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Mittwoch, 1. März 2006
Theodor Storm: Im Herbste - Analyse
Dieses Gedicht Theodor Storms (u.a. http://www.oppisworld.de/natur/herbst47.html) ist von seinem politischen Gedicht „Im Herbste 1850“ zu unterscheiden. - In einer herbstlichen Situation, die nicht als angenehm empfunden wird („Es rauscht, die gelben Blätter fliegen“, V. 1 und dann V. 3 f.), stehen (oder gehen) der Sprecher und seine Frau zusammen - vielleicht stehen die beiden aber auch am Fenster und schauen hinaus, vielleicht spielt das Geschehen am Morgen (vgl. V. 9 f.); das unangenehme Wetter macht die Frau frösteln, sie schauert und kuschelt sich an ihren Mann (V. 3 f.). Der Mann ist der Sprecher, der seine Frau mit „du“ anspricht (V. 3 ff. beschreibend, V. 17 ff. fragend); vermutlich trägt er seine Gedanken in einem inneren Monolog vor - wozu sollte er seiner Frau auch mitteilen, was sie tut („Du legst die Hand an meine Stirne...“, V. 13 f.)?
Der Mann nimmt also zusammen mit seiner Frau, die sich an ihn drückt, das herbstliche Naturgeschehen wahr; dabei wird er gewahr, dass seine Frau älter geworden ist, dass also „auch“ sie (V. 8, später V. 17: er) herbstliche Züge trägt: „heimlich“ und scheinbar „im Vorübergehen“ ist sie bzw. ihr „geliebtes Haupt“ von der zerstörenden Herbst-Kraft berührt und verwandelt worden („Was nun von Halm zu Halme wandelt...“, V. 5 ff.). Darauf antwortet er mit einem „Doch“ (V. 9) - er scheint das Altern der Frau als eine Frage zu empfinden, ob mit der nicht näher beschriebenen Veränderung des Aussehens (V. 8) sich auch am Verhältnis der beiden etwas ändern könnte - das ist das Thema des Gedichts: Was ist mit der Liebe, wenn wir beide in den Herst des Lebens kommen? Mit der adversativen Partikel „doch“ leitet der Sprecher also seine Antwort ein; dem herbstlichen Naturgeschehen setzt er die Versicherung entgegen, dass „uns“ beiden der Sommer, also der Abschied des Sommers und damit auch der verwandelnde Herbst, das Naturgesetz des Vergehens und der Veränderung, nichts angeht (V. 11 f.). Schön ist die Bezeichnung der Spinnweben als „zarte Fäden“ (V. 9); mit dem Attribut „zart“ wird die Übertragung auf die zarten Bindungen der Liebe möglich - die einen Fäden reißen im Herbst, die anderen nicht.
Die zweite Hälfte des Gedichtes gleicht der ersten; sie wird durch eine Aktion der Frau eingeleitet („Du legst die Hand an meine Stirne...“, V. 13). Nun wird beschrieben, wie die Frau ihrerseits ihren Mann prüfend anschaut (d.h. wie der Sprecher wahrnimmt, dass sie ihn anschaut). Das Satzadjektiv „prüfend“ (V. 14) eröffnet die Frage, welche der Mann bedenkt (V. 17 ff.); ihr Blick wird von ihm als „gar zu melancholisch“ (V. 16) empfunden, ihr Blick in der Metapher „Licht“ in Parallele zum Licht des Herbstes (vgl. V. 2: falber Schein) gesetzt. Er weiß nicht, was sie denkt; er unterstellt ihre Frage, dass auch sie ihn als eine vom „Herbst“ verwandelte Figur sieht (V. 17 ff.), dass also der Zauber seiner Jugend (Duft, Schimmer - Attribute des Sommers, V. 17) verschwunden ist, von dem sie „einst“ (V. 18) als Mädchen so „gefangen“ war, dass sie ihre Mädchenfreiheit zugunsten der ehelichen Bindung aufgegeben hat (Kontrast: gefangen - frei). Wie also wird seine Frau darauf reagieren, dass sie ihn vermutlich als gealtert und verändert erkennt? Ihm bleibt nur eines: Er bittet sie, nicht ob seiner Herbstlichkeit zu schaudern (V. 21). Mit dieser Bitte greift er ihr Schaudern ob des herbstlichen Wetters auf (V. 3), vor dem sie bei ihm Zuflucht gesucht hat; und er greift seine Versicherung auf, dass die Herbst-Veränderungen der Frau die beiden nicht betreffen (V. 11 f.). Beides gibt ihm den Mut, seine Frau zu bitten: „O schaudre nicht!“ Also: Erschrick nicht über meine Veränderung (auch wenn du wegen des Herbstwetters schauerst, V. 3) - und dann wörtlich wiederholt die Versicherung, die er ihr gegeben hat: „Es ist der Sommer nur, der scheidet; Was geht denn uns der Sommer an!“ (V. 23 f.) Der Mann gesteht ein, dass tatsächlich bei ihm oder an ihm „der schönste Sonnenschein“ verrann (wieder die Lichtmetaphorik, vgl. Schein, V. 2; Licht, V. 16; Schimmer, V.17, als Index der Jahres- und Lebenszeit); doch wird mit dem adverbialen „unmerklich“ (V. 21, parallel „heimlich“, V. 7) die Bedeutung dieser Veränderung möglicherweise ein wenig heruntergespielt; doch verschwindet Wesentliches oft auch nur unmerklich.
Hier kann man sehen bzw. hören, wie die Semantik der Reime vom Sprecher genutzt wird, seine Bitte eindringlich vorzutragen: Der schönste Sonnenschein verrann / doch was geht uns der Sommer an (V. 22 / 24: sein „Dennoch!“). In jeder Strophe reimen sich der zweite und der vierte Vers als Paarreim, und zwar durchweg sinnvoll: Am Himmel steht ein falber Schein / Du drückst dich in deines Mannes Arm hinein (V. 2 / 4: Wetter / Reaktion der Frau); du schaust mir prüfend ins Gesicht / es zeigt sich „gar zu melancholisch Licht“ (V. 14 / 16: der skeptische Blick der Frau). Diese Sinn-Entsprechung kann man für alle Reimpaare zeigen. Durch die Reimform werden quasi pro Strophe zwei Langzeilen erzeugt, wird also das Sprechen tendenziell beschleunigt (vier Enjambements, V. 3, 7, 15, 19); aber weil im jambischen Takt der erste und dritte Vers jeder Strophe eine weibliche Kadenz aufweisen, wird dort wiederum das Tempo ein wenig gebremst - in dieser Spannung wird man das Gedicht eher ruhig sprechen, weil es ja eine Reflexion darstellt. In V. 1, 18 und 21 wird auch innerhalb des Verses wegen des Satzbaus noch einmal innegehalten.
Betonen wird man die Wörter, welche das herbstliche Geschehen (rauscht, V. 1; falber Schein, V. 2) und die körperliche Reaktion darauf (schauerst, V. 3) bezeichnen; weiter geht es um die Antwort, die das Paar auf seine herbstlichen Veränderungen (heimlich, V. 7, dein, V. 8; Sommer, V. 11; hier, V. 21; schönste, V. 22) geben will oder soll (uns, Sommer, V. 12; schaudre nicht, V. 21; uns, Sommer, V. 24). Die rhetorische Frage („Was geht denn uns der Sommer an?“) als Ausruf lässt nur die eine Antwort zu: „Nichts geht er uns an.“ Wir stehen in unserer Verbundenheit über den Gesetzen der alles verändernden Zeit.
