This life is fulfilling me.

Einträge "September 2006":

Samstag, 30. September 2006

Kultur-SSV und Bücher-Verramschung

Wie lange sollte man noch warten, dem maroden Fiskus ist es nun endlich recht, eine der wichtigsten Literatursammlungen Deutschlands zu verramschen und den Bestand der Badischen Landesbibliothek (BLB) via Auktionshaus an trophäengeile Sammler zu veräußern. Baden-Württemberg Landesregierung rechnet mit dem lächerlichen Betrag von 70 Millionen Euro und möchte mit diesem Trinkgeld gerne das Fürstenhaus Baden sowie die dortige Tourismus-Industrie auf Vordermann bringen. Jahrtausende währende Kultur unschätzbaren Wertes gegen eine Hütte und ein paar Absteigen. Die Handschrift C des Nibelungenliedes wird dem Meistbietenden per Wertpost umgehend zugesandt, mittelalterliche Folianten werden durch den Raum geschmissen.

Was man tun kann? Protestieren. Beispielsweise diesen Artikel lesen oder an den verantwortlichen Herrn Günther H. Oettinger eine eindringliche Mail schreiben, in Zeitnot auch gerne meine verwenden:

Sehr geehrter Warum-sind-Sie-eigentlich-Ministerpräsident,
Sie möchten ein Schlösslein renovieren und haben zu wenig Geld im Säckl. Klar, da geht man auf den Flohmarkt und vertickt fleißig Omas und Opas Erbstücke.
Was jedoch in diesem Falle eine persönliche wie charakterliche Tragödie wäre, ist in dieser ungleich bedeutsameren Dimension eine Kompetenzfrage wie die nach dem Erbe unserer Kinder. Ihres Sohnes Alexander. Und dem Rest unseres Volkes. Ihres Volkes.
Nationalschätze verlaufen heißt nationale Vergangenheit verkaufen. Kultur veräußern heißt Identität veräußern.

Einen schönen Abend noch und viel Erfolg mit Ihrer Bildungspolitik.

Oder auch gemäßigter.

Currently playing: Ghinzu - Cockpit inferno
Current mood: Ärgerlich

Sonntag, 24. September 2006

Weiter, weiter.

Fahre weiter, fahre weiter,
Schiffchen, Schiffchen, aus dem Sinn.
Mit dem Wind nur treibe weiter,
sollst vergessen, wer ich bin.

Lass mich hier die Stille finden,
die doch jung verloren ging.
Will nicht weiter, nur entschwinden
jenem Schleier, der mich umfing.

Nur mein Täubchen soll mich führen,
fliegen, fliegen weit vornweg.
Deinen Schutz möcht ich verspüren,
deine Schwingen seien mein Versteck.

Ach, so trag’ mich in die Ferne,
zeig’ mir, wo ich rasten kann.
Schenk mir Frieden, schenk mir Wärme,
setz’ mich dann nieder irgendwann.

Fliege weiter, fliege weiter,
Täubchen, Täubchen, aus dem Sinn.
Lass mich hier und ziehe weiter,
will vergessen, wer ich bin.
 
Zwei lange Tage Arbeit für solch schöne Zeilen. Und interpretieren lässt es sich vielfach. Wer's errät, wird gelobt.
Currently playing: Sigur Rós - Með Blóðnasir
Current mood: Glücklich

Dienstag, 19. September 2006

B., B., S.... Und das menschliche Versagen hält.

Bangkok, Budapest, Schwerin. Was wie ein Antiklimax klingt, ist keiner. Verklärte Welt das ist. Jeder scheint Langeweile zu haben, jeder scheint seine Lebensuhr verrinnen und sich daher in seiner Existenzangst genötigt zu sehen, hier und da seinem traurigen Namen Prominez zuordnen zu müssen. Im Kleinen wie im Großen. Macht keinen Spaß mehr. Überall Menschen, die pfuschen und für niemanden sprechen, die selbstdarstellerisch ihre Mitmenschen in eine Hölle stürzen, die je nach Natur ihres gekränkten Ego so oder doch so möbliert ist. Gemütlicher leiden. Auch bei einem Bier oder Wein, wenn's noch reicht. Wo sind die klugen Köpfe hin? Machen's doch nur falsch, benutzen ihre Intelligenz nicht für die, die die Intelligenz nicht benutzen. Ja was soll man sich aufregen, das Boot sinkt und ich singe meine alten Winterlieder. Deutschland, ein Wintermärchen. Warst einer von den anderen, Heinrich.

