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Donnerstag, 27. April 2006

Matthias Claudius: Abendlied - Aufbau, Rhythmus


Der Text des Aufsatzes steht jetzt unter http://logos.kulando.de, dort unter "Gedichte 18. Jahrhundert"

von: norberto42 in: Gedichte
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Geändert am 26. Juni 2009 um 11:33

Mittwoch, 26. April 2006

A. von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor (erste kurze Analyse)


Es wird erzählt, wie ein kleiner Junge durchs Moor geht und dabei Schreckliches erlebt. Das Geschehen wird von einem auktorialen Erzähler berichtet; das ist eine (von der Autorin konstruierte) Erzählerfigur, die alles weiß (z.B.: was das Kind denkt und fühlt, dass ein Schutzengel in seiner Nähe ist usw.) und das Geschehen auch kommentiert. So ist die 1. Strophe ein Kommentar des Erzählers, ebenso V. 6-8 in Str. 5.
   Die Erzählung weist einen Spannungsbogen auf: Durch den Kommentar des Erzählers vorbereitet, folgt der Leser sogleich (ab Str. 2) dem ängstlichen Kind; die Spannung erreicht zu Beginn von Str. 5 ihren Höhepunkt, als der Erzähler das Bild des offenen Höllenschlundes zeichnet (klaffende Höhle, die verdammte Margret spricht selbst). Durch den genannten Kommentar, in dem er auf die Nähe des Schutzengels hinweist, leitet der Erzähler die Wende zum Guten, zur Rettung ein. Dem Kommentar folgt in der 6. Strophe der Bericht davon, wie der Junge zu Hause ankommt (Boden ist fest, Lampe flimmert heimatlich, Grenze des Moores ist erreicht, Knabe atmet auf).
   Die Spannung (bzw. das Erleben des Schrecklichen) wird durch verschiedene Mittel  vom Erzähler hergestellt: mehrere Vergleiche (V. 3, 10, 15 usw.);  Personifizierungen des Moores und der Pflanzen (V. 6; 17 f. usw.); Gedanken und Empfindungen des Kindes, welches im Moor gebannte Seelen zu hören glaubt. Diese Gedanken und Empfindungen werden insgesamt personal erzählt, etwa V. 12-15 („Hu, hu“); V. 21-24 usw. - das Kind identifiziert verschiedene Geräusche als Äußerungen der Gespenster, ohne dass ausdrücklich gesagt würde: „Das Kind denkt: ...“ oder : „Das Kind fühlt: ...“. Auch in dem wiederholt geäußerten Wunsch „voran“ (V. 25 f.) drückt sich die Anspannung des Kindes aus. Einmal wird der Ruf der armen Seele wörtlich berichtet (V.  36). Das Kind wird von dem, was es hört (statt: was es sieht), beherrscht.
   Zum Schluss wird, durch den Doppelpunkt angdeutet, ein Gedanke des Kindes wörtlich berichtet (V. 47 f.); weil diese beiden Verse den letzten der 1. Strophe entsprechen, könnte nachträglich auch die 1. Strophe als personal erzählte Vorstellung des Kindes verstanden werden, wäre dann also kein Erzählerkommentar.
   Die Qualität der Zischlaute („zischt und singt“, V. 6), heller („gespenstige Melodei“) oder dunkler („hohl...“) Laute wäre gesondert zu untersuchen.
   Insgesamt ist das Metrum als Jambus anzusehen, etwa V. 33 f.:
e é / e é / e é / e é /       [Ich nehme hier e statt x, weil ich auf x keinen Akzent setzen kann!]
e é / e e é / e e é / e       (Störungen des Metrums!); Synkopen: „ hohl“, „weh“, „wär“, „tief“...
   Das Reimschema in jeder Strophe ist zunächst ein Kreuzreim, dann zwei Paarreime;
gleiche Reimwörter werden mit dem gleichen Buchstaben bezeichnet, sodass das Schema so aussähe: a / b / a / b / c / c / d / d usw. Verse mit Kreuzreim werden insgesamt etwas schneller gesprochen. Bedeutsame Reime sind etwa die Verse 1 / 3, 2 / 4 usw.                         
von: norberto42 in: Gedichte

Donnerstag, 20. April 2006

Unterrichtsreihe "Balladen" in Kl. 11


In meinem laufenden 11er-Kurs habe ich eine Balladenreihe gemacht:
Bürger: Lenore (sehr intensiv)
Goethe: Die Braut von Korinth
Heine: Maria Antoinette
Diese ersten drei Balladen sind dadurch verbunden, dass Gespenstisches erzählt wird, jedoch von Seiten des Sprechers zunehmend entmystifiziert.
Brecht: Die Ballade vom Soldaten
Als Klausur folgte Kästner: Der Handstand auf der Loreley.
(Analysen zu zu diesen Balladen gibt es hier bei bloghof.net unter „Gedichte“, ferner zu Goethe: Der Fischer.)
Zum Üben war Kästner: Die Ballade vom Nachahmungstrieb, empfohlen; zu diesem Gedicht gibt es im www leider kein Material kostenlos.

