This life is fulfilling me.

Einträge "August 2006":

Dienstag, 29. August 2006

Das Kampfspiel zu erwarten.

Eine seltsame Zeit. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Alles kumuliert und schafft eine sonderbaren Mixtur verschiedener Emotionen. Wir haben heute den neunundzwanzigsten August Zweitausendundsechs. Dabei lief alles ruhig ab. Keine Panik, kein gerade so abgewendeter Herzinfarkt. Ich werde einfach einmal aufzählen, eine Ordnung gibt es ja scheinbar nicht, alles erscheint mir so konfus.

Mein geliebter Gospel-Chor, mit dem ich seit nunmehr drei schönen Jahren die großen Kirchen der Stadt füllte und das Publikum verzauberte, dieser Chor liegt im Sterben. Ach, was waren es für Zeiten. Haben im Filmpark Babelsberg gesungen, sind mit einer der Weathergirls aufgetreten, die uns zeitweise sogar leiten wollte - aber die gute Frau ist zu oft unterwegs. Ja. Gehörten zur Gospel-Elite der Stadt, hatten einen Namen, haben an der europaberühmten Hanns-Eisler-Hochschule für Musikwissenschaften vorgesungen und wurden von den Professoren umjubelt. Und und und. Viele Erinnerungen verbinden sich mit diesem Chor. Viele Leute kamen und gingen, ich rückte zum inoffiziellen Stimmleiter auf, hatte Spaß am Gesang. Nun sieht es ungleich anders aus. Unsere Chorleiterin ist mit ihrer Soul/Jazz-Band bis Januar in der Welt unterwegs, verständlich, dass sie keine Zeit an den wenigen Tagen in Berlin hat. Viele von uns entwachsen dem Schulalter, studieren, arbeiten; haben folglich keine Zeit. Viele gute und imposante Stimmen haben sich verabschiedet. Die Proben bis Januar werden also spärliche und fruchtlose sein. Zumindest wird es zwei Konzerte in der Zeit geben. Diesen Samstag als Gast und am neunten September in der kleinen, beschaulichen, aber atmosphärereichen Dorfkirche hier in Marzahn. Vielleicht noch ein Weihnachtskonzert. Wer weiß.
Dabei wollten wir kommenden Frühling eine zehntägige Florida-Tour antreten. Etwa die Hälfte unserer CDs haben wir nach Übersee verschifft, praktisch eine zweite Fangemeinschaft eröffnet. Neben denen hier in Berlin und Dresden. Wir wollten zehn Tage lang jeden Abend ein Konzert halten, uns besser kennenlernen, musikalisch wachsen. Ich war immer für diese Tour, vor allem wegen dem musikalischem Nutzen. Doch nun sind zu viele abgesprungen, die Tour fällt aus. Dass es danach mit dem Chor aus Zeitgründen hätte ausgehen müssen, war klar. Die Abschiedstournee also abgesagt. Vielleicht werden wir ein Abschiedsksonzert hier in Berlin haben. Traurig eigentlich. Wir waren nicht schlecht. Ich werde keinen ebenbürtigen Chor in Berlin finden. Das erfüllt mich mich Trauer.

