G. Heym: Der Krieg - Aufbau

Kommentare: 0     Stars : 0

Das Gedicht ist nicht in 11 Strophen aufgebaut - das ist seine Form.
Beim Aufbau muss man andere Aspekte beachten; in diesem Gedicht sind es verschiedene Aspekte, die herangezogen werden können:
1. die Tageszeit, in der das berichtete Geschehen sich abspielt: Dämmerung (Str. 1) - Abend (Str. 2-4) - Nacht (ab Str. 5);
2. die Aktivitäten des Krieges, von denen berichtet wird: Er ist aufgestanden (Str. 1) - Das (oder das Zerdrücken des Mondes?) hat Folgen, die unter das Subjekt „es“ gefasst werden (Str. 2 f.) - Der Krieg beginnt zu handeln: zu tanzen (Str. 4), auszutreten (Str. 5), über der Mauer stehen (Str. 6), das Feuer jagen (Str. 7) usw.
3. die Farben und ihre Dominanz, nach der Schilderung des Sprechers: Schwarz mit Dämmerung, Dunkel, Nacht (Str. 1-7); Rot für das Feuer (Str. 7 ff.); Blau (Str. 6 - das ist aber gegenüber der Fassung in 10 Strophen keine Verbesserung, finde ich); Gelb (Str. 9 f.); Str. 11: Dunkel / Brand / Pech / Feuer, also Rot / Schwarz;
4. nach der Hitze des Geschehens: Frost und Eis /(Str. 2 f.); Feuer und Hitze (ab Str. 6); Kälte und Hitze zusammen (Str. 11);
5. nach dem Grad des Wissens der Menschen (bis Str. 3 - ab Str. 4);
6. nach dem Grad der Mächtigkeit des Krieges (so Saskia), die berichtet wird: Str. 1-3; Str. 4-9; Str. 10 f.).
   Es kommt darauf an, Aspekte des Sprechens oder des berichteten Geschehens zu finden, bei denen man eine Veränderung feststellen kann.
Hinweise auf die Selbstzerstörung des Menschen, die seit dem 19. Jh. bekannt ist:
1. Prüfe, inwiefern „die Romantik“ mit ihren utopischen Gegenentwürfen auf der Einsicht beruht, dass etwas kaputt gegangen ist.
2. Bei Martini (Die deutsche Lyrik, II, Bagel,  S. 425 ff.) gibt es eine Reihe von Hinweisen, welche ein Verständnis des Gedichts in einem größeren Kontext vorschlagen:
a) im Rahmen des von Nietzsche erkannten Nihilismus, den man aus der Parabel vom tollen Menschen („Gott ist tot.“) kennen sollte; zum tieferen Verständnis sollte man den Anfang von „Der Wille zur Macht“ kennen. Dass auch heute krampfhaft neue „Werte“ gesucht werden, obwohl man eigentlich weiß, dass sie nicht existieren, zeigen die Container in Köln, das verlogene und gedopte Heldentum der Tour, die Versuche des Star-search usw.
b) der Versuch, diese Leere und das Sein zum Tod (Heidegger) durch eigene Ent-schiedenheit zu überwinden: der italienische Futurismus; M. Heidegger in den 20-er Jahren; Carl Schmitt: Freund und Feind als die politischen Grundkategorien; der Nationalsozialismus (wie der italienische Faschismus) als Idee eines entschiedenen Lebens und Gehorchens: dem Führer folgen, sein Leben verschwenden...
   In diesen Kontexten kann „der Krieg“ als mythische Größe gelten, die mit allem „Vordergründigen“ aufräumt. Mythisch ist diese Größe, wenn der Krieg zwar von Men-schen gemacht wird, aber dem Willen und Eingreifen des Einzelnen entzogen ist und eine Eigendynamik entfaltet, wie wir sie aus der Geschichte (Globalisierung) oder aus den Institutionen kennen, die ja - von Menschen gemacht - ein Eigenleben führen. 

Eintrag kommentieren

Registrierte Nutzer können sich hier einloggen

Name:

E-Mail:

Homepage:


Kommentar eingeben:

   

Zurück zu den Einträgen