Im Internet kann man sich den Aufsatz Gunter Grimms herunterladen ("Grimm: Bestrafte Hybris"). (Grimm leistet mehr für die Deutung, weniger für die Analyse.)
Wenn man die Zeile in der suchmaske eingibt:
Michael Will: Die Ballade - das "Ur-Ei" der Poesie,
bekommt man ein Protokoll von Herrn Wills Ausführungen über "Ballade" und Bürgers Gedicht aus dem vergangenen Wintersemester (Uni Würzburg).

Wer sich das Buch besorgen kann, sollte zugreifen: Geschichte im Gedicht. Texte und Interpretationen (Protestlied, Bänkelsang, Ballade, Chronik). Hrsg. von Walter Hinck (1979, es).
Wir waren zunächst am Thema „Gespenster“ orientiert; wenn man Goethes „Fischer“ und die Loreley mag, kann man sich auch dem reizvollen Motiv der Wasserfrauen zuwenden, wozu es auch im www Literatur gibt (gerade auch zu den verschiedenen Loreley-Gedichten!), u.a. ein Berliner Projekt (Uni).

von: norberto42 in: Lyrik
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Geändert am 14. August 2007 um 20:57

Dienstag, 18. April 2006

Parabeln


Zum Zusammenhang von Lehre und Adressaten, Klarheit der Bildrede und Anzahl der Vergleichspunkte


Für mich entsteht das „Problem“ der Parabel oder ihres Verständnisses in dem Moment, wo die Parabeln Literatur werden; in einer alltäglichen Situation ist bildhafte Rede für einen normalen Menschen ohne Weiteres verständlich. Erst wenn die Lebens- oder Sprechsituation als vom Bild gedeuteter und es erhellender Kontext verschwindet, wenn Parabeln also Literatur werden, ist so etwas wie Deutung nötig; das sieht man klar an den Bildreden Jesu, die ohne Bezug zum Leben ihrer ersten Hörer für die Christen heilige Texte und damit deutungsanfällig geworden sind.

1. Eine Parabel kann als eine Form bildhafter Rede (docet et delectat, movet) verstanden werden. Ein Sprecher nutzt ihre hohe Eindeutigkeit (klare Konstraste) und Plausibilität, um in der durch die Erzählung erzeugten Distanz von der realen Situation die Zustimmung des Hörers zu gewinnen (zu seinem Verständnis der konkreten Situation; oder zu seinem Vorschlag, wie zu handeln ist).
2. Wenn ihr eine Deutung beigegeben wird, wird die Zustimmung zur Erzählung ausdrücklich auf die reale Situation übertragen. Eine Deutung kann allenfalls bei starker Verfremdung des Bildes angebracht sein (Nathans Geschichte, die er David erzählt).
3. Sie ist früher im täglichen Leben verwendet worden, wie v.a. Jesu Erzählungen (vielleicht literarisch stilisiert?) zeigen. In der Situation ist eine Bildrede klar, da jeder im Bild, also im „Anderen“, das gemeinte „Gleiche“ erkennt (versteht).
4. Eine Parabel läuft normalerweise wie ein Gleichnis (Erzählung eines alltäglichen Geschehens) auf einen Punkt hinaus; wenn viele Vergleichspunkte bestehen, liegt eine Allegorie vor (so in der Deutung Mk 4,13 ff.!).
5. Um die in der Überschrift genannten Zusammenhänge aufzuzeigen, untersuchen wir die Parabel vom verlorenen Sohn (Luk 15,11 ff.): Wenn man sich mit Lukas Pharisäer, also „Gegner“ Jesu als Hörer denkt, verteidigt Jesus seinen liberalen Umgang mit „Sündern“: Er beriefe sich auf das richtige Handeln des Vaters, während die Adressaten sich im älteren Bruder wiederfänden. Wenn man dagegen „die Sünder“ als Adressaten denkt, riefe Jesus sie zur Umkehr auf; sie fänden sich im verlorenen Sohn wieder, dessen Handeln belohnt wird, während ihre Bedenken vom älteren Bruder ausgesprochen und sogleich widerlegt würden.
6. Wenn Parabeln Literatur werden, haben sie weder eine klar umrissene Leserschaft noch einen Bezug auf eine bestimmte Situation. Der frühere „Erzähler“ differenziert sich in den Autor des Textes und den im Text präsenten Erzähler, der „Adressat“ in die impliziten Hörer und die faktischen Leser. Autor und Leser sind bestenfalls in einer diffusen Zeitgenossenschaft miteinander verbunden. Aus dem Text selbst gibt es folgende Anleitungen zum Verständnis:
- aus dem „Thema“ der Erzählung und dem Verlauf des Geschehens, also der Differenz von Anfangs- und Endzustand;
- aus offenen Wertungen des Erzählers (s. Ebner-Eschenbach; Anders);
- aus den Konnotationen der Wörter (indirekte Wertung, s. Pestalozzi);
- aus verborgenen Wertungen, wenn Positionen von Figuren durch die Erzählung selbst widerlegt werden (die zweite Gruppe der Andorraner bei M. Frisch);
- aus verborgenen Wertungen, wenn eine Erzählerposition durch das erzählte Geschehen vom Leser als widerlegt angesehen werden muß (Kunert: Bericht);
- durch eine „Erklärung“ der Erzählers bzw. Autors (s. Max Frisch).
Auch die Position des Autors kann Hinweise auf die Bedeutung geben (Unterstellung: Brecht schreibt als Kommunist.). Zur Praxis des Verstehens verweise ich auf meine Analyse der „Erzählungen“, v.a. Ebner-Eschenbach, Fabeln, Hebel, Pestalozzi (bei bloghof.net).