Wie normal ist es, diese Eifersucht auszuprägen?
Eine gewisse Person, ich wähnte ihn eigentlich einen Freund, scheint sich für A. zu interessieren. Zwar hat er bereits eine Liaison, doch ist hinreichend bekannt, dass er es mit der Treue nicht so hält. Alleine ihr ist er mindestens einmal fremd gegangen, in der Anfangszeit ihrer Beziehung soll er gar auf eine andere gestanden haben - und A. ist wirklich äußerst attraktiv und sexy. Punkt gegen ihn. Er und A. teilen m.E. zwei Grund- und einen Leistungskurs, er dackelt ihr ständig hinterher, ich fühle mich fast belästigt. Und immer steht er nah bei ihr, schaut ihr tief in die Augen, setzt seine Sunnyboy-Surfer-Halbschwuchtel-Miene auf und leiert seine Masche runter. Sucht Körperkontakt, will mit ihr rangeln. Kindisches Gehabe; ist es nicht wert, sich vor ihm weiter zu genieren, sich ein "Schwuchtel" zu verkneifen. In meinen Augen Flirterei mit Option auf mehr, er ist der ewige Jäger und Sammler, ein Primitivling, der, seine Triebe zu befriedigen, jede Kaschierung wagt und keine Selbstverleugnung und keinen Tabubruch scheut. Sollten sich meine Befürchtungen bestätigen, stemple ich ihn als unwürdig ein. Unwürdig jeder Zuwendung und jeder Zeitaufwendung. Nicht der christliche Weg, mein Charakter diktiert es so. Seinerseits herrscht also ein reges Interesse an Erfolg. Von A.s Seite kann ich nicht beurteilen, bin aber zuversichtlich, dass sie ihren Verstand behält. Ich weiß, sie liest es. Ist mir gleich, war es mir schon damals, als ich ihr die Adresse des Blogs gab. Mag sein, dass auch er diese Adresse kennt. Würde mich nicht stören. Soll er es lesen. Soll sich ruhig mit mir zerstreiten, wenn ich Recht habe. Mir gleich.
Sie sind zumindest Freunde. Das stört mich nicht im Geringsten. Doch das Gegenwärtige geht mir zu weit. Ist anhänglich wie ein kleiner Welpe, sieht sich vielleicht auch gerne so. Fakt ist nur, dass er immer noch mit seinem selbstgefälligem, bis an die Schläfenlappen reichendem Lächeln seine brave, doch dreiste, aufgesetzte Frommheit in mein Gesicht erbricht. Auswürfe seiner Unehre speit er mir jeden Morgen und jeden Mittag zum Hallo und zum Ade in die Ohren, auf dass ich fein einen Freund in ihm erkenne. Ich kann nur hoffen, ich irre mich. Aber die Indizien sprechen gegen ihn, die Bilder gehen mir nicht aus dem Hirn. Hat sich eingenistet, Parasitlein will nicht mehr raus.

Am Freitag ist Viermonatiges. Ich freue mich! A. möchte mich in ein Restaurant entführen. Auch noch selbst bezahlen. Wesentlich emanzipierter als ich es bin. Ein Geschenk hat sie sich gewünscht. Aber was nur? Ich Unkreativling soll mir etwas einfallen lassen. Eine schwierige Mission. Ich schaue, was sich machen lässt.

Nachtrag: Eben stand A. vor der Tür. Fast ganz unverhofft. Hat gütigerweise vorher per Handy Bescheid gesagt. Aber eine große Überraschung war es doch. Wollte mich einfach nur sehen. Nach einem langen Tag in Schule, Orchester und Quartett ihren Schatz sehen, küssen und ihre Liebe gestehen können. Ich war überrascht. Und obgleich mir solche Überfälle gar nicht genehm sind, war ich schon sehr erfreut. Seltsame Welt, das.

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Vielleicht ist es dem einen oder auch dem anderen aufgefallen: Oben unter dem Blogtitel habe ich mir erlaubt, ein wenig Photoshop und ImageReady zu traktieren, um einen kleiner Banner für diesen Blog zu erstellen. Schlicht sollte es sein. Ist es auch. Insofern Vorgabe erfüllt. Ein neues Motto hat sich zudem hinzugesellt: semper et ubique. Werde ich zunächst nicht weiter erklären oder übersetzen, zumindest den letzteren Teil erledigt jeder handelsübliche Lateiner-Freund. Vielleicht wird dieses Oberthema einmal das alte verdrängen. Bis dato sollen beide konkurrieren. Ludi ineant!

Currently playing: Robert Schumann - Märchenbilder op. 113
Current mood: Verwirrt
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Sonntag, 27. August 2006

Look into my eyes and you will see.

Look into my eyes and you will see. 30 seconds will show you the meaning of right perspective. Try to catch the moment! Only the patient will see the truth.

Ich interessiere mich mehr für Kunst als zuvor. Das liegt nicht nur an dem gestrigen Besuch der Langen Nacht der Museen. Habe gestern vieles gesehen. Die große Rembrandt-Ausstellung. "Paranoia" von Lutz Dammbeck, eine geniale Ausstellung. Als Beispiele. Ich denke, ich avanciere mehr und mehr zum Künstler. Sammle nunmehr Weblinks mit einfallsreichen und effektiven Ideen. Obige Sinnestäuschung habe ich anhand eines Beispiels nachempfunden. Look into my eyes and you will see.

