Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

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Lange schon habe ich kein so faszinierendes Buch mehr gelesen wie den 2005 bei Rowohlt erschienenen Roman Kehlmanns: von der fanatischen Weltfremdheit der beiden großen Forscher Alexander von Humboldt und Gauß, die jeweils auf ihre Art die Welt vermessen haben; von ihrer nichtssagenden Begegnung; von den Zwängen des Lebens, denen sie nachgaben oder nicht nachgaben; von ihrem Altern und der Tatsache, dass sie Gefangene ihres eigenen Ruhmes wurden - und vom Motiv Alexander von Humboldts, der aus purer Rivalität zu seinem großen Bruder der berühmte Forscher wurde, der vor nichts und niemand zurückschreckte. Und von den dummen Kindern des großen Mathematikers Gauß, der aus purer Not zum zweiten Mal heiratete: eine Frau, die er verabscheute, aber für den Haushalt brauchte, nachdem er bei der ersten gelernt hatte, Teilnahme an der Geburt seiner Kinder zumindest zu zeigen, dabei bis zum Schluss ein bisschen seiner russischen Nina nachtrauerte. Und von den Verwicklungen der beiden in die Politik, von ihrem Umgang mit Königen und Beamten... Das Ganze ist nicht ohne liebenswürdige ironische Übertreibungen erzählt, aber doch immer so, dass diese im Dienst der Sache stehen: der Porträtierung zweier großer Forscher, die gegensätzlicher nicht sein können. Es fehlen auch nicht kleine süffisante Bemerkung zu Deutschland.

Anfangs wechselt der Erzählfaden von Kapitel zu Kapitel, dann kreuzen sich die Fäden mit der Begegnung der beiden Forscher; zu Schluss folgt der Blick des Erzählers dem Sohn Eugen Gauß auf seinem Weg nach Amerika.

Ende 2007 war die Auflage bereits deutlich über einer Million - das Buch hat es verdient, so oft gelesen zu werden! Wenn es in zwei Jahren als Taschenbuch zu haben ist, verdiente es mehr als Schlink und Wolf, in den Kanon der Literatur der Schule aufgenommen zu werden - wobei allerdings zu befürchten ist, dass die Schüler selbst an der Lektüre dieses Buches leiden werden.

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