Fontane: Sprüche
1
Nicht Glückes-bar sind deine Lenze,
Du forderst nur des Glücks zu viel;
Gib deinem Wunsche Maß und Grenze,
Und dir entgegen kommt das Ziel.
Wie dumpfes Unkraut laß vermodern,
Was in dir noch des Glaubens ist:
Du hättest doppelt einzufordern
Des Lebens Glück, weil du es bist.
Das Glück, kein Reiter wird‘s erjagen,
Es ist nicht dort, es ist nicht hier;
Lern überwinden, lern entsagen,
Und ungeahnt erblüht es dir.
4
Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben.
Wenn‘s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.
Das flücht‘ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.
Theodor Fontane: Gedichte. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Rüdiger Görner. Insel Verlag 1998, S. 55 f. und S. 57
Diese bei Görner nicht datierten Gedichte stellen in ihrer lehrhaften Art die Auffassung nicht nur des Sprechers, sondern vermutlich auch des Autors Theodor Fontane dar; im Roman „Irrungen, Wirrungen“ äußern sich dagegen nur Figuren über Glück und Ehre. Es könnte eine interessante Aufgabe sein, Figuren (etwa Lene und Botho) von den hier vorliegenden Gedichten aus zu verstehen oder zu bewerten suchen.
norberto42
Aufgaben zu Fontane: Irrungen, Wirrungen
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