Seit langer Zeit, seit Myriaden Jahren möchte man fast meinen, sitze ich wieder einmal an einem Gedicht. Es wird wohl "Am Tag des Federblutes" heißen. Eine echte Handlung wird es auch nicht geben, ich werde wohl wie immer eher die emotionale Unterdrückung des Lesers in Angriff nehmen. Ein utopischer Gedanke, mit dem ich seit einiger Zeit infiziert bin, gaukelt mir vor, dass man eventuell eines Tages meine kleinen, dilettantischen Gedichte und Kurzgeschichten an den Anfang einer neuen Ära setzt; der des Emotionalismus. Einer "Epoche", die die Leser in ihren Emotionen auf einen Weg zwängt und sie mit ihren Sorgen und Ängsten in ein Jammertal stürzt, dessen einziger Ausweg die Einsicht ist. Ein wahrlich utopischer Gedanke, fast schon wieder spaßig, wenn da nicht manche Personen wären, die meine Gedichte tatsächlich für gut halten. Nun denn. Ich möchte nicht länger vorhalten.
Dieser weiße Morgen, kaum geboren schon gestorben,
prangert ohnmächtig an, was die unheilige Schar getan.
Fleht zur eilenden Nacht, warum diese ihm das Leid gebracht,
flucht in bitterem Wahn, dass ein Engel ihm das Leben nahm.
Aufgedrängte Sorgen klagen nun vom langen Morden.
Zeuge ist ein nasser Sturzbach düstrem Himmelwasser;
dunkle Träne erbricht sich über heißes Menschengesicht.
Schwarz der Himmel gemalt - voller Federblut vermengt mit fahlem
Fleische und ohne Licht - er verkünd' den nächsten Morgen nicht;
der Mensch wird zum Hasser, Sünde neues Zuckerwasser.
Des toten Himmelvolks ertränkten Hilfeschreien folgt's:
Der rufenden Scharen langender Arm nach jenen klaren
Gewissen fordert Leben. Und diese Menschen hier begeben
sich unter Fanfarengeschrei ins Verderben und waren
nicht von wenig Erfolg für den, den sie so treu befolgt.
Was schaurig schön beginnt, endet leider fad. Der Anfang klingt wie dahingesprochen, der Rest eher gestammelt. Zwar habe ich mich in der dritten Strophe vom Versmaß entfernt und stattdessen alles umgekehrt, aber viel scheint es nicht gebracht zu haben. Urteilt selbst. Ich habe es bereits getan.