This life is fulfilling me.

Was habt ihr aus meiner Stadt gemacht.

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Da bin ich gerade einmal eine Stunde in der Stadt, rattere mit meinem eindeutig zu schweren Koffer über den Alexanderplatz, vorbei an der ewigen Baustelle und an knipsenden Tagesbesuchern, und was sehe ich da? Die Leute sind unverschämt arrogant. Menschlicher Totalschaden. Man hört förmlich die Unterlippen auf den blanken Betonplattenboden klatschen, so miesmütig läuft man heutzutage durch unsere Hauptstadt. Ebenfalls zur Straßenbahnhaltestelle möchte so ein gescheiterter Immobilienmakler oder Autohändler. Lächerlich anmutende Kotelleten bis zum Mundwinkel, kleiner Gamsbart am schüchtern aus dem Gesicht herauslugenden Kinn. Dazu imagebedrohende Geheimratsecken, die er wohl als Hochgeschwindigkeitsverwehungen wahrnimmt und eine Familienpackung Haargel in der resolut dem Wind trotzenden Landzunge aus schütterem Kopfhaar. Subtil abgestimmt trug er dazu eine augenschmerzend pinke Krawatte, weißes Hemd in Übergröße und lässig anmutend wollende stone-washed Jeans. Dazu ein Gesicht, das Bände spricht. Der Mann ist wohl ewig beleidigt, dass er selbst keines der Babys besitzen darf, die er ein-, wenn's hoch kommt zweimal am Tag mit viel Strategie und Floskelei an den unbeholfenen Mann bringt. Aber lässt mich doch tatsächlich mit meinem Koffer zuerst in die Bahn einsteigen, muss wohl gesehen haben, dass der Kasten so schwer war, dass der Staatsschutz schon im Voraus ermitteln würde.

Überhaupt schien an diesem klimatisch eigentlich recht gemütlichen Abend der handelsübliche Bewohner und Oma-im-Garten-draußen-in-Pasewalk-Besucher einer paneuropäischen Metropole wie dieser merklich hässlicher (Da tut's ja dem Mittelfinger auf dem S schon weh.) zu sein als noch vor drei Wochen. Kann eine Stadt in so kurzer Zeit so unsympathisch werden? Vielleicht bin ich auch nur übersättigt mit Neufamilien in den ersten gemeinsamen Ferien an der touristischen Heimatfront. So erschien es mir dort. Auf Krampf, keine Rücksicht auf Verluste, fährt man heute in die innerdeutschen Hotels und Appartements, um sich wohl ein wenig von den Landflüchtigen, die auch noch pauschal reisen, abzugrenzen. Herrgott, welch eventuell befremdlich anmutende Töne... Muss wohl an der aufkeimenden Debatte um Grass liegen. Guter Junge, das. Hab schon einen Leserbrief an die FAZ geschrieben.

Ich lenke ab. Wie kann mir diese Stadt nur so befremdlich vorkommen? Hat mir die Ostsee einen neuen Horizont offenbart? Wer weiß. Heute morgen habe ich doch tatsächlich im Anzeigenteil eines hauptstädtischen Springerblattes, das sich noch kürzlich mit publizistischem Weihwasser selbst besprenkelte, dass sie die erste Tageszeitung nur für Sport auf diese heillose Welt gebracht habe, lesen und sogleich schmunzeln und innehalten dürfen:

Bitte um Rückgabe meines behinderten Graupapageien, der mir am 8.8.06 in der Geisterbahn, Hauptstr./Ecke Dominicusstr. entwendet wurde CHIFFRE

"Wer tut denn so was?" hieß es doch mal in einem lauen wie geschmackslosen Witz über mammologische Privattragödien. Wer nimmt einen Graupapageien in die Geisterbahn mit, noch dazu einen behinderten? Ist das eine neue Form von Tierquälerei? Wenn ja, kann ich den achso herzlosen Klau gut nachvollziehen. Wenn nicht, stellt sich wiederum die Frage, wer einen Graupapageien klaut? Einen (wohl offensichtlich) behinderten, auch noch aus Geisterbahn... Und überhaupt: Wer geht heutzutage noch in die Geisterbahn?
Fragen über Fragen, aber solange das Anzeigengeschäft in dieser Sparte, wo sonst nur arabische Mitbürger ihrer Pässe verloren haben wollen, läuft, kann sich Axelchen ja zurücklehnen.

Diese Stadt hat sich wahrlich verändert, ich möchte gar nicht erzählen, wie heute schon Medienpropaganda - und anders kann und darf man es nicht nennen - für die augenschmerzend pinke Werbeaktion am Fernsehturm betrieben wird. Solche Anekdoten und andere schmälern den Stolz, Berliner zu sein. Wenn man ihn überhaupt hatte. Und die Abgeordnetenhauswahl ist auch bald, das wird ein Spaß.

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