Büchner: Dantons Tod - Übersicht über den 3. Akt (III 1-10)

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In diesem Akt wechseln bis III 8 jeweils Szenen, in denen die Gefangenen auftreten, mit Szenen von Mitgliedern des Wohlfahrtsausschusses. In III 9 spricht Danton vor dem Revolutionstrinbunal, in III 10 tritt das Volk auf – zuerst für Danton, dann gegen ihn, wankelmütig, wie es ist.
   Die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses zeigen hier ihr wahres Gesicht: Sie wollen Danton mit allen, auch unsauberen Mitteln beseitigen: durch Auswahl der „richtigen“ Geschworenen (III 2), durch Unterbrechung der Verhandlung vor dem Revolutionstribunal (III 4), durch fragwürdige Anklage und Verhandlungstaktik (III 6 und 8), durchgeführt in III 9. Treibende Kraft ist St. Just, der Angst vor Danton hat (III 6); Robespierre ist eine Randfigur (III 6); der große Manipulator ist Fouquier-Tinville (III 2 ff.).
   Wenn St. Just nicht dabei ist, zeigen mehrere Mitglieder des Ausschusses, dass sie trotz vorheriger „revolutionärer“ Äußerungen nicht mit den radikalen Anführern übereinstimmen (III 6, letztes Viertel); Barrère versucht eine etwas gedrechselte und letztlich egoistische Rechtfertigung dafür, dass er trotzdem mitmacht (III 6), ähnlich wie Laflotte, der Dillon verrät, um sich selber freizukaufen (III 5), und so die „Gründe“ für den Vorwurf des Hochverrats gegen Danton liefert. – Man sieht, dass III 6 eine Szene wäre, in der man einiges von den Revolutionären herausarbeiten könnte.
   Die Gefangenen philosophieren einerseits, anderseits sprechen sie über den bevorstehenden Tod, aber auch über die Logik der Revolution; Camille erweist sich als der menschlichste der gescheiterten Revolutionäre (III 1, III 9). Danton bereut im Gespräch mit Mercier, das Revolutionstribunal geschaffen zu haben, und bittet um Vergebung (III 3). Mercier, ebenfalls ein gefangener Deputierter, erklärt am klarsten die Logik der Revolution (III 1 und v.a. III 3): Die großen Reden sind Phrasen, die im Morden „verkörpert werden“ – er berührt damit die „elegante“ Theorie St. Justs, dass die revolutionären Schlachtungen die Anwendung des Satzes von der Gleichheit sind (II 7) – eine weitere Entlarvung auch des großen St. Just, aber auch ein Vorwurf an Danton und die Seinen.
   An philosophischen Beiträgen fallen die Überlegungen Paynes, ob es einen Gott gibt (III 1), und Dantons gescheiterter Nihilismus (III 7) auf: „Das Nichts hat sich ermordet...“ – zum Schluss dieser Szene sehnt er sich danach, zusammen mit Julie zu sterben, um dann – entgegen allen vorherigen Beteuerungen (etwa III 1: er werde auf dem Gang zum Schafott „nicht stolpern“) – in Todesangst zu jammern: „Ich kann nicht sterben...“ Die Einstellung der Gefangenen zum Tod findet man in III 1 und III 7, die Analyse der Revolution in III 1 und III 3; Dillon als ehemaliger General plant einen Ausbruch und Aufstand (III 5), den man dann bequem Danton anhängen kann (III 6), auch wenn Barrère solche Geschichten als „Märchen“ abtut (III 6).
   Danton verteidigt sich gegen die Vorwürfe des Tribunals nicht ohne Stolz: „Das Schicksal führt uns die Arme, aber nur gewaltige Naturen sind seine Organe.“ (III 4 – dieser Gedanke hat ihm auch schon dazu gedient, sich von Schuld freizusprechen (vgl. II 5), und St. Just hat mit diesem Gedanken das Morden gerechtfertigt (II 7: Arme des Weltgeistes). In III 9 geht Danton bei seiner Verteidigung zum Gegenangriff über; er klagt Robespierre und St. Just des Hochverrats an und zeigt auf, wie die Fortsetzung der Revolution dazu dient, das Versagen in der Linderung der Not zu kaschieren – da wird er mit Gewalt hinausgeschleppt.
   Der dritte Akt ist von politischen Analysen und praktischen Fragen kurz vor der Hinrichtung bestimmt, an welche sich philosophische Überlegungen anschließen: Wie kriegt man die Gefangenen schuldig gesprochen? Wie stellen diese sich auf ihren bevorstehenden Tod ein, wie sehen sie jetzt die Revolution? Wem machen sie Vorwürfe, wie trösten sie sich?
   Das Volk ist mit Robespierre nicht zufrieden, der ihm kein Brot schafft (vgl. II 2), und auch nicht mit Danton, der ein Luxusleben geführt hat (vgl. I 5) – jetzt lässt es sich gegen Danton aufwiegeln (III 10), in drei Monaten wird es (außerhalb des Dramas!) die Hinrichtung Robespierres und St. Justs beklatschen.

Simone Kurek am 6. Februar 2008 um 21:55
Hallo Hr. Tholen! Ich hab grad nicht allzu viel Zeit, deshalb nur eine kurze Frage: unterrichten Sie wieder oder wie kommt es, dass ich aktuelle Einträge zu "Dantons Tod" auf Ihrer Seite finde?!
liebe Grüße
Simone
P.S.: Ich hoffe sie erinnern sich noch an mich. ;-)

   

Norbert am 7. Februar 2008 um 19:05 ( Kommentar geändert)
Liebe Simone,
wie könnte ich dich vergessen (im Ernst!)?
Nein, ich unterrichte nicht wieder - warum ich damit angefangen habe, weiß ich im Moment nicht mehr; ich habe dann weitergemacht, weil das Stück in seiner Komplexität mich gereizt hat (und weil ein Schüler mich indirekt um Hilfe gebeten und ein Lehrer um Rat gefragt hat). Na, und irgendetwas Sinnvolles muss man ja tun, wen man pensioniert ist: Ich hoffe, auch du hast in diesen Aufsätzen etwas zu "Dantons Tod" gelernt.
Ich freue mich jedenfalls, von dir gehört bzw. gelesen zu haben!
Herzlichen Gruß an dich von deinem alten Lehrer Tn

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