basiert die Literatur der klassischen Moderne jedoch auf dem Risiko und der Ungewißheit, d.h. sie verliert den Charakter eines Versprechens, der eine definitive und sichere Lösung der von ihr selbst gestellten Probleme versichern sollte. Das literarische Werk soll sich nun einschränken, die möglichen Ausdrucksweisen zu experimentieren, ohne ein jegliches Ergebnis zu versprechen; Experiment, Risiko und Ungewißheit hängen somit eng zusammen, und unter diesem Aspekt kann man merken, wie die klassische Moderne gewisse strukturelle Eigenschaften der epochalen Konstellation der Postmoderne in sich schon trägt.
Seit der Jahrhundertwende sind in der literarischen und künstlerischen Praxis eine Reihe von Theorien und „Weltanschauungen“ ausgearbeitet und experimentiert worden, die sowohl einen Produktionsvorgang als auch eine Rolle des Künstlers und der Kunst, und eine allgemeinere Vorstellung der epochalen Veränderungen und der modernen Epoche mit sich brachten. Diese künstlerischen Theorien und Praxen, die sich in Art und Niveau unterscheiden, bilden ein gedankliches Gut, denn in ihnen werden viele Fragen bereits experimentiert und manchmal vorweggenommen, die heute von extremer Aktualität sind: von der Beziehung Mensch-Maschine zur Beziehung Wort-Bild, von der Bestimmung der Großstadt als Raum der Moderne zur Einstellung vor dem Krieg, von der Suche der monokulturellen Identität zur Kenntnisnahme der Existenz des Fremden.
Diese unterschiedlichen Problematiken sind sprachlich neu zum Ausdruck gebracht worden, da die Autoren sich theoretisch und praktisch die Frage des künstlerischen Ausdrucksmittels gestellt und ihre expressiven Codes (teilweise radikal) verändert haben.
Internationales Symposium Klassische Moderne / Un paradigma del Novecento
24.-25. Mai: Istituto Italiano di Studi Germanici
Via Calandrelli 25, Rom
26. Mai: Goethe-Institut Rom
Via Savoia 15, Rom
Info:
Istituto Italiano di Studi Germanici: Tel. +39 06 588811
Goethe-Institut: Tel. +39 06 8440051
Quelle: Goethe-Institut
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