Ja, schau in die Augen eines Menschen und du wirst es erkennen. Was es heißt, die richtige Perspektive gefunden zu haben. Der Tor sieht nur das, was er sehen will. Der Weise sieht die Welt ihm zu Füßen. Ich will meine Sinne schärfen, will meine Umwelt fühlen, will bewusst leben und spüren. Dann, ja dann kann ich erst Kunst schaffen. Gute Kunst.

Currently playing: Vitalic - Poney Part 1
Current mood: Die richtige Perspektive finden.
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Donnerstag, 24. August 2006

Nachtrag: Geschäftssinn eines Kioskbesitzers

Nach eigentlich zu kurzem Suchen, gemessen an dem Objekt der Begierde, hat mir meine Mutter nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. August 2006 gekauft, hat dazu einen wohl überaus geschäftstüchtigen Kioskinhaber in dr Näher ihrer Arbeitsstelle gelöchert, der nach ihren Angaben Zeitungen der vergangenen drei, vier Tage hortete. Woanders wird in solchen von chronischem Platzmangel gezeichneten Etablissements jeder freie Spalt Boden mit Regalen und Pappaufstellern zugekleistert, doch dieser findige Geschäftsmann muss sich aus seinem Kiosk wohl eine dunkle, stickige Gruft, zugestellt und verhangen mit Zeitungen und Magazinen aller Epochen und Kontinente erbaut haben.Mir soll es recht sein, bei Bedarf werde ich wieder Kunde dieses Pressehistorikers.

Mein Brief steht auf Seite 6 im Poltikteil! Mir stockt der Atem vor journalistischen Weihrauchdämpfen, mein Brieflein steht auf der sechsten Seite einer der drei angesehensten Blättern in diesem Land. Manch ein "professioneller" Reporter freut sich schon, wenn er auf Seite 6 eines viel zu bekannten und viel zu unverschämten Springer-Wisches des Mottos "Ich bin sehr wohl blöd" steht. Ich fühle mich geehrt, das ist mein bisheriger journalistischer Höhepunkt... Nunja, genug des Selbstlobes. A. meinte, das wär der Beginn meiner Schrifsteller- und Reporterkarriere, sie wünscht sich ja für mich diesen Weg.

Wer weiß, wie sehr das die Leser meines Blogs neugierig machen mag, doch der ein oder andere außerhalb dieses Mikrokosmos zeigte mehr oder weniger Interesse an meinem Leserbrief. Er ist zwar etwas gekürzt, jedoch nicht so stark, wie es in anderen Zeitungen und Magazinen gehandhabt wird. Jedoch ist mir nun auch verständlich, warum Herr v.K. mir vorwirft, einen Anklagepunkt gegen Grass ausgeblendet zu haben, um meine Reaktion besser koordinieren zu können.

Viel Spaß damit, ich lehne mich zurück und warte auf die O-Töne.

Currently playing: Reeks and the Wrecks - Nerf
Current mood: Glücklich
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Mittwoch, 23. August 2006

Für einen Fremden ein Kreuz brechen

An manch einem mag es vorbeigegangen sein, wäre auch nicht zu verdenken, schließlich sind Interessen verschieden. Herr Günter Grass hatte Anekdoten aus seinem Leben geschildert, die sein Lebenswerk je nach Position der Kritiker und Befürworter eher in Frage gestellt oder gar unangetastet ließen. Als Leser Grass'scher Literatur sah ich mich schnell in diesen Malstrom eingesogen und verfolgte mit regem Interesse die anhaltende Diskussion. Vom ersten Vorbericht in den Tagesthemen über das Interview mit der F.A.Z. und dem erneuten Kreuzfeuer bei Wickert war ich vor Fernseher und Zeitung immer dabei. Die Debatte um diesen Mann, den ich für den wichtigsten deutschen Dichter der Nachkriegszeit halte, ließ mich in keiner Beziehung kalt; so verfasste ich einen Mail-Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine, das redeführende Organ in diesem Streit. Keine sonderlich neuen Ansichten, nur ein wenig Verteidigung des Bekenntnis und Entgegentreten wider die aus allen Löchern krauchenden Scharen der Kritiker.

Heute nun erhalte ich eine Mail der Redaktion:

Sehr geehrter Herr P.,

anbei kommen wir der Bitte eines Lesers nach, mit Ihnen in Kontakt zu treten. 
[...] 
Sehr geehrte Leserbrief-Redaktion!

