Ich nehme einen Blick aus dem Fenster. Blütenweiße Gardinen mit Blumenstickereien verhüllen einen Tag, der ermüdender nicht sein könnte. Was sich da zwischen Häkelmaschen verbirgt, wirkt wie ein konserviertes Abbild einer unwirklichen Realität. Alles grau. Die entlaubten Bäume stehen auch nur starr vor dem einheitlich grau gehaltenen Himmel. Die Windmühle wartet wohl auf das Leben. Hin und wieder zieht ein Vogel durch den Himmel, aber im Ganzen, im Ganzen bleibt es ein gräulich-graues Morgengrau. Da kann auch der monotone Farbumschlag der Ampel nichts richten. Es bleibt sich alles gleich in diesem Morgengrau. Daher wohl auch der ambivalente Begriff des Morgengrauens.
Die Mondlandschaften dieser Gegend sind längst der Sanierungswelle rot-blau-gekachelten Lebens gewichen und doch kann nichts davon darüber hinwegtäuschen, dass dieser Morgen gestorben ist, ehe er zu leben begann. Weg vom Tisch - ach, lassen Sie's sein, hat ja doch keinen Zweck.
Und so sitze ich hier in meinen Stuhl zurückgelehnt, mit dem Blick aus dem Fenster. Die Bäume und Ampeln verschwinden langsam unter dem Fensterbrett, die Häuser stutzen sich unter meinem Blick. Doch wenn ich nur aufstehen würde, könnte ich erkennen, dass die Straßen unter meinem Fenster pulsieren an diesem ach so grauen Morgen.

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