
Papst Benedikt XVI. hat am Wochenende erstmals mit drastischen Worten Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Pfarrer verurteilt und als „ungeheuerliche Verbrechen“ gebrandmarkt. Anlass dieser scharfen Positionsnahme war der Besuch der irischen Bischöfe beim Papst in Rom. In Irland waren in den vergangen Jahren wiederholt Fälle von Kindesmissbrauch durch Kirchenbedienstete bekannt geworden.
"Das wichtigste ist, die Wahrheit über das, was passiert ist, herauszufinden und jeden erdenklichen Schritt zu unternehmen, dass so etwas nicht noch einmal passiert", sagte Benedikt zu den Bischöfen. Wenn Kleriker durch sexuellen Missbrauch auffielen, sei dies "höchst tragisch". Es sei die wichtigste Aufgabe der Bischöfe, das Vertrauen in die Kirche wiederherzustellen.
In Italien wurde die scharfe Verurteilung mit Erstaunen und Zustimmung aufgenommen: "Ohrfeige von Ratzinger", kommentierte die Turiner Tageszeitung "La Stampa". "So offen und direkt hat er sich noch nie zu diesem Thema geäußert", meinte Vatikan-Beobachterin Angela Ambrogetti am Sonntag. Allerdings gibt es kaum ein Thema, das Benedikt persönlich derart weh tut: "Herzzerreißend" nannte der Papst die Missbrauchsfälle vor den irischen Bischöfen.
Bislang hatte der Papst sich nicht derart offen geäußert. Möglicherweise fehlte bislang der Anlass: Die US-Bischöfe, die sich seit langem schweren Vorwürfen gegen ihre Kirche wegen Missbrauchs von Kindern ausgesetzt sehen, hatten bislang noch keinen turnusmäßigen Besuch beim Papst.
Quelle: Merkur Online
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