
Papst Benedikt XVI.
Bei der Christmette hat der Papst auf das Leid missbrauchter Kinder hingewiesen. In seiner Weihnachtsbotschaft rief er auch zu Frieden in Nahost auf - und hofft auf eine baldige Reise nach Jerusalem.
Bei der jährlichen Christmette im Vatikan hat Papst Benedikt XVI. zur Hilfe für leidende und misshandelte Kinder aufgerufen. Er wies insbesondere auf das Schicksal von Kindersoldaten hin, aber auch von Kindern, die betteln müssten und denen weder Nahrung noch Liebe zuteil werde. «Das Kind von Bethlehem lenkt unseren Blick auf alle Kinder in der Welt, die leiden und misshandelt werden - die geborenen und die ungeborenen», sagte das Oberhaupt der Katholiken bei der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend im Petersdom.
Zu der Mitternachtsmesse waren mehrere Tausend Gläubige gekommen, darunter viele Deutsche. Es ist das zweite Weihnachtsfest des deutschen Papstes seit seiner Wahl im April 2005. Viele Menschen verfolgten die Messe am frühen Montagmorgen auf Videoleinwänden vor der Peterskirche. Die Messe wurde von fast 50 Fernsehsendern in die ganze Welt übertragen.
Bei seiner Weihnachtsbotschaft wenige Stunden später auf dem Petersplatz rief er vor zehntausenden Gläubigen zu Frieden und Gerechtigkeit auf. Er spendete den traditionellen Segen Urbi et Orbi und fügte Weihnachtsgrüße in 62 Sprachen hinzu. Der Papst forderte außerdem eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern. Er betonte, er wolle gern bald ins Heilige Land reisen, um in Jerusalem zu beten, der «Heimat des Herzens» für Juden, Christen und Muslime.
Ausdrücklich nannte das Oberhaupt der Katholiken auch die angespannte Lage im Irak und im Libanon. Zur anhaltenden Gewalt im Irak sagte Benedikt: «Einen Appell richte ich an diejenigen, die das Schicksal des Irak in Händen haben, dass die grausame Gewalt, die das Land mit Blut überzieht, ein Ende nehme und einem jeden Bewohner ein normales Leben gewährleistet werde.»
Kirchen gegen Gleichgültigkeit
Auch die beiden großen Kirchen in Deutschland riefen zu mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit auf. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sagte in seiner Predigt zur Christvesper im Berliner Dom, man dürfe nicht die Geburt des Kindes als wichtigstens Fest begehen und zugleich die Gleichgültigkeit gegenüber Kindern fortsetzen. Jesu Geburtsort in einem Stall sei zwar armselig gewesen, aber nicht das Niemandsland, in das heute bisweilen Kinder ausgesetzt würden, um buchstäblich zu verhungern oder zu verdursten, sagte der EKD-Ratschef.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte, an Weihnachten gehe es um selbstlose Hingabe und Menschlichkeit, nicht um Geld und Macht.
Gebet in Gaza abgesagt
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat indes in der traditionellen Mitternachtsmesse in der Geburtskirche von Bethlehem zum Frieden in Nahen Osten aufgerufen. Er forderte die Palästinenser auf, die Auseinandersetzungen zwischen der Fatah von Präsident Mahmud Abbas und der radikalislamischen Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija zu beenden.
In Anwesenheit von Abbas sagte Sabbah, die politischen Führer Israels, der Palästinenser und der internationalen Gemeinschaft sollten Maßnahmen ergreifen, um das «Zeitalter des Todes» zu beenden und ein «neues Zeitalter in der Geschichte des Heiligen Landes» beginnen.
Wegen der innerpalästinensischen Spannungen sagte die römisch- katholische Kirche in Gaza-Stadt das geplante Mitternachtsgebet ab. Unbekannte feuerten am Abend Schüsse auf das Haus der palästinensischen Außenministers Mahmud al-Sahar von der Hamas- Bewegung ab. Die Behörden gingen davon aus, das Aktivisten der rivalisierenden Fatah-Organisation hinter dem Angriff steckten.
Michel Sabbah ist der erste Palästinenser in dem 1099 nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter errichteten und 1889 vom Osmanischen Reich wieder akzeptierten Amt. Die meisten römischen Katholiken der Region sind Palästinenser und israelische Araber.
Quelle: Netzeitung
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