Es steht aber sicher ein Spielraum des Verstehens offen, den der jeweilige Leser („ich“) füllt, indem er den Text als Verweis auf seine Welt versteht:

                   Bezug der Parabel als „Bild“ auf
                   a) ganz bestimmte Situation
                      (früher: praktisch);
                   b) Welt im Allgemeinen oder
                      typische Situation
                      (heute: literarisch);

   Sprecher ist                      Hörer
a) Individuum mit                 a) Individuum wird
ganz bestimmter                   in einer bestimmten
Absicht;                         
Situation belehrt;

                      T E X T

                 (Ist eine Deutung explizit
               vorhanden? Warum?
               Passt sie zum Text?)

b) literarische Figur,            b) sind unbekannte Leser,
in unbestimmter „Nähe“            die die Lektüre genießen
zum Autor; situations-            und den Text irgendwie
unabhängig; ohne direk-           auf ihre Welt beziehen
ten Kontakt zum Leser.            und ihn so deuten.

                   Voraussetzungen:
                   Kenntnis
von Parabeln,
                   also von Formen
                   bildhaften Sprechens
              


Das Schema ist folgendermaßen zu lesen:
1. von links nach rechts: Ein Sprecher wendet sich mit der Parabel an (einen) Hörer,
a) früher in einer bestimmten Situation, mit einer bestimmten Absicht,
b) später in der literarischen Kommunikation, ohne Situationsbezug, mit undeutlich erkennbarer Absicht;
2. von oben nach unten:
a) Im Text bezieht der Sprecher sich auf eine bestimmte Situation (früher) oder
b) weniger deutlich auf die Welt im Allgemeinen, wie man sie kennt.
Außerdem muss für den Hörer erkennbar sein, dass uneigentlich oder bildlich gesprochen wird; er muss solche Formen des Sprechens kennen.

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Geändert am 18. April 2006 um 17:11

Sonntag, 16. April 2006

Exkurs über Hannas Weltvergessenheit - zu Schlink: Der Vorleser


Weltvergessenheit ist eine wohltemperierte Variante der klassischen Weltverachtung oder Weltflucht; unter diesen Stichwörtern findet man im Historischen Wörterbuch der Philosophie (Bd. 12, Sp. 521 ff.) die christlich-platonischen Quellen der genannten Strebungen. In Matthias Claudius‘ „Abendlied“ (1779) ist die Weltvergessenheit - im Vorgriff auf Gottes Heil (5. Str.) - an eine Mondscheinsituation gebunden (2. Str.):
„Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
   So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
   Verschlafen und vergessen sollt.“
Etwas weltlicher hatte Wieland 1768 von den Lustreisen der jungen Venus erzählt: „Irdische Paradiese, und Inseln, gleich den Inseln der Seligen, blühten unter ihren Blicken auf.“ Diese himmlischen Örter waren schön genug, „selbst den stoischen Marcus Antoninus eine Zeit lang der Sorgen für die Welt vergessen zu machen“. Mit Bezug auf das Motiv der Freundschaft hat Goethe (An den Mond, 1776/78) gedichtet:
„Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt...“
   Was versteht man unter Weltvergessenheit, wer ist weltvergessen? Das ist „1. weit entfernt vom Getriebe der Welt, einsam gelegen: er lebt in einem w. Winkel  2. vgl. weltentrückt: ein w. Träumer“, sagt das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts. Das Duden-Wörterbuch weist das Adjektiv als Ausdruck der gehobenen Sprache aus, stellt es „weltverloren“ gleich und bestimmt als dessen Bedeutungen:
1. weltentrückt, 2. weit entfernt vom Getriebe der Welt, einsam - nur die 1. Bedeutung trifft jedoch auf „weltvergessen“ zu.
   Wer vergisst die Welt? Das Wort taucht heute (www) vorzüglich in der Reklame auf:
* Musik, die die Welt vergessen lässt;
* Saunen, die Sie die Welt vergessen lassen;
* sich manchmal die Bettdecke bis über beide Ohren ziehen und die Welt vergessen ... (Reklame für Schlafzimmer);
* und immer wieder Wellness, dazu eine fernöstliche Teestube in Berlin: „Zurücklehnen und die Welt vergessen. Tee ist hier nicht nur Getränk, sondern Medizin für die Seele, ein Heilmittel.“ Auch Spielsüchtige vergessen die Welt - aber ein bisschen östlich ist „Weltvergessenheit“ doch angehaucht, als Station auf dem Weg der Suche nach dem Selbst.
   Und dann natürlich: die Liebe! „Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die wundersame Geschichte von Hasan von Basran und Nur-Ayni, der Vogelfrau. Sie erzählt, wie der Jüngling Hasan entführt wird und mit dem Schiff über die Meere getragen wird, hin zu einem Wolkenberg, auf dem die sieben Töchter des Dschinns leben. Sie lassen ihn die Welt vergessen, bis er Nur-Ayni begegnet.“ (Geschichten aus 1001 Nacht: Hassan und die Vogelfrau) Junge Leute sind noch kühn genug, in ihren Gedichten entsprechende Wünsche zu äußern:
„Ich wünschte ich würde die Welt Vergessen
Zurückziehen mich können, still und bessesen
Von dem Bilde, so schön, so klar
Meiner einzig' Geliebten - Angelika.“
(Gedicht des Sebastian B. Klostermeier, 2001)