Könnten Sie den angehängten Brief bitte an Herrn M. P. aus Berlin weiterleiten, der heute einen Leserbrief in der F.A.Z. zum Thema Günter Grass geschrieben hat? Ich habe heute bei Ihnen angerufen, und Sie bestätigten mir, daß es die Möglichkeit gibt, diesen Brief weiterzuleiten. Sie können den Brief natürlich gern lesen, jedoch ist er desweiteren nicht zur Veröffentlichung als Leserbrief gedacht. Für eine kurze Bestätigung der Weiterleitung wäre ich dankbar.

Mit herzlichem Dank,

S.v.K.

Große Überraschung. Zum Einen ist mein unbedeutender Brief aus irgend einem mir nicht ersichtlichem Grunde abgedruckt worden - und ich weiß nicht, wie ich die Ausgabe der FAZ vom 22.08. auftreiben soll. Zum anderen muss dieser Brief bei zumindest einer Person, diesem Mann aus Erfurt, so viel bedeutender sein als anderen Menschen, dass sie Telefonate und Mails nicht scheuen, mit mir in Kontakt zu treten. Im Anhang ein zweiseitiger Brief, der einige gekannte und gut einsehbare Argumente gegen Grass und mich enthält. Antwort wird selbstverständlich erwartet. Herr v.K hat gut vorgelegt, wenn ich mich an ihm messen will, muss ich meine Position überaus solide darstellen, was einen solchen standfesten Kritiker wohl nicht sonderlich beeindrucken wird. Ich nehme die Herausforderung an, schon des Respektes wegen. Nur was ich schreiben soll, ist mir noch nicht klar. Leider kann man Leserbriefe via Internet bei der FAZ nur in einem Formular abschicken, sodass sich auf meinem Rechner keine Kopie befindet. Vortageszeitungen zu besorgen fällt auch aus. Also wie soll ich noch meinen genauen Argumentationsstrang rekonstruieren? Eigentlich ist dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt.

Was tut man nicht für den wichtigsten Schriststeller seiner Zeit. 

Currently playing: The Prayers and Tears of Arthur Digby Sellers - Disposable drummers in disposabl
Current mood: Wo ist Plan B?
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Sonntag, 20. August 2006

Farewell, gid o' friend

Eigentlich war der heutige Tag wie ein jeder. Viel zu spät aus dem Bett trotten, ein bisschen in der Tagespresse stöbern, ein zwei Bissen ewig zerkauen usw. usf. Doch schon um vierzehn Uhr folgte der wichtigste Teil des Tages. Ob Hoch- oder Tiefpunkt, weiß ich nicht zu entscheiden. Ich bin viel zu früh losgefahren, in den ein paar Straßenbahnstationen entfernt liegenden Konsumtempel. Und er hatte offen, damit habe ich eine Wette gewonnen. Viel zu früh angekommen, etwas gewartet. Und dann kam er schon. Mein ehemaliger, langjähriger Trainer, treuer und wertvoller Freund über Jahre hinweg. Ich war immer willkommen in seiner Familie, fühlte mich immer wohl in seiner Nähe. Er ist vielleicht der menschlich beachtenswerteste, zuvorkommendste und ehrbarste Mensch, den ich je kennenlernen durfte. Und heute dann, bei einem Eisbecher, zu dem wir uns verabredet hatten, hatten wir eine Stunde Zeit, Lebewohl zu sagen. "Farewell, gid o' friend." Er wird für immer das Land verlassen. Zurück nach Lake Wells in Florida ziehen, seiner eigentlichen Heimat. Der Mann, dem ich einiges zu verdanken habe, der immer für mich da war, sagt Lebewohl. Und ich kann nicht einmal danken. Am Mittwoch wird er neun Uhr morgens einchecken, gegen zwölf abheben. Ich vermisse ihn schon seit Wochen. Wollte ihm A. vorstellen. Und doch konnte ich ihm nur ein kleines Foto zeigen. Er freut sich immer mit mir, und wieder dieses Lächeln. Vielleicht denkt er: "Schön, dass mein Junge sein Glück gefunden hat." Oder ähnlich. Seine drei Söhne waren mir gute Freunde und Kameraden. Ein Teil der Familie war ich nicht, nein. Aber wohl ein guter Freund.