Das Gedicht ist eine Momentaufnahme zu Beginn des Alterns, wo unmerklich eingetretene Veränderungen (V. 7, 21) erstmals wahrgenommen werden. Dem begegnet der Sprecher in einem inneren Monolog mit der Versicherung und der Bitte, dass die Liebe davon nicht berührt werde.

Geändert am 1. März 2006 um 06:07
K. Tucholsky: Augen in der Großstadt - Analyse, Rhythmus
Was muss der Analytiker sehen? Er muss sehen, dass hier jemand (wer?) zu einem „du“ spricht, und muss sich deshalb bemühen, das Verhältnis des Sprechers zum Du zu klären. Zweitens muss er sehen, dass die drei Strophen von der Struktur (Aufbau) her ähnlich sind, aber nicht gleich; er muss also die Ähnlichkeit und die Differenz erfassen und wird dann m.E. einen Fortschritt feststellen: Zweimal wird auf die Frage „Was war das?“ geantwortet, dass jemand das persönliche Liebes- oder Lebensglück erwartet; beim dritten Mal antwortet der Sprecher selber belehrend: „von der großen Menschheit ein Stück“, womit er die Privatsphäre als den Bereich des wahren Lebens hinter sich lässt und den Raum des Politischen betritt oder eröffnet: Dort sind die Menschen der Großstadt beheimatet, auch wenn deren einzelne Exemplare (Stücke) vorüber- und vergehen.
Die Gestalt des Gedichtes wird unterschiedlich dargestellt; ich bin dem nicht nachgegangen, sondern gestehe, dass ich folgende Form bevorzuge:
Kurt Tucholsky
Augen in der Großstadt(V. 37 wird meist auf zwei Verse verteilt, was mir als nicht richtig erscheint.)
Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
dann zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
10 die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang,
die dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
20 nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...
vorbei, verweht, nie wieder.
Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
30 es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Es sieht hinüber
und zieht vorüber...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.
Die Überschrift „Augen in der Großstadt“ ist zunächst kaum zu verstehen, da Augen nie allein auftreten; es wird aber bald klar, dass die Augen der Teil des Menschen sind, in dem sich die Seele spiegelt und mit dem wir Kontakt zu anderen aufnehmen können, ohne sie zu sprechen oder zu berühren. Das Gedicht (Chanson?) gilt also der Frage, was die kurzen Augen-Kontakte mit Fremden zu bedeuten haben, die in der Großstadt sich ereignen.
Der Sprecher ist ein namenloser Mensch, der nicht als ein Ich hervortritt und anfänglich Erfahrungen beschreibt, die man in der Großstadt macht; erst zum Schluss (dritte Strophe) tritt er sehr bestimmt auf und erklärt seinen Hörern, was die Kontakte in Wahrheit bedeuten. Die Hörer werden mit „du“ angesprochen, treten aber auch nicht deutlich hervor; dieses Pronomen bezeichnet vermutlich ein allgemeines Du, etwa im Sinn von „man“, könnte aber auch den Sprecher selber bezeichnen, der zu sich spräche, sich Rechenschaft gäbe und schließlich zur Einsicht käme.
Die Haupterfahrung, die man in der Großstadt macht, ist die, dass einem, leicht übertrieben gesagt, „Millionen Gesichter“ begegnen (V. 8); dies wird vom Sprecher als eine Erfahrung dargestellt, die man eigentlich immer macht. Er zählt beispielhaft zwei Situation auf, wann man sie macht: wenn man zur Arbeit geht und wenn man am Bahnhof steht (V. 1 und V. 3). Die vielen Menschen, die über den Bahnhof die Stadt betreten oder verlassen, machen diesen bzw. die ganze Stadt zum „Menschentrichter“ (V. 7); mit dieser Metapher werden die einzelnen Menschen entwertet, sie gleichen dem Wasser oder der Milch, die man in einen Trichter schüttet, sie werden in Massen zum Ziel befördert. Das neue Adjektiv „asphaltglatt“ ist grammatisch nicht eindeutig bestimmt; ich lese es als Attribut zu „Stadt“, welches die Großstadt in ihrer Trichterfunktion als „glatt“, also gut funktionierend, zeigt; der Asphalt trägt dazu bei, indem er die Hindernisse von Feldwegen und Schlaglöcher beseitigt. Vielleicht erscheint mit diesem Adjektiv auch das Grau oder Schwarz des Asphalts, was die Stadt als bedrückend bezeichnete.
Diese Stadterfahrung drängt sich, so beschreibt es der Sprecher in den einleitenden Konditionalsätzen („wenn...“), dem zuhörenden Du auf; das Du ist nämlich dieser Erfahrung ausgeliefert, wenn es zu seiner eigenen Arbeit fährt und mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt ist, also gar nicht an anderen interessiert ist: Die Stadt wird personifiziert, sie „zeigt“ einem die Gesichter (V. 5); diese begegnen einem millionenfach, aber nicht als Menschen, sondern nur in der Schrumpfform der „Gesichter“ (V. 8); sie sind das an den Vorüberhastenden auffallende Merkmal.
Der zweite Teil der ersten Strophe, wo beschrieben wird, wie man die Menschen erfährt, ist eingerückt; damit wird der erste Teil, in dem in allen drei Strophen vom Gehen des Du gesprochen wird, abgesetzt. Den ersten Teil trägt der Sprecher etwas schneller vor; die Sätze umfassen dort jeweils zwei Verse. Der Tempowechsel wird zudem vom Wechsel der Reimform (vom Kreuz- zum Paarreim) unterstützt. Der dritte Teil, wiederum vier Verse, ist wieder linksbündig gesetzt, hebt sich jedoch vom bisher Gesagten ab: Es wird eine einzelne kurze Erfahrung beschrieben, der kurze Augen-Blick eines Fremden (V. 9).