Auf dieser gehobenen Sprachebene bewegt sich also Michael, als er „Jahre später“ (S. 17/Z. 12) versteht, warum er seine Blicke nicht von Hanna hatte lassen können: Hannas Bewegungen wirkten schwerfällig, sie schien „sich in das Innere ihres Körpers zurückgezogen“ (17/26) zu haben: „Dieselbe Weltvergessenheit lag in den Haltungen und Bewegungen, mit denen sie sich die Strümpfe anzog.“ (17/29 ff.) Wer solches kann, wird nicht vom Kopf gesteuert, sondern kann sich dem ruhigen Rhythmus des Körpers überlassen und die äußere Welt vergessen (17/27 ff.) oder „aus der Situation und nur aus ihr“ leben (40/1 f.). Und das war für Michael einfach verführerisch: „die Einladung, im Innern des Körpers zu Welt zu vergessen“ (18/3 f.). - Dazu möchte ich ein paar Bemerkungen machen:
1. Die erlöste Weltvergessenheit Hannas wird ihr einfach zugeschrieben; man kann sich nicht vorstellen und bekommt kaum beschrieben oder erklärt, woran man solche Weltvergessenheit erkennen oder bemerken kann; mich würden eher gelöste als schwerfällige Bewegungen in ekstatische Träume versetzen.
2. Die Einladung zur Erlösung Michaels wird unscharf formuliert: Soll er im Innern seines Körpers oder im Innern von Hannas Körper die Welt vergessen? Vermutlich ist die zweite Lesart die beabsichtigte - aber dazu passt die triviale Beschreibung des Aktes stilistisch nicht recht: „Auge in Auge, bis es mir kam“ (27/15). Ihm kam es nämlich schnell (34/5), wenn sie über ihm war (34/7 f.) - die verworfenste Äußerung ist übrigens die, dass sie ihn „ritt, bis es ihr kam“ (33/29); ansonsten wird gelegentlich geschrien (27/17 f.; 34/12 f.).
3. Da Michael vor seiner Erlösung in der Weltvergessenheit steht, wird von ihm erwartet, dass er sich zur Erlöserin bekennt und sie nicht verleugnet; das Pathos, mit dem in Kapitel I 15 die Gegensätze „verleugnen / sich bekennen“ eingeführt werden, erinnert mich an das Jesuswort vom Bekennen/Verleugnen vor den Menschen und vor dem himmlischen Vater (Mt 10,32 f. - vgl. das Pathos des Verratens, 72/10, das dem vom Verrat des Petrus gleicht, Mk 14,66 ff.; ob man Hannas Blick, 112/17, mit dem des Herrn, Luk 22,61, vergleichen darf, ist jedoch fraglich).
4. Der Erzähler betont, dass es sich um eine gehobene Verführung handelt, also eigentlich nicht um Verführung: „Verführung, die nicht Busen und Po und Bein ist, sondern die Einladung, im Inneren des Körpers die Welt zu vergessen“ (18/3 f.). Nach meiner Erkenntnis ist es so, dass Busen und Po nie Verführung „ist“, sondern dass davon Verführung „ausgehen“ kann, wenn jemand sie als Verheißung eines ekstatischen Erlebens sieht; also als Einladung, die Welt zu vergessen.
P.S. Nebenbei sei bemerkt, dass für weltvergessene Menschen offenbar neue Kriterien der Gerechtigkeit gelten, wie ich in meinem Aufsatz über die „Aufarbeitung der Vergangenheit“ in Schlinks „Der Vorleser“ gezeigt habe; diese dem ganzheitlichen Spüren verpflichtete Existenz der beiden Protagonisten H. & M. ist meines Erachtens in der Auseinandersetzung um Schlinks Roman zu wenig gewürdigt worden.

Wenn man dem Universal-Horoskop in „Mannis Welt“ (siehe „die Welt vergessen“ in einer Suchmaschine) glauben darf, schätzen die im Zeichen des Krebses Geborenen „einen sicheren Ort, wo man die Welt vergessen kann“ - das sind die nach dem 22. Juni Geborenen. O wundersame Erklärung: Hat Michael nicht im Juli Geburtstag (70/21 - vgl. 200/8-10)?
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Geändert am 28. November 2006 um 15:41

Hast du nicht die gesuchte Analyse gefunden?


