Büchner: Dantons Tod – die schillernde Revolution

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Mit dem Begriff der schillernden Revolution möchte ich eine Beobachtung auswerten, die ich beim Lesen gemacht habe: Mehrfach erscheinen die gleichen Phänomeme, allerdings in verschiedener Beleuchtung oder an verschiedenen Objekten; dies wirkt sich darauf aus, wie man die Dinge sieht, die auf der Bühne dargestellt werden – unabhängig davon, wie man sie als Produkte eines revolutionär gesinnten jungen Mannes (Büchner) deuten möchte. Ich lege also die Liste der Beobachtungen vor und versuche dann kurz, sie auszuwerten.
   Danton bekennt, dass wir (er) einsam sind (I 1); Robespierre beklagt sich, dass er allein ist (I 6).
   Danton sagt, die Statue der Freiheit sei noch nicht gegossen (-> Gefahr, I 1),  die Revolution sei noch nicht fertig (-> er werde gebraucht, I 5); Robespierre sagt, die Revolution sei noch nicht fertig (-> weiteres Morden nötig, I 6).
   Danton hält nicht viel von den ehrlichen Leuten (I 1); Robespierre will die gute Gesellschaft vollends beseitigen (I 6). Der konterrevolutionäre Dillon erwartet, dass die rechtschaffenen Leute ihr Haupt zum Widerstand erheben (III 5).
   Die Leute wollen Aristokratenfleisch als Ersatz für das fehlende Brot (I 2 und IV 7); Danton erklärt dem Volk, wieso es mit Morden statt mit Brot billig abgespeist wird (III 9).
   Eine Frau bejubelt Robespierre als „Messias“ (I 2), Camille klagt ihn als Blutmessias an (I 6), was dieser im Monolog für sich akzeptiert.
   Das Liebesgesäusel Marions und Dantons wird von Lacroix durch die Tiervergleiche herabgewürdigt (I 5); Danton gebraucht dann eben diesen Hundevergleich für die aufgegeilte Atmosphäre im Volk (II 2).
   Danton interessiert sich nicht für das Schicksal des Landes, weil es egal sei, woran die Leute sterben (II 1) - zur Begründung seiner Untätigkeit; mit der gleichen Begründung rechtfertigt St. Just weitere Morde (II 7).
   Robespierre entschuldigt sich für seine Taten (mit dem Hinweis auf das Unbewusste I 6); Danton entschuldigt sich damit, dass wir bloß Marionetten sind (II 5).
   St. Just gebraucht zur Rechtfertigung seines Tuns das Bild von den Armen des Weltgeistes (II 7); Danton beansprucht diese Rolle voller Stolz für sich (III 4). Wie eine Parodie wirkt dann Simons Satz, nicht sein Arm habe seine Frau geschlagen, sondern sein Wahnsinn (I 2 Ende - Anklang auch an R.s Entschuldigung in I 6).
   [St. Just spricht von dem Grund-Satz der Revolution, von seiner Interpunktion und den logischen Folgerungen (II 7); Barrére fordert ihn auf, diese Interpunktionszeichen zu setzen (III 6). – Beispiel passt nicht ganz!?]
   Von der Verkörperung solcher Sätze in der Politik sprechen St. Just rechtfertigend (II 7), Mercier dagegen anklagend (III 3).
   Die erneuernde Sündflut der Revolution wünscht St. Just herbei (II 7), Danton sieht sich davon hinweggeschwemmt, aber nicht als Revolutionär vernichtet (IV 5).

Diese Liste zeigt, wie nah manchmal die Agenten der beiden Parteien einander sind (Danton – Robespierre), wie aber auch das gleiche Phänomen unterschiedlich bewertet wird (Tote statt Brot; Verkörperung der politischen Reden). Beides zusammen möchte ich mit dem Begriff vom Schillern der Revolution bezeichnen; vielleicht sollte man jedoch die Gleichheit der Gegner aus diesem Phänomen ausklammern? Ich bitte meine Leser, diese Frage der Interpretation intratextueller Bezüge - die puren Wiederholungen (etwa dass Danton Ruhe finden will, I 1 und III 7) sind hier nicht berücksichtigt - selber zu bedenken.

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