Er bestand darauf, zu bezahlen. Ich habe ihm das nicht mal ausreden können. Er war es immer, der sich um mich gesorgt hatte. Nie ich. Wehleidig macht das. Eine Stunde Plausch, das Nötigste austauschen und dann gemeinsam aus dem Auto steigen, sich noch auf der Straße umarmen und verabschieden. Keine Träne, aber Sentimentalität unter Männern.

Er meinte noch, wenn wir uns wiedersehen, werde ich verheiratet sein. Nein, gid o' friend, wenn wir uns wiedersehen, dann wirst du in der ersten Reihe sitzen. Und ich werde Hochzeit feiern.

Currently playing: TV on the Radio - The wrong way
Current mood: Traurig
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Donnerstag, 17. August 2006

Anlässlich der Euphorie des Herrn Jung

Der Politiker denkt an die nächsten Wahlen, der Staatsmann an die nächste Generation.

William Ewart Gladstone, mehrfacher englischer Premierminister des 19. Jahrhunderts

Currently playing: Rumplestitchkin - Oe-oeh
Current mood: Skeptisch
von: ninikupenda in Rubrik: Zitatenbalg

Klassensprecher sind alle gleich

"Ich bin nen Typ, der auch mal aneckt, wie Che Guevara oder James Bond. Oder so. Ich war mal Klassensprecher, in der Schule. Und ich fand auch damals Ordnung schon wichtig. Und wenn die nicht eingehalten wurde, dann hab ich die andern beim Direktor gemeldet. Das hat ja nichts mit Petzen zu tun! Die andern haben mich dann beim Sport, mich innen Basketballkorb gesetzt. Aber das war mir egal. Also einmal nich. Da hatte ich son Magen... also sone, sone Art Du-, Durchf..."

Berthold "Ernie" Heisterkamp in "Stromberg", 3. Staffel, Folge 1 "Mobbing"

Ich war auch mal Klassensprecher.

Currently playing: Rumplestitchkin - Vodoo Smile
Current mood: Grinsend
von: ninikupenda in Rubrik: Zitatenbalg

Neues bringt der Mai. Nicht nur der.

Neben dem erfreulichsten Ereignis des Mai, dieses Jahres und wohl noch um einiges länger habe ich eine weitere Liebe nach außen zu kehren, nämlich die zu Zitaten. Aphorismus hier, Sprüchlein da, Einwurf dort. Sei es von großen Menschen, aus der Tagespresse oder einfach nur, was mir anderwaltig aufgefallen ist.

Ab damit in den Blog, soll ein Balg draus werden. 

Currently playing: Rumplestitchkin - Vodoo Smile
Current mood: Alles klar
von: ninikupenda in Rubrik: Licht im Dunkeln

Dienstag, 15. August 2006

Was habt ihr aus meiner Stadt gemacht.

Da bin ich gerade einmal eine Stunde in der Stadt, rattere mit meinem eindeutig zu schweren Koffer über den Alexanderplatz, vorbei an der ewigen Baustelle und an knipsenden Tagesbesuchern, und was sehe ich da? Die Leute sind unverschämt arrogant. Menschlicher Totalschaden. Man hört förmlich die Unterlippen auf den blanken Betonplattenboden klatschen, so miesmütig läuft man heutzutage durch unsere Hauptstadt. Ebenfalls zur Straßenbahnhaltestelle möchte so ein gescheiterter Immobilienmakler oder Autohändler. Lächerlich anmutende Kotelleten bis zum Mundwinkel, kleiner Gamsbart am schüchtern aus dem Gesicht herauslugenden Kinn. Dazu imagebedrohende Geheimratsecken, die er wohl als Hochgeschwindigkeitsverwehungen wahrnimmt und eine Familienpackung Haargel in der resolut dem Wind trotzenden Landzunge aus schütterem Kopfhaar. Subtil abgestimmt trug er dazu eine augenschmerzend pinke Krawatte, weißes Hemd in Übergröße und lässig anmutend wollende stone-washed Jeans. Dazu ein Gesicht, das Bände spricht. Der Mann ist wohl ewig beleidigt, dass er selbst keines der Babys besitzen darf, die er ein-, wenn's hoch kommt zweimal am Tag mit viel Strategie und Floskelei an den unbeholfenen Mann bringt. Aber lässt mich doch tatsächlich mit meinem Koffer zuerst in die Bahn einsteigen, muss wohl gesehen haben, dass der Kasten so schwer war, dass der Staatsschutz schon im Voraus ermitteln würde.

