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Einträge "Gelesen und rezensiert":

Samstag, 30. September 2006

Kultur-SSV und Bücher-Verramschung

Wie lange sollte man noch warten, dem maroden Fiskus ist es nun endlich recht, eine der wichtigsten Literatursammlungen Deutschlands zu verramschen und den Bestand der Badischen Landesbibliothek (BLB) via Auktionshaus an trophäengeile Sammler zu veräußern. Baden-Württemberg Landesregierung rechnet mit dem lächerlichen Betrag von 70 Millionen Euro und möchte mit diesem Trinkgeld gerne das Fürstenhaus Baden sowie die dortige Tourismus-Industrie auf Vordermann bringen. Jahrtausende währende Kultur unschätzbaren Wertes gegen eine Hütte und ein paar Absteigen. Die Handschrift C des Nibelungenliedes wird dem Meistbietenden per Wertpost umgehend zugesandt, mittelalterliche Folianten werden durch den Raum geschmissen.

Was man tun kann? Protestieren. Beispielsweise diesen Artikel lesen oder an den verantwortlichen Herrn Günther H. Oettinger eine eindringliche Mail schreiben, in Zeitnot auch gerne meine verwenden:

Sehr geehrter Warum-sind-Sie-eigentlich-Ministerpräsident,
Sie möchten ein Schlösslein renovieren und haben zu wenig Geld im Säckl. Klar, da geht man auf den Flohmarkt und vertickt fleißig Omas und Opas Erbstücke.
Was jedoch in diesem Falle eine persönliche wie charakterliche Tragödie wäre, ist in dieser ungleich bedeutsameren Dimension eine Kompetenzfrage wie die nach dem Erbe unserer Kinder. Ihres Sohnes Alexander. Und dem Rest unseres Volkes. Ihres Volkes.
Nationalschätze verlaufen heißt nationale Vergangenheit verkaufen. Kultur veräußern heißt Identität veräußern.

Einen schönen Abend noch und viel Erfolg mit Ihrer Bildungspolitik.

Oder auch gemäßigter.

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Sonntag, 30. April 2006

Walpurgisnachtslegenden

In der heutigen BZ am Sonntag (30. April 2006, Axel-Springer-Verlag) wird auf den Seiten 6 und 7, der ersten Regionaldoppelseite tituliert:

„Chaoten proben Groß-Angriff auf Berlin“ und in der Tickerzeile darüber:

„+++ Steinwürfe im Volkspark Friedrichshain +++ Szene ruft zur verbotenen Groß-Demo auf +++“

In diesem Artikel wird Bezug genommen auf eine Versammlung von ca. 200 Jugendlichen im genannten Park vom 28. April 2006. Dass es sich hierbei keineswegs um eine Generalprobe für die Walpurgisnacht oder den ersten Mai handelte, wird verschwiegen. Zwar kam es tatsächlich zu den genannten Lagerfeuern, der Verbrennung einer Deutschland-Flagge, später auch einer Schlägerei und einem Polizei-Einsatz. Doch wird hier vollkommen willkürlich eine Verbindung zu den geplanten Demonstrationen und Konzerten der nächsten Tage gezogen. Dass nämlich der größte Teil der am Freitag anwesenden Jugendlichen gar nicht aus der Krawall-Szene kam und nur ca. 10% Punks und Alternative waren, die jedoch auch nicht strafrechtlich mit vergangenen 1.-Mai-Krawallen in Verbindung gesetzt werden können, wird ebenfalls verschwiegen. Dazu präsentiert die Zeitung unter ihrem Artikel das Foto einer Handvoll Jugendlicher - augenscheinlich eher gewöhnliche Hip-Hopper als Polizei-gesuchte Mai-Randalierer - mit Bierkästen, wie sie den Park betreten. Diese werden in der Bildbeschreibung als "Krawall-Jugendliche im Friedrichshain" beschrieben. Ob diese an der Schlägerei teilnahmen, kann man bezweifeln, da sie beim Betreten des Parks gezeigt werden. Zur Zeit der Ausschreitungen, gegen 21.30 Uhr, kann dieses Bild nicht entstanden sein, weil noch Tageslicht zu erkennen ist.  Einem Zeitpunkt, an dem der nicht namentlich genannte Autor dieses Artikels gar nicht vor Ort gewesen sein kann. Ergo ein Bild von einem anderem Datum. Vielleicht vom 29. April, schließlich ließ sich die Redaktion genug Zeit für diesen Artikel.