Dieser neue Ansatz kommt sogleich im Zahlwort „zwei“ (V. 9), das in Spannung zu den unmittelbar vorher genannten „Millionen“ steht (V. 8), zum Ausdruck; in einem dieser Millionen Gesichter fallen - wem, das wird nicht gesagt: Es klingt wie eine absolute Erfahrung, die jeder machen kann oder gemacht hat - einem die Braue, Pupille, die Lider auf (V. 10); das fremde Auge, der fremde Mensch wird also sehr genau, intensiv betrachtet. Und nun hält der Sprecher inne, aber eigentlich nicht im Sprechen, sondern im Betrachten des Auges; es liegt also eine Art personales Beschreiben vor, wenn man das in Analogie zum personalen Erzählen sagen darf. Der Gedankenstrich (V. 10) signalisiert das Innehalten, signalisiert in einem den Versuch, mit der Frage „Was war das?“ die Bedeutung des kurzen, nun beendeten Augen-Blicks zu erfassen. Wie wichtig diese Frage ist, zeigt die Betonung aller drei Worte, die sonst in dem meist gleichmäßigen jambischen Sprechen nicht vorkommt. Die Antwort des Sprechenden - er ist wahrscheinlich nicht mit dem Sprecher des Gedichts identisch; denn dieser weiß in der dritten Strophe die richtige Antwort! - klingt unsicher („vielleicht“) und doch hoffnungsvoll: „dein Lebensglück“ (V. 11). Die folgenden drei Punkte scheinen die Phantasien anzudeuten, die man an solchen Augen-Blicken festmacht: Phantasien von Zuneigung und Zärtlichkeit, befreit von den Pflichten des täglichen Lebens. Das sprechende Ich scheint sich dann dessen bewusst zu werden, dass der Augen-Blick im Augenblick auch bereits vergangen ist; das Präteritum „war“ (V. 11) zeigt den Augenblick schon als vergangen, aber als solchen noch nicht begriffen. Die drei subjektlosen Wendungen (V. 12), davon die beiden ersten stabreimend, klingen enttäuscht, vor allem die letzte („nie wieder“), welche dem unausgesprochenen Wunsch „Wäre doch...“ oder „Bliebe doch...“ entspricht.
[In der 2. Strophe verdienen Beachtung:
- die Ausweitung „dein Leben lang“,
- die Abwertung „die dich vergaßen“,
- die metaphorische Erläuterung der Erfahrung („die Seele klingt“),
- das Perfekt „du hast's gefunden“,
- die Paradoxie: Lebensglück - für Sekunden,
- die Wiederholung „Zwei...“ (erneute Erfahrung?),
- die Wiederholung der Frage „Was war das?“,
- die resignierende Antwort „kein Mensch...“]
Danach ändert der Sprecher seinen Ton: Er beschreibt nicht mehr allgemeine Erfahrungen, sondern erklärt die Notwendigkeit dieses Lebensweges in der Stadt: „Du musst... wandern“ und siehst „den fremden Andern“ (V. 25 ff.). Von diesem fremden Andern, den man ohnehin nur „einen Pulsschlag lang“ (V. 27) sieht, wird nun jedoch in anderen Kategorien gesprochen; der Blick des belehrenden Sprechers ist ein politischer, zeigt den anderen als jemand, der im Klassenkampf verschiedene Positionen einnehmen kann (V. 29 ff.). Der Gegensatz „Freund-Feind“ wird durch die beste, die als dritte genannte Möglichkeit überboten: Er kann Genosse sein. Das ist für den politisch Denkenden mehr als Freund, mehr als Träger oder Bedingung des privaten Lebensglücks. Diese unbestimmte Größe („es“, V. 33), der Besitzer der fremden Augen, die Person des vorher beglückenden Augen-Blicks, wird ganz leidenschaftslos als sozusagen notwendig vorüberziehend beschrieben - zwei zusätzliche Verse, die das gleichmäßige Strophenbild scheinbar stören.
Der erneuten Frage, was dieser Augen-Blick zu bedeuten hat, wird nun die richtige, wahre Antwort zuteil: „Von der großen Menschheit ein Stück!“ Das Rufzeichen unterstreicht, wie ernst es dem Sprecher mit dieser Einsicht ist; denn nur so kann die private Hoffnung aufs Lebensglück zurückgewiesen, der Vorrang der Genossenschaft vor allem Schmuseglück behauptet werden. Größer als das Liebespaar ist die große Menschheit (V. 37), die sich im Kampf der Genossen befreit und die Gemeinschaft der Gleichen gründet. Das einzelne „Stück“ tritt darin zurück, ohne dass dies in den Augen des sprechers ein Verlust wäre.
Wenn man den Rhythmus des Gedichtes untersucht, findet man eine eigenwillige Mischung von zügigem und langsamem Sprechen: Der vorherrschende Jambus erlaubt ein schnelles Sprechen, ebenso der Satzbau (z.B. geht der erste Nebensatz über vier Verse, mit einem Einschnitt nach dem zweiten Vers; der Hauptsatz geht wieder über vier Verse), aber auch ein langsames Sprechen, was von Pausen eingefordert wird (die drei elliptischen Sätze in V. 9 f., jeder in sich abgeschlossen, also mit Pause zu sprechen; analog V. 11 f. - dazu als Zeichen der Gedankenstrich V. 10 und die ... in V. 11). Die Kreuzreime erlauben ein schnelles, die Paarreime erfordern ein langsameres Sprechen. Ab V. 8 wird der Jambus gestört und das Tempo vom Metrum beschleunigt - wie, das ist eine schwierige Frage, während es vom Satzbau gebremst wird. Betont sind zunächst die Wörter der Stadt-Erfahrung (Arbeit, Morgen, Bahnhof, Sorgen usw.), dann die der Augen-Erfahrung (bitte selber im Sprechen suchen!), danach (außer „Lebensglück“) die Wörter des Vergehens (war, vielleicht, vorbei usw.). - Den Wechsel von Tempo und Ruhe im Sprechen wird man zum Tempo des Großstadtlebens und zum Innehalten der fragenden Vergewisserung in Beziehung setzen, ebenso die betonten Wörter zum beschriebenen oder bedachten Geschehen; denn die Untersuchung des Rhythmus ist kein Zweck an sich, sondern sollte dem Verständnis des Gedichtes dienen.

Geändert am 2. März 2006 um 08:31
Montag, 27. Februar 2006
L. Uhland: Einkehr - Analyse der Bilder(sprache)
Das Gedicht ist ganz einfach aufgebaut. Zunächst nennt der Erzähler das Thema (V. 1 f.); dann erzählt er chronologisch seine Erlebnisse in der „Wirtschaft“ des Apfelbaums. Den Schluss bildet ein Segenswunsch (V. 19 f.), der dem großzügigen Wirt gilt.
Die Wirtschaft und ihre Einrichtung, der Wirt und sein Handeln, die Gäste und ihre Erlebnisse, das sind die drei Bereiche, die man gesondert untersuchen kann. Der Erzähler beginnt also seinen Bericht damit, dass er den Wirt und das Aushängeschild seiner Wirtschaft erwähnt, die demgemäß „Zum goldenen Apfel“ heißen muss. Gleich danach wird der Wirt als „der gute Apfelbaum“ identifiziert, womit endgültig die Differenz von Bild- und Sachebene konstituiert ist. Diese Identifizierung ist in V. 3 f. vorbereitet worden; denn dass der goldene Apfel, das Wahrzeichen dieser Wirtschaft, „an einem langen Aste“ (V. 4) statt an einer soliden Stange hängt, verwundert den Leser möglicherweise ein wenig. Das Bett des grünen Hauses (Metapher für den Baum) für die Ruhe nach dem Essen wird nicht eigens genannt, aber in der parallel geführten Bildebene werden die „weichen, grünen Matten“ (V. 14) problemlos als Bett verstanden.
Der Wirt präsentiert die saftigen Apfel metaphorisch als Speis und Trank (V. 7 f.), deckt (personifiziert) den Gast mit seinem Schatten zu (V. 15 f.) und verzichtet darauf, eine Rechnung auszustellen (V. 17 f.). Der Apfelbaum ist also durchgehend als Wirt
personifiziert. Neben dem Ich-Erzähler treten noch andere „leichtbeschwingte Gäste“ auf, wie die Vögel in einem kleinen Wortspiel personifiziert werden; auch sie schmausen und singen in ihrer Freude.
