Eine seltsame Zeit. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Alles kumuliert und schafft eine sonderbaren Mixtur verschiedener Emotionen. Wir haben heute den neunundzwanzigsten August Zweitausendundsechs. Dabei lief alles ruhig ab. Keine Panik, kein gerade so abgewendeter Herzinfarkt. Ich werde einfach einmal aufzählen, eine Ordnung gibt es ja scheinbar nicht, alles erscheint mir so konfus.
Mein geliebter Gospel-Chor, mit dem ich seit nunmehr drei schönen Jahren die großen Kirchen der Stadt füllte und das Publikum verzauberte, dieser Chor liegt im Sterben. Ach, was waren es für Zeiten. Haben im Filmpark Babelsberg gesungen, sind mit einer der Weathergirls aufgetreten, die uns zeitweise sogar leiten wollte - aber die gute Frau ist zu oft unterwegs. Ja. Gehörten zur Gospel-Elite der Stadt, hatten einen Namen, haben an der europaberühmten Hanns-Eisler-Hochschule für Musikwissenschaften vorgesungen und wurden von den Professoren umjubelt. Und und und. Viele Erinnerungen verbinden sich mit diesem Chor. Viele Leute kamen und gingen, ich rückte zum inoffiziellen Stimmleiter auf, hatte Spaß am Gesang. Nun sieht es ungleich anders aus. Unsere Chorleiterin ist mit ihrer Soul/Jazz-Band bis Januar in der Welt unterwegs, verständlich, dass sie keine Zeit an den wenigen Tagen in Berlin hat. Viele von uns entwachsen dem Schulalter, studieren, arbeiten; haben folglich keine Zeit. Viele gute und imposante Stimmen haben sich verabschiedet. Die Proben bis Januar werden also spärliche und fruchtlose sein. Zumindest wird es zwei Konzerte in der Zeit geben. Diesen Samstag als Gast und am neunten September in der kleinen, beschaulichen, aber atmosphärereichen Dorfkirche hier in Marzahn. Vielleicht noch ein Weihnachtskonzert. Wer weiß.
Dabei wollten wir kommenden Frühling eine zehntägige Florida-Tour antreten. Etwa die Hälfte unserer CDs haben wir nach Übersee verschifft, praktisch eine zweite Fangemeinschaft eröffnet. Neben denen hier in Berlin und Dresden. Wir wollten zehn Tage lang jeden Abend ein Konzert halten, uns besser kennenlernen, musikalisch wachsen. Ich war immer für diese Tour, vor allem wegen dem musikalischem Nutzen. Doch nun sind zu viele abgesprungen, die Tour fällt aus. Dass es danach mit dem Chor aus Zeitgründen hätte ausgehen müssen, war klar. Die Abschiedstournee also abgesagt. Vielleicht werden wir ein Abschiedsksonzert hier in Berlin haben. Traurig eigentlich. Wir waren nicht schlecht. Ich werde keinen ebenbürtigen Chor in Berlin finden. Das erfüllt mich mich Trauer.
Wie normal ist es, diese Eifersucht auszuprägen?
Eine gewisse Person, ich wähnte ihn eigentlich einen Freund, scheint sich für A. zu interessieren. Zwar hat er bereits eine Liaison, doch ist hinreichend bekannt, dass er es mit der Treue nicht so hält. Alleine ihr ist er mindestens einmal fremd gegangen, in der Anfangszeit ihrer Beziehung soll er gar auf eine andere gestanden haben - und A. ist wirklich äußerst attraktiv und sexy. Punkt gegen ihn. Er und A. teilen m.E. zwei Grund- und einen Leistungskurs, er dackelt ihr ständig hinterher, ich fühle mich fast belästigt. Und immer steht er nah bei ihr, schaut ihr tief in die Augen, setzt seine Sunnyboy-Surfer-Halbschwuchtel-Miene auf und leiert seine Masche runter. Sucht Körperkontakt, will mit ihr rangeln. Kindisches Gehabe; ist es nicht wert, sich vor ihm weiter zu genieren, sich ein "Schwuchtel" zu verkneifen. In meinen Augen Flirterei mit Option auf mehr, er ist der ewige Jäger und Sammler, ein Primitivling, der, seine Triebe zu befriedigen, jede Kaschierung wagt und keine Selbstverleugnung und keinen Tabubruch scheut. Sollten sich meine Befürchtungen bestätigen, stemple ich ihn als unwürdig ein. Unwürdig jeder Zuwendung und jeder Zeitaufwendung. Nicht der christliche Weg, mein Charakter diktiert es so. Seinerseits herrscht also ein reges Interesse an Erfolg. Von A.s Seite kann ich nicht beurteilen, bin aber zuversichtlich, dass sie ihren Verstand behält. Ich weiß, sie liest es. Ist mir gleich, war es mir schon damals, als ich ihr die Adresse des Blogs gab. Mag sein, dass auch er diese Adresse kennt. Würde mich nicht stören. Soll er es lesen. Soll sich ruhig mit mir zerstreiten, wenn ich Recht habe. Mir gleich.
Sie sind zumindest Freunde. Das stört mich nicht im Geringsten. Doch das Gegenwärtige geht mir zu weit. Ist anhänglich wie ein kleiner Welpe, sieht sich vielleicht auch gerne so. Fakt ist nur, dass er immer noch mit seinem selbstgefälligem, bis an die Schläfenlappen reichendem Lächeln seine brave, doch dreiste, aufgesetzte Frommheit in mein Gesicht erbricht. Auswürfe seiner Unehre speit er mir jeden Morgen und jeden Mittag zum Hallo und zum Ade in die Ohren, auf dass ich fein einen Freund in ihm erkenne. Ich kann nur hoffen, ich irre mich. Aber die Indizien sprechen gegen ihn, die Bilder gehen mir nicht aus dem Hirn. Hat sich eingenistet, Parasitlein will nicht mehr raus.
Am Freitag ist Viermonatiges. Ich freue mich! A. möchte mich in ein Restaurant entführen. Auch noch selbst bezahlen. Wesentlich emanzipierter als ich es bin. Ein Geschenk hat sie sich gewünscht. Aber was nur? Ich Unkreativling soll mir etwas einfallen lassen. Eine schwierige Mission. Ich schaue, was sich machen lässt.
Nachtrag: Eben stand A. vor der Tür. Fast ganz unverhofft. Hat gütigerweise vorher per Handy Bescheid gesagt. Aber eine große Überraschung war es doch. Wollte mich einfach nur sehen. Nach einem langen Tag in Schule, Orchester und Quartett ihren Schatz sehen, küssen und ihre Liebe gestehen können. Ich war überrascht. Und obgleich mir solche Überfälle gar nicht genehm sind, war ich schon sehr erfreut. Seltsame Welt, das.
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Vielleicht ist es dem einen oder auch dem anderen aufgefallen: Oben unter dem Blogtitel habe ich mir erlaubt, ein wenig Photoshop und ImageReady zu traktieren, um einen kleiner Banner für diesen Blog zu erstellen. Schlicht sollte es sein. Ist es auch. Insofern Vorgabe erfüllt. Ein neues Motto hat sich zudem hinzugesellt: semper et ubique. Werde ich zunächst nicht weiter erklären oder übersetzen, zumindest den letzteren Teil erledigt jeder handelsübliche Lateiner-Freund. Vielleicht wird dieses Oberthema einmal das alte verdrängen. Bis dato sollen beide konkurrieren. Ludi ineant!

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