Überhaupt schien an diesem klimatisch eigentlich recht gemütlichen Abend der handelsübliche Bewohner und Oma-im-Garten-draußen-in-Pasewalk-Besucher einer paneuropäischen Metropole wie dieser merklich hässlicher (Da tut's ja dem Mittelfinger auf dem S schon weh.) zu sein als noch vor drei Wochen. Kann eine Stadt in so kurzer Zeit so unsympathisch werden? Vielleicht bin ich auch nur übersättigt mit Neufamilien in den ersten gemeinsamen Ferien an der touristischen Heimatfront. So erschien es mir dort. Auf Krampf, keine Rücksicht auf Verluste, fährt man heute in die innerdeutschen Hotels und Appartements, um sich wohl ein wenig von den Landflüchtigen, die auch noch pauschal reisen, abzugrenzen. Herrgott, welch eventuell befremdlich anmutende Töne... Muss wohl an der aufkeimenden Debatte um Grass liegen. Guter Junge, das. Hab schon einen Leserbrief an die FAZ geschrieben.

Ich lenke ab. Wie kann mir diese Stadt nur so befremdlich vorkommen? Hat mir die Ostsee einen neuen Horizont offenbart? Wer weiß. Heute morgen habe ich doch tatsächlich im Anzeigenteil eines hauptstädtischen Springerblattes, das sich noch kürzlich mit publizistischem Weihwasser selbst besprenkelte, dass sie die erste Tageszeitung nur für Sport auf diese heillose Welt gebracht habe, lesen und sogleich schmunzeln und innehalten dürfen:

Bitte um Rückgabe meines behinderten Graupapageien, der mir am 8.8.06 in der Geisterbahn, Hauptstr./Ecke Dominicusstr. entwendet wurde CHIFFRE

"Wer tut denn so was?" hieß es doch mal in einem lauen wie geschmackslosen Witz über mammologische Privattragödien. Wer nimmt einen Graupapageien in die Geisterbahn mit, noch dazu einen behinderten? Ist das eine neue Form von Tierquälerei? Wenn ja, kann ich den achso herzlosen Klau gut nachvollziehen. Wenn nicht, stellt sich wiederum die Frage, wer einen Graupapageien klaut? Einen (wohl offensichtlich) behinderten, auch noch aus Geisterbahn... Und überhaupt: Wer geht heutzutage noch in die Geisterbahn?
Fragen über Fragen, aber solange das Anzeigengeschäft in dieser Sparte, wo sonst nur arabische Mitbürger ihrer Pässe verloren haben wollen, läuft, kann sich Axelchen ja zurücklehnen.

Diese Stadt hat sich wahrlich verändert, ich möchte gar nicht erzählen, wie heute schon Medienpropaganda - und anders kann und darf man es nicht nennen - für die augenschmerzend pinke Werbeaktion am Fernsehturm betrieben wird. Solche Anekdoten und andere schmälern den Stolz, Berliner zu sein. Wenn man ihn überhaupt hatte. Und die Abgeordnetenhauswahl ist auch bald, das wird ein Spaß.

Currently playing: Ghinzu - Mine
Current mood: Skeptisch
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag

Sonntag, 13. August 2006

Hallo, vielleicht erkennen Sie mich nicht wieder. Ich lebe noch, auch wenn ich nicht so aussehe.

Der Urlaub ist vorbei, auch diese drei Wochen mussten einmal ihr Ende finden, wenn ich auch während dieser Zeit häufiger daran gezweifelt habe. Da steh ich, ein entlaubter Stamm. Seltsam, wo das doch im Kapitel seines Todes geschrieben steht. Sei's drum, die Wochen waren lang, viel zu lang, denn A. war ja nicht zugegen, sondern viel mehr daheim geblieben. Das nagt schnell an den Nerven, die keineswegs drahtseilartig, eher dilettantisch-verkabelt waren. Nette Anspielung, das, wenn auch nur A. sie versteht. Aber zurück, zurück, ich kann mich kaum halten. Drei Wochen Ahrenshoop, also weit weg von Ahrensfelde oder Berlin wird das Herz wehmütig, hängt durch. Wohl nicht nur meins. Vorsorglich hatte ich eine Website eingerichtet, auf der A. jeden Tag eine neue, vom Herzen kommende Geste dargereicht bekäme. Ihr gefiel es, heute läuft diese Aktion aus, ich warte noch auf die Schlusseinschätzung. Wer in seiner Neugier einen Blick darauf erhaschen will, sei einmal enttäuscht. Es sei denn, er kann mich überzeugen.