Neben der Freigebigkeit des Wirtes, neben dem ausgezeichneten Service (4. Strophe) fallen die Qualität des Essens (V. 7 f.) sowie die ausgelassene Stimmung in der Wirtschaft (3. Strophe) auf. Die Natur übertrifft das menschliche Wirtschaften in allen Belangen - der Segenswunsch als Dank ist die angemesse Antwort.
Eine der Adressen, wo der Text des Gedichtes zu finden ist: http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/uhl_l05.html

Geändert am 28. Februar 2006 um 06:34
Mittwoch, 22. Februar 2006
B. Schlink: Der Vorleser - Links, Linksammlung -> Im Internet suchen
Ein erster Blick ins Netz, unter der Vorgabe "Schlink: Der Vorleser" +Analyse,
erbrachte Folgendes:
http://pauker.at/deutsch/Diplomarbeiten/Bernhard+Schlink.html http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_pqrs/schlink.html (eine tolle Übersicht!) http://san-pc.hrz.uni-siegen.de/schulen/sge004s/LinksMaterialienProdukte/D/Epische%20Texte/der_vorleser/b__schlink_der_vorleser.htm http://www.uni-wuerzburg.de/sopaed1/breitenbach/neuropsycho/vorleser.htm http://www.bpb.de/methodik/6EXSNJ,0,0,Materialien_f%FCr_den_Unterricht.html (Aufsatz Schlinks) http://www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/epik/der_vorleser/ (für Lehrer in BW)
http://www.olfen.de/gesamtschule/unterricht/dlk-12-kaea-2003/index.html (aus der Schule, wie der nächste:) http://www.schulen.rosenheim.de/finsterwaldergym/fachbereiche/deutsch/referat_schlinkvorleser.htm
Die Änderung '+Analysen' ergibt bei manchen Suchmaschinen etwas - inzwischen gibt es unter diesem Stichwort meine Analysen (vom 12.03. 2006 datiert, hier bei "Novellen, Romane). Wenn man '+Interpretation' eingibt, kommt aber noch ein bisschen dazu:
http://tb02b.abitur-werne.de/schlink.html
http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/schl/vorl/schl_vorl_0.html
http://www.thgaier.de/deutsch.htm#schlink (Links, u.a. zu Schlink)
http://www.logos.kulando.de (dort unter "Romane")
http://www.lwl.org/literaturkommission/alex/index.php?id=00000003&layout=2&author_id=00001586&SID=7ebcd4c946585cb28b336e86a5cc6ee6
(Lexikonartikel über Schlink)
Aber auch die fu-Linksammlung taucht wieder auf... (21. Februar 2006)
Sie taucht ebenfalls auf, wenn man "Schlink: Der Vorleser" '+Links' eingibt:
http://gfb.freepage.de/HBonline/schlink/schlink_first.htm
http://www.christoph-schmidt.de/vorleser/
Noch drei weitere Adressen habe ich gefunden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser (noch fragmentarisch)
http://s00.middlebury.edu/GN480A/dervorleser.htm (interaktiv)
http://www.zeit.de/2004/14/st-welzer?page=all (Gespräch mit H. Welzer über privates Erinnern, aufschlussreich, mit Literaturangaben - kann auch als pdf-Datei geladen werden); hier ist das Stichwort "Erinnerungsliteratur" wichtig. - 28. Februar
Eine ganz neue Kombination stellen die Stichwörter 'Holocaustliteratur +(Der Vorleser)' dar, mit teilweise hervorragenden Ergebnissen, u.a. die Linksammlung (als .doc) www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/epik/der_vorleser/material/links.doc.
So, jetzt reicht es allmählich, sonst verzweifelt ihr noch. Ich habe natürlich noch viel mehr gefunden...
"Martin Huber: Poesie und Wissen" ist ein schöner Vortrag, als pdf-Datei.
Peter Reichel ist ein Politologe, dessen exzellenten Aufsatz über Auschwitz als deutschen Erinnerungsort (Auschwitz. In: Deutsche Erinnerungsorte. Eine Auswahl. Hrsg. von Etienne Francoise und Hagen Schulze. C.H. Beck: München 2005, S. 309-331) ich eher zufällig kenne; wenn man also unter "Peter Reichel" nachschaut, eventuell +(Der Vorleser) oder +(Bernhard Schlink) [in der google-Sprache], findet man eine Menge interessanter Beiträge, u.a.
http://www.heute.de/ZDFheute/drucken/1,3733,2296105,00.html
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?pn=rezensionen&type=rezbuecher&id=2929
http://de.wikipedia.org/wiki/Gedenken_und_Erinnerung_an_die_Opfer_des_Nationalsozialismus
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3994758_REF1_NAV,00.html
http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/373/
http://www.geocities.com/Athens/Olympus/5599/literature/vorleser.html
http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/1468-0483.00218
http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?url=353056.htm
So, und jetzt noch eine allerletzte Adresse mit Links zu vielen Gebieten des Fachs Deutsch: http://www.katz-heidelberg.de/Literatur-Links/liteatur-lrinks.html
2. März 2006
Ich habe diesen Text für die Veröffentlichung auf der homepage des FMG überarbeitet; ich könnte hier die alte durch die neue Version ersetzen, will euch aber am Beispiel einmal demonstrieren, was es heißt, einen Text zu überarbeiten. In meinem Fall heißt das: Noch einmal überlegen, was ich eigentlich darstellen wollte, und dies sowohl begrifflich geklärt als auch systematisch geordnet festhalten, teilweise auch den Text erweitern:
Im Internet suchen
Am Beispiel des Romans Bernhard Schlink: Der Vorleser, möchte ich vorführen, wie man im Internet etwas sucht. Diesen Roman habe ich ausgewählt, weil er für das erste Zentralabitur 2007 in NRW zum Pflichtprogramm Deutsch gehört und ich ihn mit meinem 12er-Kurs lese.
1. Die erste Überlegung besteht darin, wie man passende Stichwörter findet. Wenn man nämlich nur „Schlink: Der Vorleser“ bei google eingibt, bekommt man 21.200 Links vorgesetzt (2. März 2006) - das ist selbst für eifrige Schüler etwas zu viel Material. Die sinnvolle Eingrenzung besteht bei literarischen Themen (in der google-Sprache) darin, dass man '+Analyse' eingibt.