Dann schalte mal in die Kategorie "Gedichte",
dorthin sind die Analysen verlegt worden!
von: norberto42 in: Lyrik
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Geändert am 20. Mai 2006 um 02:35

Goethe: Es schlug mein Herz (Willkommen und Abschied) - Vorfragen zur Analyse


Text jetzt in http://logos.kulando.de, dort unter Gedichte 18. Jahrhundert
von: norberto42 in: Gedichte
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Geändert am 23. Juni 2009 um 19:10

Mittwoch, 5. April 2006

Goethe: Gefunden (1813) - Aufbau, Vorbereitung der Analyse


Der Text steht jetzt unter http://logos.kulando.de, dort unter Gedichte 19. Jahrhundert
von: norberto42 in: Gedichte
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Geändert am 15. August 2009 um 02:45

Dienstag, 4. April 2006

Goethe: Grenzen der Menschheit - Analyse


Der Text steht jetzt unter http://logos.kulando.de, dort unter: Gedichte 18. Jahrhundert
von: norberto42 in: Gedichte
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Geändert am 23. Juni 2009 um 19:22

Montag, 3. April 2006

„Aufarbeitung der Vergangenheit“ in Schlinks „Der Vorleser“


Die in der politischen und moralischen Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich von den Deutschen immer wieder geforderte „Aufarbeitung der Vergangenheit“ wird als Stichwort explizit vom Erzähler genannt (S. 87/Z. 14; vgl. 160/27 ff.). Bei allem, was wir hierzu im Roman finden, ist zu bedenken, dass wir an die Perspektive des Ich-Erzählers gebunden bleiben, selbst wenn wir ihm widersprechen wollen.

1. Das Thema „Aufarbeitung der Vergangenheit“ in Deutschland 1966
Michael spricht von der Situation in Deutschland im Jahr 1966, wie sich aus einer Synchronisation der Daten von Prozess und Lebenslauf Hannas (S. 91) ergibt. Sein Professor ist einer der wenigen, die sich damals mit der Nazi-Vergangenheit auseinandersetzten (86/12 ff.); Thema seines Seminars war „das Verbot rückwirkender Bestrafung“ (86/19).
   Die Studenten, die an diesem Seminar teilnehmen, sehen sich als Avantgarde der Aufarbeitung und Aufklärung (87/14 ff.); sie wollen verurteilen, wollen eine ganze Generation verurteilen, wollen ihre Eltern kollektiv zur Scham verurteilen (87/29 und 88/15 f.). Sie sie voll Eifer, sind Eiferer im biblischen Sinn der Zeloten (S. 87 f.) - „jetzt“ sieht Michael, dass dieses Eifern „tatsächlich abstoßend war“ (87/25). - Das gleiche Bild zeichnet er für die Teilnehmer der Studentenunruhen im folgenden Jahr (S. 160 f.): In der Auseinandersetzung um das Dritte Reich geht es den Jungen mehr um die Abrechnung mit den Eltern - der politisch-moralische Streit ist nur eine Form des Generationenkonflikts (161/17); nur bei wenigen (wie bei Michael) ist die Sache selbst „das eigentliche Problem“ (162/18).
   Er selbst distanziert sich von den Studenten des Jahres 1967 (162/6 ff.; 160/28 ff.), denen er „auftrumpfende Selbstgerechtigkeit“ (162/29 f.) bescheinigt. Doch gibt es eine sonst unverständliche Bemerkung, in der er sich als den eifernden Studenten zugehörig erweist: Er berichtet von seinem Besuch beim Vorsitzenden Richter, den er eigentlich über Hannas Analphabetismus und dessen Konsequenzen aufklären will (II 16); gegen sein damaliges Selbstverständnis kommentiert er, es sei ihm nicht wirklich um Gerechtigkeit gegangen, er habe nur an Hanna „rummachen“ wollen (153/21 ff.). Diese völlig unvorbereitete Bemerkung kann ich nur als Versuch verstehen, Michaels Zugehörigkeit zu den eifernden Jungen auszudrücken, bei denen erlebte Verstrickung und Scham in Aggression umgeschlagen seien (162/1 ff.). [Dass er sich zugehörig fühlen will (163/11 f., vgl. 89/12 f. und bereits Kap. I 13), ist noch etwas anderes: Das ist die Folie, vor der die Liebe zu Hanna als sein Leiden im rechten Licht erstrahlt!]
   Während des Prozesses entdeckt Michael, dass Hanna nicht lesen konnte. In seinen Überlegungen im Anschluss an diese Entdeckung versucht Michael hinter Hannas Motive für ihr Agieren im KZ und für ihr Auftreten vor Gericht zu kommen (S. 127 ff.). Als Ergebnis vielfacher Überlegungen trägt er vor, dass Hanna „akzeptierte, daß sie zur Rechenschaft gezogen wurde“ (128/21.). Und dann folgt ein vielsagender Satz: „Sie verfolgte nicht ihr Interesse, sondern kämpfte um ihre Wahrheit, ihre Gerechtigkeit.“ (128/23 f.) Da sie „sich immer ein bisschen verstellen“ musste (wieso?) und nie „ganz sie selbst sein“ konnte, sieht das Ergebnis dann etwas kläglich aus, stellt er fest.
   Für die Kenntnis der Vorgänge im Dritten Reich behauptet Michael, damals (1966) habe es eigentlich wenig „Anschauung“ vom Leben und Morden in den Lagern gegeben (142/11 ff.); erst seit den achtziger Jahren seien die relevanten Bücher wieder aufgelegt worden (142/22 ff.), heute sei die Welt der Lager, auch durch Filme, dagegen „ein Teil der gemeinsamen vorgestellten Welt“ (142/25 f.). - Es folgt dann eine für mich unverständliche Erklärung über die Meinung der Phantasie: Diese habe damals gemeint, zur Erschütterung durch die Lagerereignisse passe die Bewegung der Phantasie nicht (143/1 ff.); sie habe sich deshalb die Ereignisse nicht angeeignet. - Zu seiner Einschätzung, es habe damals kein zutreffendes Bild der KZ-Ereignisse gegeben, passen auch die Episoden von der unkommentierten Erzählung des Fahrers (S. 145 ff.) und vom vergeblichen Versuch Michaels, sich in Struthof ein eigenes Bild von einem KZ zu machen (II 14).
   Zu dieser Darstellung der Situation 1966 kann man historisch Stellung nehmen; was sie für die Reflexion Michaels bedeutet, wird zu prüfen sein. Ich halte als Altersgenosse Michaels seine Bemerkung über die damals greifbare Literatur für falsch; der Bericht vom Nürberger Ärzteprozess („Medizin ohne Menschlichkeit“, hrsg. von A. Mitscherlich 1949) ist 1960 als Fischer-Taschenbuch erschienen (Startauflage 50.000); Rudolf Höss: Kommandant in Auschwitz, ist 1963 bei dtv erschienen; Primo Levi: Ist das ein Mensch?, ist im November 1961 als Fischer-Taschenbuch in Deutschland erschienen, ich habe ein Exemplar am 15. Januar 1962 gekauft; Adolf Eichmann wurde 1961 in Jerusalem der Prozess gemacht, 1962 wurde er hingerichtet; im Frankfurter Auschwitz-Prozess wurde im August 1965 das Urteil gesprochen - vorher war 22 Monate verhandelt worden, war 22 Monate in der Presse berichtet worden (1965 erschien dazu P. Weiss: Die Ermittlung). Walter Hofers Textsammlung „Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945“ ist als Fischer-Taschenbuch 1957 erschienen und hat in den nächsten 15 Jahren eine Auflage über 600.000 erreicht - das alles sehe ich ohne Recherchen, nur bei einem Blick in meinen inzwischen wiederholt verkleinerten Bücherschrank.