Ich hatte genug Zeit für einiges. Zum Beispiel Lesen. Habe mir einige Bücher über die spezielle Relativitätstheorie angelesen, schließlich habe ich bis Mitte September eine vorwissenschaftliche Facharbeit dazu fertig zu stellen. Grass' "Im Krebsgang" habe ich mir zugelegt und sogleich verschlungen, sehr schöne Novelle, nur stellenweise etwas à la "Notwendige Wendung zur Erhaltung einer gewissen Dramaturgie". Kann man ihm aber nicht vorhalten, Sprache und Erzählung sind sonst exzellent. Habe ebenfalls James Joyce' "Ulysses" ein ganzes Stück weiter gelesen. Der Kerl war genial, und das ist jetzt nicht in meiner typischen Übertriebenheit gesagt. Dieses Buch führt den Nationalhelden der Iren, Leopold Bloom, ein und Joyce sieht es schon auf den ersten 200, 300 Seiten so voraus, lässt einen Charakter eben dies feststellen. Da war nicht einmal ein Drittel des Buches geschrieben. Geniales Werk, kann ich nur empfehlen.

Beschwingt durch diese literarischen Genüsse hatte ich auch Gelegenheit, über A.s Vorschlag, Journalist oder Autor zu werden, nachzudenken. Reizt mich sehr, zumindest letzteres. Alleine der Gedanke an ein ungeregeltes Schriftstellerleben auf einer ruhigen Veranda erfüllt mich höchster Entzückung. Nur habe ich auch das Talent dazu? Muss man zwangsweise Germanistik, vielleicht noch Philosophie, studiert haben? Grass hat mich derart inspiriert, ich muss eben ein Gedicht schreiben, das Leitmotiv geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber bin ich überhaupt gut? Kann ich tatsächlich mit meinem embryonal unausgereiftem, gut möglich nie reifendem Geschreibsel etwas mehr Geld als zwingend nötig verdienen? Die Person eines Grass imponiert mir sehr, das sieht man auch daran, dass ich mir anlässlich seines jüngsten Bekenntnisses die FAZ gekauft habe, ein sündhaft teures wie auch alternativloses Blatt in diesem traurigem Land. Kurz, ich trage ihm seine Mitgliedschaft nicht nach, sie steht für mich in keinem Verhältnis zu seinen Leistungen, drum ist er immer noch der von mir meist angesehene Schriftsteller aus diesen Landen. Aber kann ich mit meiner unausgegorenen und jugendlich träumenden Oberflächlichkeitskliererei auch nur annähernde Erfolge erreichen? Eher fraglich. Die wenigen Kritiken über meine wenigen "Werke" (Wie lächerlich das klingt.) fallen zwar durchweg positiv aus, aber was kann ich schon von einer Deutschreferandarin diesbezüglich lernen? Gut, sie war die beste Lehrerin dieses Faches in meiner Schullaufbahn, aber Pulitzer spielt eine andere Liga. Also, kann wer begründet ein Urteil fällen, warum meine unausgegorenen Gedichtchen und Kurzgeschichtchen so toll seien? Zu finden auf der rechts verlinkten Seite "Im Vollwaschgang", dort unter literatur, weiterhin am unteren Bildschirmrand "Eigenes". Kritiken, vor allem harte, erwünscht. Anbei sei gesagt, "Auf der Bordsteinkante" war jenes von der Lehrerin hochgelobtes Gedicht. Wer den Sinn erfasst, dem schenke ich einen echten Cent. Nur Barauszahlung.

Es wird Zeit, sich für einen Beruf zu entscheiden. Schriftstellerei lockt, aber das allein zählt nicht. Nein, das Leben ist zu echt für Träumereien.

Currently playing: Rumplestitchkin - Sun on my face
Current mood: Nachdenklich
von: ninikupenda in Rubrik: Mein Tag
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