
Straßenstrich in Rom.
Bei der bisher größten Aktion gegen Menschenhandel, Zuhälterei und illegale Einwanderung hat die italienische Polizei in der Nacht zum Mittwoch 784 Verdächtige festgenommen, darunter 764 Ausländer. An der "Operation Spartakus" waren nach viermonatiger Fahndung mehrere hundert Polizisten aus 32 Provinzen beteiligt. 22 Gebäude und Wohnungen, die der illegalen Prostitution dienten, wurden beschlagnahmt. Mehr als 1300 Ausgeforschte wurden angezeigt.
Der italienische Innenminister Giuliano Amato sprach von einem "schweren Schlag gegen den Menschenhandel", den er als "besonders abscheuliches Verbrechen" verurteilte. "Die Befreiung der betroffenen Frauen, von denen viele minderjährig sind, ist nicht nur ein gesetzlicher Akt, sondern auch eine Frage des zivilen Gewissens", sagte Amato.
Belohnung für Opfer
45 zur Prostitution gezwungene Frauen wurden für ihre Zusammenarbeit mit der Polizei mit einer Aufenthaltsgenehmigung belohnt. Diese neue gesetzliche Möglichkeit habe maßgeblich zum Erfolg der Polizei beigetragen, versicherte Amato. Ein Großteil der Festgenommenen stammt aus Osteuropa, dem Balkan und aus Afrika.
Methode ist immer dieselbe
"Die Methode ist immer dieselbe: Man verspricht den meist osteuropäischen Frauen eine Arbeit, für deren Vermittlung sie eine Summe bezahlen müssen. Dann werden sie illegal nach Italien geschleust und brutal zur Prostitution gezwungen", schilderte Polizeichef Francesco Gratteri die Methoden der Zuhälter. Man sei im Verlauf der Ermittlungen nicht auf große Verbrecherkartelle, sondern eher auf "kleine und oft ethnische oder familiäre Gruppen" gestoßen, die im Geschäft mit der illegalen Prostitution tätig seien.
Zu den bei der "Operation Spartakus" Verhafteten gehören laut Gratteri auch zwei Albaner, die in Turin "eine erst 16 Jahre alte Osteuropäerin für 200 Euro ,gekauft' und durch wiederholte Vergewaltigungen und Schläge zur Prostitution gezwungen haben". Der oberste Leiter der Polizeidirektion für Verbrechensbekämpfung schilderte auch den Fall eines 16-jährigen Mädchens, das "in Kalabrien trotz seiner Schwangerschaft im sechsten Monat zur Prostitution gezwungen" worden sei. Bei jungen Frauen aus Nigeria werde außerdem häufig die "Androhung magischer Voodoo- Riten" benutzt, um sie gefügig zu machen.
Innenminister Amato hat inzwischen weitere Maßnahmen gegen die "Versklavung und Ausbeutung von Einwanderern" angekündigt. Als ersten Schritt will die Regierung bereits in der nächsten Woche ein Expertenteam einsetzen, das wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Zwangsprostitution vorschlagen soll.
In Italien sind seit 1958 Bordelle verboten, die Straßenprostitution aber nicht, solange die Prostituierten die Freier nicht direkt zum Sex auffordern.
Quelle: derStandard
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