Currently playing: Kurt Weill - Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens (Dreigroschenop
Current mood: Ernüchtert.
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Sonntag, 17. September 2006

Traumwelten

Seltsam. Ich hatte einen Albtraum. Bin mitten in der Nacht aufgewacht vor Schreck, war wohl ein Albtraum mit allen Rafinessen. Ich träume eigentlich selten, bzw. kann mich morgens fast nie an meine Traumerlebnisse erinnern. Aber gleich einen solchen Einstand in den wohl ersten bewussten Traum dieses Jahres zu feiern, das hätte ich mir nicht erträumt.

Man mag Parallelen zu einem Eintrag aus Blumehirns Blog herauslesen, nur zu. Koinzidenz. "Bei der Beurteilung einer Situation ist es zu beachten, vorhandene Koinzidenzen und Korrelationen in ihrer Integrität nicht als Signum eines Kausalnexus zu deuten." sagte einmal wer. Oder so ähnlich. Nun, nach langem Ringen, möchte ich doch den recht kurzen und wohl eher atmosphärisch bedeutsamen Inhalt schildern; ohne Wertungen abzugeben.

Ich kann mich nur noch an ein Momentanbild erinnern, jedoch glaube ich, war die Grundsituation die, das wir in einen Buscrash auf der Autobahn gerieten. Aus "wir" schließe ich irgendeine Gruppe, die mit der Schule zu tun hat, da sich die Figuren dementsprechend arrangieren. Ich für meinen Teil muss bereits aus dem Wrack gekrochen sein, jedoch kam ich einige Zeit später auf der Suche nach A. zurück. Ich ging also in das Wrack, das von innen recht unbeschadet aussah, ging bis ans Ende. Dort befand sich eine Art Sauna, drei Personen saßen da nackt. Eine Person, die hier noch kein Synonym besitzt, aber dennoch von allgemeiner Bedeutung, auch in diesem Blog ist. Nackt, mit erigiertem Glied auf der Rückbank sitzend. Rechts daneben ein Lehrer von mir, ebenfalls nackt, angestrengt vom Masturbieren. Sein Auftreten erkläre ich mir allerdings damit, dass ich erst kürzlich mit ihm ein heiteres Gespräch führte, in der Handlung ist er hier austauchbar. Ganz links und ganz rechts, mit Rücken zu mir zwei weitere Personen, keine Identität. Und die zweite von links ist A., sich gerade entkleidend und just in dem Moment, in dem ich die "Sauna" betrete auch schon ganz entblößt.

Ich wache auf und mir stehen Entsetzen wie auch Tränen in den Augen. Ich weiß, ein Traum spiegelt nicht die Wirklichkeit wieder. Und doch bin ich bestürzt. Ich werde mir kein Beispiel an meinem Vorträumer nehmen. Doch traurig und ängstlich bin ich heute, am nächsten Morgen irgendwie immer noch.

Currently playing: Kurt Weill - Seeräuber-Jenny (Dreigroschenoper, gesungen von Lotte Lenya)
Current mood: Ängstlich und beklemmt.
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Mittwoch, 13. September 2006

Zeitlose Fragen, zeitlose Antworten.

Steine werfen und sowas vielleicht. Eventuell auch Zähne und Augen zeigen, weiß ich nicht. Es ist aber auf jeden Fall das, was alle fordern, alle wollen, wenn sie es zu fern spüren, aber dann, wenn es einmal kommt, ihnen vielleicht sogar zu nahe kommt, sofort wieder wegschmeißen wollen. Das ist Gerechtigkeit.

Einst auf die Frage "Was ist Gerechtigkeit?" entgegnet. Lache etwas über meine diese Antwort. Vielleicht stimmt's ja sogar.

