Rom verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

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Angesichts der andauernden Empörung in muslimischen Ländern über die Papst-Äußerungen zum Islam bemüht sich der Vatikan weiter, den Streit zu entschärfen.

Der Heilige Stuhl habe seine apostolischen Nuntien (Botschafter) in den islamischen Ländern damit beauftragt, den politischen und religiösen Autoritäten den Inhalt der Rede von Benedikt XVI. genau zu erklären. Das sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone der Zeitung "Corriere della Sera" (Montag). Bisher sei die Rede Joseph Ratzingers manipuliert und ganz anders dargestellt worden, als sie gemeint gewesen sei.

Nach Drohungen gegen das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche verstärkte die Stadt Rom unterdessen die Sicherheitsmaßnahmen an den wichtigsten Monumenten. Im Irak sowie in Syrien kam es zu Protesten mit einigen hundert Demonstranten. Im irakischen Basra gingen dabei deutsche und amerikanische Fahnen in Flammen auf.

Die irakische Terrorgruppe Ansar al-Sunna drohte wegen der Äußerungen von Papst Benedikt XVI. mit Angriffen einer "islamischen Armee" auf Rom. "Die Mauern Roms werden bald von der Armee der Rechtgläubigen attackiert", hieß es in einer Erklärung im Namen der Gruppe, die im Internet verbreitet wurde. "Außer dem Schwert werden sie von uns nichts sehen", erklärte die sunnitische Gruppe. Den Papst beschimpften die Extremisten als "Vertreter des Teufels".

Rings um den Petersplatz in Rom bildeten sich seit dem Wochenende lange Schlangen, weil alle Besucher und ihre Taschen mit Metalldetektoren kontrolliert werden. Sporadisch müssten Touristen jetzt auch ihre Taschen durchsuchen lassen, bevor sie in den Petersdom eingelassen werden, berichtete die Zeitung "Il Messaggero". Gleichzeitig ist der Luftraum über dem Vatikan und der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo seit Sonntag für den Flugverkehr gesperrt. Am Wochenende war in Somalia vermutlich im Zusammenhang mit der Papst- Rede von Regensburg eine italienische Nonne erschossen worden.

Der Papst hatte am Sonntag beim Angelusgebet bedauert, dass seine jüngsten Islam-Äußerungen missverstanden worden seien. Er nahm aber keine Aussage zurück. Die Vereinigung der Muslime Chinas nannte die Selbstkritik des Papstes am Montag jedoch laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua unzureichend und verlangte, dass Benedikt sich persönlich entschuldigt. Die Islamische Aktionsfront (IAF), Jordaniens stärkste Partei, las aus den jüngsten Äußerungen des Papstes kein Bedauern heraus, sondern eine neue "Beleidigung" der islamischen Religion. Bei dem Protest in Basra forderten mehrere hundert Schiiten von Benedikt ebenfalls eine "Entschuldigung".

Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, nannte die "empörten Reaktionen" in der muslimischen Welt "verständlich". Die Papst-Äußerungen seien ganz auf der Linie der amerikanischen "Verschwörung" gegen den Islam. In Pakistan rief der Generalsekretär der regierenden Muslim-Liga (PML), Mushahid Hussain, dagegen seine muslimischen Landleute dazu auf, Ruhe zu bewahren und die Worte des Bedauerns anzunehmen.

Die EU-Kommission mahnte in dem Streit Fairness an. Ein Sprecher von Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die Worte des Papstes dürften nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Zu den Inhalten meinte er: "Es steht der Kommission nicht zu, etwas klarzustellen oder zu interpretieren." Frankreichs Präsident Jacques Chirac rief dazu auf, "alles zu vermeiden, was Spannungen zwischen den Völkern oder zwischen den Religionen belebt". Jeder Vermengung des Islam, der eine respektierte Religion sei, mit dem radikalen Islamismus müsse man aus dem Weg gehen.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner unterstützte den Papst und erklärte: "Wer meint, der Papst habe den Islam verunglimpfen wollen, hat seine Worte überhaupt nicht verstanden." Es gehe nicht um Gewalt und Islam, sondern grundsätzlich um Gewalt und Religion.

Quelle: Hamburger Morgenpost

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