
Erstmals seit Amtsantritt hat Papst Benedikt XVI. am Abend des Karfreitag die traditionelle Kreuzwegsprozession im Kolosseum in Rom zelebriert. Vor Tausenden Pilgern trug der 78-jährige Pontifex ein hölzernes Kreuz an der ersten der 14 Stationen des Kreuzwegs.
Im Fackelschein wurde das Kreuz von ausgewählten Priestern und Laien - darunter eine italienische Familie, eine Nonne aus Südamerika und junge Gläubige aus Nigeria, Angola, Korea und Mexiko - getragen, bis es der Papst am Ende wieder in Empfang nahm.
Kreis schließt sich
Mit der Prozession schloss sich der Kreis des ersten Jahres von Benedikt XVI. auf dem Stuhl Petri. Im vergangenen Jahr hatte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger die Meditationstexte für die einzelnen Stationen des Kreuzweges geschrieben.
Damals konnte der schwer kranke Papst Johannes Paul II. erstmals nicht mehr selbst die Osterfeierlichkeiten leiten und die Prozession nur im TV verfolgen. Bis zuletzt hatte es der Vatikan heuer offen gelassen, ob Benedikt die Tradition des Kreuztragens weiterführen würde.
Scharfe Anklage
Heuer hat die Meditationen, die in Anlehnung an die in der Bibel überlieferten Begebenheiten an jeder Kreuzwegsstation verlesen werden, der Generalvikar von Rom, Erzbischof Angelo Comastri, verfasst. Darin prangert der Vatikan scharf Hunger und Elend in der Welt an.
"Herr Jesus, lass den Skandal enden, der die Welt teilt in Villen und Baracken", heißt es darin, und weiter: "Ein Schritt genügte, und die Armen könnten sich zu Tisch setzen und die Traurigkeit verscheuchen von der Tafel der Egoisten, die für sich allein nicht feiern können".
"Dümmste Arroganz"
Zum Thema Gentechnologie hieß es in den überraschend kämpferischen Texten, der Mensch wolle verändern, was Gott ersonnen hatte. An Gottes Stelle treten zu wollen, sei jedoch "die dümmste Arroganz, das gefährlichste Abenteuer."
Am Ende des Kreuzweges hielt der deutsche Papst, der in einen bis zum Boden reichenden roten Umhang gehüllt war, eine kurze Ansprache. Dabei betonte er, dass der Kreuzweg keineswegs der Vergangenheit angehöre, sondern "Kontinente und Zeiten überschreite" mehr dazu in iptv.ORF.at.
Kritik an Wohlstandsegoismus
In seinem Text griff Benedikt XVI. die Laster der modernen Welt an: "Der Wohlstand lässt uns unmenschlich werden, die Vergnügung ist zur Entfremdung, zur Droge geworden; und der monotone Werbespot dieser Gesellschaft ist die Einladung, im Egoismus zu sterben", hieß es darin.
Es sei nötig, sich von der "Dekadenz des Egoismus" zu befreien, um wieder Lebensfreude zu finden, so Benedikt, der schon bei der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag den Wert von "Werken der Güte" an Leidenden und gering Geschätzten betont hatte.
Höhepunkt am Sonntag
Am Samstag wurden die Feierlichkeiten mit der nächtlichen Osterwache Benedikts XVI. im Petersdom fortgesetzt. Im Verlauf der Messe wird in der Vorhalle das Osterlicht als Symbol für die Auferstehung Jesu von den Toten entzündet und in den Petersdom gebracht.
Am Ostersonntag finden die Feiern im Vatikan mit der Ostermesse ihren Abschluss. Der deutsche Papst, der an diesem Tag 79 Jahre alt wird, spricht dabei den traditionellen Segen "Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis).
Quelle: ORF
Bei einem Aufenthalt in Rom empfíehlt es sich, rechtzeitig eine Unterkunft zu suchen. Angebote von Ferienwohnungen, Privatzimmern und Pensionen haben Romehome und Romabed im Programm.
: 0