Es werden also die üblichen Besucher des Volkspark Friedrichshains mit den Vorfällen vom 29. April in Verbindung gebracht, Kollektivschuld wird erhoben.

Unter jenem Artikel befindet sich ein anderer, thematisch verwandter. Hier wird über eine Internetseite berichtet, die den "ermordeten Polizisten als Demoschläger" (Uwe Lieschied) bezeichne. Es sei auf dieser Homepage, deren Adresse mir bekannt ist, ein Foto von ihm zu finden. Er werde dort auch als "Demoschläger" bezeichnet. Beide Behauptungen sind schlichtweg erfunden. Ein Bild von ihm ist nicht zu finden, dafür von einigen anderen Zivilfahndern, die in der Vergangenheit durch Gewalttaten gegenüber Demonstranten aufgefallen sind. Das Wort "Demoschläger" taucht auf der gesamten Seite nicht ein Mal auf. Weiterhin schreibt die BZ:

"Bilder zahlreicher Spezialkräfte finden sich auf der Seite. Und eben auch das Foto von Uwe Lieschied. Die Chaoten bezeichnen den Polizisten nicht nur als Demoschläger. Unfaßbar: Sie schreiben außerdem, Uwe Lieschied sei bei einem "Angriff auf Parkbesucher in der Hasenheide gefallen"." (Hervorhebung wie im Original)

Davon abgesehen, dass sich jenes Foto nicht auf der Seite befindet, ist die "zitierte" Textstelle auf der Seite so und auch nicht in anderer Form nicht aufzufinden. Wieder hat der "recherchierende" Reporter schlichtweg Informationen erfunden und somit gegen den Pressekodex verstoßen, den auch die Axel-Springer-AG anerkannte. Aber über den wahren Inhalt der Seite, nämlich Demonstranten über bestimmte gewaltbereite Beamte in Zivil wie diesem in der Szene mittlerweile namentlich bekannten Herren zu informieren, wird nur folgender Nebensatz verloren:

"[...], um ihr Chaoten-Klientel vor den Fahndern zu warnen." (Hervorhebung wie im Original)

Was erwartet man sonst von der linksfeindlichen Springer-Presse.

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Freitag, 3. März 2006

Neuste Polemik - I am not amused.

Die B.Z. (Axel-Springer-Verlag) hat eine tägliche Kommentarsparte, wo auf eine aktuelle Nachricht eingegangen wird. Heute schrieb Lothar Loewe:

"Seit der blutigen Mordherrschaft von Lenin und Stalin weiß die Weltöffentlichkeit ziemlich genau, zu welchen grausamen Untaten die kommunistischen Herrscher im Kreml fähig waren. Daß nun endlich bekannt wird, der ehemalige Kreml-Chef Leonid Breschnew habe sogar persönlich den heimtückischen Mordanschlag auf den polnischen Papst, Johannes Paul II., 1981 befohlen, kann Kenner der kommunistischen Verbrechen nicht überraschen. Wir sollten in unserer Glückseligkeit über das Ende des Kommunismus eines nie vergessen: Die Machthaber dieser verrotteten Weltideologie schreckten vor nichts zurück. Sie gingen über Berge von Leichen, sie mordeten und haben die Welt jahrzehntelang ins Unglück gestürzt. Das galt für Breschnew ebenso wie für Stasi-Mielke und für all die anderen Spitzen-Bonzen zwischen Helmstedt und Wladiwostok. Die Terroristen von al-Quaida hatten teuflische Vorgänger." (B.Z. vom 3.3.2006, Seite 3; Hervorhebungen wie im Original)

(Vorweg: Ich bin kein Kommunist oder Befürworter der staatlich gebilligten oder angeordneten Gewalttaten in ehemals kommunistischen Ländern. Ich gehe mit der Idee der absoluten Gleichberechtigung konform, halte ihre Umsetzung aber für nicht menschenmöglich.)

Beispiellose Polemik einer Tageszeitung, die sich die größte Berlins nennt. Eine Tageszeitung, die im Axel-Springer-Verlag erscheint, der einst durch die Studentenproteste unrühmlichen Ruhm erlangte. Den ungeheuren Populismus, der durch diesen Artikel verbreitet wird, kann wohl jeder selbst erkennen. Hoffe ich. Daher werde ich an dieser Stelle erst einmal nicht näher darauf eingehen, eventuell aber später darauf zurückkommen.

Ich gehe jetzt zum Konzert.

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