Currently playing: Modest Mouse - Float on
Current mood: Schmunzelnd.
von: ninikupenda in Rubrik: Zitatenbalg

Montag, 11. September 2006

Schillers weise Worte

Da steh ich, ein entlaubter Stamm.

Wallenstein in Schiller, Wallensteins Tod 3,13

Currently playing: Liars - A visit from drum
Current mood: Über Kimme und Korn genommen.
von: ninikupenda in Rubrik: Zitatenbalg

Sonntag, 10. September 2006

Das Lachen

Höre oh Freund und Bruder: Wenn Du ein Kamel hast,
so habe acht, es langsam zu führen, denn du musst an
seine weichen Füsse denken, denen die harten
Bergwege Schmerz bereiten, da sie an den weichen
Wüstensand gewohnt sind. Wenn du ein Pferd hast,
lasse dich leicht sein auf seinem Rücken, dass es
dich wie eine Wolke fühle und daher fliege gleich
dem Wind. Wenn du einen Gedanken hast, oh Freund
und Bruder, so lasse ihn leise schreiten, mit des
Kamels weichen Füssen, lasse ihn daherbrausen mit
des edlen Pferdes heisser Hast und bleibe du selbst
verborgen wie in einer Wolke. Wenn du aber in
deinem Geiste eine wunderbare Lüge birgst, so mache
aus ihr ein Gedicht oder ein Lachen oder beides,
und reite schnell, sehr schnell - denn wer ein
Lachen bringt mit dem Atem einer Lüge, bringt ein
Geschenk.


Elsa Sophia von Kamphoevener
Currently playing: Ella Fitzgerald - All through the night
Current mood: Schweigend.
von: ninikupenda in Rubrik: Zitatenbalg

Montag, 4. September 2006

Requiem

Spät kam die Nachricht, schwer war die Kund’,
hastig gesendet an Kinder und
Geschwister, in letzter Stund’ Land
durcheilte, jeden an die Heimat band.

Vater fuhr rasch nach Haus’, in die Rhön,
Großmutter ein einzig Mal zu seh’n,
die letzten Tage bei ihr zu sein,
ein letztes Mal kehrte er bei ihr ein.

Elf Uhr am Abend schlug’s in der Uhr,
wenige Male das Herz doch nur.
Die Großmutter schlief besanftet ein
doch Vater fuhr noch lange nicht daheim.

Vater erreicht erst morgens darauf
Großmutters Bett, wo sich schon zu Hauf
die Sippe hat eingefunden sich
und voller Trauer sich in Tränen bricht.

Doch Vater nahm seine Mutter ein letztes Mal in den Arm,
die ihn nimmer sah, kalter Körper, doch Liebe warm.
Currently playing: Stille.
Current mood: Traurig

Sonntag, 3. September 2006

Zeit

Meine Oma liegt im Sterben. Meine zweite. Aus Thüringen, väterlicherseits. Habe sie nur einmal gesehen, mit vier Jahren. Haben Kartoffeln geschält, den Ofen entfacht. Fremde nahe Frau, hat damals noch zu Weihnachten große Pakete mit allerlei Geschenken geschickt. Botschaften einer Frau, die ich nie so richtig kannte. Wollte immer, dass ich sie mal besuche. Habe immer abgelehnt, zu langweilig sei es dann gewesen.

Kann jetzt auch nicht mehr helfen, einerseits Schule. Papa fährt morgen früh ins ferne Frankenheim, bleibt zwei Wochen. Käme ich mit, würde sie sich auch nicht mehr an mich erinnern. Demenz macht ihr zu schaffen.

Wie fühlt es sich an, um einen Menschen trauern zu müssen, der immer da, aber für den ich immer fern war?