Mit der Metapher der Betäubung umschreibt Michael seine Fühllosigkeit gegenüber Hanna (96/19-22); ein ähnliches Betäubtsein beobachtet er jedoch, minimal abgeschwächt, auch bei den anderen (97/15 ff.), außer bei den Anwälten; ein ähnliches Betäubtsein habe auch die KZ-Häftlinge ergriffen gehabt (98/18 ff. - er beruft sich auf die Literatur der Überlebenden). Kurz, es habe eine große „Gemeinsamkeit des Betäubtseins“ gegeben (99/4 ff.); sogar das Buch der überlebenden Jüdin atme die Betäubung (114/30). - Im Widerspruch hierzu steht Michaels Bemerkung, die anderen Studenten seien im Prozess „stets aufs neue entsetzt“ (98/12) gewesen.
   Auch seine Bemerkung, die Betäubung habe sich bei ihm auf die Gedanken und Gefühle der letzten Wochen gelegt (155/21 ff.), passt nicht recht, weil er ja schon längst betäubt ist. In diesem Zusammenhang erwähnt er jedoch die von ihm positiv bewertete Funktion der Betäubung; sie habe es ihm ermöglicht, „in meinen Alltag zurückzukehren und in ihm weiterzuleben“ (155/26 f.).
2. Michaels Konsequenzen im Allgemeinen
Im Anschluss an das Stichwort „[die Betäubten] vergleichen“ (99/10 ff.) folgt ein Hinweis auf die Schwierigkeit dieses Unternehmens damals (99/12) und die Frage, die sich ihm damals stellte und heute stellt: „Was sollte und soll meine Generation der Nachlebenden eigentlich mit den Informationen über die Furchtbarkeiten der Vernichtung der Juden anfangen?“ (99/23 ff.) Er zitiert dann gängige Positionen (man könne nicht begreifen, dürfe nicht vergleichen, scheitere beim Nachfragen); er fragt weiter rhetorisch: „Sollen wir nur in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen?“ (100/2 f.) Die Frage wird dann aporetisch mit einem Nein beantwortet.
   Die von seiner Generation erlebte Kollektivschuld (s. oben 1.) lässt er in der Reflexion offen und löst sie für sich in Bezug auf Hanna (S. 162 f.).