Ein erster Blick ins Netz, unter der Vorgabe „Schlink: Der Vorleser“ +Analyse, erbrachte Folgendes:
http://pauker.at/deutsch/Diplomarbeiten/Bernhard+Schlink.html
http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_pqrs/schlink.html (eine tolle Übersicht!)
http://san-pc.hrz.uni-siegen.de/schulen/sge004s/LinksMaterialienProdukte/D/Epische%20Texte/der_vorleser/b__schlink_der_vorleser.htm
http://www.uni-wuerzburg.de/sopaed1/breitenbach/neuropsycho/vorleser.htm
http://www.bpb.de/methodik/6EXSNJ,0,0,Materialien_f%FCr_den_Unterricht.html (ein Aufsatz Schlinks)
http://www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/epik/der_vorleser/ (für Lehrer in BW)
http://www.olfen.de/gesamtschule/unterricht/dlk-12-kaea-2003/index.html (aus der Schule, wie der nächste:) http://www.schulen.rosenheim.de/finsterwaldergym/fachbereiche/deutsch/referat_schlinkvorleser.htm
2. Manchmal macht es einen großen Unterschied, ob man '+Analyse' oder die Pluralform '+Analysen' eingibt. Die Änderung '+Analysen' ergibt für Schlink bei manchen Suchmaschinen etwas - inzwischen gibt es unter diesem Stichwort meine Analysen (vom 12.03. 2006 datiert, in diesem blog unter "Novellen, Romane). [Es macht übrigens auch einen Unterschied, ob man eine Phrase mit oder ohne Anführungszeichen eingibt - und bei welcher Maschien man das tut! google und die Metasucher ixquick, vivisimo und search... reagieren auf die Anführungszeichen, indem sie diese Phrasen wörtlich suchen (search... verarbeitet übrigens nur Nomen, keine Präpositionen! Am Rande: Apollo7 kann nur zwei Suchbegriffe verarbeiten!); yahoo und die Metasucher metacrawler und dogpile mögen keine Anführungszeichen und lesen, wenn man welche macht, doppelte Anführungszeichen: Man findet praktisch nichts mehr. Fazit: Die Syntax der Maschinen muss man genau beachten!] - Wenn man dagegen zum Titel '+Interpretation' (statt '+Analyse') eingibt, kommen noch Links dazu:
http://tb02b.abitur-werne.de/schlink.html
http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/schl/vorl/schl_vorl_0.html
http://www.thgaier.de/deutsch.htm#schlink (Links, u.a. zu Schlink)
http://www.logos.kulando.de (dort unter "Romane")
http://www.lwl.org/literaturkommission/alex/index.php?id=00000003&layout=2&author_id=00001586&SID=7ebcd4c946585cb28b336e86a5cc6ee6 (Lexikonartikel über Schlink).
Wir sind hier bei den allgemeinen analytischen Begriffen als Zusatz-Suchwörtern. Dahin gehören zum Beispiel auch „Struktur“, „Aufbau“ oder „Übersicht“; speziellere wären „Erzähler“ oder „Zeitstruktur“ (simpler: Chronologie).
3. Eine neue Idee ist es, einfach „Schlink: Der Vorleser“ '+Links' (oder '+Linksammlung') einzugeben. Dann stößt man wieder auf die hervorragende Sammlung der Universitätsbibliothek der FU Berlin, aber auch auf weitere Links:
http://gfb.freepage.de/HBonline/schlink/schlink_first.htm
http://www.christoph-schmidt.de/vorleser/
4. Neben den analytischen kann man die thematisch relevanten Begriffe für die Suche nutzen. Eine solche Kombination stellt das Stichwort „Holocaustliteratur“ +(Der Vorleser) dar, mit hervorragenden Ergebnissen, u.a. die Linksammlung (als .doc herunterzuladen) www.lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/epik/der_vorleser/material/links.doc.
„Martin Huber: Poesie und Wissen" ist ein schöner Vortrag, als pdf-Datei.
Man könnte auch noch die Stichworte '+Liebe', '+Schuld', '+Erinnerung', '+(Aufarbeitung der Vergangenheit)' oder '+(Bewältigung der Vergangenheit)' in der Kombination mit dem Titel versuchen. Die Suche unter '+Inhalt' scheidet aus - wer den Inhalt nicht kennt, kann hier nicht mitreden.
5. Noch drei weitere Adressen habe ich (bloß wo?) gefunden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser (noch fragmentarisch)
http://s00.middlebury.edu/GN480A/dervorleser.htm (interaktiv)
http://www.zeit.de/2004/14/st-welzer?page=all (Gespräch mit H. Welzer über privates Erinnern, aufschlussreich); hier ist das Stichwort „Erinnerungsliteratur“ wichtig; das ist so etwas wie ein Gattungsbegriff - das Gleiche gilt für "Holocaustliteratur", einem für die Suche ebenfalls ergiebigen Begriff, der in vielen Vorlesungsverzeichnissen der Unis auftaucht; auch "Vergangenheitsbewältigung" ist gut! - An der Stelle sei auch die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung genannt (www.bpb.de), wo man in der Suchmaske die politischen Begriffe (Konzentrationslager, holocaust) zur Beschaffung von Sachinformationen eingeben kann.
6. Peter Reichel ist ein Politologe, dessen exzellenten Aufsatz über Auschwitz als deutschen Erinnerungsort (Auschwitz. In: Deutsche Erinnerungsorte. Eine Auswahl. Hrsg. von Etienne Francoise und Hagen Schulze. C.H. Beck: München 2005, S. 309-331) ich eher zufällig kenne; wenn man unter „Peter Reichel“ nachschaut, eventuell +(Der Vorleser) oder +(Bernhard Schlink) [in der google-Sprache], findet man eine Menge interessanter Beiträge, u.a.
http://www.heute.de/ZDFheute/drucken/1,3733,2296105,00.html
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?pn=rezensionen&type=rezbuecher&id=2929
http://de.wikipedia.org/wiki/Gedenken_und_Erinnerung_an_die_Opfer_des_Nationalsozialismus
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3994758_REF1_NAV,00.html
http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/373/
http://www.geocities.com/Athens/Olympus/5599/literature/vorleser.html
http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/1468-0483.00218
http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?url=353056.htm
7. Nun seid ihr eigentlich so weit, dass ihr unsere bisherigen Ergebnisse methodisch nutzen könnt: Wie frage ich am besten, um schnell zu vielen guten Ergebnissen zu kommen? Auch zu dieser Frage gibt es gute Einführungen, in deren Studium man ruhig eine Stunde Zeit stecken sollte: Auf der Startseite von google findest du den Link „Alles über google“; wenn du den anklickst, kommst du u.a. auf „Unsere Suche“; dort mindestens „Suchhilfe“ durcharbeiten. Noch wichtiger ist www.suchfibel.de; dort den zweiten Link „Die Kunst des Suchens“ anklicken und durcharbeiten! - Vielleicht lohnt es auch, mal bei http://web-fuehrerschein.web.de/ueberblick.htm reinzuschauen.
Wenn du „Internet Recherche“ in der Suchmaschine eingibst, findest du viele Helfer, zum Beispiel http://www.werle.com/intagent/index.htm, wo du den Pfeil rechts oben anklickst und dann weitersiehst...
8. Jetzt könnt ihr so viel, dass ihr die höheren Weihen des Internets bekommen könnt: Metasuchmaschinen sind Maschinen, welche die Suchergebnisse von Suchmaschinen auswerten; das ist hilfreich, weil google längst nicht alles weiß! Schaut unter „Metasuchmaschine“ oder „Meta-Suchmaschine“ nach und arbeitet dann verschiedene Maschinen und ihre Techniken durch!