Currently playing: Stille.
Current mood: Vorwurfsvoll. Traurig. Weiß auch nicht.
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Samstag, 2. September 2006

Hohelied

Einen Abend habe ich ihr verbringen können, der so atemberaubend schön ist, dass es schwer fällt, ihn in Worte zu fassen. Mit ihr, jener bezaubernden Gestalt, die all meine Sinne in ihrem rätselhaftem, einzigartigem und unendlich schön anzusehendem Wesen gefangen hält, mit ihr, durfte ich jenen Abend für einige wenige Stunden teilen. Als sie den Raum betrat, die gesamte Atmosphäre bestimmend, die Luft zum Atmen zu süß verzaubert, nahm ihre Anmut all meine Aufmerksamkeit hinfort und hüllte mich sogleich in einen sanften Schleier aus den wunderbarsten und eindringlich schönsten Gefühlen, auf dass ich mir wünschte, dass dieser Moment, dieser Hauch, der mich sanft bettete, nie enden möge.
Der Klang ihres Namen vermag die beißendsten Sorgen und den tiefsten Kummer zu vertreiben, ihre Anwesenheit dörrt jeden Missmut und jedes Trübsal aus. In einem wärmenden Schauer küssten wir uns mit aller Romantik, nun küssten wir uns über dem wärmenden Licht der kleinen Lampe, in einem Regen der Romantik. Mir sollten ganz neue Wunder begegnen, als ich fühlte, was es heißt, mein Glück und meine Liebe in diesem anmutigem, engelsgleichem Menschen zu entdecken; wie es sich anfühlt, die kostbare Perle der göttergleichen Liebe zu hegen und zu behüten.
Wie kann ich nur danken für jenen Abend, an dem mir die Erkenntnis über die Kostbarkeit und das Wunder dieser Liebe geschenkt wurde. Geschenkt von dem Menschen, der all meine Sinne in seinem rätselhaften, einzigartigen und unendlich schön anzusehendem Wesen gefangen hält.

Die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten. Das Glück sollte sich sanft verhalten, es soll mein Schicksal mit Liebe verwalten.

Currently playing: Hildegard Knef - Für mich (dich wohl eher) soll's rote Rosen regnen
Current mood: Verliebt

Sondierungen - Schätze und Unrat

Um meiner selbst auferlegten Verpflichtung nachzukommen, regelmäßig Bericht aus meinem Schneckenhaus zu erstatten, darf ich natürlich nicht den Auftakt dieses Wochenendes auslassen.
Gestern, am ersten September, hatten A. und ich viermonatiges Jubiläum. Nichts großartig staatspolitisches, aber wohl doch etwas Bunt im Alltagsgrau eines entnervten Schülers wie mir. Wir waren essen. Ich habe sie, in einem schönen Kleid, zum gemütlich-romantischem Italiener an der ruhigen Dresitraßenkreuzung im beschaulichen Altbaubezirk aus Tagen der industrialisierten Mietskasernenaufforstung entführt. Ein Tisch für zwei, genug Zeit für einander, eine Öllampe und gutes Essen reichten für eine romantisch-intime Atmosphäre, wie man sie wohl nur beim lockeren, charmanten Italiener-Tipp erleben kann. Es war ein schöner Abend, wir saßen lange und redeten über vieles, vor allem über uns. Später dann, nach einer erstaunlich kleinen Summe für das Mahl, ging es nach Hause. Ein Abend oder eher eine Nacht mit der zweiten Staffel von Stromberg sollte folgen, auch wenn wir eher sanft geschlummert als hingeschaut haben.

Heute dann, das Konzert des Chores, dass wohl als Omen für den bevorstehenden Tod angesehen werden kann. War eine halbe Stunde Minimum zu spät, kaum Leute da, NPD stand in der Nähe und war auf Dummenfang, überall Fehler in den Liedern. Dieses Konzert hat mir nicht den geringsten Spaß gemacht. Unprofessionell war der Eindruck, undurchdacht das ganze Vorhaben. Scheinbar hat der Veranstalter einfach nur mal wieder auf sich aufmerksam machen müssen. So sich musikalisch präsentieren zu müssen, das kann ich mir sparen. Es sind auch nicth mehr viele Konzerte bis Bühnentod, ich hoffe sie werden dem Chor ein würdigeres Ende bescheren.

Currently playing: Ghinzu - Cockpit inferno
Current mood: Eigentlich glücklich und doch irgendwie nicht
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag
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