
Kardinal Martini: Kondome zum Schutz vor Aids.
Lozano Barragan leitet die Abteilung des Vatikans für Gesundheitsfragen. In der kommenden Zeit wird er sich damit beschäftigen, einen "speziellen Aspekt des Kondomgebrauchs" zu untersuchen.
Papst Benedikt XVI. hat den mexikanischen Kurienkardinal damit beauftragt, die Frage, ob Menschen mit "ernsten Krankheiten, zuvorderst Aids" aus theologischer Sicht Kondome nutzen dürften, zu untersuchen. Das Ergebnis könnte die Haltung des Vatikans zum Thema Kondomgebrauch maßgeblich beeinflussen.
Kardinal Martini: Kondome zum Schutz vor Aids
Lozano Barragan selbst hat in der Vergangenheit die Nutzung von Kondomen unter bestimmten Voraussetzungen für verzeihlich erklärt, etwa wenn ein HIV-infizierter Mann mit seiner Ehefrau schlafen wolle. Darüber, wie eine Neuregelung aussehen könnte, äußerte er sich dennoch nicht. "Es handelt sich um ein sehr schwieriges und delikates Thema", sagte der Kardinal, der als enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI. gilt, der römischen Zeitung "La Repubblica". Das Ergebnis der Untersuchung solle jedoch bald bekannt gegeben werden.
"Das geringere Übel"
Der in den Ruhestand getretene Kardinal Carlo Maria Martini äußerte in der vergangenen Woche in einem Interview die Ansicht, mit Blick auf die Ausbreitung von Aids seien Kondome "das geringere Übel". Zugleich betonte er aber, dies sei noch kein Grund für die Kirche, für die Verwendung von Kondomen zu werben. In der italienischen Wochenzeitung "L'Espresso" forderte er den Vatikan auf, seine Haltung zum Gebrauch von Kondomen zu ändern.
Bisher hat die katholische Kirche den Gebrauch von Kondomen für Aids-Kranke oder HIV-Infizierte auch in der Ehe strikt abgelehnt. Der vor einem Jahr gestorbene Papst Johannes Paul II. hatte stets einen sehr viel strengeren Kurs verfolgt: Er lehnte Kondome auch zur Vorbeugung von Aids und Geschlechtskrankheiten ab. Stattdessen forderte er sexuelle Enthaltsamkeit.
Quelle: FAZ
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