Ich suche zur Zeit mit MetaGer, ixquick und vivisimo, bin aber erst dabei, meine Metasuchmaschinen-Kenntnis auszubauen. Meine Neuentdeckungen in diesem Zusammenhang sind die Maschinen www.metacrawler.de,
http://www.dogpile.com/ und http://www.search.com/search?channel=1 (Anfängern wird http://www.nettz.de empfohlen). Meine neueste Entdeckung: www.lexiquo.net.
9. Ich kann euch nur in die Suche für das Fach Deutsch einführen; für andere Fächer gibt es andere Strategien. - Das „normale“ Suchen bei klassischer Literatur habe ich http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/04/literatursuche_zb_zu_emilia_galotti an Lessing: Emilia Galotti, demonstriert.
So, und jetzt noch eine allerletzte Adresse mit vielen Links fürs Fach Deutsch: http://www.katz-heidelberg.de/Literatur-Links/liteatur-lrinks.html.
10. Es geht mir darum, dass ihr meine Beispiele als Muster nehmt, wie ihr selber etwas finden könnt: Ihr sollt vom Lehrer unabhängig werden! Oder wie Brecht, vorsichtig ergänzt, sagt: Lerne zuerst das Einfache, danach das Komplizierte. Und prüfe alles selber nach: Du musst die Führung übernehmen.
(19. März 2006 - wir sind hier weiter als auf der homepage FMG: Wen wundert das?)
Für Menschen, die am Vorgang der Überarbeitung interessiert sind: Die überarbeitete Fassung ist noch einmal mit der Redakteurin Gabi Netz von mir überarbeitet worden, und zwar im Hinblick auf ein bestimmtes Publikum und ein bestimmtes Medium:
http://www.lehrer-online.de/url/literarische-webrecherchen
Ich möchte auf weitere Aufsätze in diesem blog hinweisen:
Schlink: Der Vorleser - Analysen
"Aufarbeitung der Vergangenheit" in Schlinks "Der Vorleser"
Exkurs über Hannas Weltvergessenheit
Das Motiv "Odyssee" in Schlink: Der Vorleser
Die Klausur zum Motiv "Hanna verraten"
Analyse und Erörterung von Jeremy Adler: Die Kunst, Mitleid mit den Mördern zu erzwingen
21. Mai 2006

Geändert am 17. März 2007 um 01:11
Mittwoch, 8. Februar 2006
Hartmut Rosa: Beschleunigung (stw 1760)
Wenn man Thomas Assheuer glauben darf, der Hartmut Rosas
Buch "Beschleunigung" (2005, stw 1760) in DIE ZEIT vom 26. Januar
besprochen hat, liegt hier endlich die große Zeittheorie vor (gewaltig,
monumental und erschöpfend sei der Anspruch dieser soziologischen
Theorie). Als Leser wird man jedoch an manches erinnert, was man
bereits kennt:
Dass Beschleunigung unsere Welt im Innersten zusammenhält, wissen wir von Paul Virilio;
dass wir nicht im Licht zeitstabiler Werte entscheiden, hat Niklas Luhmann
längst gezeigt: dass nämlich in der Politik nicht über Werte
entschieden wird, sondern nur über die Reihenfolge, in der den
unterschiedlichen Werten Rechnung getragen wird;
dass die vermehrte Güterproduktion mit einer Verknappung der Zeit einhergeht, konnte man bereits 1971 bei Staffan B. Linder nachlesen (und in einem großen Essay Nikolaus Pipers vor vielleicht 15 Jahren in der ZEIT);
und dass der Tod des Einzelnen anscheinend Menschen zwingt, das Leben
intensiv auszukosten (carpe diem), ist auch keine originelle Einsicht -
Hans Blumenberg
hat von der Zeitschere gesprochen, die zwischen der Lebensdauer des
Einzelnen und der größer gewordenen Weltzeit (genauer: deren Größe in
unserem Wissen immer mehr gewachsen ist) immer stärker
auseinanderklafft. Diese Zeitschere geht außerdem mit dem Verlust des
Gottesglaubens parallel; denn wenn ich glauben kann, dass Gott mich
selber gemeint hat, macht es nichts aus, ob die Welt sechstausend oder
sechshunderttausend Jahre alt ist; aber wenn ich ohne Gott in einem
Milliarden jahre alten Universum kurzzeitig herumirre (vielleicht sogar
nur in einem von vielen Universen - obwohl das ein Widerspruch in sich
ist), dann muss ich mein Quäntchen Zeit exzessiv nutzen.
Wenn ich ehrlich bin, kann ich aus Assheuers Besprechung nicht den großen Neuheitswert von Rosas Buch ("eine soziologische Gesamtsicht, die systematische Einbettung von Zeit und Beschleunigung in eine Theorie der Moderne") erkennen; denn dass ein neuer Sozialcharakter entstanden sei, "der Spieler oder Drifter", der sich alle Optionen offen hält und Bindungen scheute, ist fragwürdig; neu ist das Wort "Drifter", aber der Spieler ist als Typus in der Literatur schon lange bekannt - man kann es in Elisabeth Frenzels Buch "Motive der Weltliteratur" nachlesen. Freilich halten heute weder Ehen (und eheähnliche Verhältnisse) noch Berufe lebenslang - aber ob man das mit dem Typus Drifter hinreichend erklären kann, bezweifle ich; Berufstätigkeit der Frauen und soziale Sicherungssysteme erklären mehr als ein vermeintlich neuer Typus.

Geändert am 8. Februar 2006 um 05:54
Kains Memoiren
„So darf man im großen und ganzen wohl behaupten, daß reiche Menschen besser sind als arme - aus dem einfachen Grunde, weil niemand jemals auf die Idee gekommen wäre, überhaupt von besseren oder schlechteren Menschen zu sprechen, wenn er nicht Zeit hätte, über diese Frage nachzudenken, und zu diesem Zweck Worte wie ‚gut‘, ‚besser‘ und ‚würdiger‘ erfunden hätte - was zweifelsohne dazu beigetragen hat, eine bessere Ordnung und menschenwürdigere Daseinsverhältnisse zu schaffen. Im Zusammenhang mit solchen wichtigen Fragen über bessere und schlechtere Menschen - weil es einen gewissen Überschuß an Zeit und Vornehmheit erforderte, überhaupt auf das Wort ‚schlechter‘ und alle seine Synonyma zu kommen und gar Gelegenheit zu finden, sie auf Freunde, Bekannte und Fremde anzuwenden.“ [Statt „Worte“ müsste es m.E. „Wörter“ heißen; die Form „erfordere“ habe ich durch „erforderte“ ersetzt. N.T.]
Wenn man die alte Kirchengeschichte ein bisschen kennt, wird man von den Namen der Völkerschaften und Gruppierungen nicht verwirrt, - aber ein bisschen Verwirrung schadet nichts, weil das Buch einen in die richtige Richtung zur großen Gnosis weisen kann.
In meinem Exemplar von 1970 habe ich viel mit Kugelschreiber angestrichen - eine üble Gewohnheit damals, die ich inzwischen abgelegt habe; die Anstreichungen mögen für meine nicht existierenden Biografen von Wert sein. Aber ich besitze ein weiteres Exemplar, noch ganz sauber, und vielleicht, vielleicht verschenke ich es einmal; ich weiß nur noch nicht, wem.
