
Francesco Sisinni: Rückkehr zu christlichen Wurzeln.
Die römische Buchhandlung "AVE" lud vor kurzem zu einer Diskussionsrunde zum Thema "Die christlichen Wurzeln in Europa". In das Gespräch miteinbezogen wurde ein neues Buch, das auch kurz vorgestellt wurde. Es trägt den Titel "Europa quale laicità?" ("Europa, was für eine Laizität?") und wurde von Giuseppe Dalla Torre verfasst, dem Rektor der römischen Universität LUMSA.
In Italien ist das Prinzip der Laizität, also die Trennung von Kirche und Staat, ein Dauerthema. Immer wieder gibt es politische Exponenten, die – etwa nach dem Beispiel Frankreichs – eine radikale Separation fordern. Besonders im letzten Wahlkampf gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Mitgliedern der verschiedenen Parteien. Die Gegner der "französischen Lösung" bezogen sich häufig auf die christlichen Wurzeln nicht nur Italiens, sondern ganz Europas. Was bedeutet aber dieser Begriff der christlichen Wurzeln?
Francesco Sisinni, ehemaliger Direktor des italienischen Ministeriums für die Kulturgüter, versuchte ihn mit Hilfe eines historischen Exkurses zu erläutern. Er ging bis in das antike Griechenland zurück, wo er den Ursprung unserer heutigen Ideale, Werte und Prinzipien sah. Diese seien "romanisiert" und schlussendlich "christianisiert" worden. Das Christentum habe insbesondere Werte wie Freiheit, Solidarität und Demokratie verteidigt. Nach den beiden Weltkriegen hätten sich die Menschen miteinander verbinden müssen, um die erlebten Tragödien überwinden zu können. "Aus diesem Grund gab es eine Rückkehr zu den christlichen Wurzeln, die als wertvolles Erbe angesehen wurden", erklärte Sisinni.
Massimo Palumbo, Mitarbeiter im Europaparlament, erinnerte die Zuhörer ebenfalls an die Geschichte des Christentums, die "blutende Wurzeln" zum Vorschein bringe, wie die ersten Märtyrer bewiesen oder auch Karl der Große, der zahlreiche Nichtchristen ermorden ließ. Im Lauf der Geschichte habe das Christentum sehr viel Gutes hervorgebracht. "Es war deshalb ein Fehler, in der europäischen Verfassung den Verweis auf die christlichen Wurzeln dieses Kontinents wegzulassen." Palumbo stellte aber noch eine weitere interessante Frage, wieso nämlich ausschließlich über die "christlichen", nie aber über die "katholischen" Wurzeln Europas gesprochen werde? Vor dem großen Schisma im Jahr 1054 sei Europa ja durchwegs katholisch gewesen, fügte er hinzu. Die Frage wurde von Palumbo gleich selber beantwortet: "Es gab eben den Bedarf der Einheit aller Kirchen. Hätte man die anderen christlichen Kirchen weggelassen, hätte man nichts erreichen können."
Nach Ansicht von Buchautor Dalla Torre ist das Thema "Laizität" nicht von dem der christlichen Wurzeln zu trennen. Außerdem bestehe dieses "Problem" der Laizität nur in Europa, in anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA sei diese Frage von keinerlei Belang. Der Autor sprach auch davon, dass wir alle Christen seien, und betonte: "Die europäische Identität ist eine christliche Identität." Das Christentum habe die verschiedenen Kulturen zusammengeführt und es allen ermöglicht, sich nicht als etwas anderes zu fühlen.
Quelle: Zenit
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