3. Michaels Konsequenzen für seine Person
Persönlich zieht Michael aus der Teilnahme an Hannas Prozess die Konsequenz, keine der erlebten juristischen Rollen für sich zu übernehmen (171/17 ff.): Anklagen und Verteidigen beruhten auf grotesken Vereinfachungen, Richten sei überhaupt die groteskeste. Seine Frau Gertrud sagt formelhaft, seine Entscheidung sei eine Flucht „vor der Herausforderung und Verantwortung des Lebens“ (171/30); ich verstehe dann jedoch nicht seinen Kommentar („und sie hatte recht“, 172/1). Gertrud kann nicht Recht haben, wenn Michael mit seiner Einschätzung rechtlichen Agierens Recht hat.
   Diesen Widerspruch fängt der Erzähler in gewisser Weise auf, indem er den Vorwurf der „Flucht“ reflektiert und umdeutet (172/11 ff.); in seinen rechtshistorischen Studien sei er gerade nicht geflohen - doch mit dem Bild der Odyssee als Metapher der Rechtsgeschichte wird auch diese Erkenntnis wieder zurückgenommen (173/28 f.).
   In seiner Reflexion des Verhältnisses zu Hannas Schuld (Kap. II 15 und III 1) bündeln sich unsere bisherigen Ergebnisse. Michael berichtet, was er mit seinem Besuch in Struthof erreichen wollte (und was daran scheitert, dass man sich damals angeblich kein Bild von den KZ-Ereignissen machen konnte): „Ich wollte Hannas Verbrechen zugleich verstehen und verurteilen.“ (151/24 f.) Die folgenden Erklärungen, warum das nicht zugleich möglich sei, verdienen Beachtung; Verstehen bedeute, nicht verurteilen zu können, und Verurteilen bedeute, Hanna wieder zu verraten. - Er beendet diesen Bericht mit der Versicherung seines Bemühens und dem Eingeständnis seines Scheiterns (152/1-3).
   Die gleiche Konstellation, diesmal noch stärker aufs Nicht-Verurteilen ausgerichtet, trägt er in der Reflexion der Auseinandersetzungen von 1967 vor (S. 162 f.). Er habe Hanna „eigentlich“ verurteilen müssen, und dann die Metapher: „Aber der Fingerzeig auf Hanna wies auf mich zurück. Ich hatte sie geliebt. Ich hatte sie nicht nur geliebt, ich hatte sie gewählt.“ (162/15 ff.) Also kann er sie nicht verurteilen, was er als seine späteren Gedanken ausweist (163/6). Und dann folgt als sein Resümee das große Wort, dass sein Leiden an seiner Liebe zu Hanna „in gewisser Weise das Schicksal meiner Generation, das deutsche Schicksal war“ (163/8 f.).

4. Auswertung
Die beiden zuletzt untersuchten Stellen (Kap. II 15 und III 1) machen mir die Konstruktion des Buches klar: Es geht letztlich um die Möglichkeit, zu den Verbrechen des Dritten Reiches als Deutscher Stellung zu nehmen; durch die Liebe Michaels wird dieser menschlich an eine (zudem durch Analphabetismus behinderte) Verbrecherin gebunden, sodass er in eine typische, die „deutsche“ Konstellation hineinkommt: den Tätern menschlich verbunden zu sein, sie deshalb verstehen zu müssen und letztlich (und auch wegen der Schwierigkeiten, sich „damals“ ein Bild zu machen) nicht verurteilen zu können, ohne sie menschlich zu verraten.
   Die Liebesgeschichte des Jungen mit der reifen Frau ist also nur eine Beigabe, um die Verstrickung eines Jüngeren in die deutsche Geschichte herzustellen; ob Michaels Selbstverständnis von der Liebeswahl (S. 162) menschlich plausibel ist, interessiert den Erzähler nicht. Es liegt kein Entwicklungsroman vor, auch kein Liebesroman (auch die Entwicklungen in der Liebe sind seltsam schematisch und wenig erklärt, finde ich - etwa 57/3-7), sondern ein politischer Roman über „die Aufarbeitung der Vergangenheit“ mit einer Liebeshandlung im Rahmen. Für dieses Verständnis spricht auch, dass in Teil III die „Liebe“ trotz des großen Wortes von der Liebeswahl (162/16) fehlt und Michael in seiner Rolle des Vorlesers stagniert; es geht nur um Hanna und ihre „Läuterung“, verbunden mit etwas Emanzipation („Schritt aus der Unmündigkeit...“, 178/17) - dabei wäre das Lesenlernen doch wirklich ein Grund, ihr zu schreiben. Michael entwickelt sich eben nicht, auch wenn er gelegentlich Ansichten ändert; zum Schluss erspart ihm (oder dem Autor Schlink?) ein Selbstmord wie deus ex machina die reale Begegnung mit Hanna.
   Auch Michaels Überlegungen nach der Entdeckung von Hannas Analphabetismus verdienen beachtet zu werden. Wie mag das zugehen: ganz man selbst sein, dabei seine eigene Wahrheit und Gerechtigkeit finden (124/28)? Wie stellt der Jurist M. Berg, der doch am Rechtsprechen verzeifelt ist (S. 171 f.), sich eine derartige (ganzheitliche? vgl. Hannas Weltvergessenheit!) Gerechtigkeit vor: individuell, nicht mehr intersubjektiv? Sind Wahrheit und Gerechtigkeit mehr als Wörter, wenn sie nicht mehr intersubjektiv möglich sind? Sollte man vielleicht nicht doch das Ganz-man-selbst-Sein als Kategorie aus dem Katalog der Kriterien der Gerechtigkeit entfernen?
   Der Erzähler Michael ist eine fiktive Figur; man kann seiner Ansichten wegen dem Autor keinen Vorwurf machen, weil ein Autor weder mit dem Charakter noch mit der Weltsicht seines Erzählers etwas „behauptet“; man kann dem Autor auch nicht vorwerfen, dass Michael an entscheidenden Stellen in Metaphern flüchtet (Betäubung, die wundersam durch ein Fieber verschwindet, S. 97 - 160; Finger der zeigenden Hand), sich intellektuell mit schlichten Alternativen begnügt (verstehen oder verurteilen) - so ist die Figur eben. Man kann dem Autor selbst Hannas statement, nur die Toten dürften von ihr Rechenschaft fordern, nicht vorwerfen - aber an dieser Stelle hätte ich doch eine Reflexion Michaels erwartet, die über seine Wehleidigkeit (190/19 ff. - vgl. seine demonstrativ betonte Sensibilität 163/9 ff. u.ö.) hinausgeht.
   Wir können jedoch Michael menschlich und den Roman literarisch beurteilen; und man kann sich Gedanken machen, warum ein einfach gestrickter Roman wie „Der Vorleser“ so erfolgreich war.