An den Grenzen der Worte
Vieles kann man nicht sagen, auch wenn man darüber sprechen muss. Die Lehrerin, Frau Minifred, sagt einiges über die Macht der Worte. Sie hat auch die Sätze gefunden, die vom Buch bleiben: „Das Leben ist keine gerade Linie. Und manchmal kreiseln wir zurück in die Vergangenheit. Aber wir sind dann nicht mehr dieselben. Wir haben uns für immer verändert.“ Dankbar erwähnt seien auch die schönen schlichten Illustrationen von Quint Buchholz. - Das Buch wird hier als Kinderbuch verkauft; ich weiß aber nicht, wie Kinder es verstehen - ich scheue mich, es in der Schule zu lesen. Ist es nicht eher ein Buch für Erwachsene, für Eltern, die nicht verstanden haben, dass ihr Kind oder ihre Kinder bei ihnen nur zu Gast sind? Dass man Kinder großzieht, damit sie fortgehen können - fortgehen, auch wenn sie gern wiederkommen? Und auch für Eltern, die das bereits verstanden haben?
Da ich schon einmal von Büchern spreche, die mich ergreifen, möchte ich noch „Die Legende vom vierten König“ (1961) von Edzard Schaper nennen. Das ist also ein kleiner russischer König, der ebenso wie die berühmten drei Weisen oder Könige aus dem Morgenland aufgebrochen ist, um dem Jesuskind zu huldigen. Auf dem Weg zu ihm hält er sich jedoch an vielen Stellen auf, wo Armen zu helfen ist, und einmal geht er sogar für den Sohn einer schönen jungen Frau auf die Galeere, von der er nach dreißig Jahren, kaputt gearbeitet, entlassen wird; von dieser Stelle an rollt die Geschichte seines Lebens sich noch einmal auf - der von ihm vertretene Knabe nimmt ihn am Ufer auf, ohne ihn zu erkennen, nicht jedoch ohne die eigene Identität anzudeuten. Der alte Ex-König treibt dann auf der Straße im Menschenstrom, nach Jerusalem; er trifft unterwegs die ehemalige Bettlerin, deren Kind von dem für den Heiland bestimmten Leinen Windeln bekommen und die ihm ihr Herz geschenkt hatte. Schließlich steht er unter dem Kreuz und hat nur noch sein Herz und das der Bettlerin anzubieten - und zu fragen, ob der Herr sie annimmt.
Unabhängig davon, wie man zum Herr-Sein des Mannes aus Nazareth steht, ergreift mich die einfache, wenn nicht schon kitschig gedrechselte Ereignisfolge. Der kleine König und seine Bettlerin sprechen das aus, was man immer erhofft und beinahe nicht glauben kann: „Nichts geht verloren. Nur weiß niemand, wo es bleibt - wie nahe von ihm vielleicht schon...“ In der Erzählung ist diese frohe Botschaft dadurch beglaubigt, dass die alte Bettlerin ihrem unerkannten Herzensbesitzer bestätigt, dass ihm immer noch ihr Herz gehört; dass sie ihm dreißig Jahre lang die Treue gehalten hat.
Damit sind wir dann bei der großen Erzählung „Unverhofftes Wiedersehen“ von Johann Peter Hebel. Da ist es die gleiche Treue; das Wiedersehen der ehemaligen Brautleute wird gesteigert zum christlichen Bild des kurzen Todesschlafs und des endgültigen Erwachens. Hier ist die Transzendenz des Bleibenden zu spüren - auch wenn wir wissen, wie leicht wir alle vergehen und unsere Spuren verwehen werden.
Die Insel des zweiten Gesichts
Lebenssituationen bewährten Humor.
Es ist ein Buch, das ich nie mit einer Klasse lesen würde - dafür ist es zu dick (gut 700 Seiten) und zu schön. - Das mag jetzt ein bisschen arrogant klingen, typisch Lehrer, wie man in Mannheim vielleicht sagen würde; aber dem ist nicht so. Ich will das autobiografisch begründen.
Eine meiner großen Leseerfahrungen ist die Lektüre von Kellers „Der grüne Heinrich“; damals war ich etwa 40 Jahre alt. Wir hatten das Buch irgendwann einmal in Kl. 12 des Gymnasiums „besprochen“ (Kreisgymnasium Heinsberg - es lebe lange und hoch!); vermutlich hat also irgendeiner von uns irgendwo eine Inhaltsangabe abgeschrieben (aus unserer Literaturgeschichte aus dem bsv?). Ich erinnere mich, dass ich im zarten Alter von 17 Jahren gedacht habe: „So ein Scheiß, wie kann man das lesen.“ Und dann kam mit 40 die Erleuchtung: Welch ein Buch! Als Lehrer habe ich irgendwann diese Leseerfahrung meinem Leistungskurs Deutsch zukommen lassen wollen: totale Pleite, obwohl gute Schüler im Kurs waren! Seitdem weiß ich: „Nie wieder den grünen Heinrich im Unterricht!“
Das Gleiche ist mir mit St. Lem: Memoiren, gefunden in der Badewanne (1961, deutsch 1974) passiert; das ist ein Roman, worin letztlich die philosophische Frage diskutiert wird, ob Wahrheit erkennbar ist und ob das Zeugnis der Lebenshingabe etwas beweist - eingekleidet in ein Geschehen, wo sich die untergegangenen Weltmächte USA und UdSSR in ihrer Spionage gegenseitig durchdrungen haben, sodass es in Wahrheit eine patriotische Tat ist, wenn man Spionage fördert, weil die eigenen Leute im Zentrum des Gegners sitzen; alle Skripte des Spionenlebens sind bekannt - was kann da noch authentisch sein? Also ein fabelhafter Roman, den ich auch mehrfach verschenkt habe - den habe ich also mit Kursen in der Oberstufe zu lesen unternommen, zweimal; zweimal ist das Vorhaben gescheitert. Es begann schon damit, dass die lateinisch-griechisch-englischen Verschlüsselungen des Kalten Krieges (als einer vermeintlich untergegangenen Zeit) kaum ein Schüler entschlüsseln konnte oder zu entschlüsseln Lust hatte. Fazit: Nie wieder die Memoiren im Unterricht - dafür sind sie zu schade! Man könnte an Jesu Tipp vom Umgang mit den Perlen denken; vielleicht ist das aber auch gemeine jüdische Spruchweisheit.
Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden
Nachdem ich den kleinen Bären vorgestellt habe, kann ich gleich Kröterich nachschieben; das ist der Held (oder was man in Büchern so nennt) des zauberhaften Buches von K. Grahame, das bereits 1908 in England erschienen ist und das ich leider erst vor einigen Jahren kennengelernt habe. Der Erzähler besitzt den gleichen Humor wie im Buch vom kleinen Bären - beeindruckt hat mich, wie die Freunde des angeberischen Kröterichs zu ihm halten und seine Schwächen ertragen (dezent!) und seine Fehler kompensieren.
Meine ausführlichere Besprechung (vor allem des 1. Kapitels - man kann das Buch überhaupt nicht kurz besprechen!) ist mit 20six.norberto42 untergegangen; doch das Loblied auf Kenneth Grahames Buch soll nicht verstummen. Und noch eines: Für Kinder ist das Buch fast zu schade, nur als Erwachsener weiß man es zu schätzen (stimmt das? Mensch, es ist schon so lange her, dass ich Kind war!). Also, der langen Rede kurzer Sinn: unbedingt lesenswert! - Bei dtv ist eine Taschenbuchausgabe greifbar.
