Günther Anders: Das Pferdchen - Analyse

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Thema der Parabel ist die Frage, auf welchem Grund unser Weltvertrauen ruht (Z. 9; 15); in der Erzählung wird zunächst die Täuschung der Frau über die Identität des Pferdchens (als Grund des Vertrauens) aufgebaut (Z. 3 f.) und dann vom Erzähler als naiver Irrtum entlarvt.
   Der Erzähler ist auktorial-allwissend, kennt die Gedanken Mos (Z. 22 ff.) und kommentiert durch ironische Zitate die Unwissenheit der Frau (Z. 13 ff.); Mo steht in einer gewissen Nähe zu ihm - er ist gleich zu Beginn skeptisch (Z. 5 f.) und hat den Durchblick wie der Erzähler (Z. 22 ff.).
   Das erzählte Geschehen spielt im fiktiven Land der „Molussen“; es umfasst einen Zeitraum von einem Tag, wobei den Hauptanteil die erste morgendliche Situation einnimmt (Z. 1-27), die etwa zeitgleich (mit viel wörtlicher Rede), durch den Erzählerkommentar sogar etwas gedehnt erzählt wird; eine abendliche Situation wird erwähnt (Z. 28 f.). Am Ende wird der Kreis des Erzählens geschlossen, indem kurz die morgendliche Situation variiert wird (Z. 30-32): Mo flüstert (Z. 32, vgl. Z. 1) die gleichen Worte (Z. 32), mit denen seine Geliebte ihr Weltvertrauen ausgedrückt hatte (Z. 1, 3 f., 11).
   Die Erzählung wird von verschiedenen klaren Kontrasten beherrscht, die den Leser vor eine Wahl oder Entscheidung über das Richtige und das Falsche stellen; die Figuren Mo und seine Geliebte repräsentieren die Möglichkeiten des Verstehens:
an der Welt verzweifeln / in ihr weiterleben können (Z. 9 und 15 / 25);
Verlässlichkeit (Z. 8; 14) und Regelmäßigkeit des schönen Geschehens (Z. 14; 17; 18; jeden Morgen, Z. 3, und täglich sich gleich bleibender Anblick, Z. 19 f.) / die Regelmäßigkeit des Schlachtens und Verkaufens (Z. 14 f.);
das liebe, gute Pferdchen (Z. 4; 32) / Filet, frische Ware (Z. 15; 29);
ihr schwärmerisches Sprechen / er traut dem anheimelnden Geräusch nicht (Z. 5 f.), dieser Gedanke (Z. 21 = ab Z. 13) des Erzählers und Mos;
Mos Bedürfnis, sie zu wecken und aufzuklären / Entscheidung, sie weiterschlafen zu lassen (Z. 27), beides auch metaphorisch („ganz“; „ohne Reserve“) zu verstehen.
   Die Sphäre der Frau, an der auch Mo Anteil hat, ist die der Zärtlichkeit und Geborgenheit (flüstern, Geliebte, träumerisch, beseligt usw.); die Geliebte zeigt kindliche Züge (Diminutiv „Pferdchen“; Mo streicht ihr Haar aus der Stirn); ihrer idyllischen Sicht steht ein skeptisches Denken gegenüber, das Zusammenhänge zwischen zwei regelmäßig geschehenden Ereignissen erkennt (Z. 18 ff.), die vom Erzähler ironisch als gleich vertrauenswürdig bezeichnet werden (Z. 14 f.).
   Position der Figuren: Die Frau ist so naiv, dass sie ihre Uhr an der von ihr verehrten Regelmäßigkeit des Hufgeklappers prüft (Z. 3); Mo weicht nicht nur der Schwierigkeit aus, der Geliebten die Wahrheit zu sagen (Z. 22 ff.), sondern bestärkt sie noch in ihrem Irrtum (Z. 30-32) - intellektuell möchte man als Leser da gleich widersprechen, weil man ja der Wahrheit verpflichtet ist.
   Das Urteil über Mos rücksichtsvolle Lüge spart der Erzähler für den Hörer (bzw. Leser) auf. Als Günter Anders‘ Intention wird man die der Geliebten ersparte „Aufklärung“ über die Grundlage  des Weltvertrauens vermuten dürfen.         

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