Zur Scham- und Schuldproblematik (innerhalb!) des Romans: www.maikatze.de/grafik/Vorleser.pdf
Unschuldig schuldig? Zur Schuldfrage (in der Wirkung des Romans) und Vermittlung von Schlinks Der Vorleser im DaF-Unterricht: www.gfl-journal.de/2-2004/tm_kleymann_rings.html
Ein wikipedia-Artikel Peter Reichels, der aber wohl umstritten ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vergangenheitsbew%C3%A4ltigung_und_Erinnerungskultur_der_Zeit_des_Nationalsozialismus
sowie zu den Nürnberger Prozessen: d-a-s-h.org/PDF/Dossier11_Erinnerungskultur-Gedaechtnispolitik.pdf
www.weblexikon.de/Vergangenheitsbewältigung.html
Das richtige Suchwort ist "Peter Reichel" +Vergangenheitsbewältigung o.ä.
Im WS 2005/06 hat Peter Reichel eine Vorlesung gehalten: "Der Nationalsozialismus vor Gericht". Unter diesem Stichwort (+"Peter Reichel") findet man viele Beiträge. Die Vorlesung "Der Nationalsozialismus vor Gericht III" befasst sich mit dem Frankfurter Auschwitz-Prozess, der 1963/65, als in zeitlicher Nähe zum KZ-Prozess im Roman Schlinks stattgefunden hat und deshalb für uns ineressant ist: www.sozialwiss.uni-hamburg.de/Ipw/personal/reichel/WS_2005-06_Vorlesung.doc
   Generell kann man unter den Suchwörtern Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungspolitik, Erinnerungsarbeit, Erinnerungsliteratur, Holocaustliteratur und ähnlichen (eventuell mit "Der Vorleser" kombiniert) im www viel Material finden.
Für unverbesserliche Leseratten:
Braese, Stephan (Hg.): Rechenschaften. Juristischer und literarischer Diskurs in der Auseinandersetzung mit den NS-Massenverbrechen, 2004 (besprochen von Markus Roth: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=4029)
V. Knigge / N. Frei (Hg.): Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, 2005 (kann bei der Bundeszentrale für polit. Bildung bezogen werden!)

Schlink, Bernhard: Vergangenheitsschuld und gegenwärtiges Recht, 2002.
Ostermann, Micha: Aporien des Erinnerns - Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser, Bochum 2004.
Welzer, Harald: Täter, 2005, rezensiert von Tobias Bütow:
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=6713&count=363&recno=13&type=rezbuecher&sort=datum&order=down&region=100


(Vgl. meinen Aufsatz "Analysen" zu Schlink: Der Vorleser, in diesem blog norberto42!)
7. Mai 2006

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Geändert am 7. April 2007 um 17:41

Sonntag, 2. April 2006

Goethe: Maifest (Mailied) - Analyse


Der Text des Aufsatzes steht jetzt in http://logos.kulando.de, dort unter: Gedichte 18. Jahrhundert

von: norberto42 in: Gedichte
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Geändert am 24. Juni 2009 um 11:21

Sonntag, 2. April 2006

Peter Wensierski: Schläge im Namen des Herrn (2006)


P. Wensierski berichtet hier über "Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik"; das Buch ist von Matthias Dobrinski, dem Kirchenexperten der SZ, in der SZ vom 27. März besprochen worden (Die schwarze Pädagogik. Vom brutalen und erbarmungslosen Alltag der Heimerziehung in kirchlichen Einrichtungen der 50er und 60er Jahre). Dobrinski vermerkt, dass bereits die ersten Heime aufgrund der Recherchen zu diesem Buch sich ihrer verdrängten Geschichte stellten.
Besagter Peter Wensierski hat in DIE ZEIT vom 9. Februar im "Dossier" eine Summe seines Forschungen vorgestellt: "Das Leid der frühen Jahre".
Ich meine mich zu erinnern, dass Heinrich Kirschbaum mir hinter vorgehaltener Hand erzählte, Rosemarie Nitribit sei Insassin des Eschweiler Kinderheims gewesen, was man bloß nicht laut sagen dürfe: ein Beispiel misslungener Frömmigkeitserziehung.
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Geändert am 2. April 2006 um 01:54

Goethe: Die Metamorphose der Pflanzen - Analyse


Der Text des Aufsatzes steht jetzt http://logos.kulando.de, dort unter "Gedichte 19. Jahrhundert".

von: norberto42 in: Gedichte
Entry modified
Geändert am 26. Juni 2009 um 11:55