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Nostalgische Träume

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Vor knapp einer Woche habe ich wieder einmal meine Großeltern besucht, schließlich galt es, den von meiner Oma geänderten Anzug abzuholen. Schon am Telefon hieß es ganz wichtig, "der Opa möchte mit dir reden". Aber nicht am Telefon. So kam es dann bei meinem Besuch, dass er mich zwar bei meiner Ankunft nicht begrüßte, aber alsbald in sein Arbeitszimmer bat. Ich mochte nicht unhöflich sein, aufgeregt war ich wohl auch, also hielt mich nicht fiel und ich trat ein. Da türmten sich viele Gegenstände auf dem Tischlein in der Mitte des Raumes und mein Opa bat mich, mich neben ihm auf dem Sofa zu setzen. Und wie sich schnell herausstellte, wollte er mir seinen gesamten fototechnischen Besitz überlassen. Keine Überraschung also, wenn ich berichte, wie sehr ich mich gefreut habe. Teil seiner Ausrüstung waren eine analoge Spiegelreflexkamera Praktica FX 2 (wohl 1956, wie hier, hier oder auch hier, weiter unten) mit einem Objektiv von Carl Zeiss Jena, nämlich dem Tessar 2,8/50mm. Die Kamera besitzt einen frontseitigen Auslöser, zwei Blitzbuchsen und kommt noch ganz nach klassischer Natur mit einer Mattscheibe und dazugehöriger Lupe daher, ein pentaprismisches Okular ist natürlich dennoch aufsetzbar. Nach ersten Beobachtungen im Trockenbetrieb sind sowohl die Linsensysteme des unglaublich präzise arbeitenden Objektives als auch die unwesentlich abdunkelnde aber dafür leicht farbsättigende Mattscheibe einwandfrei, Spiegel und restliche Mechanik funktionieren auch ohne Hänger oder Störungen. Das Fotografieren ohne Pentaprisma ist wegen der Spiegelung an der Vertikalen zwar ungwohnt, aber doch recht lustig. Dazu kam umfangreiches Zubehör, angefangen von Ledertasche, über Blitzgerät, Stativ und Stativhalter, Blenden und Filter bishin zu einem lang ersehnten Belichtungsmesser aus Qualitätsarbeit von Weimar Lux Nova incl. Farbstichmesser. Ausprobieren konnte ich das Equipment leider noch nicht, aber auf die legendären Ergebnisse dieser Kamera bin ich schon gespannt (dazu eine Kostprobe).

Aber das ist noch nicht viel im Vergleich zu dem Traumstück seiner und nun meiner Sammlung: einer der ersten, wenn nicht die erste Kamera im Nachkriegsdeutschland, eine Ercona I von Zeiss Ikon mit einem Objektiv Novar-Anastigmat 1:4,5 f=11cm. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal eine Balgenkamera mein Eigen nennen könnte, aber dass ich dann gleich eine so wunderschönen Apparat geschenkt bekäme, war wirklich nicht abzusehen. Wegen dem für den Hobby-Fotograf doch recht eigenwilligen Mittelbildformat 60x90mm oder wahlweise 60x60m, was nur acht bzw. zwölf Belichtungen pro Film zulässt und dazu nur im Fachgeschäft für viel Geld aufzutreiben ist, konnte ich das Prachtstück leider noch nicht ausprobieren. Aber auch bei der Ercona I konnte ich keine Mängel in Optik oder Mechanik entdecken. Zwar löst sich an wenigen Stellen die Verblendung des Körpers ab, doch ist der Balg dicht, die Optik einwandfrei, die Blende leichtgängig und intakt und auch der Rest zu meiner Zufriedenheit.

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Ich bin schon auf die ersten Filme gespannt!

Summer. am 31. Juli 2007 um 19:52
das kann ja wohl nicht angehen das DU so etwas tolles geschenkt bekommst. tzz. ;)
ich will sowas auch! jetzt sofort!
-.-

   

Georg Motschmann am 26. August 2007 um 01:38
Zu dieser Zeiss Kamera kann ich Dir nur gratulieren. Tolle Ergebnisse, auch nur bei Kontektabzügen, hatte ich vor allen mit Agfa-Filmen. Allerdings vor dreissig Jahren. Wenn der Balgen noch Lichtdicht ist kannst du ihn mit Waffenöl (Ballistol) für weitere XX-Jahre erhalten. Die Optik kann zwar etwas leiden aber meine Kammera ist heutenoch top fitt.

   

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