Goethe: Urworte. Orphisch - Interpretation

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Der Text der Interpretation steht jetzt unter http://logos.kulando.de,

dort unter "Gedichte 19. Jahrhundert". 

Roland Wagner am 16. Januar 2008 um 16:28
Selbstverwirklichung ist ohne Entwicklung nicht denkbar. Im Gegensatz zu Deiner Deutung nehme ich schon als "geprägte Form" etwas, im Sinne Goethes, was vorausbestimmt ist, insofern sind auch die Planeten, die von der Sonne begrüßt werden, etwas gesetzmäßig bestimmtes - dies sind eben die Grundlagen, aus denen die Entwicklung heraus gestaltet werden muß (insofern auch die Berechtigung von Astrologen, sich auf diese Betrachtung zu stützen). Die Entwicklung läuft nun eben im Kontext zwischen der gesetzmäßigen Ausstattung (Verweis: Vom Vater hab ich die Statur, von Mütterchen die Frohnatur)und der Auseinandersetzung mit der Welt und deren Gesetzmäßigkeiten. Dieses hat zunächst, gerade im Kindesalter, viel Spielerisches (Tändelei) und wird so, bis es auf das Andere in der Welt stößt, zur Kerze, die der Flamme harrt. Und hier ist Eros in einer viel weiteren Bedeutung, als nur im Bezug auf das Geschlechtliche, zu deuten, Eros steht hier, auch im Sinne Goethes, allgemein für die Entflammung der Begeisterung am Anderen, in einer erweiterten, das rein Spielerische überwindenen Geste (Sturm und Drang, Genie etc.). Die Abfolge der Verse und die Chronologie führen hier individuelles und allgemein Menschliches zusammen, Selbstverwirklichung benötigt Entwicklung, Entwicklung führt immer an Grenzen (hier mit einem deutlichen Anklang an den Begriff "Resignation" in der naturwissenschaftlichen Methodik Goethes; "so sind wir scheinfrei denn nach manchen Jahren ...") und im Zusammenstoß mit den eigenen Gesetzmäßigkeiten öffnet sich jetzt der Ausblick, diese Begrenzungen zu erweitern.
Was die Benutzung der Eingangsverse bei Astrologen angeht, halte ich dies nicht für ein Mißverständnis. Wenn man, wie Astrologen, davon ausgeht, daß eine Prägung durch die Zeitumstände der Geburt vorliegt, kann man die Eingangsverse durchaus auch auf diesen Zusammenhang deuten und stellt sich hier keineswegs in einen Widerspruch zu Goethes Implikationen.

   

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