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Für einen Fremden ein Kreuz brechen

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An manch einem mag es vorbeigegangen sein, wäre auch nicht zu verdenken, schließlich sind Interessen verschieden. Herr Günter Grass hatte Anekdoten aus seinem Leben geschildert, die sein Lebenswerk je nach Position der Kritiker und Befürworter eher in Frage gestellt oder gar unangetastet ließen. Als Leser Grass'scher Literatur sah ich mich schnell in diesen Malstrom eingesogen und verfolgte mit regem Interesse die anhaltende Diskussion. Vom ersten Vorbericht in den Tagesthemen über das Interview mit der F.A.Z. und dem erneuten Kreuzfeuer bei Wickert war ich vor Fernseher und Zeitung immer dabei. Die Debatte um diesen Mann, den ich für den wichtigsten deutschen Dichter der Nachkriegszeit halte, ließ mich in keiner Beziehung kalt; so verfasste ich einen Mail-Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine, das redeführende Organ in diesem Streit. Keine sonderlich neuen Ansichten, nur ein wenig Verteidigung des Bekenntnis und Entgegentreten wider die aus allen Löchern krauchenden Scharen der Kritiker.

Heute nun erhalte ich eine Mail der Redaktion:

Sehr geehrter Herr P.,

anbei kommen wir der Bitte eines Lesers nach, mit Ihnen in Kontakt zu treten. 
[...] 
Sehr geehrte Leserbrief-Redaktion!

Könnten Sie den angehängten Brief bitte an Herrn M. P. aus Berlin weiterleiten, der heute einen Leserbrief in der F.A.Z. zum Thema Günter Grass geschrieben hat? Ich habe heute bei Ihnen angerufen, und Sie bestätigten mir, daß es die Möglichkeit gibt, diesen Brief weiterzuleiten. Sie können den Brief natürlich gern lesen, jedoch ist er desweiteren nicht zur Veröffentlichung als Leserbrief gedacht. Für eine kurze Bestätigung der Weiterleitung wäre ich dankbar.

Mit herzlichem Dank,

S.v.K.

Große Überraschung. Zum Einen ist mein unbedeutender Brief aus irgend einem mir nicht ersichtlichem Grunde abgedruckt worden - und ich weiß nicht, wie ich die Ausgabe der FAZ vom 22.08. auftreiben soll. Zum anderen muss dieser Brief bei zumindest einer Person, diesem Mann aus Erfurt, so viel bedeutender sein als anderen Menschen, dass sie Telefonate und Mails nicht scheuen, mit mir in Kontakt zu treten. Im Anhang ein zweiseitiger Brief, der einige gekannte und gut einsehbare Argumente gegen Grass und mich enthält. Antwort wird selbstverständlich erwartet. Herr v.K hat gut vorgelegt, wenn ich mich an ihm messen will, muss ich meine Position überaus solide darstellen, was einen solchen standfesten Kritiker wohl nicht sonderlich beeindrucken wird. Ich nehme die Herausforderung an, schon des Respektes wegen. Nur was ich schreiben soll, ist mir noch nicht klar. Leider kann man Leserbriefe via Internet bei der FAZ nur in einem Formular abschicken, sodass sich auf meinem Rechner keine Kopie befindet. Vortageszeitungen zu besorgen fällt auch aus. Also wie soll ich noch meinen genauen Argumentationsstrang rekonstruieren? Eigentlich ist dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt.

Was tut man nicht für den wichtigsten Schriststeller seiner Zeit. 

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