Grundlage einer Analyse
Zunächst spricht das lyrische Ich bei einem einsamen Gang ins Freie reflektierend zu sich selbst; seine Stimmung scheint der noch winterlichen Natur, durch die es geht (Melodie zu meinem Lied, V. 6), zu entsprechen. Doch finden sich in der Naturbeschreibung Spannungen, die das Andringen eines Neuen anzeigen (ödes Feld - stiller Morgenschlummer; starr - wiegt; schauernd - rauschend). Fazit: Die Mutter Erde (Bild der Mutter: wiegt, singt) hat Hoffnung in sich (Schlussvers).
Danach spricht das Ich die Sonne an und kommt so aus seiner Selbstbezogenheit heraus; es blickt auf das künftige Naturgeschehen voraus (Sonne im Mai; Jüngling, Mädchen; Veilchen) und begründet so sein Verständnis der Natur und ihres hoffnungsvollen Zustandes (V. 8/9: Denn... bald); im Bedeutungsfeld des Neuen (offenes Auge, neue Wiesen, junges Gras, reizender Busen) zeigt sich, dass die Hoffnung der still-trauernden Natur berechtigt war. Die Figuren treten als Paare auf (statt Ich allein im öden Feld). Das Tempo in der zweiten Strophe ist schneller als das in der ersten; die Reime „kränzen/Tänzen“ und die frohe Hoffnung des Mädchens spiegeln die veränderte Stimmung des Ich wieder.
In der dritten Strophe beginnt das Ich mit Freudenrufen (Rufzeichen) angesichts eines gegenwärtigen Ereignisses (plus Rückblick auf den endgültig vergangenen Winter: Tempuswechsel; „Schnee, hager, Nebel, kalt, Grau“ nehmen noch einmal einige Aspekte der Natur aus der 1. Str. auf): Ein Mann arbeitet bereits; er hat Ernteträume, weshalb er jetzt „sät und hofft“. Das ruhige, zum Teil entschlossene Sprechtempo spiegelt den Gang des Sämanns wider.
Insgesamt sollten neben der jeweils veränderten Sprechsituation das Tempo und seine Variation (Jambus, mit Taktstörungen in V. 6, 21, 24 und 29; unterschiedliche Verslängen), (die Bedeutung wichtiger Reime sowie) das Fazit in den Schlußversen der drei Strophen beachtet werden, damit herausgearbeitet wird, wie das Ich im Gang durch die Natur, im Ausblick auf ihr künftiges Erblühen und beim Anblick des hoffnungsfrohen Arbeiters selber neue Hoffnung schöpft.
Überraschend für den jungen Goethe ist übrigens, dass Arbeit als gleichberechtigte Form der hoffnungsfrohen Zuwendung zur Natur neben dem Maienfest steht.
norberto42
Goethe: Ein zärtlich jugendlicher Kummer
Kommentare: 0
Stars
: 0
- Über dieses Blog
- Links
- Suche
- Archiv
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- April 2007
- März 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- Dezember 2006
- November 2006
- Oktober 2006
- September 2006
- August 2006
- Juli 2006
- Juni 2006
- Mai 2006
- April 2006
- März 2006
- Februar 2006
- Januar 2006
- Dezember 2005