Dieser Tage (März 2009) habe ich das Buch noch einmal gelesen: Ich bleibe bei meinem Lob und der Empfehlung, es zu lesen!

Geändert am 22. März 2009 um 17:30
Der kleine Bär
Das schönste der Bücher aus dieser Reihe ist für mich "Vater Bär kommt heim" (1959). Die Bücher sind im Verlag Sauerländer immer wieder aufgelegt worden. Wer sich und seinen Kindern etwas Gutes tun will, soll sie ihnen vorlesen, ob die Kinder nun fünf oder zwanzig Jahre alt sind. Und wer keine Kinder hat oder keine mehr im Haus hat, soll sich selber etwas Gutes tun und die Bücher langsam lesen, als ob er sie Kindern vorläse.
Ende 2005 lief auf dem Kinderkanal abends um 18.40 Uhr eine Verfilmung der Erzählungen, aber wie üblich bunt und laut, die zarten Tröstungen überspielend.
Birkenbihl: Das große Analograffiti-Buch
| Frau Birkenbihls Buch (2002) bringt Beispiele zu zwei kreativen Methoden: Einmal leitet sie dazu an, Bildchen zu malen, die sie mit dem C-geschützten Begriff Analograffiti nennt; die zweite ist die altbekannte Idee, zu etwas ein Abc zu schreiben (s. den Artikel in meiner Rubrik Schreiben, produktiv, im kulando-blog). Zur ersten Methode trägt sie die Theorie vor, mit einzelnen Wörtern gelange man auf dem Weg der Assoziation ins riesige Wissensarsenal des gleichfalls assoziativ organisierten Unterbewussten, während man mit Sätzen bloß im Minibereich des Bewussten bleibe; das Verhältnis der beiden Bereiche betrage etwa 15 mm (Bewusstes) zu 11 km (Ubw). [Wie Frau B. die Größe des Ubw ermitteln kann, ist mir schleierhaft; das erinnert mich an die Angabe der Größe der Dunkelziffer bei Kinderschändung und Zigarettenschmuggel - die Pointe der Dunkelziffer ist doch gerade, dass sie unbekannt ist und von sogenannten Fachleuten geschätzt wird. Warum sollte das beim Areal des Unbewussten anders sein?] Sie beruft sich auf Tor Noerretranders: "Spüre die Welt" (1994) als eines der besten Bücher, die sie je zum Thema gelesen hat; wenn man diesem Titel im Netz nachgeht, stößt man auf gut 60 Beiträge; der beste davon ist der aus Wikipedia: Nonverbale Kommunikation. Was Frau Birkenbihl anbietet, ist natürlich lange bekannt, nur lief es bisher nicht unter dem Titel gehirngerecht (noch besser: gehirn-gerecht - mein Ubw schlägt außerdem die Variante gehirn-geRECHT vor!). Frau B. weiß natürlich, "dass fast alle (sogenannten) Kreativitäts-Techniken (in der Vergangenheit) primär Gebrauchsanleitung von möglichst zahlreichen Assoziationen waren" (S. 9); gleichwohl beschimpft sie (nein, tut sie nicht, sagt sie) die Schule, weil diese die von ihr empfohlenen Methoden nicht einübe [wäre es anders, brauchte sie das Buch nicht zu schreiben und könnte ergo nichts daran verdienen] - zur Entschuldigung der Schule führt sie an, dass "80 % dieser Forschungsergebnisse" noch nicht bekannt waren, "als unsere Eltern und Lehrer ihre Ausbildung erhielten" (S. 9, Anm. 2). Na, war auch nicht so schlimm - die richtige Idee, Assoziationen zu üben, hatten die Altvorderen durchaus! Hierhin gehört auch die Idee, Redewendungen (allgemeiner: Metaphern, Frau B.) wörtlich zu nehmen; das kann man bei intensiver Gedichtlektüre ebenfalls lernen. Und dass Assoziationsübungen nur sogenannte Techniken sind, während Analograffiti echte darstellen, verschmerze ich. Ich schlage vor, wir sollten den Mut zu mehr Metavorgriffen [neues Wort, aus metaphorisch und Vorgriff - ich beantrage copyright!] aufbringen, dann fielen die Rückgriffe aufs Altbekannte nicht als solche auf. In einer Sache muss ich Frau B. leider tadelN (bloßer Schreibfehler, aber trotzdem toll: Das ist ein Tadel von N!): Ihre Anleitung, im Text zu unterstreichen (S. 13), ist katastrophal; sie predigt nämlich, man solle möglichst viel unterstreichen (tun die Schüler längst, manche markieren drei Viertel eines Textes farbig - denen schlage ich vor, sie sollten lieber das Unwichtige markieren, das wäre weniger). Das GegenTEIL (oder GEGENteil?) ist richtig: Man sollte sich überlegen, was wirklich wichtig ist, und nur das ganz Wichtige markieren (am besten mit gelbem Textmarker, den sieht man beim Kopieren nicht, oder durch ein Stichwort oder ein Zeichen am Rand - dann ist der Text noch ganz sauber!). Noch einen Tipp hätte ich für Frau B. (daraus macht sie bestimmt ein neues Buch: Gehirn-geRECHT fragen, oder MetaMENTale Quaestionen, vielleicht auch Testa-Mentales Fragen): Man sollte herausfinden, welche Frage überhaupt zur Debatte steht und wie sie beantwortet wird. Das kann man aber bereits in meinem AB zur Analyse theoretischer Texte nachlesen. PS Man muss der assoziativen Methode ihren Platz zuweisen; sie zeigt ihre Stärke, wenn es darum geht, Ideen zu finden, sich etwas (relativ) Neues einfallen (einFALLen) zu lassen. Danach geht es darum, diese Einfälle zu sortieren, zu prüfen, und zwar mit Hilfe der Gedanken; Gedanken werden jedoch in Sätzen ausgesprochen - die Ereignisse in der Welt sind nicht assoziativ verbunden, ihre Zusammenhang werden sprachlich anders erfasst. Das versuche ich den Schülern mühsam beizubringen: etwa dass man eine Stichwortsammlung nicht als Lösung eines Problems ansehen kann, sondern nur den ausgearbeiteten, mehrfach geprüften Text (textum, Frau B. - ziehen Sie sich mal assoziativ verbundene Wollfäden an!). Die ganze Bauchgefühl-Apologie beruht auf der Assoziation. Dunkle Haut - Moslem - Terrorist - schießen, das ist eine schöne Assoziationskette, die so gebildet werden kann und in London auch gebildet worden ist. Wohlgemerkt, ich klage nicht die Polizisten an und ich behaupte auch nicht, Frau B. verteidige diese Kette; sie propagiert das assoziative Denken, dessen Grenzen ich aufzuzeigen versucht habe, als die unheimlich Wissen erschließende Methode - das ist bloß ein alter Hut, den sie frisch aufgeputzt hat. |

Geändert am 24. Juli 2006 um 20:00
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